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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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m deminutio capitis, wenn Jemand (obendrein in der Vorrede zu einem Zunz'schen Werke) behauptet, Zu uz sei vor Jost zurückgewichen und habe das, was er als seine Lebensaufgabe betrachtet, im Stiche gelassen. Diese Behauptung Steinschneiders ist ein neuer Belag zu dem Heraklitischen Spruche: nie kann er weise sein, da er ein Vielwisser ist. Zunz war wir kaum ein Zweiter dazu berufen, eine Geschichte der Juden zu schreiben; wenn er es unterließ, so geschah es, weil er selbst der strengste Richter seiner Pläne, seiner Leistungen war. Aber ist es denn nicht genug, wenn Jemand aus einen! schier unerschöpflichen Steinbruche das beste, das festeste Material zu Tage fördert, wenn er in sich überdies den Plan zum Ganzen trägt und danach das Material formt? Tenn Zunz mar kein gelehrter Tagarbeiter, er hatte das feinste Verftäudniß für die großen, weltgrschichtlichen Zusammenhänge, er wußte ganz gut, wie seine gelehrte Arbeit der geistigen und politischen Befreiung seiner Glaubensgenossen diene. Zunz hat manches geschrieben was Jedermann lesen kann und woran sich Jedermann belehren und erwärmen wird. Aber in diesen Aufsätzen offenbart sich nicht seine Größe; darum kann er nicht volksthümlich iverde». Reden wir nicht viel davon, wie die Gleichgültigkeit seiner Zeitgenossen die heiße, heilige Gluth seines Herzens abgekühlt hat; er hatte im Leben und hat im Tode nur eine kleine Gemeinde,, diese aber wird ihm bleiben, so lange die jüdische Wissenschaft gepflegt wird. 8. R. Typisch. Meinen Aufsatz über Brunner-Lenz, der in Nr. 31 d. Bl. abgedruckt ist, hatte ich überschrieben: ״Geichichtenträger"; hieraus ist aber durch irgend ein Versehen ״Geschichtsfälscher" geworden. Diese Ueberschrist entspricht jedoch weniger dem Inhalt meines Artikels, der mehr jene geflissentliche ״Verbreitung von Hintertreppengeschichten" kennzeichnet, welche au des Schillerjchen Ton Carlos Worte geniahnt: Ich bewundre Des Königs lust'gen Beichtiger, der so Bewandert ist i» witzigen «»schichten. Doch Hab' ich immer sage» hören, daß «eberdenspäher und strschlchtenttäßer Tes Uebets mehr auf dieser Wett gethan, Als Gift und Dolch in Mörders Hand nicht konnten. In der That, diese Wotte sind für die ״Litteraturpsaffen und Psaffrnlitteratur" typisch; ich denke bei Ton Carlos' Wotten an das unvergleichliche Martyrium der Juden des Mittelalters und an ״die Schmach unseres Jahrhunderts" ... und darum nannte und neune ich die betreffenden ״Littrraturpfaffen", zu denen ich auch die ״Laicnpfaffen" zähle: ״Geschichtenträger". Wer übrigens hat den Ausdruck ״Laienpsaffen" gebraucht? Kein Geringerer als der gelehrte Theologe und Kirchenhistoriker Bunsen, der (Zeichen der Zeit II. S. 24) sagt: Im Volke ist nichts davon — von Unduldsamkeit und Haß der Gewijscnsfteiheit; >vas so scheint, ist künstlich erregt von Pfarrern und Laienpsaffen. Dieses Unheil Bunsen's wird schön cxeinplifizirt durch die Haltung des Arbeiterstandes, der im Großen und Ganzen während der modernen Judcnhetzen Preußens mehr Cinsicht und Gefühl bekundete, als viele Staats- und. Kirchenmänner und sogenannte Gebildete, ja als viele sogenannte Liberale. - Dr. Philipp Kroaer. - Die Juden Bulgariens. Eindrücke von meiner