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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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die Existenz dieses Volkes für den ansgemachtesten Be» weis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm haben und wissen. So etwas läßt, sich nicht erdichten, mit allem, was daran hängt und davon abhängt, kurz, ein solches Volk läßt sich nicht erlüge». Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich noch 'bis zur Entwicklung des letzten, noch unbettihttm Knotens aller Erdnationen hindurch. — Wo ist ein so herrlich Volk, zu dem die Götter sich nahten, wie der Herr zu diesem Volk?"!Briefe, da« Studium der Theologie betreffend, und Ideen zur Geschichte der Menschheit.) Auch Göthe wird von Brunner-Lenz gegen die Juden angeführt; und doch ist auch das ein Citat aus Göthe: ״Die Juden sind das beharrlichste Volk der Erde; eS ist, es war, es wird sein, um dm Namm Gottes durch alle Zeiten zu Nagen." (Wilhelm Meisters Wanderjahre.) Und ein ferneres Wott von Göthe, das die beiden gutm Katholiken gewiß nicht hervorkehrm würden, lautet: ,Tie Kirchengeschichte ist ein Mischmasch roher Gewalt." — Joh. Heinr. Boß wollte einmal Hebräisch lernm, aber die Sprache stteß ihn ab; so erzählt Brunner-Len^ ihm nach und weidet sich an seinem Spott über das Hebräische. Wie urteilt doch Herder, der zeitweilige Gewährsmann deS edlm Paares, über das Hebräische? Es heißt in seinem ,Geist der Ebräischen Porste": ,Mau möchte sagm, ein Gott habe die' ebräische Sprache für kindliche Menschen erfundm, um mit ihnm wie ein Spiel der frühestm Logik zu spielen rc." — Ferner sollten die beiden gutm Katholiken das Wott eines Kirchmlehrcrs kmnen: Zäultae tertteolls linguae, caelestibus una — ,Viele Sprachen habm die Erdbewohner, die Himmlischm eine" (die Sprache Juda's). Und bedenkm fie nicht, — sie, deren Lippen von Ehttstmtum tttefm — daß Hebräisch die Sprache, ja die Gebetsprache Jesu war? Sollte wirklich dn christliche Heiland in rinn Sprache gebetet habm, aus dn .Knoblauch- Haftes mtgegenttecht"? Pfui, was sind das für Christen, pfui, was find das für Dmtsche, die sich so weit vngessm könnm! Ja, schämt ihr mch dmn nicht, dm Namen des christlichen Hellandes, Jesus, die Namen seinn Eltern, seinn Brüder, seiner Ahnm auszusprechm, die alle hebräisch sind? Schämt ihr euch denn nicht, in dn Kirche odn im Hause das hebräische Amen odn in dem aus dem Hebräischen übersetzten Dreimalheilig daS hebräische Zebaoth und manches andne zu singen und zu sagm, woraus euch doch ,Knoblauchhaftes enlgegmriechen" muß? Was bedmten die — von andern Juden übttgens stets vnabschmtm — paar Taktlosigkeiten, die einige jüdische Littnatm und Skttbln gegen das Ehristmthum vn» übt, im Bngleich mit eurem und tausend anderer Schttnchttstm Hohn auf das Ehttstmtum und das Judmtum? Moses Mmdelssohn, dessm,Phädon" und ,Jerusalem" werden in knabmhaftm, dem Anttsemitmlexllon mtnommmm Tiradm begttfnt, die bis auf das wunderschöne Wottgefüge ,hohles Geschmuse" jedweden Rttzes dn Neuheit mtbehrm. Und doch fingt Boß, dn sonsttge Gewährsmann des par aobile fratrum, vom ,edlm" Mendelssohn; und doch ist dn ,Phädon" — das ,hohle Geschmuse" — in die meisten Sprachen Europas übnsetzt; und doch.schreibt Kant — dn vielleicht etwas höhn steht als ,Littnatmchfaffm und Pfaffmlittnatm": ,Es ist nur ein Mmdelssohn.-Ich halte dieses Buch (MmdelSsohnS ,Jerusalem") für die Bnkündigung ttnn großm, obzwar langsam bworstehmden und fortrückmdm Reform, die nicht allttn Ihre Nation, sondern auch andne Neffm wird. Sie habm Ihre Religion mit eiuem solchm Grade von GewissenSfreihnt zu verttnigm gewußt, die man ihr gqmicht zugttraut hätte und dnglttchm sich kttne andne rühmm kann." Mst diesm Wottm aus einem Bttefe Kants an Mmdelssohn legm wir das Libell gnn bttsttt. Dr. Philipp Aroyer-Betli». Die Duden Bulgariens. - Eindrücke von meiner Inspektionsreise.