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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ftmtag geschmückten Synagoge mit bekränztem B«P«lt Hütte vollsnds einen festlichen Ehatakter schon dadurch, daß die Grmeindr fast vollzühlig das Gotteshaus füllte. Den Mittel- und Höhepunkt des Gottesdienstes bildete natürlich die Predigt. Ausgehend von dem Eingänge der Thoravorlesung: ,So cm Mann ein Gelübde thut dem Ewigen .... sich zu verpflichten, soll er sein Wort nicht entweihen," legte der Rabbiner zunächst dar, wie der ernstgesinnte, jüdische Kultusbeamte von vornherein «iu Gelübde ablege, gleich Jakob gelobe, daß. wenn Gott ihm ans seinem entbehrungsreichen Lebenswege beistehen, Brot zum Essen und ein Kleid zum Anziehen geben werde, der Gedanke an Gott, der Gottesdienst und die Gottesverehrung sein ganzes Dasein ausfüllcn solle. An der Hand des gewühlten Textes — Daniel 12, 7 — erörterte dann der Redner die Pflichten des jüdischen Lehrers vnd zeigte, wie der pflichtgetteue, wahrhaft fromme, demüthigc und bescheidene Lehrer unserer Gemeinde, der ohne seinen Wohlthätigkeitssin» zur Schau zu ttagen, ein stets hilfsbereiter und verstündnißvollcr Wohlthüter der Armen ist (Pf. 41, 2), vollauf den Anforderungen entsprach, welche unsere Religion und unsere Zeit an den jüdischen Religionslehrer und Borbtter stellt. Mit einem tiefinnigen Grbttc für das weitere Wohl des pflichtvollen Beamten wie der Gemeinde schloß die eindrucksvolle, ergreifende und erbebende Predigt. — Rach dem Gottesdienste begab sich eine Abordnnng der Gemeindeverwaltung in die Behausung des Jubilars, um ihm in anerkennenden Watten die Glückwünsche der Gemeinde darzubringen und rin ansehnliches (Geldgeschenk in Staatsobligationen zu überreichen. Darauf erschien der Rabbiner mit einigen Schülerinnen, deren kleinste ein passendes Gedicht vortrng, und übergab dem überraschten, tiefbewegten Lehrer den aus einer Sammlung unter den früheren und jetzigen Schülern imgekauften prachwollen und gediegenen Silberanfsatz mit noch einigen anderen sinnigen Gaben. Auch einzrtne Gemeindemitgkieder liehen es sich nicht nehmen, dem beliebten Lehrer eine Aufmerksamkeit zu erweisen. — Am Vorabend vereinigte ein zu Ehren des Jubilars veranstaltttes Mahl einen großen Theil der Gemeinde, und man blieb bis spül in die Nacht in fröhlichster Stimmung, unter Toasten und das Mahl würzenden Reden zusammen. — Eine Gemeinde, welche ihre Lehrer also feiert, ehrt sich selber! Aus Leer in Ostfriesland wird dem .Riew Jsraelittisch Weekblad" vom 27. Juli geschrieben: Vor einigen Tagen wurde bei einem hiesigen jüdischen Metzger das Fleisch einer tuberrulosen Kuh beschlagnahmt. Natürlich veruttheilten die politischen Organe aller Richtungen mit Recht die Handlungsweise des Metzgers. Hiermit waren die Antisemiten jedoch noch nicht -zustieden. Sie verbresteten das Gerücht, daß man bei dem Fleische der geschlachttten Kuh auch eine Kinderleichr gefunden Hütte und sprachen schon von einem Ritualmord. Den eifrigen Bemühungen der Polizei gelang es jedoch zu constatiren, daß an dem ganzen Gerede auch kein einziges wahres Wort war und daß das Gerücht nur zu dem Zwecke ausgestteut worden war, die Geinüther g-gen die Juden aufzuhetzen. Die der Polizei bekannten Verbreiter des Gerüchtes werden sich nun vor dem zustündigen Gerichte zu verantwotten haben. Zu bedauern ist es nur, daß es gerade königliche Beamte find, die den Geist des Antisemitismus auszustreuen suchen, und rin Glück, daß bei den! gesunden Sinn der Bewölkerung diese Wucherpflanze hier keinen nährenden Boden fiodtt. Lemberg. Das hier erscheinende ,Organ des Vereins Sch am er Israel" fiihtt bittere Klage darüber, daß christliche Ächter und Lrbrrnnnen an galizischen Schulen, besonders in Lemberg, sich Dinge erlauben, die geeignet sind, die jüdisch« Zugeud der vüterliä)en Rttigion zu entfremden und keiner der Vertreter dos Judenthmns sehe sich veranlaßt, bei den competenten'Behörden Schritte za unternehmen, um diesem Treib«» J ein Ende zu machen. Jj An vielen Volksschulen Lembergs erlaubt man sich, vbq wohl Staatsgrundgesetze, Ministtrial- und Landesschnlraths» erlasse cs strenge verbieten, Mische Kinder am Sabbate zum .4 Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten, wie auch Kirche«-.