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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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und Ucbertrctung brt Preßaesrtzes erhoben worden, weil der Verein in einem öffentlich nngel-esteteu und verbreiteten Placat die »1 der Vorhalle der St. Georgskirchc von einem M.,anr namens Spanier verübte Schn>«i»erri als einen ״flct jüdischer (Ocineinhrit und Frechheit' bezeichnet hatte. Tie ultramontane .«ln. Vlks-Ztg.' erklärte darauf, daß der Mensch kein Jude, was auch die Feststellung seiner Personalien bei seiner ergab, Wie nun gemeldet wird, bat die Kölnische Strafkammer diesen pöbelhaften Exzeß des Spanier mit sechs Monatm Gefängniß und einer Woche Hast geahndet, obwohl derselbe angegeben, er sei so sinnlos betrunken gewesen, daß er nicht wußte, er befände sich in einer Kirche. Tresden. Schon während der Verhandlungen über den deutsch russischen Handelsvertrag hatten die Antisemiten es der hiesigen Handelskammer sehr verargt, daß sie einstimmig und mit großem Nachdruck für den Vertrag eingetrcten ist. Inzwischen hat sich die volkswirthfchaftliche Einsicht dieser Herren nicht vertieft und so haben sie denn kürzlich den Mitgliedern der Handelskammer natürlich anonym, eine resormerrsche Zeitung zugesandt, in der sehr abfällig, .aber ohne jede Lachkcnntntß', wie ein hcworragendeS Mitglied der Kammer «eststellte, gegen den Handelsvertrag zu Felde gezogen wurde. Tie Kammer hat die Antisemiten durch eine von ihr ausgcarbcitete, umfangreiche, vergleichend« Statistik abgethan, in der nachgewiescn wird, daß im April 1894 die deutsche Ausfuhr nach Rußland um 43 Prozent gegenüber der in gleicher Zeit des Vorjahres gestiegen ist, und daß auch die folgenden Monate eine Steigerung gebracht haben. Mit Recht legt die Handelskammer der für jenen Vertrag so günstig lautenden AuSfnhrstatistik inehr Werth bei, als den .völlig unbewiesenen Behauptungen' der Antisemiten. Tresden. Unter den sächsische« Antisemiten erhebt sich jetzt großes Geschrei. Unerhörte Tinge sind geschehen! Tie Be׳ Hörde hat das sächsische Vereinsgesetz gegen die Antisemiten ebenso in Anwendung gebracht, ivie es alltäglich zegen die Sozialdemokraten geschieht und bei entsprechender Gelegenheit' auch gegen Freisinnige, Nationalliber.,le und Konservative geschehen ist. Bekanntlich verbietet das sächsische Vcreinsrecht, daß Vereine, die nicht das Recht der juristischen Körperschaft erlanAt haben und sich nii׳ öffentlichen Angelcgeuheiten' beschäftigen, miteinaüder.in Verbindung treten. Tie .aytisemitischen Rcsormvereine' einiger Laufitzer Wahlkreise müssen ge-° glaubt haben, daß für sie diese Bestimmung keine Giltigkeit habe, denn sie beschlossen, ein gemeinschaftliches Sedansest zu veranstalten, das von der zuständigen Behörde verboten ist. Ueber dieses gesetzlich durchaus korrekte Verbot gerathen dieselben Leute außer sich, die eine gleicht Behandlung anderer Parteien mit Wohlgefallen notiren. A»S Ostpreußen. (Or.-Lorr.) Tie Schulverhältnijjc der Ostpreußischen Synügogengemeinden. ES giebt keine» Bezirk in Teutschland. ivo einem Brrbande der Synagogenqemcinde solche Schwierigkeiten cntgegenstehen; wie in Ostpreußen. Zuerst fft das Land ״Nd demnach sind auch die Gemeinden arm; sodami liegen auch die Ortschaften weit von einander, der Verkehr ist i» dieser öden, kalten, schon von einem russischen Hauch durchwehten Gegend bei weitem nicht so rege, als im übrigen Teutschland; inan entschließt, sich dort nicht so leicht zu Reisen.und Ausgaben, die nicht unbedingt nothwendig sind als im übrigen Teutschland. Und den jüdischen Gemeinden Ostpreußens kommt nicht einmal der Umstand zu gute, der dort sonst häufig sich vortheilhaft geltend macht, der besonders in Königsberg bei aller materiellen Armseligkeit den! Verkehr einen eigenen Reiz gewährt, eine alle Kultur und eine gerade in dieser Grenzmark besonders eifrig gepflegtes deutsches Bildungsstrrbe». Wenn auch Königsberg'» Juden von jeher als die Pioniere des "leisteS sich ausgezeichnet habe», so sind dort und noch mehr in den kleinen Städten die Mitglieder der Gemeinden vielfach Polen und Russen, die sich in