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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Methode, falls diese vorschrifkSmtlßig ansqeführt wird/ Er berief sich auf Autoritätenc Universitätsprofessoren, Directorru von Thierarzncijchulen, Thierärzte rc. — Der vorschristsmäßigt SchächtschniU kan» -einen Schmerz von nur cinigen Sekunde» verursachen. — Wenn das Zucken der Augenlider bei Berühning der Hornhaut einige Minuten »ach dem Schachtschnitt noch wahrgrnommen wird, so ist das kein Zeichen dewußtet Empfindung, — el>rnso seien die kranipshasten Zuckungen der Extremitäten, die krampfhaften Athembewcgungen, welche noch dem Schnitte 3—5 Minuten beobachtet werden, keine Schmerzäußerungrn, sondern nur eine Folge der bereits eingetretenen Wutleere des (Gehirnes. — Nachdem der Redner noch verschiedene Punkte eingehend erörtert, zog er das Resultat: ״Daher bin ich der Ansicht, daß das Schäch. te» bei vorschriftsmäßiger Ausführung anderen Schlachtmethoden nicht nachsteht, daß cs sogar manche» vorzuziehen i-st- - Der Herr Schlachthaus- Verwalter und Thierarzt Ullrich setzte dem Vortrage Bedenken entgegen mit Bezug aus das Niedcrwerfen. — Der Herr Professor betonte dem Einnvaden des Herr» Ullrich gegenüber, daß dir Thierc bei der Anivcndung des Genickstiches nur gelähmt werden, während das Bewußtsein bleibe, auch durch Frhlschläge sehr zu leiden hätten. — Ter Privatdozent Herr Dr. Westhof׳, äußerte einige Bedenken, indeß nur vom physiologischen Gesichtspunkte aus betrachtet, indem er eine schnelle Verletzung des Gehirns oder Herzens als die sicherste und sofortige Tötung betrachte, er lasse indeß die Frage, welcher von den jetzigen Methoden der Vorzug mit Rücksicht auf die Physiologie zuzujprechen sei. als eine offene. Kolbrrg, 2. August. Vorgestern Abend fand das vom Vorstande des jüdischen Kurhospitals zum Besten dieser Anstalt veranstaltete Wohlthätigkeitskonzcrt vor einem z» unserem Bedauem nicht so zahlreichen Auditoriums, ivie in den Vorfahren und ivie es der edle Zweck verdiente. Musik, Gesang und Deklamation wechselte» der Reihe nach miteinander ab und geivährten die künstlerischen Leistungen sämmtlicher Mitwirkende», einen Hochgenuß, wie er selbst in unserem an Kunstgenüssen nicht armen Badeorte doch nur selten geboten wird. Die Pianistin Fiäulcin S. Goldberg aus Berlin, aus früheren Jahren aus denselben Konzerten wohl bekannt, spielte niit geivohnter Meisterschaft Capriccio b-moll von Mendelsohn und Rhapsodie Nr. 2 von Liszt und zeigte, daß sie an zartsiuniger Feinheit deS Spiels noch mehr sich vcr vollkommnct hat und ihr Instrument meisterhaft beherrscht. Fräulein Alma Sacker aus Berlin, eine jugendlich liebliche Erscheinung mit weichem, metallreichem Sopran, sang ״Ninetta" von Pergolesi und dann im Verein mit dem Opernsänger Herrn Max Garrison vom Stadttheatcr zu Elberfeld das Duett: ״Still wie die Nacht" und entzückte die Zuhörerschaft durch ihren schmclzrcichen Gesang. Herr Garrison sang auch noch eine Arie aus ״Paulus" und erwies sich als einen dramatischen Sänger ersten Ranges. ״Eine lustige Schlittenfahrt" von Chwatal wurde von etwa 20 Knaben und Mädchen aufgefübrt und von dem Cellisten Herrn Martin König aus Berlin dirigirt. Diese Piece gewährte sowohl durch die mitwirkenden Kräfte als auch durch den Kontrast des Inhalts und der Jahreszeit einen ganz eigenartigen Reiz. Der deklamotorische Theil des Abends lag in den bewährten Händen des Herrn MaxBehrend und des Fräulein Jlka Grüning beide vom Schillertheatcr zu Berlin und schon bei ihrem Auftreten mit wiederholten begeisterten Beifallssalven empfangcn. Ersterer, nnser Landsmann, der nicht bloß als Charakterdarsteller sich einen Namen auf den deutschen Bühnen erworben, sondern bereits auch als dramatischer Dichter die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen beginnt, trug ״Das Schloß am Rhein", eine poesievolle Schilderung deutscher Liebe und Treue von dem beliebten baltischen Dichter Rudolf Seuberlich, ferner einige humoristische, originelle Taglieder mit frischem Humor vor. Auch Fräulein Grüning entzückte das Auditomim durch ihren Meisterhaften Vortrag. Nicht endenwollen. der Beifall war W verdiente Lohn sämmtlicher Künstler. Das Konzen war i» allen seinen Nummern durchaus gelungcn und Niemand verließ den Saal, ohne das Gefühl der Befriedigung, eine» gennßreichc» Abend verlebt zu haben. — Die niehrjährige Opposition der jüdischen Restaurateure gegen den Schachet, der i» Kolbergcrmünde ebenfalls ein Restaurant unterhält; ist endlich bcigelcgt. Der Vor-״ stand hat dem Schächter eine Abfindungssumme für den Rest seiner Contractszeit gezahlt und die Schächterstclle zur anderwcitigen Besetzung ausgeschrieben. Lablschln iProvinz Posen). 