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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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1810 wieder auf, die Kurfürstliche Regierung ertheilte die Genehmigung. Ter erste Bericht über das Kasseler Seminar erfolgte am 80. Mai 1826 von dem ersten Lehrer desselben, von dem durch seine viclverbrcitetr Schulbibcl bekannte» Tr. Büdinger fgest. 31. Januar 1841). Rach der günstigen Entwickelung des Seminars in den ersten fahren traten erschwerende Verhältnisse ein, ׳vrlchcn wieder eine .Hebung der Anstalt im Jahre 1866 durch die Anstellung eines Direktors, des bewährten Pädagogen Tr. I. Stein, folgte. 1866 zählte daS Seminar keine 10 Schiller, die Gemeindeschule deren nnr 26. TaS Lehrerseminar zu Münster ist im Jahre 1825 einzig allein durch den geistig hochstehenden Dr. nied. Alexander Haindorf errichtet worden. Diese Lehrer - Bilduugsanstalt dürfte kennzeichnend in den Vordergrund gerückt werden; denn sie zog ein verwandtes, die Hebung des Judenthums bezweckendes Gebiet in den Kreis ihrer Wirksamkeit — ihr Ruf drang in die weitesten Kreise — bei der Einrichtung der Seminare Hannover und Berlin nmndte man sich uni Auskunft über Einrichtung :c. an Haindors (König Friedrich Wilhelm IV. hatte ein eigenhändiges Schrcilvn an Haindors mit den Wotten grshlossen: .Ich versichere Sie meiner Herzlichen Theilnahme an dem Gedeihen desselben [Seminar] und verbleibe Ihr wohlgeneigter Friedrich Wilhelm K. P.") — in der Eigenart der Anstalt w,7r manches hochbedeutsam. — Die dort ausgebildetcn Lehrer wurden die Pioniere der Kultur in den Gemeinden, vor allem in Rheinland und Westfalen. In Minden hatten 1825 einige hervorragende Gemeinde- Mitglieder einen .Verein zur Beförderung von Handwerken unter den Juden" gegründet. Der Leiter dieses Vereins, Tr. med. Heilbron, und der Lberprüsident von Westfalen, Freiherr v. Vincke, welcher mit Haindorf in freundschaftlicher Beziehung stand, hatten an diesen das Gesuch gerichtet, einen ähnlichen Verein für die Regierungsbezirke Münster und Arnsbrrg zu gründen. Haindors übernahm die Ausführung des Planes unter Erweiterung des Rahmens. Seine gereiste Ersahrung, sein weitschauender, klarer Blick, seine humane Gefinnung sagten ihm. daß die materielle Hebung eines Volkes die der intellektuellen zur Grundlage haben müsse, und diese in der Verbesserung des Jugendunterrichtes zu legen sei. Er gründete den .Verein zur Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden und zur Begründung einer Schulanstatt, worin arme und verwaiste Kinder Unterricht erhalten und künftige Schullehrer gebildet werden sollten." Hieraus ging nach wenigen Jahren hervor der .Verein für Rheinland und Westfalen zur Bildung von Elenicntarlehrern und Beförderung von Handwerken und .Künsten unter den Juden", auch unter dem Rainen: Marks—Haindors'sche Stiftung. Ter Schwiegervater Haindorf'S, Rentner Marks in Hamm, hatte dem Institut ein Kapital von 75,000 Mark überwiesen. Mit dem Seminare ivurde die Gemeindeschule als Uebungsschulr für die Seminaristen unter dein Ramc» .Vereinsschult" verbunden. Sie Hütte Simultanschule im besten Sinne des Wottes heißen können. Jsr: Lehrer, Lehrer der Akademie, kathosische und evangelische (Geistliche ivirkten an der Anstalt, die letzteren gratis. Biele Jahre wurde das Institut von Kindern aus hohen Beamten-, Militär- und Bürgerkreisen besucht; sie erhielt als Wohlthütigkeitsanstalt (da die meisten Seminaristen, aus dürftigen Familien, Unterricht und Unterhalt unentgeltlich hatten und haben) ansehnliche Beiträge christlicher Wohlthätigkeit; Landräthe und Bürgermeister übcrnahnien als Geschäftsführer die Förderung der Beitragesammlungcn in ihren Amtskreisen. Solche Simultanität wäre heute bei dem Antisemitismus in Rorddeutschland, ausgegangen von der Rcichsl)auptstadt, unmöglich. (Schluß folgt.) Berichte und Avrrkhnmörnrrn. Dembsehlamd. Magdeburg. 