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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Euphrat unb Tigris, die Gebirge von Armenien und - don Libanon bewohnten. Zur Zeit Christi war bas Land aramäisirt. Während von den Nachkommen der Kanaaniter letzt nichts mehr zu spüren ist, haben fich die Nachkommen der Aramäer im Libanon im Typus der Maroniten unb Drusen erhalten. Darnach wurden die Araber, die schon im 6. Jahrhundert v. Lhr. in Palmyra, östlich von Damaskus, eS zu einer bedeutenden Cultur gebracht hatten, die Herren de» Landes. Die aramäische Cultur und Sprache wurde durch fie verdrängt. Heute giebt es nur noch 12 Stunde» nördlich von Damaskus drei Dörfer, wo sich diese Sprach« erhalten hat. Der Herr Bortragend« ist selbst hier an Ort und Stelle längere Zeit als Erforscher dieser Sprache thätig gewesen. Die in der Kreuzfahrerzeit zurückgebliebenen Frauke» haben nur geringe Spure» hinterlassen. Ein interessanter Zifpai sind die Juden, unter denen die spanischen sich vortheilhaft von den polnisch-deutschen abheben. Die gegenwästigm Beherrscher deS Landes find d.e Tücken. — Im zweiten Theile wurden die Bewohner Palästinas ihrer Lebensweise nach beleuchtet. Van unterscheidet hiernach Beduinen, Bauern und Städter. Die Ersten bild u wandernd« Stämme. Sie sind Kamerlzüchter, Schaf- und Zi׳ zenhirteu. Sir führen ein hartes Leben. Trotz der auSgmelntm Landstreckrn. die fie ihr eigen nennen, müssen sie doch oft hungern. Thiere zu schlachte» unteckassen sie, da diese zu kostbar sind. Brod ist bei ihnen eine Seltenheit. ES wnch von dm Bauern gekanst oder geraubt. Diebstahl gehört nach ihrm Begriffen zur sozialm Ockonomie. Sie tragm eine gewisse Ritterlichkeit zur Schau und find, da fie ein starker Freiheitsdrang beseelt, Femde jeder staatlichm Ordnung. Nach und nach werdm sie seßhaft. Es dauert lan e, ehe fie den Ackerbau Innen und betreiben. So erfolgt ein langsamn Nebergang vom Bedniumthu» zum Bauernthum. Ein solcher sich ansiedelndn Beduinenstmnmwarrn die Ebräer, die dann dm Ackerbau dn Kanaanitrr übernahmen. In diesem Uebngaugsstadium befindm sich heutzutage die sich noch Beduinm nennmdm Stämme in der Nähe des Tobten Meeres. — Hinsichtlich der Religion lasst» sich unter dm einzelnen Bölknn keine durchgreisendm Unterscheidungsmerkmale ׳'esthaltm. Die besprochmm Böllerschäften wurden durch dm Herm Bortragmdm, dn lange Zeit zwecks sprachwissenschaftlicher, ethnographischer und biblisch historischer Studien untn ihnm lebte und veckehrte, nach Physiognomie und Charattn lebensvoll skizzirt. Zur Beranschaulichnng des Vortrages hatte dn Herr Rednn mit bneitwillign Frmndlichkeit seine reiche photographische Sammlung von Bockstypen, sowie einige Gegenstände seines Pcivatmnskum« ausgestellt. Durch dm übnaus klaren, von gesundem Hvmor gewürztm Bortrag hattm die Orimstahrn ausS Reue ringehmde Belehrung und Nnchtige Dircktivm für im Heiliam Lande zu machende Beobachtuugm erholten. Allgemeinn Beifall, gab dem Herrn Rednn zu nkmnm, daß n dir Erwartu»gm dn Zuhörn voll und ganz erfüllt hatte. G<fterteidt*nmtm9u. Wiener Briefe in. (Bon Reb Leisn Scholetsrtzn.) DaS Interregnum in dn Bimn Lultusgemeinde soll mdlich feinem Ende mtgegm gehm. Nach dreijährigem Drbattirm «nd Corrigiren der Gemeindestatutm soll die Regierung nun die Absicht haben, das Statut der Lultusgemeinde zu ge- »ehmigm. ES wnden in dn Seitmstrttmgasse bereits Bordereitungm getroffm, um für die Neuwahlm des LultuSvorftmches im heurigen Hnbfte die Wüblnlisten zusammmzustellm. A»ch dn rührige Verein ,Union" Met seine Commilftonm m diesem Kampfe mit einn neum Parole aus. Untn dn Dostst: ,Nur die allerdümmften Kälbn wählm ihre Metzger sttder", also mit dem in Deutschland bckanntm sozialistischen Schlachtrufe, sollm die neuen Borstehn aus der Wahlurne hoüwrgehm. Wim ist .stumm" gewordm, sehr ,stumm". Jjbtt’ Kindle, bet', dmn sonst wird eS zu spät, die Zionistm n»ß die UuiouSherm, die wndm dem Kindle bet« lern'." , Die Sewissmssteiheit uusern orthodoxm Äemeinhmütgliedn soll geschont werdm