Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 29 (20.7.1894)
- Date
- 1894-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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bloß im Mariahilfer Tempel bei jedem feierlichcn Gottesdienste in Gebrauch ist. Herr Obercantor Bauer, früher in Graz, hat sich ziemlich rasch die sephardische Aussprache angeeignet, doch behielt er trotzdem die Goldstein'sche Gesangsmanier bei. Tie türkische Synagoge ist im maurisch-spanischem Style mit orientalischem Luxus ausgestattet und macht den bestm Eindruck von allen hiesigen Synagogen, nur schien mir daS Zerbrechen eines Glases nach Schluß der Trauung (als Secder lecherbon) mit dem durch die Orgel repräsentitten Geiste des Fortschrittes nicht zu harmoniereu. Die Trauungsredc hielt der Chacham Papo in deutscher Sprachedie Kesaba wird auf Pergament durchwegs in Quadratschrift geschrieben und wie eine Rolle in einem Etui zur fttten Erinncruug an die übernonrmenen Pflichten aufbewahtt. Es sei noch bemerkt, daß im türkischen Tempel der Sohn des früheren Talmud- Thoradirettors, Herr Isidor Löwith, als tüchtiger Ehordirigent seines Amtes waltet. Es muß das Bestreben, durch Chorgesang dem Zeitgeiste Rechnung zu tragen, besonders anerkannt werden. Genügte doch der bloße Choralgesang und das Borrücken des Almemors in einer mährischen Grenzstadt (Ung.-Brod), um die Hypcrorthodoxen zur Separation zu veranlassen und da Collectcn zu derattigen Zwecken jetzt an der Tagesordnung fand, appellitten die Trennungssüchtigen an die Munificenz der Glaubensgenossen ohne Unterschied der Richtung, um die nöthigen Gelduntnstützungen zur Durchfuhrung der Separatton, d. h. um nur rinn besonderen Gottesdienst mit eigenem Vorstände und Btth-hammidrasch zu erlangen. Ter Bollständigkttt wegen bemerke ich noch, daß in dem Mariahilfer Tempel Hm Dr. Talglicht, aus der Berliner Hochschule, früher in Ung.-Ostta, das Rabbinat versteht, als Cantor fungitt seit 10 Jahren der sehr beliebte Obncantor Dünnmannau. In der Rosou (Müllergasse) hat die Synagoge, ebmso das Tabernakel mehr gothisch-kirchlichen Styl und fungiren daselbst Hm Rabbiner Dr. GelbhauS, als geistvoller Prediger und der Obmantor Klüger) der Gottesdienst wird in sehr würdiger Weise vollzogen. — Zum Schlüsse sei noch der neuen polnischen Synagoge in der Leopoldgasse erwähnt, in der dm Hauptanziehungspunkt Hm Obmantor Schor bildet. Wohl wäre noch Manches zu sagm über das Verhaltm der Besucher des letztgenannten Bethauses, wie auch über daS öffentliche Prunkm mit dm Nomm der Spender, (beim Aufrufm zur Thora), doch soll über diese leicht erklärliche und begreifliche Schwäche der Mantel der Lieb« gebrrfttt werdm! Wie«. 16. Juli. (Or.-Corr.) Das hiesige Rabbiner- Seminar erfreut sich guten Besuches und liefert Galizien relativ das größte Conttngmt zu dm 25 Hörem, dmm Hm Rector D. Schwarz im Talmud und Codices, Hm Prof. Dr. D. H. Müller in hebräischer Sprache, Prof. D. Büchler in Geschichte und Exegese und Lector M. Friedmann in Bibel und Midrasch Untmicht ettheilm. Außerdem besuchm an 10 Schüler dm VorbertttungSttnsus, von dmen einzelne im künfttgm Jahre für das Seminar befähigt sttn dürften. Die berühmte Jellinek'sche Bibliothek wurde vom Vorstande für das Seminar augeschafft und hat Hm Prof. Büchler die schwierige Aufgabe übernommen, dieselbe zu ordne» und zu katalogifiren. Seit nmerer Zeit ist die reichhaltige Bibliothek der Gemttnde drttmal der Woche dem Publikum zugänglich und versieht Hm Dr. Reis — früher Rabbiner in St. Pöltm — provisorisch das Amt des BibliothekaterS Auch das Beth- Hammidrosch (begründet von D. Jellinek) bleibt nach wie vor eröffnet, doch find die Botträge bis auf die des Lectors Friedmann sistttt. N. AuS Ungar«. 13. Juli. (Or.