Teutschland noch nicht völlig geistig acelimatifirt haben; die Leute find naturallfirt und ganz brave Bürger, aber gerade in ihren religiösen Gewol-nhciten und Anschauungen stehen sie den Glaubensgenossen im großen Ezarenreiche näher als uns. j Trotzdem hat sich dort ein Verband gebildet und. per-;י breitet reichen Segen, religiöse Kultur für Groß und Klein 2 durch die bei weiteni meisten Gemeinden der Provinz. Es i ließe sich logisch scharf und fast unwiderleglich beweisen, warum ein solcher Verband gerade in Ostpreußen nicht existenz- - fähig ist; er eristirt durch den redlichen unbeugsamen Willen - eines einzigen ManneS, der allerdings, weil er nichts füs sich z begehrt, weil weder Geldgeiz noch Ehrgeiz, ihn treibt, durch , j seine Begeisterung auch manche andere tüchtige Kraft geweckt - nnd treffliche Hesfer gesunden hat. -jj Bambrrger i» Königsberg ist die Seele des Verbandes. .! Mit Recht hebt er in seinem soeben erschieneen Bericht über J die ,Schulvcrlrältnisse des Verbandes der Synagogengetneindrn * Ostpreußens׳ hervor, daß die Statistik vielleicht nirgendswo ן so wenig beachtet und gepflegt wird, als gerade auf ׳dem ■>. Gebiete des׳ jüdische» Religionswffens. Jet»( Gemeind» lebt * für sich, lernt nichts und weiß nichts selbst zuweilen von der nächste» Ntichbargemeinde, .die Schäden und hie Segnungen treten weniger hervor, weil sie nicht statistisch beleuchtet war«n. \ Bamber,zxr giebt eine Statistik aber die jüdischen Reli- 4gionsschulverhälinisse Ostpreußens; wie nöthig rpäre eine solche für Berlin, wie aufklärend könnte sie da wirken! Aus den». Bambergerichen Bericht gewinnen wir ein übersichtliches Bild über alle Verhältnffse der Schule; dek Bericht 'ist objektiv, . \ aber B ist kein Pedant, er will nicht alles nach der Schablone ördncn; er verkennt sicherlich nicht die Vorzüge der seminaristischen Vorbildung für den RcligionSlehrer; dennoch erwähnt er anerkennend, daß es auch unter *den Lehre«, die kein Seniinor besucht haben, eine ganze Anzahl für ihren Berus anderweitig trefflich ausgebildeter und bewährter Schulmänner - giebt; er glaubt alsonicht an bi£ allein -tehrfähigmachendc; Kraft des Seminars. Wenn wir aus allen deutschen Bezirken solche Berichte hätten, dann, würden aus der rechten Kenntniß auch sicher in uns die rechte Erkenntniß der Schäden, der < Mittel'zur Besserung aufsteigen Tie Arbeit ist jetzt ungleich leichter, nachdem B. daß SchenuL gegels-n und für seinen Bezirk aufs sorgfältigste ausgefüllt hat. - Der Bericht ivird den Interessenten gern aus Wuizsch unentgeltlich zugesandt. ®cftcrrtid^ttngjirH. * , Budapest. Ter zum ordentlichen Professor' für arirntalijche ernannte Tr. Ignaz Goldziher steht unter den Pflegern des arabischen Schriftthums in der Gegenwart in de» ersten t Reihe. Jedoch hat er sich nicht aus dieses Gebiet allein be- י schränkt. Schon sein Erstlingswerk .Studium über Tanchnm Jeruschalmi' reicht daül>er hinaus. Es ist ein wichtiger Beitrag zu der Geschichte der hebräischen Sprache. Mit diesen .Studien' promovirte Goldziher in Leipzig zum Doktor, nachdem er unter Fleischer, Rödiger, Bombenünd Haarbrücker seine Studien gemacht hatte. Unterstützt wurdk Gold- -zihkr bei der Abfassung seiner Schrift über Tanchuni durch * Wolf Gras Bäudissin, damals ui Leipzig Schüler Fleischers, der in diesen Tagen als ordentlicher Professor nach Berliü berufen worden ist. Verwandt der Erstlingsschrift Goldzihers ist sein zweites Buch .Die Mythos bei den Hebräern und seine geschichtliche Entwicklung', das 1876 erschien. Die späteren Schuften GoldziherS beziehe» sich inSgesamüi» aus arabische Litteratur. An erster Stelle sind, davon die .Mohammedanischen Studien' (1889 nnd 1890, 2 Bände) zu nennen. Sie enthalten eine kaum übersehbare Fülle von Ausführungen zur -Kenntniß des arabischen Geisteslebens. Politik, Religion ' und Kulturgeschichte der Arqber kommen darin reichlich zur Geltung. Die Hauptabschnitte deS. Werkes briugeu Aufschlüsse über das bisher dunkle Gebiet der theologisch-juristischen Uel>rrUefxrung des Islams und über die Heiligenverchning im Islam. . Vollkommen Neues bot Gold-

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