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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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dieses Flugsblatts, -sich durch die Einschaltung her Worte ,die diese Gesetze befolgen", eine Hinterthür zu schaffen, durch die er eventuell entschlüpfen könnte, wenigstens anfänglich Erfolg gehabt hat. Indem er dm Judm, ,die diese Gesetze befolgen", das Recht abspricht, sich eine ״Religionsgemeinschaft" zu nennm, wollte er eine petitio principii schaffen, um etwa klägerisch auftretmde Juden zu befragen, ob sie denn diese Gesetze befolgen, und auf deren vorauszusehmde Bemeinung zu behaupten, daß die Bel idigung sie also gar nicht treffe. Es giebt aber nur eine jüdische Religionsgemeinschaft, und diese wird beleidigt, wmn man ihr die Befolgung solcher Gesetze auch nur hypothetisch zuschreibt. Indem er den Juden, ״die diese Gesetze befolgen \ das Recht abspricht, sich eine Religionsgemeinschaft zu nennm, sagt er, daß sie es, wenn auch zu Unrecht, thun, und hierin liegt die bewußte Verlcumdung. Dem ״Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubms" gebührt Dank für seine unermüdliche Thätigkeft mit der es ihm gelungen ist, die Kugel ins Rollm gebracht zu haben. Hoffmtlich wird der rührige Rechtsausschuß desselbm sich mit dm nöthigm theologisch-sachverständigen Kräften ergänzm, die zur fiegreichm Zumdeführung des Prozessedurchaus nothwendig find. Tis Diel! WrhWe»8rt1t. Bon Dr. Singer-Loblenz. Wie so viele Kurpfuscher, welche am jüdischen Körper doctorm lernen wollm, — ein Recht, daß sich jedermann anmaßt — hat auch Herrn Oberpsarrer Dr. Graue in Chemnitz im Jahre 1881 zu einem ״Friedenswort in der Judmfrage" sich berusm gefühlt, in dem er dm Judm natürlich einige Belehmngm giebt, von dmm später die Rede sein witt>. Jetzt nach 13 Jahrm sah der Herr Oberpfarrer sich gedrungm, dem frühem Friedensworte ein diesem wieder» sprechendes ״Unfriedenswort" folgm zu lajsm, oder wie er es nennt ״Ein Votum über das Judenthum", welches er zuerst zum Gegmstand eines Vortrages und hemach durch dm Druck auch weiterm Kreism zugänglich machte. Das Recht, ein solches Votum abzugebm, bestreitet dem Herm Dr. Graue der Herr Rabbiner Dr. Mühlfelder in Chemnitz in einem offmm Briefe an dmselbm, was zur Folge hatte, daß ein Herr Eduard Ulrich einm gedmcktm Vortrag zu einer ״offmm deutschen Antwort" — bei dm Herren ist jede unverschämte Tirade, die von ihnen ausgeht ״deutsch" — stempelte, und daß der Herr Oberpfarrer selber sein ״Vomm" aufs Neue auflegte und auch zu dem ״offmm Briefe" Mühlfelders in einem Anhänge das Wort ergreift. In dieser Erwiderung erbringt er wider Willen dm Beweis, daß Herr Dr. M. Recht hatte, wmn er auch mit ״dmtscher Att und Sitte" noch so freigebig um sich wirft, als wäre er der Ersinder und Alleinbesitzer derselben. Sehm wir uns diele Brochürm der Reih« nach, wie sie erschimm, näher an; der Herr Oberpfarrer hat das erste Wort. ״Mit Verlaub, Herr Oberpfarrer . . doch halt! der Herr Oberpfarre; wünscht (was er übrigms Bismarck abgeguckt hat) nicht direct angeredet sein, — also: der Herr Ober- Pfarrer hat seinem ״Votum" eine falsche Flagge aufzusteckm beliebt; er nmnt es Nachwort zu seinem ״Friedenswott" 1881 «0׳. Ein solches ist eS aber ebmsowemg, als etwa rS Votum des Reichstages, die Jesuitm wieder zuzulassm, in Nachtrag zu dm Maigesetzm gmannt werdm kann; es ist doch nicht etwa auch ״deutsch« Att und Sitte", daß ein -> Rachwptt in seinenz Wesen Allem, widerspricht, was daS ׳H ״Hauptwott" betonte. Das ״Frieden-wort" erklätt dm -׳$ Antisemitismus für unchristlich, daS ״Votum" hingegen 'J stößt ins dichte antisemitische Horn und bläst dieselbe Melodie, wie die der anderm