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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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liehe- Religionslehrbuch ״ikizzur Schulchan Aruch" eingesührt hätte, so ist darichtig, cs ist aber nicht' ausschließlich die j,Thatfache, die unserer Mitthejlung zu Grunde liegen", sondern es ist dem Oderrathe sehr wohl besannt, daß der ״stizzur Schulchan- Aruch" auch in der. Schule in Sulzburg iUi Gebrauche war. Im Uebngen nehmen wir davon tienntniß, daß »ach der ״dattsru her-Zitz." die "drei israelitischen theologischen Mitglieder der Rcligionskonscrenz des Overraths einige Gutachten dahin erstattet haben, ״daß der Kizzur Schulchan Aruch als Schulbuch nicht^Hfliict erscheine, da bei einem solchen die aus Reinheit des eheliche» Lebens »nd ähnliche bezügliche Vorschriften zu dennstanden seien, überdies aber auch diejenigen,Stellen, welche den götzendienerischen Heiden (Stcrnaubeter) gegenüber ein minder humanes Verhalten zulasse», als veraltet und der heutigen geläuterten Auffassung des Judenthum» widersprechend bezeichnet werden muffen". . Wen» wir recht unterrichtet sind, ist das Gutachten, welche» die Ärvßhcrzvgliche -Regienuig erhob, ein noch weitergehendcS, es dürste z. V. staglich erschcuicn, ob nur de» ״Sternanbeter»" g'egcpübcr ein .,minder humanes" Verhalten im Schulchan-Aruch 'den Juden gestattet sei. Nach ansercn Jnsormationeii sind nicht nur die ״Stcrnanbelcr". solider» alle ״Aknnis״, d. h. alle Nichtjuden, also auch die Christen!'?), gemeint! Es-ist bezeichnend, daß bis jetzt »och solche Bücher wenigstens in ciiizelne» Schulen mit der Alltvrität eines israelitischen Religivnsbuches versehen waren, stütz der ״heutigen geläuterten Anffastung de« Judcnthums.״ ׳ Man sicht, wie das couservative Blatt diesen, vom israeli tischen Obcrrath proprio motu nicht gut geheißenen Specialsall aytisemitisch ausbauscht. Die Unterschiebung, daß unter ״Aknin" auch die ״Christen״ zu verstehe» seien, ist nach der Erklärung ׳der deutschen Rabbiner vom Februar 1893 (״Akum" bezeichnet keinen Bekenner einer mvnvtheistischen Religion) geradezu eine Verleumdung. Berlin. 15. Juni. (Or.-Corr.) Tie Egydischc Wochenschrist ״Versöhnung" — welche an Stelle der Vierteljahrsschrift ״Einiges Christenthum" trat — trug Anfangs einen wirklich versöhnlichen Charakter. Tie Leitartikel von Egidy selbst waren im Geiste der ״Versöhnung" geschrieben, getreu seinem Prinzip: ״Religio» ist das allen Gemeinsame — Confession das unantastbare Eigenthum des Einzelnen". Seit einigen Wochen aber bringt das Blatt Artikel, die jedem Anti־ semitenblatr Ehre machen würden. So brachte es in voriger Nummer eine Abhandlung von Hiifkcr, in welchem der Schreiber mit aufregender Leidenschaft die Kreuzigung schildert und u A. sagt: ״Die Juden forderten den Tod dessen, der der König sein wollte in der Liebe und in der Wahrheit, und sie gaben den Mörder frei, um ihn, den Verhaßten, zum Tode reißen zu können. Und einen Purpurmantel hüngten sie ihm um und eine Dornenkrone setzten sie ihm aus und sie spieen ihn an und sie schlugen ihn in's Gesicht, sie stießen die Dornen in seine Stirn, »m sich an ihm zu rächen" (?)-" Solchen haßerfüllten, Zwietracht säenden Worten giebt die Egydische ״Versöhnung" Raum? Aber noch viel schlimmer geht es in der dieswöchentlichen Nummer her. Darin befindet sich der Leitartikel ״Deutsche Volksbibel!" von Gustav Schalk und wir lesen daselbst: - ״Es muß laut gesagt werden, daß die Religion Jesu mit dem Alten Testament der Bibel gar nichts zu schaffen l>al. Entweder sind wir Juden, oder wir sind Christen, nicht aber beides zugleich; das erzeugt jene lauen Buchstabenchristen, die das Christenthum langsam, aber unfehlbar zu Grunde richten. Der Jehovah des ״Alten Bundes" hat mit dem ״himmlischen Vater" unseres erstgeborenen Bruders Jesus Christus gar nichts gemein. Jener ist der despotische Herrscher des jüdischen Volkes und der unerbittlich grausame Rächer an seinen Feinden, dieser der liebreiche Vater aller seiner Menschenkinder, auch, aber nicht ״vornehmlich" der TZuden, wenn sie sich zu ihm finden wollen. Wer einmal diesen Christengott, der die Liebe ist, in der Tiefe seiner Seele geschaut hat, der. wird eS schmerzlich beklagen, daß die osficielle Christenlehre diesen ״Vater der Liebe".