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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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-Abt-Emden tritt brat von Dr. Löb gemachten Vorschlag au»!'׳allgemein erziehlichen Gründen entgegen und empfehlt ebenfalls ׳ die Auerbachsche Schul- und HauSblbel. Dir These 2 fand in der oben gegebener Fassung die Zustimmung der Bersanmilung! Die Frage blieb sonach unentschieden und — Dank der cigenthümlichrn Stellung der 3 der Versammlungen beiwohnenden Landrabbirer, von denen der jüngste erst gewählt, vr. Löw, ein Heißsporn der Ortho» doxie, allerlei sonderbare, jeder gesunden Pädagogik und Moral in» Gesicht schlagende Vorschläge machte, vr. Aronemann den laisser »Iler-Standpunkt vertrat, und vr. Lewinsky- HildeSheim sich in em viel- resp. nichtssagendes Schweigen yülltc — blieb Alles beim Alten und es ist in das Belieben eines jeden Lehrers, von denen einige den pädagogisch-fteisinnigen Standpunkt recht energisch vertheidigten, gestellt, ob er die ganze Bibel oder einen guten Bibelauszug dem Bibellesen zu Grunde legen will. Berichte und Korrespondenzen. Vemtscchland. K■ Magdeburg. Aus Suhl in Thüringen schreibt uns -Herr Lehrer A. Levi: ,Mit Bezug auf Ihren Aufruf in Sir. 24 der gesch. Wochenschrift theile ich Ihnen mit, daß der Jäger Leopold Simson bei der Explosion der Citadelle zu Laon am d. .September 1870 seinen Tod gesunden hat. Ter Familie Simsonhier wurde der Verlust seitens der Compagnie mit dem Bemerken angezeigt: ,Die Compagnie weiß den Verlust um den Tobten, der sich als braver Soldat benommen hat. zu würdigen und spricht den Wunsch aus, daß die Zeit den Schmerz lindern möge." Das Original lag mir vor. Ter Name des rc. Simson, welcher beim Magdeburgischen Jäger-Bataillon Nr. 4, 1. Compagnie, diente, ist auf dem hiesigen Kriegerdenkmale verewigt." Magdeburg. Wie wir hören — schreibt die .Staatsb.» Ztg." — ist neuerdings mehrfach in jüdischen Kreisen der Wunsch zum Ausdruck gelangt, daß durchweg den ,Rabbinern" -Die Jnspecttou der jüdischen Elementarschulen übertragen werden möchte. Dieser Wunsch wird voraussichtlicht nicht erfüllt werden. Im Hause der Abgeordneten ist früher wiederholt allseitig anerkannt worden, daß den jüdischen Gemeinden keine gesetzliche Bestimmung zur Seite steht, wonach sie die Berufung eines Rabbiners zur Inspektion über ihre Schule als «in Recht in Anspruch nehmen könnten. Ebensowenig nöthigen 'Die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen die Staatsbehörde, Die Gchulinspection über eine jüdische Elementartchule dem ״«christlichen OrtSgeistlichen zu übertragen. Die Staatsbehörde ist vielmehr in der Wahl ihrer localen Aufsichtsorgane hinsichtlich der jüdischen Elementarschulen nicht beschränkt und kann in jedem einzelnen Falle nach ihrem Ermessen verfahren. — (Was doch die ,Staatsbürgerin" für heillose Furcht vor den ״Rabbinern" hat!) - Magdeburg. Schließlich fällt es nun doch noch dem Pariser Antisemitenblatt ״Libre Parole" ein, den Mörder Caserio ohne weiteres zum Juden zu machen. Laserio soll hiernach die Jtalianisirung des hebräischen Wottes sein, das in italienischer Form Casher (koscher??) geschrieben wird. Daß Caserio in Mailand beschnitten worden, daß sein Bruder dott Ordner der jüdischen Leichenbegängnisse sei und daß sein Vater vier Jahre hindurch als Sopher in der Synagoge fungitt habe, wird sodann mit der Beifügung behauptet, die Sache . sei nur deshalb nicht in die Blätter gelangt, weil die Judenschüft in Mailand in der Presse übermächtig sei. — Das klingt alles sehr zuversichtlich, ist aber gerade jo zuverlässig, wie die mit ganz ernster Miene von einem geistreichen jüdischen Spöt. :4« einmal in England, als man gerade viel von Disraeli'S Abstammung sprach, in Umlauf gesetzte Angabe, auch Gladstone kei dem auSerwählten Volke entsprossen. Die Familie habe ursprünglich ״Freudenstein" gehcißai, sei