Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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wenigsten unter uns von dieser jüdischen Einrichtung etwas wissen oder ihre Bedeutung verstehen, so sind sie einer immerwährenden Gefahr ausgesetzt . . ." Ter Artikel schließt ^nit den Motten: ,Hier ist ein seit Jahrhundert wucherndes Uebel zu bekämpfen, das, je ' länger es geduldet wird, erwiesenermaßen nur umso »erwüstender an unserem Volkstum frißt. Deshalb muß Klarheit geschaffen werden in jeder Beziehung und um jeden Preis!" ,Um jeden Preis!" — auch um den der Wahrheit? Tie gewünschte ,Klarheit" hätte sich der verantwottliche Redakteur der,Staatsbürger-Zeitung, verschaffen müssen, bevor er diesen lügenhaften, verleumderischen Artikel in seinem Blatte veröffentliche und in tausende von christlichen Herzen das Gift des Hasses uno der Verachtung gegen die Juden spritzte; und diese Klarheit hätte er sich so leicht bei jedem nicht nur jüdischen, sondern auch mit dem jüdischen Schriftthum verttauten christlichen Theologen verschaffen können; jetzt aber soll ihm die fehlende Klarheit vor dem Strafrichter ertheilt werden, damit er lerne, daß man nicht u n g e st r a f t die Wahrheit schände, das Judenthum verunglimpfe, die Juden als unsittliche und gefährliche Bürger hinstelle, und die Christen aas sie Hetze. Die Socialhygiene der ^uden. Besprochen von Dr. Singer -Koblenz, ll. Ter hohen Bedeutung entsprechend, welche die Brkämpsung von Infektionskrankheiten in der modernen hygienischen Wissenschaft einnehirm hat der Verfasser in die hygienische Gesetzgebung der Bibel reiche Lichtstrahlen geworfen, ja viele Stellen nur vermittels einer Diogeneslaterne gefunden und sie hernach nach ihrem wahren Wette in bisher unsergleichlicher Weise gewürdigt. Er stützt sich auf 6ueueau de Mussv'a Ausspruch: ,Tie Idee dn parasitären und infektiösen Krankheiten, welche in der modernen Pathologie einen so hervorragenden Platz errungen, scheint Moses lebhaft beschäftigt zu haben; man kann sagen, daß sie alle seine hygienischen Vorschriften beherrscht"; er nimmt das jahrhundertelang in moralischem Sinne ausgefaßte Bott ,unrein" in medizinisch-hygimischem und damit gestalttt sich dieser TeU der > Bibel geradezu zu einem modernen Sanitäts- Reglement. In diesem fehlt keine von den Vorschriften, welche die moderne Hygiene auszeichnet. Tic Reinheit des Lagers gewinnt Moses durch seine Anordnungen bezüglich der Plazierung der Tejette, läßt die puttidcn Stoffe durch den Boden desinficiren und erreicht so die Reinhaltung des Trinkwassers und der Luft. Tie Lepra (Aussatz), welche unter dm orientalischen Völtcm jener Zeit am stärksten verbreit« war, begegn« den strengen Maßregeln der Jnspection, Isolierung nnd Desinsection, welche sich nicht nur aus die inficitten Personm, sondern auch auf die Kleider und Wohnhäuser erstreckt, an d«m Mauern Flecken mit kleinen grünlichen und röthlichen Aushöhlungen — den charakteristischen Färbungen — sich finden. Aus diesem Lepragesctz ersehen wir, daß Moses die Existenz jener kleinen Krankheit« nicht nur ahnte, sondem kannte. Er wußte, daß die Krankheiten durch Keime üderttagm w«den, daß diese Keime sich an die Mallem der Wohnungen ansetzen können und daß sie so klein find, daß sie sogar am Staube hastm", welchm er jammt allen Steinen und Holzstückm außerhalb d« Stadt an einen unreium Ott werfm ließ. Je nach dem Hattnäckigkeitsgrade der Insection wandte er die Tcsinficirung durch Erde und Nasser an und bmutzte auch die desinficirende Wirkung von Lust und Fmcr, schärfte die «uzeigepflicht bezüglich infectiöser Krankheiten an und machte sie specicll für die Hauseigenthümer bindend. ,W Auch das Verbot der Berührung von tobten Körpem, d von denen Krankhttten auf den menschlichen Körper über- "?