Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 30 (27.7.1894)
- Date
- 1894-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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!1#« btn intelligenten unddenn! gegenüb«. ^welche sich Ehrlichkeit unh Redlichkeit in ihrem Thun au-zeichnen, diese Duldsamkeit geübt, vielmehr werden die Reichsten angenommen und nach Bedarf' auch bekurt. Vereine, Christen gegenüber sehr wenig skrupulös bei der Aus. >hme find, hüllen sich gleichwertigen Juden gegenüber in »lze Unnahbarkeit und nur von dem Gelbe der reichen en heißt eS non ölet. Die christliche Gesellschaft hat i’0 den Juden zu dem Bewußtsein erzogen, daß er — im ''Gegensatz zu Anderen, deren Charakter ihnen ihre Würdigkeit j!«iebt sobiel werth ist, als er hat. Daß der Eine oder : *ci Anders daher vom Goldglanz, das ihn so vieler Annchm. lkichkeit theilhast werden läßt, geblendet wird — wer trägt di« Schuld daran? Die staatliche oder die bürgerliche Gesellschast, welche sich auf die schiefe Ebene der Ausschließung ,ul) Absonderung begiebt, hat damit die Willkür adoptirt, und ׳ da- Alterthum bis zur neuesten Zeit bildet eine einzige Kette, ^in der Abschließunq an Abschließung wie Ring an Ring sich reiht. Und wenn der Herr Oberpfarrer eine Vermehrung .»«selben verlangt, so hat er sich zum Begriffe des reinen MenschenthumS noch nicht durchgearbeitet; wirft er aber gar den Betroffenen vor, daß sie sich obsondrrn, so, gelinde gesagt, streut « den Leuten Sand in dir Angen, um bei dem auf. steigenden Wirbel sein eigenes Unrecht besser verhüllen zu können. Die Behauptung jedoch, daß auch die Besseren in unserer Mitte, die zahlreichen Geschäftsleute, »welche der Corruption 'und der Ausbeutung sich schuldig zu machen gewöhn! sind, tkei» sehr milde und nachsichtig beurteilen, theilS wegen ihrer Gewandtheit und Klugheit hochschätzen und rühmen", ist eine so ungeheuerliche, daß ein auch nur halbwegs gebildeter M nn, um viel mehr ein Geistlicher in hoher Stellung, sie nicht in die Welt hinauSschreien darf, ohne mit dem Finger aus die Fälle hinzuweisen, die ihm vor Augen stehen und deren er eine ganze Corporation beschuldigt, wenn er nicht durch Leicht- Artigkeit mit dem großem Haufen wetteifern will. Der Herr Oberpfarrer nimmt es aber mit dem Wort überhaupt nicht so genau, nicht nur wenn eS die Juden betrifft, wie z. B. «it der Verallgemeinerung in Ahlwardt'scher Manier .jüdische Manipulationen" rc, sondern auch mit dem Schlagwort »verjudete Christen", welches nur der blinde Haß einem Geistlichen in den Mund legen kann. Mit diesem Ausdruck wird doch derjenige Mensch bezeichnet, der geborenrr oder Gewonnen« Christ ist und seine christliche Liebe nicht durch einen Windmühlenkamps gegen die eingebildete Gefahr bethätigt. Wir denken besser von d« christlichen Religion, als daß wir annrhmen, sie entweihe durch eine dnartige Forderung das Sakrament dn Taufe; wenn dn H«r Oberpfarrn darüber a»d«S denkt, m!»v rr in Zukunft seine Täuflinge üb« diese von ihnen üb«nommene Pflichten rechtzeitig belehren, um sich spätere Enttäuschungen zu ersparen; vornehmlich ab« möge « gegen die Juden-Missionen eifnn und für dnen Aushebung sargen, falls diese nicht in das Prüfung».Reglement für Neophyten einen Artikel A ausnehmen, welch« lautet: Der .Aufzunehmende ist auf 'einen waschechten Haß gegen seine bisherigen Glaubensgenossen zu prüfen und auf seine üb«, «ommenen diesbezüglichen Verpflichtungen aufs Sorgsamste solbungvoll hinzuwrisen! Ehe « jenes thut und dieses «« ״reicht, wird « uns unfern Glauben nicht rauben, daß der Müßte Tlieil der Menschheit, d« Christenheit und dn Deutschen, mehr Neigung zu lieben als zu hassen behalten wird. H«r Dr. Graue hat vom Aussehen und Inhalt des TalmundS zwar keine Ahnung, aber die Geschichte kennt rr, und da diese alle seine Ausführungen desavouirt - wo »och eine Lücke vorhanden ist, da Hilst H«r Dr. Mühlfelder «ach — so manipuliert n mit .wenn" und »ab«". Selten dürste eine Schrift sich finden, welche mit so vielen »all«. -divgS" und .zwar" kämpft, welche immer die Stellen bedie für die Juden günstig sprechen, die