*) Boa Ur. SK. Gkünwald, Sroßrabbiner von Bulgarien.. I. . . . . DaS alte Wott: ,Wmn man «ne Rttse thut, so kann man was erzählen", bewähtt sich in Bulgattm aufs glänzmdste. Währmd wir in in Europa von Rttsm pn Wagm — hin PhaSton (Araba) gmannt — fast nur vom Hörmsagm zu' . erzählen wissm, ist eine Rttse durch Bulgattm zum großen Thttle ohne Wagm undmkbm und unmöglich. DaS Balkan» S" ־־־*'־“ ־־* ' י" י י v' “ . Urwelt" genannt, kann bttonderS zur WinterSzttt nur mit großn Mühe und Ansttengung befahrm odn bettttm wecke». Und Sttardim — Männlein und Wttblttn — sowie die übrigen Bewohnn Bulgattm», in d« Mehchttt Bulgarm, Griechen und Tücken — sind alle, wmn auch nicht Ritter, so. doch Reiter, gute, flinke und tüchttge Reitet; sie ׳alle habm die * instinktive Gewandtheit der Söhne der srnen Natur. Einm Gast zu beherbergm gewährt jedem Sefardi ttne wahre Herzensfreude, und obwohl. bttonderS in dm. größeren Städtm, gute, in ׳ mropäischer Art ttngettchttte Hotels 4a finden sind, sucht ein Sttacki seltm oder fast gar nicht em Hottt auf, wttl er dttsm zuversichtlich ist, daß er als Mussafia (so httßt jeder Gast) gaftfrmndüch währmd der Zeit sttnes Aufmthaltes aufgmommm wird. Diese sttne Zuvetticht täuscht und trügt nicht. Daß jeder Bttucher mit Kakija.(Bräunt- . wttn), DolceS (Süßigktttm), 6akä ä la turca (tückischem -affee) nnd Eigarettm bewirthtt wick, datt als bekannt vorauSgesetzt werden! Der Ottmt dmf hmte noch als die befte Schule für Diplomatm betracht« werdm, da Talleyrand's Wbtt: »La« ' mots noua sont donnls, poiur cacher I08 pepsles (,Die Worte find uns gegebm, um die Gedankm zu verbergm") ' hier fast immer zutnfft; waS dem Sttacki an Wissm abgeh^ * ersetzt er reichlich durch die ihm angebottue Findigkeit. -Das talmudische Wott: ,Da» Wott ist ein SuS, da» Schweigm zwtt Sus wetth", wick erst im Ottmt vttständlich. Und doch, dem AuSspmch gemäß: »Lya eitrSmsa »e toachenU ist keine Macht dn de» gesprochenen Wotte» im Oxient zu oerglttchm; man begreift da» übn Bileam geäußette Wott: ,Seine Kraft besteht nur in sttnem Munde" und ttuem gutm Dnusch (Dnaschah) 'nach europäisch« Att lauscht der Sttacki mit Verzückung und ttefgefühltn Dankbarkttt. ' Hingegm läßt die vielgerühmte Frömmigkeit dn Sttardim sehr vitt zu wünschm übttg; das Studium dn Mischuah, Gemarah und deS Midrasch ist nur dem Namm 'nach b«.- - kannt, und dm Sohar kann fast Niemand lesen. Die Einfachhttt in dn Wahl dn NahmngSmitttt und dn Nahrung selbst ist lobend anzuerkmnm und ihn Genüg» samkttt ist ttne mustnhafte Nur für SamStage und Feier- - tage wick ttn rttcheS Mahl berttttt; Ein bilden an Fttntagm imm« daS Enttse des Mahlendch gut römisch« ' Sitte, und Obst, zum größtm Thell Aepfel, nach ebmfalls , römisch« Sitte, dm Schluß dn Mahl^ttt;- bahn daS Sprüih-.. wott: »da ovo ad malum« (vom Ei bl» zum Apfel) glttchbedmtmd für vom Anfang bis zum Ende. D« Au-gaua des Sabbath wird als besonders aettgntt zum Ztttvertreib (paaaatismpo) betracht«; man mtläßt nicht . ' ") Dies« Steife ist tat Auftrag« de« Ministerium« fgr Lultu«-' angelegenhriten von mir unternommen worden; abgesehen davon, Paß der Großrabbiner eine Jahre«karte erster Slasfe sür risenbahpsahtte, von der Regierung echili nab sein» Diäten ihm genau wie den übrige» Staat«beamten begahlt werde», erhält derselbe einen Otkrit list («ine» offenen Brief) an di« vehürden, in flolg« deffe» bitte verpflicht«» sind, jeglich«» Beistand de« Großrabbmer in 'Erfüllung feiner vünsch« zu gewähre». — L«'ift «in Att wabrer Dankbarkttt, wenn ich an-ditter Stell« Sr. chgc«ll«>z de« .Herrn Lulw«mi»ifter D. Greta» hiettür Sffenllich meinen Dank erstatt«.

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