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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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f... Apis za Pulver zu calcionierenjedenfalls ist diese Srflärung viel einfacher und einleuchtender, als wie die von Lehmann-Hohenburg (,Einiges Christenthum" Volksschrift zur ,׳.Förderung der Egidyschen Besttebungcn, Hrst VI), welcher ' MoseS diese Kenntniß kurzweg abspricht und die betreffende " Erzählung in das Gebiet der Sage verweist. Die Frage nach den Quellen der mosaischen Socialbygienc beantwortet Rassig damit, daß Moses die socialhygicnischc Traditionen der Hebräer (Beschneidung, StainmeSrcinhcit :c.) mit der durch sei» eigenes wissenschaftliches und organisato risches Genie und durch das Studium der ch.ildäischen Geheim Wissenschaft ergänzten und verbesserten ägyptische» Social Hygiene zu einem einheitlichen Bau znsninmeugesügt; ,er hat die Hygiene, welche die ägyptischen und chaldäischcn Priester nur ihrer Kaste zur Pflicht und zu nutz« machten, auf sein ganzes Volk ausgedehnt: Hhr werdet mir sein ein Reich vou Priestern und eine heilige Ration" (Exodus XIX. 6). Moses mar auf die Männer, welche in Zukunft sein socialhygienisches Werk fortsühren werde», durchaus nicht neidisch,- ja er begründet und beschützt dessen Autorität durch eine Verkündigung, daß Gott zu ihm (Deuter XVIII, t& bis 18) gesagt: ,Ich werde euch erwecken einen Propheten, wie du unter deine» Brüdern, und wer seine Worte nicht hören nnrd. die ich in seinen Mund gelegt, den werde ich zur Rechenschaft' ziehen." Damit aber inzwischen seine Gebote nicht zur starren Fessel werden, überträgt er den Priestern die Gewalt, von Fall zu Fall zu entscheiden,. und gebietet, Alles zu thu», was sic sagen werden (Deuter. XVI, 8), u. z. nicht etwa um die priestcrliche Gewalt zu erhöhen, ihre Macht zu stärken, sonder» weil diesem Stande, welcher ein umfassenderes, medicinischcs Wisse» besitzen mußte, die socialhygiemsche Leitung des Volkes rcchtinäßig zy/am. .So schreibt Rassig sehr wahr: ,Wurde durch die Bibel für das hebräische Volk ein populäres Handbuch der Hygiene ^zum Gegenstand eines stets erneuten nationalen Studiums gemacht und sa für die hygienische Bildung aller Volksklassen Sdrge getragen,, so darf man es als gewiß hinstellcn, daß Moses den Leviten die lebendige, theoretische, nicht die in Formeln gefaßte,, praktische Medizin der ägyptischen Priester übergeben und '׳ihnen die weitere Pflege und Ausbildung derselben empfohlen, um sie zur bewußten und vernünstigen 'Fortführung seines soeialhygienischen Werkes zu hebesähigen." , -Daß Moscs^fcine soeialhygienischen Vonchristen mit dem Mantel Her religiösen Strenge umhüllt hat, geschah aus dem Grunde, um ihre Erfüllung zu eiper dauernden zu machen, nicht aber um ihre starre Ünwaudclbarkcit darzuthun, denn schon die Socialhygiene der Mischna ist eine viel aus» gebildetere und aus medizinische Kenntnisse von überraschendem Ünifange basirt, ivelche darauf Hinweisen, daß Moses den Leviten die Elemente mitgetheilt hat, welche zur Begründung und Fortentwicklung der hygienischen Maßregeln der Thora dienen. Ans vielen Belegen geht auch hervor, daß auch in der Zwischenzeit die Aerzte und die ärztliche Wissenschaft — zu deren Kenntnis; die Könige anscheinend verpflichtet waren —^ vergl. Zcsaias 3,6 — in hohem Ansehen standen. Und ln demselben VerlMtniß wie die Mischna zur Thora, enthält die Gcmara im Verhältniß zur Mischna Fortschritte in socialhygienischer ivie in rein medizinischer Hinsicht, und aus den medizinische» Abschnitten des babylonischen Talmud geht hervor, daß die jüdischen Hochschulen, besonders die zu Sura, Pnmbeditha, Reb.ardea und Nisibis mit Indien, Persien, den Griechen, Römern und Arabern in innigem Verkehr gestanden haben. Bon den ausgezeichneten alexandrinischen Aerzten, mit denen die ,Talmuddoktorcn" besonders innige Beziehungen pflegten, berichten schon Eelsus und Tcrtullian, daß sie zur Bereicherung ihrer Kenntnisse Sektionen vorgeuommen haben. Aber nicht minder charakteristisch für die Hingebung, mit welcher die Talmudisten dem medizinischen Studium oblagen, ist der Hinweis auf Nidah 20, wo berichtet wird, daß die Mutter eines persischen Königs dem Rabba 60 Blutgattungen vorzeigen ließ und derselbe erkannte die Provenienz einer jeden! Wetthvoll in heutiger Zeit, da unter der Marke dis Thierschntzes gegen die jüdische Schlachtmcthode ein antisemitisches Kesseltreiben veranstaltet wird, (welche Veranlassung sonst hatte die Anwesenheit Försters beim Thierschutzkongreß zu Ben,?) ist die Mittheilung, daß schon Hufeland mit vielen Medizinern der Neuzeit der Ansicht war, daß bei strenger Beachtung aller Vorschriften des jüdischen SchächtungSgesetzes diese TodeSart in der That leichter sei. lieber das von der modernen Wissenschaft ,rückhaltslos anerkannte" Gesetz der sanitären Inspektion der geschächtetcn Thiere, wird vom Verfasser gesagt, daß seine socialhygienische Bedeutung von allen Einsichtigen längst erkannt uud jüngst von Anatole Leroy-Beaulicn (I8nu׳I ober les n»ti«n8j mit de» Worten ycrvorgehobcn wurde: ,Wenn unsere Schlacht- Häuser unter der llcberwachunz eines jüdischen Schochet stchcn würden, so würde zweifellos die Zahl der Erkrankungsfälle verringert 1111b die mittlere Lebensdauer verlängert werden. Anstatt von den Israeliten zu verlangen, daß sie äuf die llntcrscheidung von ,koscher" und ״terepha" verzichten, würde» wir besser daran thun, diesen Gebrauch von ihnen zu entlchne»." Ja. der Verfasser envcitcrt dieses Lob der Rahruugshygicnc des Talmuds auch auf die Vorschrift der subtilen Blutcntziehung durch das Salz, die ״Melicha". (Schluß folgt.) Wischt Lchki.Wiizstißiltti ii Vntschlul. ®011 Seminarlkhrer A. Treu in Münster. Die Errichtung des Königreichs Westfalen hatte mit der Gleichstellung der Bekenntnisse für die Israeliten die Einsührung der Konsistorialvcrfassung zur Folge. Das jüdische Konsistorium zu Kassel richtete eine Schule ein, in welcher nicht nur in der väterlichen Religion, sonden, auch in den allgemeinen Fächeni zur Bildung der Jugend unterrichtet werden sollte und reichte zugleich 1810 (unter besonderer Anregung des um Volksbildung und Veredlung des Gottesdienstes hochverdienten Jacobsohn) den Plan zur Gründung eines Lehrerseminars ein. — So gebührt Kassel unbedingt das Erstgeburtsrecht bei Rennung der israelitischen Seminarr Deutschlands. Leider folgte bald dem Frühlingswehen der nordöstliche Eishauch mit der Reaktion, die bürgerliche Gleichstellung wurde den Juden aberkannt und zur theoretischen Frage. Der Drang nach dem Mitgenusse der allgemeinen Bildüng ließ sich bei den Juden nicht ertödten. — Strebsame Jünglinge bereiteten sich autodidakttsch zum Examen vor einer staatlichen Prüfungskommission vor, und einzelne leistungsfähige Genieinden richteten eine Privatschule ein. Dem hochbegabten, edlen Meister der Pädagogik, Adolf Diestcrwcg, gebührt der Dank, israelitische Jünglinge unterstützt zu haben, er gestattete ihnen in seinem Seminare zu Moers zu hospitiren. Sein humanes Entgegenkommen wurde ihm von der ihn später bekämpfenden Reaktion zum Vorwürfe und zur Anklage gemacht. Die examinirten israelitischen Lehrer erhielten die stets widerrufliche Eoncession, den Unterricht an einer Privatschule . Fast zu gleicher Zeit wurden zwei Seminare, das zu Kassel und das zu Münster, durch daS Vorgehen hochherziger und opferwilliger Männer in's Leben gerufen, diesen folgten später Hannover, Berlin, Köln und Würzburg, die zwei letzten unter strcng otthodoxer Richtung. In Kassel griffen einige, für die Hebung der allgeniciuc» Bildung in den Gemeinden, thätige Männer den Plan von

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