Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 33 (17.8.1894)
- Date
- 1894-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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licher Behörden aufliegen und in allen christlichen Familien angeschafft werden solle. Den Umstand, da Eisenmenger die Blutbeschuldigung eine .papistische Erfindung" nennt, verschweigt Herr Rohling natürlich, wohl aber giebt er an, daß der .Hebräist" Paulus Meyer demnächst eine weitere Publication von hebräischen Originaltext« zur Blutbeschuldigung herausgegeben wird. Paulus Meyer ist jener bekannte Spitzbube, der von den deutschen protestantisch« Missionen hinausgeworsen, aus Rohling'5 Empfehlung von Pfarrer Deckert zur Anfertigung von Blutmordgeschichten gemietet wurde, welches Geschäft ihm eine viermonatliche Kerkerstrase eintrug. In der Gerichtsverhandlung hat er sich als ein erbärmlicher Wicht gezeigt, der seinen Patron beschuldigte, ihn mißbraucht zu haben. Von diesem Spitzbuben will sich jetzt Herr Rohling wieder bedienen lassen. Sie sind einander werth. Eine weitere interessante Mittheilung Rohling's ist, daß die bei Eisenmenger belegten kirchlichen Gesetze, welche den gesellschaftlich« Verkehr der Katholiken mit Juden verboten, noch heute in Kraft seien. In seiner bekannten Wahrheitsliebe behauptet Rohling, daß diese Gesetze aus Rücksicht auf die inferiore jüdische Moral erlassen seien. Thatsächlich aber sind die kirchlichen Gesetze damit begründet, daß es als unziemlich anzusehen sei, wenn ein Christ bei einem Juden diene und esse, während der Jude bei einem Christen nicht essen wolle. Tos Recht, ein Unheil über Moral zu fällen, bat ein Mann verwirkt, welcher heute noch zu einem Paulus Meyer steht, einem Manne, der weg« Verleumdung eines tobten Verwandten eine Kerkerstrase zu erdulden hat und der den Urkundenfälscher Aron Briman in seine Dienste nahm. Sehr bemerkenswetth ist, daß Rohling in Verbindung mit der Erklärung von der Giltigkeit der kirchlich« Verbote des Verkehres mit den Juden. zweimal den Erzbischof Dr. Kohn citirt, das soll wohl heißen: der muß eS doch am besten wissen, wie gefährlich der Umgang mit Juden ist. Las Eitat ist aber jo unklar gchalten, day man leicht einsieht, es sei garnicht beweisend. Rohling citirt weder Lohns Worte, noch sagt er, wo sie zu finden sind. Für unsere übereifrigen Katholiken-Freunde folgt daraus folgende weise Lehre: Nach Rohling's Ausführungen, der sich dafür auf Vering's Archiv für Kirchenrecht und eine Entscheidung Rom's vom Jahre 1861 beruft, ist es noch heute jedem Katholik verboten, bei Juden zu essen, einen Juden zu Tffche zu laden, sich von einem jüdischen Arzte behandeln zu lassen u. s. w. — Diese Lehre wird von einem Professor der katholischen Theologie und Canonims der römischen Kirche in einer Zeitschrift vorgetragen, die mit bischöflicher Genehmigung von zwei Theologie- Professoren herausgegeben wird, deren einer Besitzer eines päpstlichen Ordens ist. Sie ist also eine von unzweisehaft autoritativer Seite promulgitte Lehre der K che. Herr Rohling beeilt sich hinzuzufügen, .daß die heutige Staatgesetzgebung zur Durchführung dieser Verordnungen ihr« Arm nicht hergeben will, aber ihre Geltendmachung nicht verbiet^" d. h. Rohling will den idealen Staat aufrichten, in dem ein 3ube bestraft werden wird-, wenn er ein christliches Dienst- Mädchen hält und ein jüdischer Arzt in den Kerker wandern muß-, wenn er einem auf der Straße verunglückten Katholiken seine Hilfe angedeihen läßt. Diese Anschauung ist nach Rohling die kirchlich herrschende und jedmf<llls eine solche» die in einem der Instruction von Theologen dieumden Organe vorgetragen werden darf. — (So schreibt Dr. G. Deutsch in der ״Teborah"; wir glauben nicht, daß das ,Leutrum" in Teuffchland die Ausführungen des Prager Professors billig.) 