Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 33 (17.8.1894)
- Date
- 1894-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ISebet fvft die Obrigkeit und Vaterland, und endlich mit einer 'Totenfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt, schloß st>ie erhebende Feier. Au» Slsad-Lothriuge», 12. August. (Or.-Corr) Tie Cchülerzahl der vier Taubstümmmaustaltm Elsaß^llothringens beträgt in dtcsem Jahre 16L (gegen 174. im vorigen Jahre) undzwar 80 (84) Knaben und 79 (95) Mädchen. Es werden unterrichtet in M-tz47 (61), in Shraßburg-Neudorf 31 (35), in Straßburg-RuprechtSau 40 (48). in Gebweiler.Isen- Jen» Ä7 (40) Zöglinge. Die Zahl der katholischen Kinder rlänft sich auf 126 (134), die der evangelischen auf 40 (36), He der israelitischen auf 3 (4) sämmtlich in' Straßbnrg- Nendorf. -Schlsttstadt. Der Jähresbericht des hiesigen GymnafimnS weist für das verflossene SHuljahr 1893—94 eine Schülerzahl von 145 aus. Davon gehören 65 der katholischen, ,-64 der evangelischen und 16 der israelitischen Confession an. Straßburg (Elsaß). Tie Realschule von St. Johann zählt 1894 492 Schüler (gegm 529 im Vorjahre) darunter 118 Katholiken, 221 Protestanten und 44 Israeliten. — Das protestantische Gymnasium hat 724 Schüler, von denen 2dl die Vorschule besuchen. Es gehören 613 dem protestantischen, II dem katholischen und 103 dem israelitischen Kultus an. In Oberehrheim befinden sich auf dem Progymnasium 66 Schüler, 48 katholische, 10 protestantische und 7 israelitische. In Hagenau besuchen das Gymnasium 148, die Realschule 133 Schüler. Bon den Gymnasiasten gehören 69 der katholischen, ,73 der evangelischen, 6 der israelitischen Eon. fession an. ׳Für die Realschule stellt sich das Verhältniß folgendermaßen: Katholiken 44, Protestanten 62, Israeliten 27. Vestsrreieh-Ungarn. E. J. Wie«. 10. August. (Or.-Corr.) Selten noch hat eine Eniinciation eine derartige Sensation hervorqeruscn, als -«S die vorigen Dienstag vom Chef der höchsten hiesigen Landesbehörde gehaltene Rede vermochte. Anläßlich einer sud »uspielia iwpoMoris vorgenommenen Promotion zweier Can- -didaten der Rechte hielt der Statthalter von Nieder^Dester» iridk Graf Kielmansegg,. welcher der Feierlichkeit als Stellvertreter des Kaisers anwohnte, eine Ansprache an die Promovirten, in der er u. A. Folgendes sagte: »Jene Studirenden der Wiener Universität, welch« bedauerlicheuoeise au dem Gefühl de» Patriotismus es haben ermangeln layrn, handeln in jugendlichem -Uebermuthe und aus Mangel au Erfahrung. (Mit erhobener Stimme:) Das ist nicht eigenes Gefühl, sonder» fremdes, in sie künstlich hinein- -getragene-. Dieser Mangel tm Patriotismus ist tief zu beklagen, aber.wir dürfen uns nicht dadurch irremachen lasten. Auch' mich hat dies nicht irregemacht, der ich in meiner amtlichen Stellung alle Vorgänge an der Universität zu verfolgen in der Lage war Die durch fremdes Gefühl Berführkrn haben den Werth ihres .Vaterlandes erkamU, sobald sie in» praktische Leben getreten u. s. w. Diese Worte, die hoffentlich an die richtige Adresse , gelangen dürfte«, bilden, das Tagesgespräch in unserer Stadt. Mat man doch schon seit längerer Zeit solche Sätze von Seit(« .der-Regierung nicht vernommen! ES scheint auch, daß in diesen Kreisen «blich einmal etwas unternommen ״werden soll, um die Stadt Wien nicht gänzlich dem leider ' so überhand nehmenden Antisemitismus zu opfern und preis- ^ugebeu. ״Spät kommt Ihr, aber Ihr kommt!" PNts, 5. August. Zum Gaudium aller Antisemiten. chlLtt« haben einige jüdisch. nationale (sogen, zionistische) Studenten Hierselbst an die von dm Mittelschul« abgehend« jüdischen. Schüler folgenden ,Aufruf" gerichtet, den die ,'Staatsbürgerzeitung", das Hauptorga» der Antisemit« in Deutschland, mit hämischen und höhuischm Glossm versehm, mit Wohlbehag« abdruckt: jüdische- Eommilitonen! Ihr tretet bald aus de» ruhigm ^Leben dsr Mittelschule in das geräuschvolle, der Universität, und »itla, l«^chmMhe drsi«kbm stehen, ein ernstes Wort zu Euch zu sprechen und Euch über die akademischen Verhältnisse Wahrheit zu verschaffen. Hier in Prag, an den denlshen und böhmischen Hochschule», wie an allen Hoch» schule» Oesterreichs und Deutschlands besteht eine scharfe Scheidung zwischen jüdische» und nichtjüdischen Studenten. (Gott sei Tank! Die Red. der ,Stoatsb.