2. September. Der .Verein zur Abwehr 5j des Antisemitismus in Berlin" hat hierorts eine Filiale eri richtet, und dessen Leitung in die bewährten Hände des vor jj 2 Jahren aus Marburg nach hier versetzten Archivars Herrn Dr. Winter gelegt. Dieser erließ nunmehr folgenden i brherzigenswerthen Aufruf: i .Die unausgesetzte und planmäßige Agitation, welche von 4 antisemitischer Seite in unserer Provinz seit langer Zeit betrieben? wird, läßt es als eine unbedingte Nothivendigkeit erscheinen, dieser! alle sittliche» und politischen Grundbegriffe in Krage stellenden /. ב und verwirrenden Bewegung nicht länger unthätig gegenüberi zustchen. Je wüstere und verhetzendere Formen der Antisemitismus 'J angenommen hat. je rüch'ichtSoscr und demagogischer er seine - Agitation betreibt, um so klarer muß es jedem einsichtigen Patrioten, ׳ jedem Freunde einer ruhigen nnd geordneten Entwicklung unseres j staatlichen Lebens werden, daß diese Bewegung ihre Spitze nicht % nur gegen unsere jüdischen Mitbürger richtet, sondern daß sie ernste \ und ernste und schwere Gefahren für unser״ ganzes Volksleben in ‘J sich birgt, welches durch diese systematische Verhetzung der ver- ~ schiede»«! Bevölkerungsklassen unter einander in seinen tiefsten 1 Tiefen erregt, verwirrt und vergiftet wird. Er erscheint daher a dringend wnnschenswerth, dieser planmäßig und mit einer nur der socialdemokralischen vergleichbaren Demagogie betriebenen Agitation mit einer ebenso planmäßig betriebenen Grgenagitation 1 cnlgcgenzutreten und der öffentlichen Meinung, welche sich nur zu i'i lange schon durch den antisemitischen Köder irresühren ließ, d« ־• Augen über das wahre Wesen dieser Bewegung zu öffnen. Bornehme Zurückhaltung ist nicht mehr «am Platze, wo cs sich um j die Aufrechtrrhaltinig der vornehmsten Errungensch'asten unserer j nationalen und allgemein menschlichen Kultur handelt, welcher K von dem Antisemitismus nicht geringere Gefahren drohen als von der Socialdemokratie. Zu dem Zlbccke, der ^Bekämpfung des Antisemitismus in ,1 unserer Provinz einen geistigen Mittelpunkt zu schaffe», die zer- - streuten Kräfte zu einheitlichem Vorgehen zu organisiren, hat der \ .Verein zur Abwehr des Antisemitismus״ nunmehr in Magdebürg ein Filialburcan seines Berliner Centraldurcau'S errichtet, wie dies'srüher bereits in Frankfurt a. M. und in Marburg \ in Hessen geschehen ist. wo diese BureouS mst großem Erfolge j thätig gewesen sind und u. A. sehr erheblich zur Erschütterung der Stellung des antisemitischen Abgeordneten Dr. Böcke! bei- .] getragen haben. Die Leitung des Magdeburger Bureau's, welches * sich in der kleinen Marktstraße Ne. 21 befindet, hat das unter- .,j zeichnete Mitglied des Berliner Eeutralvorstachdes des Vereins '■ zur Abwehr des AntisemttismuS übernommen. ' , Es ergeht nunmehr an alle Gegner der antisemitischen Bej wegung, gleichviel welcher politischen Partei sie angehörcn, gleichviel ob sie bereit» Mitglieder des .Vereins zur Abwehr d«S -s Antisemitismus" sind oder nicht, die dringende Bitte, daneuj begründete Bureau in seinen Bestrebungen durch Uebersendung y von zuverlässige» Nachrichten über dir anttse,..ittsche Bewegmig, von Flugschriften, Programmen re., welche von antisemitischer Seite verbreitet werden, zu unterstützen. Alle diese Nachrichten und Mitlheilungen aller Art müffen, um der Sache wirksam zu dienen, rein sachlich gehalten sein und auf zuverlässigenJnfor- •jjj mationen beruhen; denn eS liegt nicht in der Absicht, den Anti- H semilcn auf das von ihnen mit Vorliebe cultivirte Gebiet persönsicher Verdächtigungen und Verleumdungen zu folgen, so nahe ' ..z die Versuchung dazu infolge des Charakter» eine» großen TheileS t der antisemitischen Führer auch liegen mag. Vielmehr gilt eS, der in ihrem innersten Kerne unsittlichen Bewegung mit streng i: sachlichem sittlichem Ernste entgegenzutreten. Denn auch eine irr- - thümliche und geistig unklare, verwirrte Bewegung kann in ihrem wahren Lebensnerv nur durch einen vornehm, rein sachlich und ,' mit offenem Bisir geführten Kampf innerlich überwunden werden. - Nur, wenn sich jeder Mitkämpfer wirklich bewußt ist, für eine gute und gerechte Sache einzutreten, wird der unvermeidliche Kampf ׳» mit Würde und mit Aussicht aus Erfolg geführt werden können. r\ Wir wollen nicht überreden, sondern überzeugen, überzeugen davon. daß eS sich in diesem Kampfe nicht um den Schutz der - Juden gegen ihnen etwa drohend« Gefahre» handelt —> diesen ,: Schutz gewährt zunächst Verfassung und »«fetz in völlig «rt- *'

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