und die Kopfbedeckung beim Relig׳ onSunterrichte im intnconfessionellm Schulzimmn soll ihnmzu Liebe eingeführt wndm. Als wir diese Neuerung. in einem hiesigen Blatt schwarz auf weiß gedruckt vorfandm, da wolltm wir' unsncn Augen kaum träum; ein witzign Lultusbeamtn tröstete unS jedoch mit dem talmudischm Lehrsätze: ,1-0' bamidraaob ikkor elo harn aasseh“ — nicht das Lehren ist die Hauptsache, meinte derselbe, sondern die Kopfbedeckung beim Religion-- unterrichte. Zu Hause dürfm die Kindn bekallos rosch alle Schlechtigkeiten verrichten, in der Schule abn sollm sie durch daS schwarze Kappel erinnert wndm, an das ״da lifne mi atoh oaied, selbst wmn ein Kreuz im selbm Zimmer ist. ■ ׳ Nachdem die trostlose Gemeinde trotz alln Bemühungen, keinen Nachfolger für den vacantm Rabbinatssitz findm konnte, will man das laudabilatvr se subiecit durch Einmengung in die Sphäre dn Religionsschulinspcction erringen. Mit diesn Jnspectton ist eS seit dem Tode des seligm ׳Professors G. Wolf eigenthümlich bestellt. Was dn alte Wolf frühn ganz allein beaufsichftgte und sehr gewissmhaft übersah, das bringen jetzt drei Schulmännner nur mit schwnn Mühe zu Stande. Dn Jnspectionsrayon hat sich allndings durch die Einbeziehung dn Borottgemrindm bedmtend vngrößett. DaS Lehrn- und Schülermatcrial scheint sich jedoch nicht dadurch vnbessert zu habm; dmn alle Tage tretm neue Reme-' duren gegm diese Noth in Action. Ein sehr klugn Cultusvorstehn hat jedoch ein sehr drastisches Mittel erfundm, um wmigstenS unsnm Herrm Religionslehrnn, die mit wmigm AuSnahmm keine Kirchmlichtn aus dem Gebine dn jüdischen Wissenschaft find, wmigstms Gelegenheit zu gebm, ihre sehr großm Lücken allmählich zu verstopfm. Es wurde an dn hiesigm israelitischm theologischen Lehranstalt rin FottbildungSkurs für jüdische ReligionSlehrn und jene, die es wnden wollen, errichtet. Dreimal wöchentlich nmndnn die bärtigm und bejahrten Herren in die Fortbildungsschule und sollen daselbst eine sehr willkoinmene Gelegenheit findm, ihre lückenhaften Kenntnisse in jedn Beziehung zu bnrichnn. Auch die polnische Sprache könnm die Herrm daselbst nlnnm. Ein sehr tüchtign Dozent wurde für diesen Gegenstand aufgenommen. Dn junge Grlehtte ist ein tüchtign Jurist, ein eistiger Zionist und was die Hauptsache ist, ein in dm weitestm Kreisen bckannter Helncän und Linguist. Dir ,Zionisten" habm bei nns übnhaupt eine große Zukunft. Durch die unliebsamen Vorgänge an dn Wienn Universität haben unsne ,Förderer des Zionismus" einm großen Zuwachs erhalten. Man spricht bneits davon, daß an uusnem Seminar ein Lehrstuhl für ״Zionismus und Palästinacolonisation" errichtet wndm soll. Nur bildn wieder die leidige Prrsonalstage in diesn Angelegenheit eine Qual vor dn Wahl. Ein ehemalign Asston om aus Rußland, dnzeitign Redakteur rinn jüdisch-belletristischen MonatSschstst und ein ehemalign Advokaturconcipient, dnzeit jedoch Chef alln vatnlaudSlosm rumänischen und mssischm Jünglinge in Wim, sollen als Candidaten für Borträgt übn die brmnmdm Fragm deS ״Zionismus und dn Palästinacolonisattou, vorgeschlagen sein. (Schlußjolgt.) Wir». 19. Juli. (Or.-Corr.) Ein höchst erbauliche« Schauspiel wurde diesn Tage im GerichtSsaole abgeschlossm, nämlich eine Rede des durch seine austeizendm Reden bekanntm antisemitischen Pfarrers Dr. Deckert wurde als Abdruck in einem diesn Krankheit dimmdm Blatte confiscitt und bildn diese Verhandlung abermals ein Bild, welches man im 19. Jahrhundert für kaum glaublich baltm sollte. Uebn die Vnhandlung berichten die hiesigm Blättn wie folgt: In dn von Dr. Pstunn herausgegebenen antisemitischen Zeitschrift ,Oesterreichischer Boltsfreund" wurde eine der bekanitten Consistorialrrden de« Pfarrers Dr. Deckert zum Abdmcke gebracht, welch« dn Staatsanwaltschaft Anlaß gab, die Beschlagnahme des Blattes mit dn Begründung zu verfügen, daß der Inhalt der Rede , das Bnbrechen nach § 128 St. &. (Gotteslästerung) und da» ,Bngehen nach Z SSL <B»freizuyg gegen rin« staatlich aner-

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