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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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{MMfeutf, im Juli. (Or.-Eorr.) Wiei» Berlin, Frankf u rt «nt» K S t» sich Bereine gebildet haben zur Ausbildung von ' Mische» Arankenpflegefinnen, so beabsichtigt auch der hiesige ,israelifisch-humanitäre Frauenverein" eine ähnliche Einrichtung - hierorts ins Leben zu rufen. Ein Grundfonds für diesen Zweck ist bereits beschafft worden und es ergeht nunmehr die öffentliche Aufforderung, daß sich junge Mädchen und Wittwen im Alter von etwa 20 bis 36 Jahren, die sich diesem Berufe widmen wollen, melden mögen. Es ist erforderlich, daß die sich Meldenden vollkommen gesund find, bessere Bildung besitzen, mindestens aber sich im ' Besitze gewöhnlicher Elementarkenntnisse befinden. Die Lehrzeit beträgt in der Regel ein Jahr. Nach beendeter Lehrzeit erhalten diejenigen, die sich zu mindestens 3 jährigem Dienst verpflichten, das Diplom der Krankenpflegerin. Die Schülerinnen erhalten Logis und Beköstigung und eine Vergütung von 30 Mk. pro Vierteljahr. Die Pflegerinnen erhalten außer Logis und Beköstigung, Dienstkleidung . und 360 Mk. per Jahr. Das Gehalt steigt von zwei zu zwei Jahr um 60 Mk. bis zu einem Höchstgehalt von Mk. 600. — Sie werden in Krankheitsfällen verpflegt, in JnvaliditätSfällen pensionirt, Meldungen unter Beifügung eineselbstgefertigten Lebenslaufs sind an Herrn Gustav Tuch, (Hamburg, Große Allee 7,) zu sendm. Herr G. T u ch ist der Vorsitzende der hies. Henry JoneS- . Loge und eS ist ja recht anerkennenSwcrth, wenn einige der Logenbrüder Sammlungen für jüdische Ferien-Tolonien und zur Beschenkung und freien Bewirthuug armer jüdischer Kinder am Ehanukafeste event. auch Purim in den Gemeinden ver» anlassm, ckber wenn da gleich zu Beginn de- Ausrufes die bekannte Logen-Phrase, mit der jede Sitzung derselben eröffnet wird, gesetzt wird: ,Der unabhängige Orden B'nai B'rith ... hat eS sich zur Aufgabe gestellt, Israeliten zu vereinigen zur Förderung der höchsten Ideale der Menschhnt, Wissenichaft und Kunst zu unterstützen" u. s. w. so merkt man die propagandistische Absicht sofort, die darum umsomehr verstimmt, weil eS sich ja, wie bei dm Feriencolonien, nicht um eine Großthat der Loge handelt, sondem gleichzeitig um eine Mitbetheiligung von Nichtlogenbrüdern, die also nicht einzig und allein auf das Lonto der Loge zu setzen ist. Es würde dm Logm überhaupt mehr zur Zierde gereichm, wmn sie olle» Großsprecherische bei Seite ließen und sich in das stets gutstehmde Gewand der Bescheidmheit Neideten. MSHrtußen. (Württemberg.) Di« hiesige israelitische Gemeinde seierte jüngst das Fest de» 25jährigen Dienstjubiläums ihre« Lehrer« Stern. Am betr. SamStag früh verkündeten Böllersalven und Musik den Beginn de« Festtage«. Um >/,b Uhr wurde der Jubilar durch da- Kirchenvorsteheramt zum Frühgottesdienst abgeholt. Um S Uhr stellt« sich da» ganze bürgerliche Kollegium, an deren Spitz« Schultheiß Schund zum Festgottesdienst in der Synagoge ein. In erhebender Weise schilderte Herr Bezirk-rabbiner Dr. JarazevSky da« Wirken und Walten, de« Herrn Jukilar«, mit dem Wunsche, daß er der Gemeinde noch lange Jahr« in seinem Amte erhalten bleibe. Stach dem Gottesdienste erfolgte in der Wohnung de- Jubilar« die Ueberreichung der mitunter sehr werthvollen und im allgemeinen sinnreich gewählten Festgeschenke sowohl von der i«raelit׳schen als christlichen Gemeinde, sowie sämtlicher Frauen-Bereine, ehemaliger Schülerinnm und!etzigen Schulkinder. Nachmittag- 4 Uhr wurde der Herr Jubilar von alt und jung mit Musik und unter dem Knattern der Böller von seiner Wohnung im Festzug nach dem ״Bären" zu einem Festbankett abgeholt, an welchem auch da« bürgerliche Kollegium, sowie Herr Pfarrer Knall, die Herren Lehrer und noch mehrere andere Bürger, mit Frauen theilnahmen. Der Herr Rabdinrr und der Herr Pfarrer u. a. hielten gelungene Reden und Toaste. Da» Fest endete mit einem allgemeinen Tanzkränzchen. Gtraßburg (Elsaß), 15. Juli. (Or.