JnspectionSreise. SaaDr. *. ataamalb, «tafeaMtwr m» Mfum . U.! Fast jeder Sesardi hat sein eigenes Heim, und! um» mich besonder» interessirte, find die Inschriften iu hebräischer. Sprache, die nicht nur am Einrejp. Ausgange die Sätze: ״Gesegnet seiest Du bei Deinem Eintritte, gesegnet bei Deine« Ausgange," in hebräischer Sprache, sondern ganze Akrosticha, den Namen des Erbauers verherrlichend, enthalten. I» fast jedem Hause befindet sich ei» Brunnen; wie bei den Türken, den Nachkommen Jsmaels, Sah»,» unseres Patriarchen , Abraham, noch heute die Brunnenwänb« mit Jnschriste» versehen sind, so auch bei den Sesardi»; zu» größten Theil . Noch heute giebt eS in Bulgarien Städte und Dörfer, die ähnlich dem biblischen Brer-Seba (״Sieben-Brunnen") genannt werden; so heißen z. B. von zwei Vorstädten Sofia'«, die eine: Utsch-Bunar (3 Brunne») und die andere Dort Buuar (4 Brunnen). Der Besuch der Synagoge« (Krhiüoth), de» Morgens und des Abends ist für den Scfardi etwas Selbstvcrständliche»; in de» Morgengebete des Sesardim sind die Worte zu lesen: ״Heil »ns, wenn wir frühmorgens und spätabends in den Gotte», und-m den Lehrhäuser» uns rinfinde», nm unsere Gebete vereint in treuer Lieb« au den Allvater zu. richten und Belehrung und Erbauung andem Munde derufener Lehre zu vernehmen", und diese Worte wettien stet» treu beherzigt. Dir Sprache der Sesardim — da» altspanisch« Idiom untermischt mit türkischen, serbischen und bulgarischen Wotten — ist eine sehr höfliche und religiöse; wen» der Scfardi vou seinem Vater spricht, sagt er immer nur Senour ״»rin Herr" pur exceilence, und fügt iu der Regel hinzu buonaa vras ~che teuga (er möge gute Stunden «leben); sprich», der. Sesardi zu einer höheren Person von einer zu erfüllende»! Wicht, so fügt er hinzu »en 8u bueoa vida« (bei Ihrem gute«, glücklichen Leben); es erinnett die» an da» i« KadWtzgebtte üblich« beobajeebon (״bei Euerem Leben"), da» ja be» kanutermaßen auch schon zu MaimouideS Zeiten im Kubisch ״beim Leben unseres großen LehrerS Hose den Mainion" ein. geschaltet wurde. , Hingegen, wenn der Sesardi von sich spricht gebiettt die Bescheidenheit zu sagen und zu schreiben »mengnaäo di todo ombre, contado cuanto 11 na uena« (״Der geringste aller Menschen, gezählt (wetth) soviel wie rin Fingernagel"). Der Fingernagel wird bekanntlich vom abergläubtsch-ftommen Jude» am Zsteitag regelmäßig abgeschnitten, und ist also wert hl 04. Und in der That erhält man diesen traurigen Eindruck, wenn mau sieht, daß die Sesardim fast keinen Friedhof -— denn das Wort Friedhof bedeuttt nicht den Hof de» Friede»», sondern eipen umfriedeten, eiugezäuuten Ott — habe»; auf freiem Felde, ohne Zaun und ohne Schutz gegen wilde Thiere (Wölfe, Bären und andere Raubthiere) sind "die Gräber; vou Grabsteinschriften keine Spur; die Steine, die da» Grab decke«, find horizontal gelegt. ES ist dieser Platz alle» Andere eher al» ein Beth ha-CI1»ji1u, als ein Haus de» Leben». Beim Besuche der Gräber theurer Verwandten wird di« bei den Sesardim übliche Hascbkabuk gesagt, und beim Abschied« küßt der Sefard! den Sand de» Grabhügel»; * ich erinnette mich unwillkürlich an die ZjmGe. von Rabbi Jehnda Halevir ״auf.daß ich küsst de« Stand >Dm»» Erdbodens"" (de« heilige» Lanks). Die Lnst, «Jernstst» natz iMMMPlIa ^bechanM m*. leben und sein L«be«MchchMW>WWWW>MMMM0MW-

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