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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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jeder grüßen! Gemeinde. Die Einphase mit der der Berliner geschäftsführende Ausschuß der Litteraturvereine' die Gründung solcher Vereine lediglich für sich reklamiert, erscheint wenig angebracht,׳ wir erkennet! aber voll das Verdienst an, das in der Begründung eines Verbandes für bis jetzt 31 derartige Vereine liegt. Das soeben erschienene erste Heft der ״Mittheilungct!" dieses Verbandes enthält eine sehr dankenswerthe Uebcrsicht der in den'Litteraturvereinen gehaltenen Vorträge im Laufe des setzten Winters. Es'ist in der That in der kurzen Frist von 3 Jahren von den Begründen! des Verbandes, an deren Spitze Herr Dr. Gustav Karpeles steht, viel Ersprießliches geleistet worden. Das Sekretariat war bemüht, dif Vereine in kleinen Gemeinden be! der Anlage von Bibliotheken nach Kräften zu unterstützen. Tank der Opferwilligkeit des - Herrn H. I. in Breslau war dem geschäftsführenden Ausschuß die Möglichkeit geboten, einer größer!! Anzahl von Vereinen eine Collektion von je 22 werthvollen Büchern gratis' zu überweisen. Aktch ist das Verdienst der Herren, die als Wanderredner ihre Kräfte der guten Sache zur Verfügung stellten, nicht zu unterschätzen. Allein es berührt doch eigenthümlich, wenn wir in den Mit- »Heilungen" gleich auf Seite 1 lesen: ״Tank dieser rastlosen Thätigkeit war, als hätte der Genius unserer Geschichte und Litteratur selbst mitgewirkt, Erfolg über Erfolg der Mühe Preis." Es ist wahr, der Verband kann auch im Kampf nach außen nützen, dann aber fort mit der Selbstberäucherung, die Leiter des Verbandes stehen zu hoch dazu. — Ter an Mitglieder,fahl stärkste Verein unter den dem Verbände angehörigen ist der in Berlin 'mit 280 Mitgliedern; es folgen Leipzig. Dortmund, Hamburg. Franksurt a. M.. Karlsruhe und Hannover (141 Mitglieder). Ein Kassenbericht liegt nicht bei, der Beitrag richtet sich nach der Mitgliederzahl der Verbandsvereine- Der Verband will zunächst mehr in extensiver Richtung wirken, als in intensiver. Es heißt hierüber in den ״Mittheilungen": ״A» jeden Ort, wo eine Anzahl von Glaubensgenossen ein Gemeinwesen bilden, soll auch der Wissenschaft der Judm eine Stätte errichtet werden, um unsere Glaubensgenossen aus ihrem lethargischen Geisteszustand aufzurütteln und ihnen Achtung vor der Vergangenheit, Muth für die Gegenwatt und Hoffnung auf die Zukunft ihres Stammes einzuflößen." Es. möge dem Verband gelingen, sein großes Vorhaben in die That umzusetzen! Das ist unser aufrichtigster Wunsch. — Ein Gedenkblatt an Leopold Zunz (von Hrn. A. Katz), der mehr in intensiver Richtung und darum doch für alle Zeiten gewittt hat, ist eine würdige Beigabe' zu diesem ersten Heft der Mittheilungen, dem hoffentlich bald andere folgen werden. Berlin, 5. August, lieber antisemitische Ehrenmänner bettchtet die ״Freisinnige Zeitung"! ״Vom Amtsgericht in Strasburg i. d. Uckermatt aus wird seht Paarmann, der als Sachwalter Gelder einer Concursmafie und auch sonst beträchtliche Summen unterschlagen hatte, der Führer der Antisemiten Sttasburgs, steckbrieflich verfolgt. In Heinersdon in Sachsen l>st der Lehrer Klitzsch wegen schwerer Sittlichkeits-Verbrechen, deren er sich seinen Schülerinnen gegenüber schuldig gemacht hat, verhaftet worden. Klitzsch war eine der Hauptstützen der antisemitischen ״Reform".Varl ei in Sachsen. In Dresden ist der antisemitische Kaufmann Bachmann, einer der Führer der Resormpartei, wegen ausgedehnter Prellereien gegen kleine Gejchästsleute zu 3'/, Jahren Gefängnis veruttheilt worden." Die Antisemitm brauchen dämm noch nicht zu fürchtm, daß sie führerlos werden: nicht Jeder kommt in's Zuchthaus, der hinein gehört. Vom Rhein, 5. August. Vor einigen Tagen hatte ein Buffchr die St. Georgskirche in Köln vemnreinigt, worauf dir antisemitische Pattei ein wilde Hetze mtfachte und auffallende Plakate mit dm wildestm Ausfällm gegm die Judm an dm Sttaßenecken anbrachte, weil