Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 28 (13.7.1894)
- Date
- 1894-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Stellen in die Hände geben könne, gelangte 'auf der diesjährigen Versammlung der jüdischen Lehrer der Provinz Hannover wieder einmal zur Verhandlung und zwar im An» schluß an den Bortrag der Heim, Lehrers Meyer über: ,Das Bibellesen in der jüdischen Volks- und Religionsschule-. Wir lassen zunächst den Bericht nach dem Wortlaut des Protokolls folgen: ״Referent betonte Eingangs seines Bortrages, daß es in dieser Versammlung wohl erübrige, auch nur ein Wort über die Bedeutung der Bibel zu sagen; er habe vielmehr die Ueberzeuaung, daß die Versammlung ohne Zweifel die Pflicht der!üblichen Schule anerkenne, das Kind mit der Bibel bekannt zu machen. Die Bibelkenntuiß aber, welche dem Kinde durch den Unterricht in der bibl. Geschichte, der systematischen Religionslehre und durch das Bibelübersetzen vermittelt werde, sei nicht auSreichend; daher wäre es wünschenswerth, wenn die ganze Bibel von Anfang bis zu Ende — unter Auslassung der nicht geeigneten Stellen — übersetzt werden könnte. Da solches aber nicht möglich wäre, müsie durch das Bibellesen ein Ersah geschaffen werden. Den Einwurf. als sei die Schule mit anderen Dingen schon zu sehr belastet, sodaß das Bibellesen nur aus Kosten anderer Unterrichtsgegenständ« betrieben werden könne, weist Referent zurück. Das Bibellesen solle nicht etwa als gesonderter Unterrichtsgegenstand austreten, sondern nur als Ergänzung der übrigen Fächer des Religionsunterrichts dienen, dergestalt, daß nur das gelesen werde, was zu einer jeweiligen Unterrichtseinheit gehört. Sie sollen z. B. bei Durchnahme des Sabbats diejenigen Stellen in der Bibel ausgesucht und gelesen werden, welche sich auf den Sabbat beziehen rc. Daneben sei ganz besonders Schulandachten das Wort zu reden, in denen aus einer vollständigen Bibel gelesen werde. Beim Bibellesen sollen dieselben Borschristeu wie beim übrigen Lesen beachtet werden; der Lehrer soll ein einleitendes, erklärendes und anregendes Wort hinzusügen, ohne fich aus breites Katechesiren rinzulaffen, dabei aber doch daraus bedacht sein, die Bibelstund« zu einer wahren Erbauungsstunde zu gestalten, damit die Schönheit der Bibel vercdelnd aus das Kindergemüth wirke und ihr selbst der Weg ins Haus wieder geebnet werde. Der Vorsitzende spricht dem Herrn Referenten den Dank der Versammlung aus. Aul seine Frage, ob von der Versammlung eiu« Diskussion gewünscht werde, entscheidet sich dieselbe für eine solch«. Das Wort erhält: Stern-Hildeshcim. Redner erklärt sich aus verschiedenen Gründen gegen den vom Referenten vorschlagencn Gebrauch der ״ganzen Bibel-, wünscht vielmehr, da seiner Ansicht nach der sertherige Unterricht genügt habe, das Bibellesen niöge ganz unterbleiben. Solle demselben dennoch das Wort geredet werden, so könne solches im Anschluß an de» biblischen Geschichtsunterricht aus einem hierzu geeigneten Bibelauszug gZchehen. Levy-Norden hebt demgegenüber die Wichtigkeit und Rothwendigkeii des BibellZens hervor, bekämpft aber die Ansicht, dem Kind« die ״ganze Bibel" in die Hand zu geben und empfiehlt als zum Bibellesen sehr geeignet die bei Brockhaus-Leipzig erschienen« ״A uerbach'sche Schul- und Hausbibel". Des wette«» grebt derselbe deuchtenswerthe Winke über die methodische Behändlang, daraus hinweisend, daß dieselbe ähnlich der eines deutschen Leseftückrs sein müsie, die Bibelstunde dabei aber im.»er in erster Linie Ecbauungsstunde bleiben möge. Bach- Hildesheim und Selig - Emden wünschen für die S ch u l e einen Bibelauszug, fürs Haus indeffen eine vollständige Bibel, da dieselbe sonst durch den Auszug verdrängt würde. Blumenfeld-Adelebsen theitt mit, daß der Specialverein, jüdischer Lehrer Südhannovers unter materieller Beihilfe einiger Gemeinden die Auerbach'sche Schul- und Hausbibel in etwa 120 Exemplaren mit ersreul'chem Erfolge eingeführt Hab« und daß diZe Bibel auch von den Eltern und sonstigen HauSgenoffen gerne gelesen werd«. Dr. Löb-Emden, den Segen der Bibelkenntniß hervorhebend, wünscht für den Unterricht in der biblffchen Geschichte an Stelle der großen biblischen Geschichtsbücher, die seiner Meinung nach hren Zweck 'eineSwegs