-Ztg.") Trotzdem die ersteren überall bestrebt waren, im Deutschthum, beziehungsweise Slaventhum ganz aufzugehen (?), dem nationalen Chauvinismus huldigten, (Aus Opportunilätsgründen. sowie die ungarischen Juden. Tie Red. der ״Staatsb.-Zlg") und von ihrem eigenen Volke, den Juden, nichts wisien wollten, wurden sie doch mit Hohn und Spott von den Nichtjuden abgewiesen und aus den Vereinen, deren Begründer sie oft waren, ausgeschlosien. (Bravo! Stbz.) Die Juden sind keine Deutschen, keine Slaven, sie sind ein Volk für sich. —- Darin waren alle einig dis auf die — Juden, die weiter sortfuhrm, den fremden Rationen Frohndienste (?) zu leisten, um für ihre lächerliche Zudringlichkeit (Sehr gut! Stbz.) Verachtung einzuheimsen. Statt offen und ehrlich für ihr verschmähtes und zurückgesetztes Volt zu kämpfen, steckten sie. gleich dem Vogel Strauß, den Kopf in den Sand, sobald man ihnen ,Jude" zuries, und glaubten, indem sie unter dem Namen LiberalisinuS ihre Kämpfe anstrugen, unerkannt zu bleiben. So war es dis in die jüngste Zeit. Doch das Maß der Erniedrigung und SelbstpreiSgebung war voll. Es wurden Stimmen laut die sagten.- ״Sollen wir uns einer Gesellschaft ausdrängen, die uns in ihrer Mitte nicht dulden will? Sind wir denn wirklich jo tief gefunken, daß wir uns nicht aus eigene Füße stellen können? Sind wir vielleicht nicht deshalb so verachte«, well wir uns selbst al» Juden nicht achten?" Der stetig anwachsend« Antisemitismus machte die Beantwortung dieser Fragen leicht. Und so entstanden in Wien, Czernowitz, Berlin, Heidelberg rc. jüdisch-nationale Studentenverrine. die es sich zur Ausgabe gemacht haben, dajüdische Rationaldewußtsein zu Heden, und so auch in Prag der jüdisch-national« Studentenverein ,Makkabaea". Sein erster Grundsatz lautet: Tie Juden waren und bleiben ein Volk für sich, vermöge ihrer Abstammung, ihrer Geschichte, ihres Denken- und Empfindens. Genug der Erniedrigung und Selbstoerleug-!:ring! Genug der Zurücksetzung! ״Du Jude darfft kein Sklave sein. Tu hattest Makkabäer!" Bon Parteileidenschast verblendet, scheuten sich viele unserer eigenen Stammesgenoffen nicht, unsere erhabenen (?) Ziele zu verleumden und unsere Ideale zu schwärzen. Aber wir werden fortfahren, unbekümmert um unsere Gegner, unsere Wege zu gehen und muthig für die Ehre unsere- Volke», für Freiheit und Wahrheit zu kämpfen. So ergeht an Euch College» der Ruf, in die Rechen der jüdisch-nationalen Studentenschast zu treten, Hand in Hand, umschlungen von, nationalen Band«, zum Heile und Ruhme unseres geliebten Volkes! Prag, im Juni 1884. Da-Pertrauensmänner-Cvllegium der jüdischnationalen Studentenschaft in Prag." Ter ganze Styl und phantastisch-überschwengliche Ton kennzeichnet diese- Machwerk als unreifes Geistes(?)Produkt, resp. als bombastische Stylübung einiger politisch völlig unreifen Jünglinge, die von sich reden machen und die noch un. reifem Gymnasiasten mit ihren Hirngespinsten berücken!vollen, wie sie selbst meist von einigen russischen nihilistischen Ele» mmten — diese bilden auch an dm aufgeführten Universität« den widrigm Sauerteig — berückt worden sind. Nationalität», schwinde! der ,dummen Jungen-!" ivürde der Abgeordnete Singer-Berlin diese mit Zündhölzchen spielende ״Bettelftndentenstreiche" nmnm. Ltnz. In der,Linzer theologisch-praktischen Quartalschrift" (47. Jg. S. 685. 5.) bespricht Rohling Eisenmenger'- ,Entdecke- Judenthum", von dem ein DrÄdoer Verleger eine verkürzte AuSgab«,, veranstaltet: hat. Röchling wünsch»׳, tzaßchchsts Buch « täcn Amtsstuben, weltlicher und geist»