Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962346--2148-5376387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

treffe,, so werde in Sachsen, speziell in Dresden und Umgebung, gerade der Jude, gesellschaftlich ausgeschlossen und vrthöhnt. Eine Einigkeit unter den Antisemiten bestehe in Sachsen eben« sowenig wie anderwärts. Ihre Mandats haben' sie überall den Konservativen abgejagt Zu welcher Richtung Ahlwardt gehöre, wisse man nicht, er werde von allen Seiten abgeleugnet. Erwin Bauer, welcher sich unbefugt den Doktortitel beigelegt hatte, war bei den letzten Wahlen der politische Anwalt der Abgg. Sachte und Herder und erhielt von beiden reiche Geldzuwendungen, von Letzterem (nach den Gerichts- Verhandlungen) 5000 Mark. Wie viele sitzen heute hinscr Schloß und Riegel wegen Wcchseliälschungen und allerhand betrügerischer Handlungen! Werden die einzelnen Handlungen den Antisemiten vorgcworfen, dann leugnet man die Thatsuchen einfach ab, oder es heißt: ,Der Betreffende hat mit uns nichts zu lhun!" In Sachsen feien die wirtschaftlichen Verhältnisse so schlecht, daß die Leute aus reiner Unzufriedenheit, wenn sie sich nicht der Socialdemokratie anschließen wollen, Antisemiten werden. Wir wollen, so schloß der Redner, stets darauf Hinweisen, wie sehr ein Teil unseres Volkes die Lehren Leffings vergessen hat. Die angegriffenen Juden wollen wir, wo sie unschuldig find, verteidigen, desto schroffer aber jeden Verbrecher verfolgen. Wenn wir feststehen, das gleicheRechtAllen zu ernngen, werden wir auch wieder den Mittelstand gewinnen und die Freundschaft der Arbeiterschaft. Darum keinerlei Ausnahmegesetze, welcher Att auch immer! (Stürmischer Beifall.) Es folgte eine sehr angeregte Diskussion. Hirschmann ftagt an, ob auch die antisemitischen sächsischen Fabrikanten neben der Parole: Kauft nicht von Juden! auch als Eraänzung hinMügten und beobachteten: Verkauft nicht an Juden. (Große Heiterkeit.) Dr. Mojes vom Vorstand des ,Zentralvaeins jüdischer Staatsbürger" glaubt aus der Thatsache, daß man in Achsen den Antisemiten entaegentrete, folgern zu können, die ,Freisinnige Volkspattei th ue ip Berlin den Juden gegenüber nicht ihre Schuldigkeit", Redner glaubt, daß die Pattei gut thäte, ,mit dem ,Bern« zur Abwehr des Antisemitismus" und dem ^Zentralverein jüdischer Staatsbürger" zusammen zu arbeiten. Der Vorsitzende, Arnold Perls, tritt dem Vorredner mit Entschiedcnheit entgegen. Wir haben mit spezifisch jüdischen Vereinen aarnichts zu thun, wir tteten als Demokraten für das gleiche Recht für Alle ein. (Beifall.) (Weun auch djrsem Prinzip ,Beifall" gezollt wurde, so glauben wir doch, daß mau wie die mehrjährige Erfahrung zeigt, in praxi mit solchen Prinzipien nicht weit kommt. Auch wir wollen keine Ausnahmegesetze, sondern gleiches Recht für Alle. Wo aber dieses, gleiche Recht einem großen Theil der Staatsbürger vorenthalten würde, da müsse mau doch für diese Beeinträchtigten mit aller Kraft eintreten. Oder glaubt man seine Pflicht gethcin zu haben, wenn man ruhig mitansieht, wie Jemand in's Wasser gestürzt wird und den Lrtttnkendcu damit ttösttt, daß man im Prinzip dafür eintptten wolle, daß dergleichen nirgends und bei Keinem Vorkommen dürfe. Zum Kampfe für das ,gleiche' Recht für Me" gehött'auch die Mitarbeit au der Abwehr jeder Rechtsverletzung, wo immer und gegm wen immer sie verübt wird. Das sollte' doch wahrhaft freisinnigen Männern resp. Demokraten nicht eist gesagt zu werden nöthig sein.) Erfurt. 