Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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fc• de- Betäubender Schlachtthiere mittelst einekräftige» Ge» . hirnschlageS, allerbwgs einige UebMng und Geschicklichkeit des Schlächters vorausgesetzt, zum unmittelbaren Tode führe. Demgegenüber giebt Marc Säe zwar zu, daß diese Uebung und Geschicklichkeit, die die uothwendtge Voraussetzung der gewöhnlichen Schlachtmtthode bilden, in Paris und in größeren Städten allenfalls gegeben sei, daß es aber auf dem Lande . und io den kleinen Dörfern traurig darum bestellt sei. Baron Larrey, der Vorsitzende der Thierschutz-Gesellschust, giebt zum Schlüsse seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß die Ausführungen des Tr. Dembo allenthalben die größte Beachtung und die eingehendste Würdigung verdiene». Rmtzlamd. Aus Petersburg wird unten» 2. d. M. geschrieben: Ausgrund de- Katserlichen Befehl vom 12. 24. April 1886 wurde den Wehrpflichtsbehörden die Besuguis eingeräumt, Jude«, welchen bei Einberufung ein Aufschub wegen Schwächlichkeit oder uugruügender körperlicher Entwickelung etteilt worden war, einer plötzlichen Besichtigung außerhalb der gewöhnlichen EinbenifungSzeit zu unterziehen. Gleichzeitig war festgesetzt worden, daß die Fayiilien solcher Juden, die sich der Wehr- Pflicht entziehen, mit einer Geldstrafe im Betrag« von 300 Rubel zum beste» der Krone zu belegen sind. In der Praxis war nun die Frage ausgetaucht, ob die Kreisstadt oder die BezirkwehrpfiichtSbehörden berechtigt sind, über die Familie eines Juden, wekcher behufs plötzlicher Besichtigung vorgeladen war, jedoch sich nicht gestellt hat, eine Sttafe von 300 Rubel zu verhängen. Dies« Frage, welche der Begutachtung der erste» Plenarversammlung ta» dirigirenden Senats unterbreitet worden war, ist jetzt im bejahenden Sinne beantwottet worden. 1. August. In diesen Tagen ist hier der Rabbiner Dr. Krauskopf aus Philadelphia eingetroffen, welcher um die Erlaubuiß nachsuchm will, in Rußland eine Reche landwirthschaftlicher Eolonien für diejenigen unvermögmden Jude» gründen zu dürfen, welche sich sonst gezw»»gen sähep, ins Ausland auszuwandern. Unter Brr» mittllmg der »ordamenkrmischeu Gesandtschaft soll Dr. Krausköpf seine Absichten bereits einem hochgestellten russischen Würdenträger vorgettageu habe», der sich über die Gründung solcher Eolonien in den weniger bevölketten Gegenden des russische» Reiches durchaus sympathisch geäußert haben soll. Dr. Krauskops hat sich dann an den Rayon der jüdischen Ansässigkeit begeben, um die witthschaftliche Lage der Juden und ihre sogenannten landwitthschastlichen Eolonien in Süd» rußlands kennen zu lernen. Auf dem Wege dahin will er den Grafen Tolstoi in Jaßnaja Poljana besucht haben, der sich, wie hiesige judenfreundliche Blätter berichten, mit tiefem Schmerze über daS Verhalten einiger Organe der russischen Presse zur Judenfrage geäußert hat. Petersburg. Seit Erlaß de- Gesetzes vom 12. April 1887, nach welchem die Familie» derjenigen jüdischen Wehrpflichtigen, die sich der Ab'.istung der Wehrpflicht entzogen haben, in Geldstrafe genommen werden, sind allein im Go«, vernement Ssuwalki bis Ende 1893 solche Sttafen in der Höhe vrn mehr als 1,1 Mill. Rubel' verhängt worden! Ein» getrieben sind davon jedoch nicht mehr als 7 pEt.. so daß noch über eine Million dieser Strafgelder aussteht, wobei übrigens noch ca. die Hälfte dieser ausstrhenden Sttasgelder als gäuzlich aussichtslos gilt. Die Ursache dieser Erscheinung ist, daß die Sttafen meist die armen Juden treffen, da die besser fituittrn Klassen ihren Kindern eine gute Ausbildung gebe» können, so daß dieselben bei der Ableistung der Wehr» Pflicht Vergünstigungen genießen. Dazu kommt, daß der Zwangsverkauf von Immobilien in Polen nicht so leicht auszuführen ist, wie in a»dern Theileu deS Reiches, und deshalb sollen die Bestimmungen über den Zwangsverkauf von Immobilien im Falle der Nichtzahlung der genannten Sttasgelder blattend ״vereinfacht" werde». Neueste und vermischte MuWchftm tan*«. Z. Hier wurde bei» Univerfitätsjubiläw» Lefsiog« »Nathan" als Fefwvrstellung iw. Theater gegeben. Dos brach!e manche Pastoren audem HäuSche», denn