erfüllen, einen kleinen methodffch geordneten äütsaden und neben demselben den II. Theil der Auerbachschen Schul- und Hiusbibel. Des «eiteren wünscht Redner für» Haus eiue ״ganz« Bibel-, dabei vor einer allzugrober, Aengstlich- Seit inbqua auf erotische Stellen-warnend(?!)DasBrbellesen 0L im Anschluß an das Penateuchübersetzen oder den biblffchen Geschichtsunterricht vorgenommen werden. Da, wo da< Haeftersche Lesebuch in der Blumenfeldschen Bearbeitung für jüdisch« Schulen eingefühtt sei, könne statt des seiner Ansicht nach werthlosen-An- - Hanges der jüdischen Geschichte, in derdeutschen Lesestunde zuweilen auch aus der Bibel gelestn werden. - Seminartehrer Sommer-Hannover schließt sich im allgemeinen . den Ausführungen des Referenten, sowie denjenigen Dr. LöbS an und stellt ä Fragen, deren Antworten er als Thesen anzunehmen' bittet: I. Soll die Bibel gelesen werden? Ja! 2. Woraus soll .' " ' "י" י ־ ~ ״ biblischen Geschichtsunterrichte 1>icht zur Geltung gelangt! 4. Wie soll gelesen werden und 5. Wann soll gelesen werden? Entweder in einem dazu eingerichteten JugcndgotteSdienste oder in einer besonderen Unterrichtsstunde, die aber keinesfalls dem. vorgeschriebenen Elementar-, besonders nicht dem Uvterricht im Deutschen gekürzt werden darf! R o ß k a m m - Diepholz ist entschiedener G e g n e r des Bibellesen-, da' er die dafür nöthige Zeit viel beffer und zweckmäßiger für den Unterricht im Deutschen verwenden könne. Dr. Gronemann erwähnt einen Vortrag, den der jetzige Seminarlehrer Katz-Kaffel in den 80er Jahren über dasselbe Thema gehalten hat und empfiehlt dessen Thesen. Ein Schlußantrag Scmmer's wird angenommen. Referent giebt im Schluß ׳ ort seiner Freud« darüber Aus- . druck, daß die Versammlung fich in! großen und ganzen mit den- Grundzügen seiner Ausführungen in Uebereinstimmung befindet und tritt nochmals für den Gebrauch der ״ganzen Bibel" ein im. Gegensatz zu einem Bibelauszug, dabei um Berathung seiner Thesen bittend. - Der Vorsitzende befürwortet die», ebenso Herr Dr. Gronemann mit dem Anträge, die Formulierung der Thesen einer Kommiffion zu überlasien, welche dieselben am 2. Konkerenztage - d.r Versammlung zur Beschlußnahme vorzulegen habe. Rach, verschiedenen Bemerkungen für und gegen diese Anträge wird der Antrag Dr. Gronemann angenommen und die Kommission au» dem Vorstand«, dem Herrn Referenten, Herr Seminarlehrer Sommer und den Herrn Hauptlehrern Levy-Rorden und Selig- Emden gebildet. Am zweiten Tage, den 14. Mai, erstattete der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit der Kommission. Die von derselben ausgestellten Thesen lauten: 1. Da-.Bibellesen ist als ein nothwendiger Theil des jüdischen Religionsunterrichtes auf der Oberstufe sämmtlicher Schulen einzusühren, um dadurch die Senntniß der hl. Schrift zu verbreiten. » 2. Dem Bibellesen in der Schule ist die ganze Bibel, bezw. ein guter Bibelauszug zu Grunde zu legen. 3. Der Bibellesestoff ist so zu wählen, daß er zur Belebung - und Bettiefung der biblische» Geschichte, de» systematischen Religionsunterrichtes und namentlich zur Kenntniß der Propheten und Psalmen beittägt, sowie da» Berständniß de- Gottesdienstes fördett. 4. In den Schulen mit wöchentlich zwei biblffchen. Geschichtsstunden soll eine Stunde zu Bibellesen verwandt werden; solche mit wöchentlich einer biblffchen GcschichtSstund« sollen unter Wegfall einer besonderen jüdischen Schreibstund« Bibelleseo tteiben. An dir Berathung dieser Thesen schloß fich noch eine sehr lebhafte, eingehend« Debatte, die sich ganz besonders um die Fragt drehte, ob dem Bibellesen die ganze Bibel oder nur ein Auszug zu Grunde zu legen sei. Dr. L öb-Emden macht den vermittelnden Vorschlag, die ganze Bibel in der Weise anzuwenden, daß dieselbe nach dem Gebrauch dem Lehrer in Verwahrung gegeben werde, wodurch die gehegten Bedenken beseittgt würden. Dr. Gronemann bittet, die Beschlußfassung über These 2 aus zusetzen. da die Frage, ob ganze B.ibel oder Bibelauszug fich,nach den jeweiligen örtlichtnVerhältnissen zu richten habe. Levy-Nordep tritt für die r.uerbach'sch« Schul- und Hausbibel ein, da gegen deren.Einführung vom religiösen Standpunkte aunichts einzuwenden sei. .vom pädagogischen Stand- - punkte chrx Einführung fich aber empfehle.