12. August. Auch die ,Thüringer Gewerbe- und Jndusttte-AuSstellung" suchten die Antisemiten als Operationsfeld für ihre unlauteren Bestrebungen-M benutzen, denn zwei antisemitische Zeitungen, ״Reichshaold" und .Anti-' ftrmttsches Volksblatt", enchielten eine» gleichlautenden Artikel, dessre Verfasser in den Reihe, des -Erfurt«. RefsrmverrinS u suchen sei» dürfte. Es heißt i». bisse» AÄKl.qgch Hys» i}< ול e I Äasstckllung erth eilten Siebt: ,Schade nur, daß gerade dir. Bewirthschastung der drei größten Restaurants auf dem Platze, die sich sämmtlich durch pi' nicht zu. niedrige Preise und durch eine anmaßende Bedienung auszeichiien, soviel uns mitgetheilt ward«, jst, in den Länden ' - von 'auswärtigen Juden liegt. Da lesen wir dir schönen Namen: Satzmaycr, Feilbach und Morgenthal. Erfutt ist-also gut genug ' - dazu, sich von fremden Hebräern das Fett abschöpfen zu!offen. ■> Giebt es denn wittlich kein« christliche» Witth« mehr m Erfutt, mit.denen sich der Ausschuß wegen dir Bewitthschastung hätte >. verständigen können'? Müffen es denn immer nur die Inden sein, j die das Geschäft machen?" - . ,-o Dine Auslassungen könnest wieder als ein Beweis. für •! : die Leichtfertigkeit, ja, man kann sagen Fttvolität, gelten, 'mit: der von antisemitischer Seite vorgegangen wird. Keiner'da.,^: genannten Witthe ist Jude, oder je Jude gewesen; damit 7 fallen auch alle Verdächtigungen des judenrischenden Artikelschreibers in sich zusammen. . Aus Reiffe thellt uns Herr Prediger Ellguther mtt: ., ,Herr Ferdinand Grünbcrger, jetzt Kaufmann in Nasse, geboren am 7. März 1845, hat laut vorliegenden Papieren die Feldzüge von 1866, 1870 — 71 aktiv mitgemacht, ist; während des zweiten Feldzuges zum Unteroffizier, brsördett worden und besitzt an Ehrenzeichen: chie Denkmünzen von; 1866 — 70, die Verdienstauszeichnung und die Rtttuugs- 7 Medaille am Bande, da derselbe drei Mensch« vom Tode des Ertrinkens mit eigener Lebensgefahr geretttt hat. Lin Füh- ׳ - rungsattest seines damaligen Hauptmaans, jetzigen Generallieutenänts von Oidtmann besagt, daß G. sich während des Kttcgcs als ein intelligent«, brauchbarer, fleißiger und gewissenhafter Unteroffizier ausgezeichnet hat. Dieses Zeugniß trägt als Datum: Fott Bicetre, den 4. Februar 1871 G. diente beim O.-S. Infanterieregiment Nr. 22. * Stettin, 12. Äug. (Or.-Eor.) In der jüngsten Nummer Ihrer geschätzten,Wochenschrift" berichten Sie unter,Kolberg" über, ein zu Gunsten des ,Jüdischen Kurhospitals" stattaefundenes Concett und bemalen dabei, daß dasselbe nicht so besucht war, wie. cs der edle Zweck verdiente. Die Schuld Hiera» - mögen sich die Vaanstaltn selbst zuschreiben, es warsoun--^ günstig, wir nur möglich, gelegt. Bekanntlich wird in den---. Ostseebädern die Saison in 2 Theile gelegt und zwar derartig, daß da 1. August das Ende da 1. und de» Anfang der^ 2. Saison bildet. Am Abend vorher fand das Concitt statt viele waren schon abgereist und ein andaa Theil da Bade» P gäste rüstete sich zur Abreise für den nächsten Tag. Da hab'en denn die Betreffenden soviel mit dem Einpacken re. ^u chun, daß zum. Besuch des Eoncettes keine Zeit mehr bleibt. LS wäre deshalb wohl angebrachter, wenn für die Folge daS Concett zu einbr früheren Zeit stattfindtt, wir glaubeu zavasichtlich, daß da Besuch dann ein zahlreichaa sein wird. — Drei Tage vor diesem Konzett, am 2S. Juli, fand rm . Betsaal des ״Jüdischen - Kurhospitals״ das 20. Siftungsfest •׳-, desselben durch' einen feiettichen Gottesdienst statt. Rach'da 7 eiuleitc»den Liturgie uud da Absingung des 16^ Psalm» be- " stieg da. Rabbina die Kanzel und hielt die Feftpredigt, anknüpfend an Jaem. 1, 17. Rach einem kurzen Rückblick auf ׳׳> die Schöpfung und zwanzigjährige Entwickelung des Hansrs %■ führte. Redner aus, daß die Lehre Israels zunächst und zuerstdie Lickre zu Gott sowohl als freies Gefühl als auch als j? gefinnungs- und lebensvolle That, dann aba als Rfflex da - Gottesliebe die Nächstenliebe gebiete.— Als ein Denkmal >' dies« Lehre sei diese Anstalt errichtet worden, die.den Zweck verfolge, doppelt Unglücklichen, die im Kampfe um's Dasein mit der schweren Sorge um's täglich« Brod und zugleich mit- -- einem schleichenden Uebel behafttt find, unentgeltlich als Heil-"'!2^ stätte zu dienen. Am Schlüsse, brachte da Redner den Dank an alle Mitarbeiter, Wohtthcha und Mithelfn zum AnSdracke,-^. prollamittr, dir! seit dem letzt« Stiftungsfest« neu gewonnenen'׳rl? immerwährenden Mitgliedes und Stiftungen und hielt eine» warme» Nachruf auf den am-20. März d. I. zu Bettiu ver-^ " (it!> .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.