aber schon vor langer Zeit nach Schottland eingewandett und habe sich bald zum Chriftenthum gewandt und den Namen übersetzt. — Es giebt keinen so tollen Blödsinn, den die Antisemiten-Blätter nicht ihren Lesern zu glauben zumuthen. (S. unter ,Mailand".) Verltu, 10. Juli. ES dürste von hohem Interesse sein, schreibt die heutige VolkSztg., an eine Episode aus dem posener Sozialisten, und Nihilisten-Prozeß zu erinnern, welcher im Sommer 1888 sein Ende erreichte. In demselben wurde unter Ausschluß der Oeffentlichteit das Protokoll des Anarchistenkongresies von Chur aus dem Jahre 1882, welche» die Berliner Polizeibehörde zu erwerben gewußt hatte, zur Verlesung gebracht. Ter Inhalt dieses Protokolls wurde dadurch bekannt, daß die Vcttheidiger in ihren Reden darauf Bezug nahmen. BrmerkenSwerth ist vor Allem folgender Passus: ,Ein Anarchist, der zugleich in der antisemitischen Bewegung stand, erstattete über dieselbe Bericht mit dem Hinzufügen, der Fortgang dieser Agitatton bezwecke, das kleiue Beamtenthum wie die kleinen Handwerker für die Ideen des Anarchismus zu gewinnen. Seine.Ausführungen wurden von der Versammlung mit großem' Beifall aufgenommen, und der Präsident des Kongresses knüpfte daran unter allgemeiner Zustimmung die Bemerkung, daß am Tage des LosschlagenS doch kein Unterschied gemacht werden würde zwischen christlichem und jüdischem Kapital." Daß der Antisemitismus wie die Vorfrucht der Socialdemokratic also auch der Nährboden der anarchistlschen Bewegung ist, weil er gegen die bestehende Staats- und Gesell-. schaftsordnung ankämpft, wird zum großen Verdruß der Antisemitenpresse selbst von den konservativen Blättern, wie die ,Post" bis hinaus zur ministeriellen ,Nordd. Allg. Ztg.", als unerschütterliche Behauptung aufgestellt. Die ״Staatsbürger-Ztg." ist darob in verzweifelter Mißstimmung und ganz aus dem Häuschen. Sie schimpft und beschimpft alle diese Blätter, Nagt über die Kurzsichtigkeit der Regierung, ״die das deutsche Volk der Ausbeutung durch den jüdischmammoniftischen Geist auslicfere und es dem Abgrund zutreibe, auf dessen Boden das Ungeheuer Auarchie mit weit aufgesperrtem Rachen lauett." X- VuS dem Münsteriande, wo namentlich die mittleren und kleineren Otte sich dem Treiben und Verlockungen (meist auswärtiger) Antisemiten eher abwehrend als entgegenkommend verhalten haben, ist nun doch von einem häßlichen Kampfesstückchen zu berichten. Dieses spielte sich kürzlich in Dülmen ab, dessen israelitische Gemeinde sich im Ganzen wie durch seine einzelnen Mitglieder, sowohl in ihrer Gemeindeeinrichtung wie im Verhalten im bürgerlichen Verkehre stets mustergülttg bewährt hat. Da wurde eine Gast-(Kost)wirthin, bei der eine Anzahl Herren, meist subalterne Beamte, von diesen gefragt, woher sie das Fleisch beziehe. Sie nennt einen jüdischen Metzger, und bemerkt, daß derselbe jüdische Waare liefere, und sie sehr gut bediene. — Einige Tage nachher erklären die ״Urgermanen", daß sie den Mittagstisch kündigten, wenn die Wirthin noch ferner von dem Juden das Fleisch nehme. Wohl oder übel, die Frau, mußte, so ungern sie es auch that, nachgeben, wollte sie aus ihren Verdienst nicht verzichten. — Eine israelitische Dame, welche auf dem Markte von jener. Gastwitthin regelmäßig für ihren Küchenbedars kaufte, erklärte' der Magd derselben, sie würde nun auch nicht mcbr von ihrer Herrin, der Kostwitthin kaufen. Diesen Vorfall brachten klerikale Blätter zur allgemeinen Kenntniß, — in dem Verfahren gegen den jüdischen Metzger fanden sie nichts UngewöhnlicheS, kein Unrecht, dagegen die Erklärung der israelitischen Dame als anmaßend, oder gar herausfordenid. — ״Ja Bauer, das ist etwas anderes!" — Nun, der Ahlwart beglückt ja auch Westfalen mit seinen Soldreden und da bärfen die praktischen Beispiele zu den Heilslehren von der Liebe und dem klassischen Deutschthum nicht fehlen. —

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