-Corr.) Ist die obligattsche Civilehe an sich schon eine Bedingung der Rechrsgleichttt im Staate, btt welcher nach der nachttäglich aufgeommenen Gesetzesbestimmung, das ttttgiöse Bedüirfuiß in ttner Weise beschränkt werden darf: so ist diese nun vorr bttdm Häusem des RttchstagS angenommme gesttzüche Institutton, welcher die Krone zugckttmmt' hatte, die unnläß» liche Vorbedingung, der Receptton der GlaubmSgemttnschaft, - so fem für die Religion der Kinder, welche aus׳ einer bürgtt- . lich geschlossmen gemischtm Ehc bemorgehen, es wohl von- Wichttgkttt ist, ob die jüdische Religion staatlich aufgenommen ist. Nun, die staatliche Aufnahme der Jüdischen Religion ist jetzt ebmfalls (beinahe einsttmmig) im Ab-׳ geordnttmhause erfolgt. Der Referent H. Gsza Papp schloß sttne Rede mit folgendn Mottvinmg des, Grsetzmtwurfes: ״Der vorliegende Gesetzmvrurf will nur ttnem fakttschm Zw» ׳ stände ttne gcketzliche Form geben, er rttßt ttne Scheidewand niedn, welche btt uns > ttnem Elemmte gegmüber besteht, welches am mttstm und votthttlhaftesten geeignet ist, mit der Natton verschmolzm zu werdm." Der Cultus-Minister Baron Eötvös bezmgte angesichts LeS AnttsemitiSmus, welcher ttu ״kindisch« Nachklaug" dtt.Judmverfolgwng ist, es als ttn Zttchm des Fortschritte-, daß da Gesthrntwürs üb« die. Receptton dos Judenthums allgemttne Zustimmung in» d« gesetzgebmdm Versammlung.fand. . Auch daS Gffetz üb« die Religionsfreiheit wurde vom Abgeordnetenhause ttnmüthig angmommm. - A Durch diese kftchmpolittsche Gesetzgebung wird, vermöge frtt«, aus innerstem HerzenSbedürfniß h«auS ausgeübt« Religion, btt voll« Rechtsgleichheit d« Conkttfionm und - ihr« Bekenner die tthische Bildpng und Bedmtung d« Natton und d« JSr. GlaubmSgemttnschaft wachsm, welche sich wohl auf d« ganzm Erde als Religwnsvolk, mit ganzem Herzen und ganz« Seele ab« dem Staate zugehöng fühlt, welch« diese schützet und stütztt btt Anerkmnung voll« Glttch- , bcrechttgung, auf welche sie nach dem Zmgniß dn Geschichte ' ttn wohlverdientes Recht hat. — - Aus Tarnopal wird vom 8. Juli berichtet: D« Bau« Adam Gawrydo hat gestern Nachts in einem kleinen bei Zbaraz gelegenen Docke durch ttne ttagische Verwechslung seinen ngenen Sohn ermordet, indem « ihm mit einem großen Küchenmeff« den Hal» durchschnitt. In Folge ein« eigenthümlichen Verkettung von Umständen ist d« Sohn zum Opfer d« Geldgi« seines Vaters und derjenige, dem d« Todesstoß zugedacht war, zum Entdecker dm grauenerregenden Thal geworden. In furchtbarer Wttse hat hier die Nemesis sofott dm Mördm rreill. Bor einigen Wochen hatte der Handelsmann Salomon.Bark» od« Barbm au- Zbaraz dem Adam Gawrydo deffm ganze diesjährig« ■ den Verkauf nicht einzuhalten im Stande stt, und zeigte sich berttt, als Entschädigung so viel zu zahlm, als der Rabbiner dem Händl« zufprechm werde. Gestern begaben sich Beide zum Rabbiner. wrlchm dem Hündlm einen Schadmerfatz von 10 fl. zueckaimte, die d« Bau« auch sofott eckegte. Im bestm Einvernehmen veckießen dir Widersacher den Seelforgm und kehttm in ttne auf dem Wege gckegmm Schänke ein. wo sie sich bi» in dm späten Abend aufhieltm. Da e« zu regnen anfing, stellte dm in d« Nähe wohnmd« Baum dem Händl« dm Antrag, « möge bei ihnübernachlen, was dieser annahm. Zu Haust angckangt, bmtttete der Baum in dm Scheune ein Lag« an» Stroh, wünschte dem Händl« gute Nacht und vmließ ihn, die Thür d« Scheune hint« sich sorgsälttg schließend. Die» fiel dem Händler auf, ttne nammlose Angst beschlich ihn, « stand aus, toppte im Ainstem herum, bis « endlich eine zweite Thür entdeckte, welche nur von innen durch einen Riegel zugrschlosien war. Er öffntte dirstlbe, veckieß die Scheune und begab sich nochmals in» WirthShau». Inzwischen war d« Sohn des Bauer» in nicht ganz nüchternem Zustande httmaekehtt. Da « die Thür dm Scheune offen fand, ging « in dirstlbe, legte sich auf da» für den Händl« ' bereitete Lager und schlief bald fest ttn. Auf dem Wege in» WitthShau» begegnete dem Händl« ein Gendarm und ftagte ihn» wohin « so spat gehe. Der Händl« erzählte da» Borgefallme; da der Gmdarm jedoch dicke Mittheilung kttnen Glauben schenkte und Barb sich Über feine P«ckon nicht auSwttsrn konnte, gmg dm Kmdyrm mit dickem zum Bau« zurück. Al» auf mehrmauge» Klopsen Niemand öffntte, schlug d« Gmdarm mü de» «i •■d ■t I