ab« stets im Nachsatz d«S Herrn, Dr. Graue nachschleppen, welch«. das in d« unbestechlichen Gq'chichte Nicht-Borhandeye auö eigen« Machtvollkommenheit nachträglich ergänzt. Man nennt dies Verfahren: Geschichte manchen! Wenn n sich ab« gar nicht mehr zu Helsen weiß, pfeift « nach ,Caro", dem .jüdischen RechtSgelehrten" — eins so falsch, wie das andne. Jeder Nicht« stagt den Zeugen nach seiner Vergangenheit, seinen Vorstrafen u. s. w. So peinlich und überflüssig diese Fragen zu sein scheinen, so haben sie doch ihren sehr guten Grund, iveil die Integrität des Zeugen für seine Glaub- Würdigkeit den Maaßstab abgiebt. Man muß mit Beschuldigungrn sehr vorsichtigt sein, noch vorsichtiger, wenn man sich hierbei aus Autoritäten stützt; tritt ab« dn seltene Fall ein, daß ein sächsischer Geistlicher einen Lrmbngn Juden, d« seine Lagerstätte beschmutzt, zu seinem Gewährsmann hnbeizieht, dann mußte, wenn « unparteiisch sein wollte und eS ihm um die Wahrheit zu thun war, dieser dem Herrn Pfarrer besser als uns bekannte .JudentnpuS" doch sehr vndächtig vorkommen. Ich muß hier aus eine andne Stelle in Graues Ausführungen vorgreisen — auf seine Epistel gegen Mühlfeldn —, welche über die Siimmungen und Absichten, die den H«rn Oberpfarr« beseelen, keinen Zweifel übrig lassen; ich thue eS, weil ich nicht gern noch einmal auf den — Caro kommen möchte, dem ich schon vor mehr als einem Jahre mit einem offenen Briese allzuviel Ehre erwiesen habe, was ich mir immer noch nicht verzeihen kann. Auf S. 37 bemerkt Hnr Dr. Graue in einer Notiz wörtlich Folgendes: .Ob dn von mir citirte jüdische Rechtsgelehrte Caro getauft ist? Mir ist das nicht bekannt worden; ich habe ihn gnade deshalb, weil n als Jude ein besonders unparteiischer (?) Zeuge üb« daS Judenthuin (ist ein Jude auch dann ein klassischer Zeuge, wenn n f tl r das Judrnthum die Jede! führt?? S.) zu sein schien, wird«- holt citirt. Ob die von Dr. Ä. mitgetheilten Nachrichten üb« Caro Eharacter-Entstellungen und Empfindungen jüdisch«Rochsuchtsi ud. oder theilweise, vielleicht sogar ganz ausWahrheit beruhen, vermag ich selbstverständlich (I) nicht »u entscheiden, fühle mich auch nicht b«uscn, mich dieserhalb bei der Lemberg« Advokatenkämm«, deren Aufsicht Caro untersteht, zu erkundigeu. Sollte bedauerlich« Weise die zweite Annahme die richtige sein, so hätten >vir deutschen Christen wird« einmal die Erfahrung gemacht, die wir leider schon oft gemacht haben, daß ein Mann, den ivir läng«e Zeit (?) hindurch zu den hochachtbaren Vertretern (?) des jüdischen Volkes gezählt haben, sich als .einen sittlich haltlosen und unwürdigen Mensch entpuppt . ." Aus die Gefahr hin, mir Ihre Ungnade zuzuziehen, muß ich Ihnen, He« Obcrpfarrer, direkt sagen, daß Sie hier ein verwerfliches Stücklein f«fig gebracht haben, um dessen .Moral" die schlimmsten d« von Ihnen so sehr gehaßten und gefürchteten Jesuiten Sie beneiden könnten. Also wenn Ihre Antoritätein ordcnrlichnMensch ist, dann ist er dn Ihrige — ist er ab« ein Lump, dann hängen Sie ihn an unsne Rvckschöße und verschanzen sich hinter salbungsvolle Redensarten? Heraus mit dn Sprache! Wo und wann haben Sir dir Erfahrungen, von denen Sie sprachen, ,leid« schon oft" gemacht? War etwa Harden-Weißensee ein Jude? War Müller-Oldenburg ein Jude? Ich will Sie nicht mit Aufzählung weit«« Namen hervorragender Männ«, die ich bis ins Unendliche erweitern könnte, langweilen, ab«, da Sie Lectionen hassen, wollte ich Sie durch ein Beispiel belehren, daß es in jeder ReligionSgrsellschaft schlechte Subjecte giebt und daß man jeder Behauptung den Beweis an die Seite setzen muß. Wenn jeinand aus der Tagespresse dir Stellen plündern ivollte, in denen schlechte Christen ihre Religion und deren Einrichtungen schmähten, oder wenn man dem V« brcch«, d« zufällig Christ, wofür doch das Christenthum nichts kann, jinm« die christliche Religionsbezcichnnng beilegen würde, konnte Ihnen das behagen? Abgesehen davon, daß die Juden weder das eine, noch das andne Verbrechen in Erbpacht genommen haben. daß eS. eben solch schlechte Juden wie schlechte Christen giebt, glauben Sir, daß ein ,mit