derUebelthäter ein Jude sein sollte. Die ״Kölnische Bolksztg." theilt dem gegenüber aber auf'daß beftimmtrmit: der Religionsschänder Spanier, sei nicht Jude, sondem Katholik und stamme von-katholischen Eftem. Das genannte Blatt stekte'im Anschkn-z an diesen Fall fest, daß sehr häufig.systematisch diel Antisemitm die Judm irgend welcher schlechten Dinge grnndlosj verdächtigen, sodaß die Press« sich daran . gewöhnen müsse,! antisemitische Berichte von vomherein als verdächtig zu behandeln. In dm weitesten Kreism der Bürgerschaft wird, I' zügellbse Hetz«, der Antiieniitm mtschicdm veruttheilt und in verlangt, daß solchem Treiben Einhalt gebotm werde." .Die ״Staatsbürger Ztg " sucht sich yon der Schuld, für3 die geflissentliche Verbttitung lügnerischer Verleumdungen gegen 4 die. Juden rein zu waschen und die Verantwortung lediglich: den sinnesverwanvten rheinischen Bl-ttern in die ׳Schuhe zns schieben, denm sie anräth, aus Anlaß dieses Falls auf der' ״Jndmriecherei" recht ״vorsichtig" zu sein״ weil dergleichen׳ Fehler der antisemitischen Sache schaden könne, um die Wiedergäbe derselben zu unterlassen. (Aber gerade die ״Staatsbürger» l zeitung" ist schon mehrfach gcnöthigt gewesen, allerhand-Speziallügen über jüdische Geschäfte zu widerrufen.) . Wie verhetzmd das Treiben der Antisemiten wirkt, beweist! ein Vorfall aus Duisdorf, den die ״Franks. Ztg." berichtet. Dott versuchten jüdische Herren in einer antisemitischm Brrsammlung zum Wott zu kommen, wurdm aber unter Insulte» .s daran gehindett. Bei der Heimkehr bewarf Man sie mit." Steinen, nachdm! vorher besonnene Bürger die Bedrohten geschützt hatten. Ein Israelit, seines Berufs Setzer, der auch der Versammlung beigewohnt, wurde auf dem Heimwege überfallen' und durch?inm Messerstich erheblich verletz». AuS tberschlefiea. 3. August. Aus Anlaß einer in. unserer Provinz. versuchten Agitäkion für die in Berlin geplante neue antisemitische Zeitung wendet sich die ulrramontane ״Oberschlesische Zeitung" scharf gegen den Antisemitismus. Sie schreibt: ״Hinaus'mit diesen Prospekten und Abonnements-Einladungen. die zu halben Dutzenden in jedem Couvert in zahlreiches Häuser geschickt werden. Ein wahrer Katholik kann niemals Antisemit sein, denn Christus hat es das höchste Gebot genannt: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! und der Nächste ist auch j der Jude. Förderung ihre« Unternehmens erwatten die Berliner Herren sonderbarer Weise in erster Linie von den Herren Lehrern, von denen viele zu je 15 bis 20 Bestellzettel zur Unter- -J bringung mit dem Hinweise erhalten haben, daß der Haupt-Redakteur (ohne Zweifel Ahlwardt) auch aus dem Bocksschullehrer- ■ stände hervorgegangen sei. Die katholischm Lehrer Oberschlesien» lachen über den Spaß, den die Berliner Judenfteffer mit dem katholischen Oberschlesien." Es ist ja sehr schön von dem ultramontauen Organ, daß es sich so scharf gegen die Ahlwardterei ausspttcht. Hätte die Cmttumspresse nur immer und überall io entschieden gegen den Antisemitismus Stellung genommen, so wäre Manches anders gekommen! 8 Münster. 3. August. (Or.-Eor.) Hier kam jüngst auch die Schächtfrage zur weitläufigen Besprechung, iiämlich am 27. v. M. in der Sitzung der zoologischen und botanischen Sectio!! für Westfalen und Lippe (einer Settion des Wests. Vereins für Vogelschutz und Geflügelzucht). — Nach Erledigung verschiedener Fragen über Bereinsangelegenheiten ergriff der Herr Professor Dr. Land vis (anerkannt durch seine Leistungen auf dem Gcbitte der Naturwissenschaften) daS Wort zu einem schon früher versprochenen Borttage: ״das Schächten von naturwissenschaftlichen Standpunkte betrachtet". — Nachdem derselbe eine Uebersicht über die verschiedenen Tötungsarten der Thiere vorausgeschickt hatte, J ging er auf die Schlachtmethoden über — und behandelte | die Frage: ״Ist das rituttle Schlachten der Juden eine Thier- * quälerei?" Seine eingehend« Beantwortung dieser Frage watjj eine warme Bertheldigung der jüdische» Schächt^

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