Hetzapostel, etwa wie Stöcker, nur in; einer anderm Tonart, wie wir sehm werdm. .ES ist ja auch» . natürlich, daß die Landpastorenpolitik etwas engherziger ist, als die des großstädtischen frommen. Gottesmansies. . '■ Herr Dr. Gr.,wiederholt in seinem ״Votum? die For- ' derungen, die er als Bedingungendes socialen Friedent an die Juden gerichtet hat und die im Wesentlichen folgende warm: 1״s Die Juden sollen nicht so auffallend, wie bisher. Hau» delS- und Geldgeschäfte vor Ackerbau uud Gewerbe bevor» °'־■ zogen, sondern auch den produktiven Arbeiten sich zuwendm, * und sie sollen die!enigen Volksgenosse», welche bei ihren bloß lukrativen Arbeiten sich wucherischer Ausbeutung Anderer und ähnlicher Ausschreitungen schäldig machen, * bekämpfen und »on sich ausschlicßen; 2) sie sollen aufhöreg, - über deutsche Att und Sitte, 'insbesondere über unsem Christenglauben, geringschätzig und herabsetzend sich zu äußem und sich so geflissentlich von uns abzusondern und abzuschließen, wie da« bisher geschehen." . , An die Wiederholung knüpft er die Bemerkung, daß diese Fordrmngm, abgerechnet von einer kleinen -Minderheit derselben, so wmig auch nur annähemd erfüllt sind, daß 'sie . vielmehr gegm dieselben, wmn nicht ausdrücklich, so dpch that-, \ sächlich protestitt habm. Mit welchem Rechte stellt Herr Dr. Gr. Forderungen an die Judm? Dies»! Recht und die Nothwmdigkeft de; Forderungm vorausgesetzt, besitzt dmn der Herr Oberpfarrer dm. Zaubeiftab, der die Schmutztvellm aus sein Geheiß wieder zurücktreten lassm kann? Weiß er dmn nicht, daß der Neid, diese Triebfeder des Antisemitismus, dieser Abart der Social» demokrasie, um einm Grund niemals in Berlegmheit kommen wird, nammttich nicht so lange, als eine Mmge von cati»!manschen Existenzen durch Unterhaltung dieser unheilschwangern Flamme ihren eigenm Acker und Pflug düngt? Heute sind eS Handel und Geldgeschäfte, in welchen man — ich gebrauche die rühmmdm Wotte des Herm OberpfanerS — ׳■' die Umsicht, Emsigkeit, Gefälligkeit, Sparsam» keit und Mäßigkeit der Juden, anstatt nachzuahmen, ihnm ‘ mißgönnt; wmn morgen die Judm dieselben von ihnm un» zertrmnlichm Eigenschaftm in dm Ackerbau mit hinübernehmm, dann werdm die Bauem und die Arbeiter, welche '■ vielfach Sonntags das Geld in die Witthshäuser tragen und י Montags ihren Frauen deutsche Hiebe gebm, dasselbe Feld- . geschrei erheben, wie die städtischen Kaufleute rc.. die auS Gründm, welche von dm vochin erwähntm nicht weit ab» liegm, auf keinen grünm Zweig kommm könnm. Durch Be- \ lehrung auf diesem Gebitte dürftm für die Herren Pfarrer mehr und würdigere Lorbeerm erblühm, als durch Schürm ל des Hasses gegen ihre jüdischen Mitbürger in demselbm Athem» t zuge, in welchem sie mft ihrem gewiß schönm Gebote der j Feindesliebe dm Mund vollnehmm. 1 Ist es dem Herm Oberpsarrer unbekannt, daß die acker» i bautteibmdm Judm genau so von der Habgier der bmach» | batten Völker zu duldm hattm, als die handeltreibmdm Judm? j Die heidnischen Nationm wehttm sich mft allm Macht» ף Mitteln gegen dm ihrem Glaubm bedrohmden Monotheismus, und die Christenheit, besonders viele «angelische Geistlich« - möchtm es gem in Bergessmheit bnngm, daß sie nicht die - erste und einzige Religion war, welche zum einzigen Gott sich i bdannte. Daher von ihrer Seite die Unterstützung aller; Judenverfolgungen, in dmm sie niemandem sonst die Führung gönnm — ein kleiner Erfolg würde ihrem Machtgttülte ־■; schmeicheln, das ungleich wie bei dm kacholischm Geistlichm in der eigmm Gemeinde keium empfänglichen Bod« sindtt —; י über die Richtigkrft obiger Behauptung belehtt uns auch dieZ unbestechlich« Geschichte von dm Kreuzzügen. Beweis d«str:M

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