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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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grofe« «nt» selbst die größten Beschwerden hindern nicht -alte Leute auch mitten im Winter dm Balkan zu besteigm, um die Fahrt in» heilige Land zu beschleunigen. Allgemein - verbreitet ist, die-Ansicht,-daß jeder Sesardi ein Feind des Aschkenasi ist^' und wir müssen der Wahrheit die Ehre geben, daß diesezum größten Theile zutrifft. Uud dennoch trifft auch hier da- Wort: tont eowprencire o'ost taut pnräonnor ,alleverstehen, heißt alles verzeihen" völligju. Wenn man den Orient kennen gelernt hat — aber aus Büchern wird man ihn nie und nimmer kennen lernen — wird man diese Antipathie des Sesardi gegen den nichtsefardischeu Juden, wenn auch nicht entschuldigen, so doch zum min- Vesten begreifen. Man wird aber andererseits voll heiliger Scheu zur Thora ausblickm, die'im Orient entstanden, von Gott unserem Lehrer Moses mitgetheilt, die Liebe zum Fremden au zahlreichen Stellen zur heiligsten Pflicht, zum kategorischen Imperativ für die jüdische Glaubensgen ossmschaft macht. Was mm die fast inftinctive Abneigung des Sesardi gegen den Aschkenasi anbetrifft, so ist Folgendes zur Erklärung derselben anzufithren: Zunächst ist der im Orient lebende Aschkenasi in der Regel irreligiös, besucht die Synagoge selten und vernachlässigt fast jede religiöse Satzung; ja macht sich sogar oft über dieselbe lustig. Die Folge ist, daß der spagnolisch-portugirsischr Jude (Sesardi) nicht nur kein Vertrauen zu seinem europäischen GlaubmSbruder faßt, sondern — fast würden wir sagen — mit berechtigtem Mißtrauen entgegentritt. ,Wer keinen Maubm hat, verdient keinen Glauben" ist ein altes Mahnwott her deutschm Borfahren. Ein fernerer Grund der Abneigung de- Sesardi gegen dm Aschkmasi ist des letzteren vermeintliche höhere Jntelligmz. Der Sesardi haßt den Aschkenasi, weil er ihn fürchtet, weil er besangm von dem Borurtheil ist, daß der Aschkmasi ihn an Jntelligmz Lbertrifft, in ihm dm gefährlichen Loncurrcnten sümht«.*) Wie eS in den Mischen Gemeinden Mährens und Böhmens — ersteres mein HeimathSland, letzteres die Stätte - meiner 10 jährigen Wirksamkeit als Rabbiner bis zum Jahre 1884 — der Fall war, daß die jüdischen Gemeinden sich sehr ' schwer entschlossen, einen Glaubensgenossen auder Fremde in ihre Gemeinde aufzunehnien, weil sie eine Beeinttächtigung ihrer.eigenen Interessen sürchtetm, und in jedem Fremden den Eindringling wittettm, so ist dies noch heutzutage bei den Inden deS OrimtS der Fall. - 'Der Sesardi, der in einem sremdm Ott sich niederlossen will, wird von seinen eigmm Glaubms-, Stammes- und Sprachzmossen mit scheelm Blicken angeschaut und selbst nach . jahrelangem Ausmthalt in diesem Orte, und wmn er auch Beweise seiner Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit, sowie Theilnahme für seine-Glaubensgenossen bewiesen, noch immer nicht als vollberechttgt von seinem sefardischen Mitbruder angesehen. Ich Hab« auf meiner Jnspectionsreise in 22 jüdischen Cultnsgemeinden reichliche Gelegenheit gehabt, diese Frage prakttsch zu beleuchten und das Unberechtigte dieser irrigen Anschauung dm - Meiner Leitung unterstehenden Gemeinden auseinander zu'fetzen. Da -das heutige Bulgarien ein junger Staat ist, giebt es unter dm Sefaroim sowohl in Sofia wie in den übrigen 31 Gemeinden des Landes viele seit Hunderten von Jahren daselbst lebend« Familien, die noch von der Tüttenzeit her nicht türkische, sondern europäische Unterthanen sind; auch diese Sesardim werden, falls sie in der Verwaltung der Gemeind« mitsprechm wollm, auf ihre srmidc Untcrthanenschaft '*) SUn erinnert sich unwillkürlich de« bekannten Au«spruche« vou Atsbi 'Mbll, baß tt all am bum ״al* ein an der Scholle klebender Ä)*, der «rbitmüsie Neind eine« jeden TalBid choebom (Gelehrten) », (I* wnMt dreier «,«chruch M großen «ürchrer« für «eli- Mm, . »»» Kuweit den nj>,-vl»giichen Scharfblick »nd die «atzWü»- tlsde, die »5»» Pkts Erjüsiten, , ., - ־;״, -׳״׳ verwiesen, ttotzdem diesvlbm zum großm Theile nicht nur die großm Steuerzahler, sondern auch intelligenter sind. Den Bemühungm meines Amtsvorgängers ist eS bereits gelungen,*) mindestens für die Großgemcinde Rustschük, nach Sofia die größte Tultusgemeinde Bulgarims, nebm 5 bulgarischen Unterthanen andere 5 Sesardu», die nicht bulgattsche Unterthanm sind, in die Gemeindevertretung eintteten zu lassen und durch diese Vereinigung ein harmonisches Zusammenwirken zur Hebung der religiösen Joteressm der Gemnndc zu ermöglichen. Tie Vorstaudsmitglieder werdm, wie dir kirchlichen Be- Hörden der übrigen Glaubensgenossenschaften vom Eultusminister bestätigt, nachdem von Seitm des Großrabbiners die Approbation ettheilt wurde. Die diesbezüglichen Erlasse werden in der Staatszeitung veröffentlicht. vom Kkrikhtk und Horrkspon-enzrn. veMäsechsaw-. Magdeburg. Aus Dransfeld in Hannover wird »ns dortigen Lehrer und Cantor, Herrn M. Bachenheim er, geschrieben: Zu dm schätzenswerten Beiträgen bezüglich derer, die mit Auszeichnung an Kämpfen teilgcnommm haben, habe auch ich die Ehre, einen anzuführen: 1. Jacob Meyer zu Dransfeld. Im Jahre 1786 zu Adelebsen geboren, trat nach Beendigung des 22. Lebensjahres freiwil lig. in das 3. Linim-Jnfantette-Regiment ein, dessen Oberst der Prinz von Solms war. Vom Präsidenten Jacobsohn zu Kassel angeregt, dem Dimfte treu zu bleiben, nahm Meyer an den Feldzügen gegen Spanien 1808 und gegen Rußland 1812 teil. Inzwischen war er wegen seiner Kttegstüchtigkeit und außerordentlichen Umsichtigkeit bei entscheideNdm Monienten, gepaatt mit bewunderungswürdigen Unerschrockenheit in Augmblickm höchster Gefahr zum Artillerie-Wächtmeister avanciett. (Aus dm kurzen Erzählungm aus seinem Leben.) Meyer war nämlich bald nach seinem Einttttt ins Heer bei der 1. Voltigeur-Kompanie als-Korporal angestellt worden. Er ttat nach seiner Rückkehr aus Rußland, woselbst er auf der Flucht gefangen gmommen worden war, sich jedoch durch seltmm Wagemut nach Wilna gerettet hatte, aus dem Heere aus. — In Anerkennung seiner Dienste sind ihm behörderlichersttts mehere Ehrendiplome erteilt worden, deren Origmale von dem Sohne, Herrn M. I. Meyer zu Hann.-Münden aufbewahtt werden. Von den Bürgrm Dransfelds zum Bürgervorstrher gewählt, welches Amt Jacob Meyer eine Reihe von Jahren bekleidete, fand er höchste Befriedigung, indem er vermöge seines Amtts und Einflusses sich besonders der Armen annahm, ohne Rücksicht auf Glaubensbekenntnis. 2. Jeisel Goldjchmidt, zu Raboldshausen bei Hersselb am 6. Noveinbcr 1867 als dreijähttg Freiwlliger ins stehende Herr cingttretm, wurde am 24. Juli 1870 zum Unteroffizier befördert. Hut dm Feldzug 1870—71 die Schlacht bei Sedan, Belagerung von Patts und bei dieser des Borposten-Gefecht btt Ertteuil, das Ausfullgesecht bei St. Eloud mitgemacht. Er erhielt infolge Anführung ttner Schlcichpatrouille nach Medonc das ttseme Kreuz II. Klasse. Das Prädikat sttner Führung war: Vorzüglich. P. Berlin. Der Banouier Julius Blttchröder, der Schwiegervater des Pttvatdocenten Dr. Leo Arons, erhielt den Kroncnordrn vietter Klasse. Berktn. 4. August. (Or.-Corr.) In vielen deutschm Gemttnden pflegte seit Jahrzehnten der Rabbiner sttnen Gemttndemitgliedern im Winter mehrere Borträge oder Vorlttungen aus der jüdischen Geschichte und Litteratur zu haltm, auch giebt es so ktwas wie ttn ״Bethhamidrasch" in *) Ich habe ein Gleiche« für M»«kmcinbroon Philtppopel (bnl- -auifch «lubiZz m hebräische» tttfcmba» ל3צ?’& »efchriebrn) beim .-5,. ״. -«ltnAmmisierülm «wirkt.

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