^ gesünge mitzusingen, zn zwingen. In manchen Schulen, ■J ivo der jüdische Religionsunterricht, wegen der geringen Kmder- J anzahl mosaischen Glaubens, nicht in der vorgeschnebenm Stuiidenzahl, somit auch nicht gleichzeitig, während der kathp. fische ettheilt wird, stattsinden kann, werden die jüdischeu '} Kinder gezwungen den Vortrag des christlichen Katecheten anzuhören. i An einer der hiesigen Volksschulen beauftragte cittst der v Klassenlehrer, ein Thrist, die jüdischen Kinder ihm Bestäti-e gungea von ihren Ätern zu bnngen, daß sie ihnen das Schreibeu am Sabbathe gestatten und drohte ihnen, im Fall« -• sie diese nicht brüchten, mit schlechten Klassen. Der größte 4י Theil der Kinder brachte, um sich die Gunst des Lehrers zu J erwerben, ihm die gewünschten Bestäfigungen. Ein Knabe 3 aber, der keine solche von seinem Vater brachte und gleich um ersten Sabbathe nicht schreiben wollte, wurde vom Lehrer, ■'* geschlagen. Dies veranlaßte den Knaben die ganze Angelegenheit dem Religionslehrer zu erzählen und ihn um Ab- Hilfe zu bitten. Der Religionslehrer, den. die streng religiöse Lebensweise mancher Eltern, deren Kinder die erwähnten Bestätigungen brachten, bekannt war, begab sich zu ihnen nach Hause, um sich zu überzeugen, ob sie wirklich solche gegeben hatten. Und siehe, da erfuhr er. daß die Eltern nichts davon davon wußten. Die Kinder gestanden ein, daß sie ans Furcht vor einer schlechten Klasse sich selbst solche mit einer fälschlich nachgrahmten Unterschrift des Vaters ausstellten. Mit׳ Recht fragten die Eltern, was ist das für ein Lehrer, der Kinder so demoralisitt. Wagt es aber ein Kind, das am Sabbathe nicht schreiben, zeichnen oder Handarbttten verrichten will, in mancher Schule zu sagen, daß dies unsere Religion verbietet, dann antwottet man ihm: ,So geh' in dir jüdische oder in ׳die Czacki-Schule!" (Diese letztgenannte Schule kann aber, weil sie überfüllt ist, nicht alle Kinder, die sich anmekden, aufnehmen). - Mögen bald die Münnn, ivrlchen die Wahrung unserer Religion obliegt, die geeigntten Schritte beim Bezirksschulrathe thun, um diesen unerhörten Vorkommnissen einen Riegel vorzuschieben. __ £v«»9rci4?. H. Paris, 1. August. (Or.-Corr.) In der gestrigen Sitzung der Akademie de Msdecine bettchttte Professor Dieulafoy über die Schrift des Dr. D e m b o, betreffs des Schächtens der Schlachtthiere. Seine mit allgemeinem Beifall ausgenommenen Ausführungen gingen dahin, daß der Modus des Schächtens, wie er bei den Juden üblich ist, aus rein menschliehen sowohl wie aus hygienischen Gründe» allen übrigen Schlachtmethoden vorzuziehen fei. Keine andere Methode als das Eröffnen der großen Halsgefäßc gewähre einen so schnellen und so schmerzlosen Tod und zugleich eine so vollkommenc Blntentzi:hung, die der Füulniß des Fleisches entgegenwirkt; während die gewöhnliche Methode durch Gehirn- . schlag weder schmerzlos von Statten geht, noch in jedem Falle augenblicklich zum Ziele fühtt, sofern dem Ausführrndcn nicht eine große Geschicklichkeit zu Gebote steht. Fülle, wie sie leider nicht zu den Seltenheiten gehören, in denen das arme Opfer erst dem sechsten oder siebenten Schlage erliegt, sollten allein genüge», nm eine so ,barbarische Praxis" zu verwerfen und die humane jüdische Schlachtmethode allenthalben znrMnfühmng zu empfehlen. :. v'/• ' In der daraus folgenden Diskussion schlossen sich Trasbot und Weber im. Prinzip de» Ausjphr,ingen des Refcreuten an, jedoch mit dem Bemdtttt^daß'ähch die Methode

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