5dfvnl%. Bern, 13. August. In der heutigen NachmittagSsitzung des Congresses der Thierschutzvereine refetute Keller-Aargau über die Schächtftage in der Schwelg Nicht Intoleranz, .aM^tzW Judenhaß, sondern humanitäre (?) Gründe haben das ZWoetzer Volk zu dem Votum bezogen. (BravoA.) Referent ßiM' ein« historischen Ueberblick über die Aargauische Gesetzgebung^ erwähnte die Oppositionder zwei Aargauischen israelitisch«- Gemeinden Lengnau und Oberendingen,׳ sowie die Broschüre deS württembergischen Rabbiners - (?!) Stern gegen das Schächten und die verschied«« Manifestationen, die dis Thierschutzvereine der deutschen ' Schweiz bewogen, in 4 bet Schächtftage Stellung zu nehmen. Da die Bundrsbehörl die Gesuche abwiesen, hob Aargau die'Gesetze auf, tze zwei israelitischen Gemeinden das Schächten autoriflrtem erkennt an, daß durch die Initiative ein neuer Artikel in die Verfassung eingeschoben »orben sei, der wenig darin passe,- aber eS blieb den Initianten kein anderer Weg, heute noch bedauern sie den Beschluß nicht. (Bruvo's-uud einige Pfiffe.) Der Referent über die Schächtftage in Sachsen schließt, indem er die Israeliten einlädt, abzuwarten; dis Frage werde vielleicht mit der Zeit ihre richtige Lösung findend. Verschiedene Redner bitten, keine DiScussion einzuführen, fix hätte keinen Nutzen. Das Schweizer Volk habe sich auSgesprachen und eS gezieme sich nicht, eine solche Frage zu büBr tatitaL Professor Förster wünscht, daS abgestimmt, werde; der Congreß sollte die Schweiz und Sachs« für ihr Bov» gehen beglückwünschen. Ein Graubündner rühmt ftch noch, gegen das Schächten agitirt zu haben. Die Discusston wftd darauf geschlossen. Die große Mehrheit ist dafür, von beiden Referaten, über die Schweiz und Sachsen' bloß Act zu nehmen, und lehnt jede Stellungnahme zur jüdischen Schächtftage ab. palüfHna ■* ■/! Jerusalem. Bor einigen Jahren — so schreibt «an der ״Kreuzzeitung" — kam eine Anzahl yemenitifcher Jaden nach Jerusalem und liehen sich in großft Armuth an den Abhängen des O^berge» nieder. Sie empfingen von den Missionaren W Londoner Judengeftllschaft und anderen viel Freundlichkeit. Diese Freundlichkeit machte ans sie einen tiefen Eindruck. Einet, ihrer Anführer schrieb an ihren Rabbiner in fernen uüd schilderte ihm in lebhaften Farben die Lhristen und ihre Lehre. Der Rabbiner. Rhya (?) erwiderte hierauf: ״Was die Christen angeht, so sagst Du. sie seien fromme und wohlthätige Leute. Wft können nüM sagen; denn wir haben noch nie einen Christen gesehen': e« giebt in ganz fernen keinen einzigen. Und »a« da- Buch betrifft, was Dü un» gffchickt hast (da» Reue Testament), f» haben wbr' nie etwa» AehnlicheS gesehen. Lieft Religion ist un» ganz etwa» Reu׳.-», und seit der Zerstörung de» ersten Tempel», als unsere Auswanderung au» dem Lande Israel stattfand, haben wir nicht» davon gehört." E» giebt jetzt mehrere yemeoitische Niederlassung« - in der Nähe von Jerusalem, die Pastor I. Jamal regelmäßig besucht. Er schreibt, daß sie mit großer Bereitwilligkeit ba» Evangelium hören. Nachdem sie ihn gebeten hatten, zu einet yemenitischen Gemeinde zu sprechen, die zwei Stunden lang •$r Unterbrechung zuhörte, hörte man einige sagen: ״Statn dftftt christliche Rabbiner in unftre Heimat f)emen ginge, ft find wir überzeugt, daß Hunderte unserer Hand-leute fernen Släwben «- nehmen." Die Judmmission von Mildmay (London) hofft, nun bald einen MWonac in diese» hoffnungsvolle Apbeiftfeld in Arabien senden zu können. (Also aüsgepaßti — Red.) — In der ״Zeitschrift de» deutschen Polästina-Berein«" ist eine Zusammenstellung de» ״Gegenwärtigen Bestandes der jüdisch« Kolonieen in Palästina erschienen, welche auf einer genauen uütz umfangreichen Benutzung aller zugänglichen Quell« beücht, Zum erst« Male gewinnt man einen wirklich« Ueberblick über den de. sonder» seit Anfang der achtziger Jahre bedeutmd gewachsen« Besitzstand der Juden im Lande ihrer Väter. Die gesammt« jüdische Bevölkerung Palästina» belief fich nach der Zuftamnelw stellung auf 84,944 Seel« mit einem ihr gehörig« Arealvon 6% Quadratmeilen, während Palästina auf 395 Quadratmeilen; aesthätzt wird. Einige der aufgesührtm israelitisch« Kolonie«: besteh« schon über zehn Jahre und weift» zu« THeil recht de» heulende Pflanzung« auf. b ' - 1 י*״.‘־-;T!4 . :f.1a Mnnii