Holle sei ja die rigrutliche Luther-Universität, die Erd» Wüteubarg«; aber wm» irgend einer ist Lesfina der Vertreter des echt pwtestnntischeu Geistes; Lcssig wäre ein Luther gewesen im I«. Jahrhnndert und Luther wahrscheinlich ein Lesfing im achtzehnten Jahrhunbe^. die Wahl Nathans war offenbar mit weisem Bedacht geschehe». Königsberg. Gelegentlich, der Jubelfeier der hiesige» Universität wurde dem bisherige׳׳ Privatdae«»«» der medi», cinische» Lhemie Hrn Dr. Lasser,Loh» (Schwager »»serrs Rabbiners) daS Prädikat Professor beigelrqt. äastet. Jüngst wurde hier der Ge»er<üjM«rinteude«l Marti» begraben; ausdrücklich wäre» Spenden »an Blume« und Kvhozen verboten, denn so hatte eS der Berstwedene- Ktzttmüig geordnet. Man sieht, daß die alt,übisch« Anschauuug, die ein prunklasd» Begräbniß fordert, auch anderwärts Ankloog findet. Bnnjto«. 2. August. Gestern Nachmittag fand in der hies. Synagoge, die Einsegnung des Kaufmann Buckwitz'jchen Jubelpaares u»^zugleich die des Meseri^'schen Ehepaares statt. Viel« Verwandte und Bekannte von Nah uud Fern «ahnten de» stierlichen Aktus bei. Nachdem Herr Bnäwitz und sei»« Ehestau uut« de« vor dem geschmückte« Altäre stehend»» Trauhbmnet und ihr Schwiegersohn. Herr Meseritz mit stiaer Gattin rechts davon Platz genommen hatten, kug ei» Ehor jugendlich« Sängerinnen den 26. Bers des 118. Psalms vor. Auf die Liturgie folgte «in« Arie: ,Hallelujah! O finget unserem GM dem Herrn." bei w«tch«r Fräulein Hulda Tintuer das Sopransol» mit frisch« wohlgeschulter Stimme saug. Nunmehr folgte die Predig, für welche Herr Tintnrr das Schristwort 3. Most 2L, 11 und 12 als Text gewühlt hatte. Rach der Predigt überreichte! Herr Tmtuer Herr» * Buckwitz und seiner Frau die dem Jubelpaa! « von Sr, Maj. dem Könige verliehene Goldene Ehrjudilaums-Medaiüe. Hieraus fotzte dann di« Einsegnung deider Jubelpaare. Zum Schluffesang die Gemeinde rin ovo Herrn Kantor Tintnrr verfaßte» Lied: .Dir- Gott allein. Dir töne unser Sang!", woraus - die Jubilare di« Glückünsche ihrer Verwandten. Freund« und Betaanten entgegennahmen. L. SschWeg«. Am Dienstage den?4. Juli hat. unser greiser Kreisraddiner Herr PH. Goldmann da« Zeitliche gesegnet, nachdem er noch ai» demselben Morgen mit den Tesillm gmjert die Synagoge, welch« sein LiebliugSausentholt war, besucht hMe.v Da- Tyorastudium hatte er sich von seiner frühesten Jugend zur Lebensaufgabe gestellt; ihm war er bi» zu seine» 86. Lebens-;ahr« tteu geblieben. Er war ein treuer, friedliebender Hirte seiner Gemeind«, m welcher er 63 Jahre rastlos thätig war. Seine gwuadlichkit uud Gefälligkeit erstreckte sich auf jedermann. Seine allgemeine Beliebtheit zeigte sich auch bei seiner Beerdigung. Vou Rah nnd Kern hatte sich eine große Theiluehmerzahl eingesnnden, um ’ dem Verblichenen die letzt« Ehre zu erweisen. Di« Spitz«» der Stadt, die Geistljchk.tt, der Landrath, der Bürgermeister, der Stadtgemeindcrath in corpore und dir Vertreter aller Staude in uoseoer Bürgerschaft wohiüen der Trauerfeierlichleit bei. Nachdem sich die ganze Trauerversammluug in der Synagoge versa«mell hatte, setzte sich der große Zug nach dem Friedhof« in Bewegung. Am Grab- Iw» Verblichenen hielt Herr Sewidardirrttor Dr. Stein aus Lasset di« Trauerrede, in welcher er dir Verdienste des ehrwürdigen Mannes gebührend hervvrhod. Auch Herr Lehrer Werth an rief dem Scheidenden einen ergreifenden AbschiedSgruß zu —! Vm Stuttgart. 7. Äug. (Or.-Lor.). H. Rabbiner Dr. Grün in Oberdorf, der sich seit mehreren Jahren wegen Kränklichkeit im Urlaub besaiid, ist nun in den Ruhestand versetzt worden. — Auf die »euerrichtete Lehrcrstelle hier wurde von de» Israel. . Kirchenvorsteheramt Lehrer Adler in Ellwang«» heruson. Karlsruhe. &. Aug. Unter den Theilnehineru des hier jetzt,, stattfindenden Drlegiertcntages der Inhaber de« eisern«, Kreuzes . bemerkt man besonder« Arln. Leni Meier au« Ofstnvach. die während des Feldzügevon 1870/71 als Krankenpflegerin wjrkto und da« eistrne Kreuz aus den eigenen Hävden des Kenjeos Wllhelm I. empfing. Berka». Lin Antisemit hatte an -einen- Zaun geschrieben ^aust nicht bei Juden!" Ein-Badegast ließb« Worte stehen und schrieb wer darüber: Lnmpeu und Pumperl -i