׳ mit dem ״starken und 'eifrigen" Jehovah, .der die Sünden der Väter heimsucht an de» Kinder»' bis in daS dritte und vierte Glied, ideutificirt * ' ' "יחוד und ihn so zu einem Zerrbild« erniedrigt, dem sich die edelst« Herzen verschließen."-In diesem sich seihst verurtheilenden blasphemischen Tone geht es fort. - B. BreSlau, 15. Juli.!Protokoll der cvnstituirenden Ver. sammlung der ״brüderlicherlichen Vereinigung" (Ahawas. Achim). Nach herzlicher gegenseitiger Begrüßung wurde die Versammlung durch den Lollrgen Ehrlich-Oppeln eröffnet. Man schritt hieraus zur Wahl des Bureau's, und wurde dem College» Graf-Glogau das Präsidium übertragen. Herr College Gelbart-Magdeburg übcreichte alsdann seine von großem Fleiß und vieler Mühe zeugenden Vorarbeiten u. a. den Entwurf der Statuten, in deren Bcrathung die Ver«, sammlung sofort eintet. Nach eingehender, recht lebhafter Debatte, besonders von Seiten der College» Ehrlich, Gelbart, Haase-Birnbaum, Rawitscher-Schweidnitz, Ledergiann-Breslau, Dr. Louis Neustadt-Breslau, Graf-Glogau u. s. w. wurden die Statuten festgestellt und angenommen.-—Dieselben werden demnächst dem Drucke übergeben und den Mitgliedern, der Bereinigung zusandt werden. Nach definitiver Annahme der Statuten schritt di» General-Versammlung zur Wahl des aus fünf Mitgliedern , bestehenden Vorstandes. Derselbe setzt sich demgemäß aus ׳ folgendenj& Mitgliedern zusammen: den Herren Graf-Glogau, Gelbart-Magdeburg, Ehrlich-Oppeln, Dr. L. Neustadt-, Breslau, Eichrnbaum - Kippcnhcim. Die Versammlung, deputierte die College» Ehrlich, Graf und Gelbart zu der am nächstsolgenden Tage stattfindenden Sitzung des sich constituirenden Verbandes isr. Religionslchrer, da beide Vereine anscheinend in mehreren Punkten gleiche Interessen verfolgen und unter bestimmten Voraussetzungen in gewisser Beziehung eine Fusion in manchen Punkten nicht unwahr, ׳ scheinlich ist. --- Tie Versammlung trennte sich nach mehrstündiger Be-- rathung, nachdem sie noch freudig mehrere aus Bayern und Baden eingelaufene Begrüßungsdepeschrn anhörte. Zu be-. merken ist noch, daß zu dem ca. 150 Mitglieder zählende« Vereine bereits mehrere Ehrenmitglieder ihren Beitritt erklärte«. BreSlau. 20. Juli. Der Verbandstag des ״Deut, schen Reichsvrrbandes jüdischer Rrligionslrhrer" hat am Montag, den 16. Juli, mit der s. Z. mitgetheilten 'Tagesordnung stattgefunden. Die Mitglieder waren theil« weise auS weiter Ferne erschienen. In das Präsidium wurden gewählt die Herrn Rabbiner Dr. Baeck-Lissa, Dr. Bähr- Prcuzlau, Bach-Reichenbach, Bauer-Cöslin, Dr. Bloch- Posen, Dr. C o h n - Kattowitz, Graf-Glogau, Dr. Louis Neustadt-Breslau.Tr.Nordheimer.Schwetz.Dr.Perlitz- Nakel, Dr. Rosenthal-Rogasen, Dr. Wreschner-Samter. Der Jahresbeitrag ist auf 6 Rmk. normitt worden. Eine Reihe jüdischer Kurhvspitäler in Badeorten hat dem Verbände die freie Aufnahme feiner Mitglieder zngesichert. Für das ״Lehrerheim" sind die schönsten Aussichten vorhanden. Auch Gemeinden und Spender können als außerordentliche -Mit - gliedrr ausgenommen werden. Aufnahmegesuche sind an Herrn Dr. Louis Neustadt zu richten. — Das ausführliche Protokoll folgt in einer nächsten Nummer. Leipzig, 13. Juli. In der am Donnerstag stattgehabten 5. Versammlung der Mitreisenden nach Palästina und Egyptr» im Saale des ״Vereins für Volkswohl" sprach Herr Professor, Dr. Socin über das Thema: Die heutigen Bewohner Palästina's und Syriens. Tie Bewohner bilden ein complicittes Völkergemisch. Beim erstmaligen Betreten des Laiches fühlt sich der Reisende in einen bunten Larneval versetzt, und es ist fiir ihn nöthig, sich klar zu werden, > aus welchen. Elementen sich die Bevölkerung zusammensetzt. In dem ersten Theile wurden die einzelnen Völker ihrer Abstammung nach charakterisirt. Die ältesten Bewohner wäre« die Kanaaniter. Sie zerfielen in Stämme und waren immer-politisch abhängig. Sie wurden durch die cinwandernden Stämme der Ebräer, Moabiter und Ammonit« verdrängt. Auf diese folgte» hje Aramäer, welche die-LSnder östlich von Damaskus bis an den

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