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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Katholiken. Christen und Juden zeigen, so würde man dieselben auf das Glaubensbekenntniß als solches doch nur dann zunickführen können, wenn im Uebrigen alle Faktoren der Kriminalität gleich wären. Die Erfassung der Beziehungen zwischen Kriminalität und Religion und Konfession setzt daher besonders subtile Untersuchungen voraus, die sich in dieser Statistik völlig einwandsfrei überhaupt nicht anstellen lassen. Zunächst gicbt die Statistik nur Aufschluß, ob ein Verurteilter sich äußerlich ׳ur christlichen oder jüdischen Religion, oder zur evangelischen oder katholischen Konfession hinzugerechnet hat, nicht aber über das Maß der inneren Religiösität oder Konfessionstreue, und diese wäre eS doch, welche je nach ihrer Verschiedenheit in verschiedenem Maße vor Verbrechen und Vergehen bewahren sollten. Dieser Umstand läßt sich nicht beseitigen, da die Statistik überbaupt nur an äußerlich erfaßbare Erscheinungen anknüpfcn kann." Wäre es dem Ahlwardt-Momtcur — bemerkt schließlich die ״Volks-Ztg" sehr richtig — nicht um die antisemitische Verhetzung zu thun, so müßte es nach dieser Regel der ״Vorurteilsfreien unbefangene» amtlichen Statistik verfahren. Freilich hätte alsdann seine ganze antisemitische Statisterei keinen Sinn. Arbeitgeber, die sich gegen die Arbeiter versündigen, gicbt es jedenfalls unter den Inden so gut wie nnter den Christen, wie es anderseits so gut jüdische wie christliche Arbeiter giebt, die in dem Verhältniß zn den von ihnen beschäftigten Arbeitern den Grundsätzen der Humanität folgen, wie es überhaupt in allen Religions- und Konfesjionsgemeinschasten anständige Menschen und Lumpen giebt. Wer eine spezifisch antisemitische oder konfessionelle Statistik glaubt aufstellen zu können, macht sich in den Augen aller Unbefangenen einfach lächerlich. Strichle und Hurrtsponk>kn;en. vemtschland. Magdeburg. 26. August. Tie heutige Nr. 34 der Berliner ״Mittheilungcn aus dem Verein znr Abwehr des Antisemitismus" giebt folgende Zuschrift eines dortigen Philalethes an die Redaktion gedachten Blattes miede 1. ״Bezüglich eines Ausrufs Prager ״jüdisch-nationaler Studenten״ wird in Nr. 33 der ״Mitth." benierkt, es sei erfreulich, daß auch — gleich der Redaktion - die ״Allgem. eitung des Judenth." gegen dos zionistische Gebühren ront gemacht habe. Im Jntereffe der vollen Wahrheit sei hier noch hinzugefügt, daß andere jüdische Blätter, voran die Magdeburger ״Israelitische Wochenschrift", die zior.istischen Ideen längst wiederholt lind eifrig bekämpft haben." So sehr wir dem Berliner ״Philaletes" für seine Notiz danken, können wir dieselbe doch noch nicht als ״volle" Wahrheit bezeichnen; er hätte hinzufügen müssen, daß, während wir gegen die zionistischen Ideen auftratcn und die Förderer derselben uns haßten und höhnten, der Redakteur der A. Z. d. I. mit den Zionisten liebäugelte״ wir erinnern nur an seine von den Zionisten bejubelten Vorttäge im Verein ״Esra", an seine unwidersprochen in zionistischen Publikationen hervorgehobene Zugehörigkeit zum Zionismus u. a. m. Man war eben in betreff der bedenklichen Folgen des Zionismus von einer fabelhaften Kurzsichtigkeit — bis jetzt, wo sie im buchstäblichen Sinn ad »tu los demonstriert werden. Nun, ״spät kommt ihr, doch ihr kommt." Daß gewisse otthodoxc und von Russophilen redigitte jüdische Blätter in Berlin und Wien dieses ״Liebäugeln" noch fortsetzen, ist begreiflich aber bedauerlich. Magdeburg. Franzos hat jüngst einen zweibändigen Roman veröffentlicht, der nur oberflächlich jüdische Verhält-, nisse streift; aber diese kurzen Kapitel bekunden wieder den Dichter, der in die Herzen der Menschen schaut, die er schildert. Aus das ganze Buch wollen wir hier nicht cingehen. Hier nur eins. Wir waren überrascht, in dem Roman einem Jesuiten zu begegnen, wie er schwärzer und verbrecherischer wohl noch nicht geschildert worden ist. Wir find feine Freunde 1 der Jesuiten, wir bekämpfen ihr religiöses Princip, den Kadaver- '7 gehorsam, und können nicht leugnen, daß wie jeder Fanatis- ן mus, auch der Fanatisnius der Jesuiten fie häufig hinausgedrängt über die Grenze des