-Eorr.) Der Bau der hiesigen Synagoge, worüber ich in diesem Blatte Bericht erstattet habe, scheint für absehbare Zeit noch nicht bevorzustehen. Man schließt dies daraus, daß der Staden, bei der r. Neupflasterung vor dem städtischen Gebäude (ehemalige Zoll- ' fcirrftion), an dessen Stelle die Synagoge zu stehen kommen soll, wieder in der ganzen Breite gepflastett worden ist, obgleich derselbe mit der Synagoge auf 7 Meter überbaut werden soll. Als eS sich s. Z. um die Abtretung des Grundstückes seitens der Stadt an die hiesige israelitische Gemeinde handelte, wurde der Bau einer neuen Synagoge als so dringlich hingestellt, daß die Stadtverwaltung sich veranlaßt sah, der Zolldirection, die jährlich 7000 Mark Miethe zahlte, das Miethsverhältniß sofort zu kündigen. Das Gebäude steht seit dreiviettel Jahren leer, von einem Synagogenbav ist aber noch keine Spur vorhanden. Erstaunt stagt man sich in israelitischen und nichtisraelifischen Kreisen, was diese Neupflasterung an der Stelle, wo die neue Synagoge je früher desto lieber sich erheben müßte, bedeuten soll? Wie«. 15. Juli. Der akademische Senat hat sein Urtheil über die Nothnagel-Skandale vom 25. Juni jetzt nach 3 Wochen endlich abgegeben. Mehr als dreißig Studenten find gemaßregelt worden, darunter einige von der Wiener Universität für immer, andere für Zeit relegitt, einige erhielten eine schwere, andere eine leichte Rüge. Der Senat, in dem mehrere antisemitische Parteimänner sitzen, war offensichtlich besttebt, unparteiische Gerechtigkeit nach beiden Seiten zu üben; da die Skandale aber nur einseitig-anttsemittsche waren, ist die zweiseitige Gerechtigkeit des Senats rhatsächlich eine einfestige Ungerechtigkeit geworden. Außer den antisemitischen Skandalmachern hat man nämlich auch einige jüdische Studenten veruttheilt, diese letzteren lediglich wegen der ersten öffentlichen Erklärung in Sachen der freiwilligen Rettungs- Gesellschaft, durch welche sie sich das Verdienst der Purifizirung dieses Vereins erworben haben. Da die Rettungs-Gesell» schaft kein akademischer Verein ist, so unterstehen auch die Studenten in ihrer Ggenschaft als Mitglieder jenes Vereins nicht den akademischen Behördenaußerdem ist in jener Erklärung, auch wenn sie etwa akademische Angelegenheiten beträfe, absolut nichts DiSziplinarwidrigeS zu finden, und schließ, lich ist jene Erklärung von 34 Studenten abgegeben worden, während der akademische Senat nur zwei von ihnen deswegen gemaßregelt hat. Also entweder alle, oder keinen — erheischt die Gerechtigkeit. Wien, 15. Juli. (Or.-Eorr.) Die Wirkung der Vereinigung aller 19 Bezirke zu einem einzigen ״Groß-Wien" erstreckt sich auch aus dir hiesigen israel. CultuS-Gemeinde, deren Verttetung nunmehr für die religiösen, rituellen und Humanitären Angelegenheiten aller Wiener Israeliten zu sorgen hat und ist es eigenthümlich, daß ttotz der durch biete Cumulirung vermehrten Agenden die Gemeinde ohne eigentliches Oberhaupt ist, indem der Vorsitzende, der sehr ehrenwctthe Herr Gustav Simon, der zugleich Gemeindnath der Stadt Wien ist, nur als Stellvettreter fungitt. Nichtsdestoweniger geht Alles den geregelten Gang. — Die Rabbinate sind fast durchwegs in entsprechender Weise besetzt. — Bis Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann seine neue Wohnung in der inneren Stadt bezieht, bewohnt der Rabbiner Leopoldstadt, Herr Dr. Schmied!, die frühere Wohnung des sel. Dr. Jellinek, welche später zu Gemeindckanzlei-Zwccken verwendet werden dürfte. Die Stelle in Fünfhaus erhielt Herr Rabbiner und Religionsschulinspektor Dr. Jonathan Wolf, der zuerst ablehnte, schließlich aber annahm. Die Predigt beim Jugendgottesdienste versehen jetzt die einzelnen Religionslehrer alternirend und namentlich gestalteten sich die Schlußgottesdienste durch imposante Betheiligung zu sehr erhebenden Feierlichleiten, bei denen die lieblichen Kinderstimmen die üblichen Lieder vor und nach der Rede, wie auch zwei Sttophen der Volks- Hymne begeistert mitsingen. Das Harmonium findet nur bei Trauungen und patriofischen Festen Verwendung, dagegen wurde in den drei neuen, prachtvollen Tempeln in der Rossou-, Schmalzhofgasse und Cirkusgasse (türkische Synagoge) die Orgel eingeführt, die aber

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