5. August. Eine scheußliche Morhthat hat i» vergangener Woche die Einwohnerschaft unseres Städtchens in Anstegung versetzt, und nur dem energischen Austreten deS hiesigen BürgernieisterS. wie dem gesunden Sinne der hiesigen Bevölkerung ist es zu verdanken, daß es nicht auch hier zu unliebsamen Szenen gegen die Juden gekommen. Anfangs voriger Woche verschwand das etwa jüns Jahre alte Söhuche» der Maurer KuniSzewSki'schen Eheleute von hier. Da das Kind von seinen Eltern früher öfter stark mißhandelt worden war. so wurde -der Berdachc rege, daß daffetbe vielleicht wieder cinnial übermäßig mißhandelt, in Folge dessen gestorben und auf die Seite geschafft sein könnte. Der Vater des Knaben, über dessen Verschwinden polizestich besragt, meinte: ״das werden wohl die Juden umgebracht habe», die brauchen ja immer Christenblut." (In gleichem Sinne soll sich auch die Stiefmutter des verschwundenen Knaben ihren Nachbaren gegenüber geäußert haben.) Der Herr Bürgermeister verbot jedoch dem Alaune, solche Redensarten und Verdächtigungen weiter zu äußern. Am vergangenen Tonncrstag gegen Abend endlich fanden einige Holzleser im nahen Walde, aufmerksam gemacht durch einen aus dem Erdreich herausgestreckten Gegenstand, der einem Finger ähnlich sah, den Leichnam deS verschwundenen Kindes. Sie meldeten sogleich ihren grausigen Fund der Polizei, welche sofort die kleine Leiche holen ließ. An derselben wurden mehrere offenbar von Mißhandlungen berrührende Wunden, sowie verschiedene durch Messerstiche beigevrachte tiefe Verletzungen entdeckt. Der Verdacht, das Kind gemißhandelt, getödlet und bei Seite geschafft zu haben, fiel natürlich sogleich auf die Kunisz^.oski'sche» Eheleute. Dieselben wurden sofort verhaftet und »ach einem ersten Verhöre in Ketten nach dem hiesigen Gesängnisse gebracht, begleitet von den Verwünschungen der Bevölkerung. Vorgestern erschienen hier der Staatsanwalt von Bromberg, sowie die zuständigen Medizinalbeamten, und die von denselben im Beisein der Verhafteten vorgenommene Sektion der kleine» Leiche ergab unter Anderem, daß das Kind bei seiner Verscharrung noch gelebt haben niüsse. Die Mörder müssen dasselbe also noch lebend eingescharrt haben. Die weitere Untersuchung wird ja ergeben, ob die Eltern des Kindes wirklich an demselben das scheußliche Verbrechen, welches sie, verleitet und angespornt durch antisemitische Verhetzung, gern dcn Inden ausbürden möchte», begangen haben. (Was hätte man wohl in einer antisemitisch mehr verseuchten Gegend, etwa am Riedcrrhein, unter geschickter Benützung der Umstände, aufregender Zeitungsartikel, fanotisirter Gemüther, Bearbeitung von Zeugen rc. aus einem solchen Fall gemacht? Ist der ״Finger", der aus der Erde hervvrragte, nicht ein Fingerzeig für die Eruirung des Lantcner Knabenmordes?) Kempen (i. Posen), 2. August. Der verstorbene Herr Henry S chapS hal durch nachbcnannte Stiftungen in hiesiger Stadt «in dankbares Andenken sich erworben: der hiesigen israellüschen Waisenanftalt wurde» aus dem Nachlasse des Sch. 30,000 Mark übergehen, von deren Zinsen israelitische Waisen hiesiger Stadt unterhalten werden sollen. Ferner wurde unsere Stadt mit 15,000 Mark und die hiesige israelitische Korporation ebenfalls mit l5,000 Mark mit der Maßgabe bedacht, daß alljährlich am Sterbetage des Henry SchapS die Zinsen der beiden Kapitalien an die Armen. hiesiger Stadt vertheilt werden sollen. Sein« hiesige Billa, Möbel nebst Garte», hat SchapS der hiesigen Stadt nach dem Ableben seiner Geschwister mit der Bestimmung vermacht, daß die jährlichen Einkünfte der Billa ebenfalls an die Armen der Stadt zur Bertheilung kommen sollen. Bayreuth, b. August. (Or.-Corr.) Der gestrige Sabbath war für die hiesige israelitische Gemeinde ein besonderfestlicher dadurch, daß sie das 2öjLhrige Jubiläum ihre- Lrhrers und Kantors, Herrn Simon Dachauer, in höchst feierlicher Weise beging. Ter MorgengotteSdienst in der be-

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