Sittlich-Erlaubten; aber wir glauben jene Ammenmärchen nicht, welche der Haß des Protestantismus gegen die Jesuiten ersonnen hat, wir sind der Meinung, daß jede Glaubensgemeinschaft ihre ״Jesuiten" hat und segnen noch heute die Weisheit jener jüdischen Reichstansmilglieder, welche an der unter der Führung des Kreuzzeitungs-Wagner unternommenen Jesuitenhetze sich nicht betheiligt. haben. Die Jesuitenfurcht ist lächerlich, sie wird aber oft nur vorgegeben, man donnen gegen Rom, man schilt die Jesuiten und meint . in Wirklichkeit den Katholicismus. Papst Leo ist ein milder' ׳־' Mann; aber gerade er hat die Jesuiten mehr noch als seip Vorgänger bevorzugt. Jedenfalls ist der Pater Marian, den Franzos schildert, eine durchaus widersinnige und ungeschichtliche Figur, ein Mensch, der vor der gemeinsten Nieder»;; tracht nicht znrückschrickt, um seinen Amtsgenossen zu dienen. Wir hätten offen gestanden, Franzos nicht für so ryggeistig gehalten. Aber da Franzos als Anwalt jüdischer Interessen ' neuerdings öffentlich hervorgetreten ist, da er sein Judenthum prononcirt, so haben wir alle Veranlassung gegen seine Darstcllung öffentlich zu protestiren. Wir verabscheuen die Verlogenen, welche das Blutmärchen über »nL Juden ' verbreiten; wir müssen uns darum doppelt hüten, gegen die Jesuiten auf ähnlichen Wegen vorzugehen. Es ist für - einen Juden ein Gebot politischer Klugheit nicht den Haß gegen uns׳ zu schüren, indem wir diejenigen anklagrn, die von, Millionen verehtt werden. Welchen Sinn hat cs' vollends, wenn ein Jude einen Jesuiten als den-obersten aller Teufel ausmalt. Das ist ebenso unwahr als unweise. ° Berlin, 24. August. Heute früh verstarb hier im fügend, . lichen Alter Tr. Albett Finkelstein, Assistenzarzt am Krankenhaus Moabit. Bei einer Operatioii im Krankenhause hatte er sich eine ' kleine Wunde an der Hand zugezogen, durch die eine Blutvergiftung eintrat. Diese verbreitete sich kotz sofott angewandter Mittel derartig, daß der hoffnungsvolle ,unge Arzt nicht Mehr , zu retten war; nach kprzem Krankenlager ist er, ein Opfer des Berufes, seinen Leiden erlegen. Berliu. Dr. med. Arthur Würzburg, Bibliothekar des kaiserlichen Gesundheitsamtes, hat beträchtlich früher, als es Brauch 1 ist, den Sanitälsrathstitel erhalten. Gemeinhin wird dieser erst 22 Jahre nach Ablegung der ärztlichen Staatsprüfung -ertheilt. Aürzburg hingegen ist erst 17 Jahre lang Arzt. Die vorzeitige Ernennung Würzburgs hängt wohl damit zusammen, daß er seit Jahren im Dienste des Reichsgesundheitsamts steht und umfang- . reiche literarische Leistungen auszuweisen hat. 1853;».Stettin . geboren, erhielt er seine Schulbildung auf dem.Gymnasium stincr . Vaterstadt und aus dem Berliner Grauen Kloster.׳ Seine medizinischcy Studien machte er von 1872 bis 1876 in Berlin. 1876׳ promovirte er hier mit einer in ° dem inzwischen eiiigegapgenen י histologischen Laboratorium von Dr. Ludwig Loewe gesettigten Arbeit zur Entwicklungsgeschichte des Säugethierauges zum Doktor. Arbeiten zur öffentlichen Gesundheitspflege trugen Würzburg die Berufung zum Bibliothekar des 1876 begründeten käiserlichen - Gesundheitsamts ein. Seit seinem Eintritt in das Gesundheit-- amt beschäftigt sich Würzdurg vorzüglich mit medizinal-statistischen - Studien. Stach dem Rücktritt von Prof, Finkelnburg (jetzt in Bonn) war Würzburg lange Zeit hindurch der einzige Pfleger diese» Zweiges im Gesundhebsamt. W. ist'Mitglied der Bidliothekskommynon der Berliner medizinischen Gesellschaft.' — Dr. med. Leopold Brühl, der zugleich mit Würzburg zum SanitätSrath ernannt worden ist, ist der älteste technische Hilss- , arbeiter des kaiserlichen Gesundheitsamtes. Er ist feit. 1859 Arzt. Gemeinsam mit Jahr gab er eine umfangreiche und' gründlich« Untersuchung über die Verbreitung der Diphterie bekannt. ׳ — Dr. mqd. Fritz Straßmann, bisherPrivatdozcut für ge- ׳ richtliche Medizin an der. Berliner Universität, fft znm außer'- ordentlichen Prufeffor ernannt worden. Damit Zst die fest 1891 erledigt gewesene Professur für gerichtliche Medizin wiive!besetzt» . Aus dem deutsche« Lstea.'(Lin Wahlidyll.) Es giebt in unserem Baterlande eine Mische Gemeinde, der man;

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