■ tragen werden, ist ein weiteres Gesetz gegen JnfectionSkrank- A. heitm, für die er die Desinficimng durch Asche und Wasser anordn«, welche er aus ein« Mischung von Ouellwasjer, E vegttabilischn und thiettschn Asche besitzt. ,Und in der That L gilt Kohle, namentlich die vegetabilische, auch heute als wich- G tiges Desinfectionsmittel und reines Qucllwass« als da- H wichtigste." U Endlich gehören noch in dies« Rahmen die ReinigungS- T, vorschnften, welche das Geschlechtsleben betteffen, gegen dessen M Auswüchse die Beschneidung eine prophylaktische Bedeutung K hat und das Verbot des geschlechtlichen Verkehrs mit aus- M ländischen Frauen, gegen welche Moses mit rücksichtsloser A Sttmge vorging, die Abwmdung ein« «nstm Gefahr für -D die Gesundheit seines Volkes bezweckte. 4' Da aber auch vom Thi«körp« Krankheiten aus dm % menschlichen Körper übergehen können, verbietet Moses dm .K Genuß der Thiere, welche — nach Ausspruch viel« hnvor- ' 4״ ragend« Anzte — besondns von Parasiten heimgesucht wer- H den. Auch die Vorschrift, gnvissc Fetttheilc zu verbrennen, A hat in!»«selben Befürchtung ihren Ursprung. Das. V«bot H des Blutgenusses hingegen, war gegen die ausreizmden und A moralisch nachtheiligen Folg« derselben gckehtt, und um d«- artige anderweittge Resultate zu verhüte», ivcrden Völlnci § und Tmnkenheit schw« geahnd« und das Volk zur Mäßigkeit '1 erzogen. H Das mosaische System d« Geschlechtshygiene und die H Bekämpfung der Prostitution ivird von Rossig jo eingehmd ■A und in sich abg«undet behandelt, daß ein Auszug aus dm J Kapiteln die ganze Ausführung nur beeinträchtigen könnte; L das eine Wo« ist imm« eine weise Behauptung und das H zweite eine gründliche Beweisführung, deren Lehr«! bei aller - J■ Wissenschaftlichkeit gefällig und leichtverständlich ist. Wenn f; etwas in ihnen üb« das and«e hervorragt, so ist es die % Definition üb« die Zulassung d« Eheschcidun-r, welch« ebensoivohl als dem Zusammenleben bis ans Lebensende nicht« im Wege steht. ,'Jiur das Verbotene reut und nur jenes Gut, H das nicht für iinm« gesichett ist, «scheint wünschenswerch. J Nur jene Eheleute schmachten nach Schndung, die sie nicht % erlangen können; Eheleute hingegen, die einander zu jeder | Zeit verlassen können, sind bestrebt, sich ihre gegenseitige 'J Steigung zu «halten. Und in d« That hat es d« hebrä- ׳f ische Gesetzgeber durch die Freigebung der schcidung errncht. H daß die gute jüdische Ehe heute noch sprichwöttlich ist ..." M Und es ist ein Jrtthum, anzunehmen, daß die Ehescheidung % ein Privilegium des Mannes s«, während die Frau auf H Wunsch des Mannes die zur Fessel geivordenen ehrlichm E Bande bis an ihr Lebensmde mit sich jchleppm muß, denn bekanntlich fällt es ein« Frau nicht fchwn, »vmn sie mit ihreyr Manne nicht mehr zusammmleben will, ihm zu miß- M fallen, in welchem Falle d« Grund zur Scheidung gegeben M und in dn Regel -auch vom Manne ausgenutzt werden wird. H Wenn d« Verfass« auch zugiebt, daß die Medicin und M die Hygime d« altm Sabän, dn persischen Magi« und dn M Chaldä« Babylons eine spätne Bibelredaktion b«influßt habm nrag, so sucht und find« n doch die Quellm d« biblischm Sozialhygime nicht in Asim, sondern in Aegyptm M und schreibt das Verdienst hicrfiir nicht späteren Redakteuren d« Bibel, sondem Moses allein zu. Allerdings wurde ihm sein medicinisches Wissen nicht auf dn Spitze, des Horeb uyd W nicht aus dn Wüste von Midjan, sondnv — wie Philo aus W Grund altjüdisch« mündlich« Tradition schon bencht« — von seinm Lehrem auS verschiedmm Ländem, besondns aus f'i’ den nächsten ägyptischen Provinzen. MoseS vngltch die vnschiedenm ihm zukommmden Lehren und juchte so die Wahr» 4 heit. Ja, er quß auch in der Chemie sthr bewandett ge- | wes« sei», da « es verstand« hat, die goldeue Bildsäule