Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962340--2102-5376346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kampf um da- Heben ein inet Achterer, nachdem da» Leben noch nicht so sehr au» sich hexauttrat und die Rationen im Austausch« -noch nicht so. nahe an sich herantrateu. Jetzt schwingen Dampf und Llectricität da« Scepter upd bereiten det' Emsigkeit und Unermüdlichkeit eine Stättx. Die Hände in den. Schooß legen nnd zum -Fenster hinauSschaucn ist .ganz außer der Mode gekoüime», und wer ihr huldigt, bleibt rasch hinten in aveiter Ferne. ' Daß der Jude diesen verkommenen Tagrdiebereien nicht huldigt, ist kein Staatsgeheimniß, und daß' in dieser rastlosen -Gehiruthätigkeit da» .Geheimniß jüdischer Unternehmungen liegt, kann eiu Lind hcranSfinden. Nicht minder führt diesen Erfolg di« Selbstbrherrschungskrast des Juden, herbei, welcher seine.Gelüste regelt und auf ein Maß herabführt, gleiche Waage haltend mit .den Einkünften und Aussichten. Der Jude kann sich beschranken, hat auch im Allgemeinen wenig. Bedürfnisse, stöhnt keinen Leidenschaften und hält Maß nach allen Richtungen hin. In Folge dieser Helbstfontrole klopft die Genügsamkeit nicht 'umsonst an seine Thüre und er übt sich im Entsagen, ein Hauptgeheimniß der vollen Manne»- kraft und der Beherrschung der Außenwelt.' Wir sehen auS dieser ruhiger», nicht gesuchten Betrachtung, daß wir auf Staats-Pensionäre und stellrnldse Existenzen nicht * allzu eiftjg horchen müssen, wenn sie unS die Juden nur grcku in grau und schwarz in schwarz schildern, und wenn Jeder in -seinem kleinere» oder größeren Kreise dem Geschwätz und Geschreibst! unliebsamer Hetzer entschieden entgegentreten möchte, so, würde bald-von der Judenhetze, dieser Schande beS neunzehnten' Jahrhundert-, nicht viel übrig bleiben. Freilich müssen darin die Gebildeten in erstkr Reihe vorangehen, hauptsächlich .Männer'und Frauen, welche die Jugend zu belehren haben, und deren Haltung die Zukunft heranbildet. Leider aber trifft man so oft unter-den Erleuchten! selbst Unerleuchtete, welch« anstatt allgemeine Nächsten- und Menschenliebe, Haß und.Borunheil prttügen ünd zum Uebel der Geistcrvcrhetzung nicht wenig beittagen. . Unsere Betrachtungen laufen darauf hinaus nachzuweism, daß Judenthum und Germanenthum, welche'darauf angewiesen sind, nebeneinander herzulaufen, recht gut voneinander an-" nehmen können, und daß es für beide Seiten ein Berkust ist, wenn sie sich gesellschaftlich den Pücken kehren und diese kleine Minorität der Juden, -welch« noch lange nicht eine Million erreicht und als solche nahezu 50 Millionen gegrnübersteht, doch schließlich in 'einem aufgeregten Zustande gezwungen werden sollte, wenn auch nur vorübergehend, das Feld zu räumen. Kämpfen wir dagegen bei Zeiten an zu unserer Ehre und'eigenem .Gedeihen. Die Juden haben Eigenschaften, welche mit der» christsichen sehr gut verschmolzen werden, können und einen Menschen ru Tage fördern, dessen Allgemeinbeschaffqiheit ganz gut in die jetzige und in die komtnaide Weltlage paßt. Wir rufm daher: seid einig, vertragt und versöhnt Euch. Der Jude hat'für das Vaterland gekämpft, ebenso brav wir jU>rr andere Deutsche, er HÄ ein Anrecht auf gesellschaftliche und gesellige.Achtung, nicht Ausschließung und Sonderstellung. Der Jude würde bald im Ganzenaufgehen, wenn man ihn nickt barbarischer und uncivilisrrter Weise -in die Ecke stellte und ihn auf sich verwiese, yn Verlust für daS Ganze, eine Kurzsichtigkeit und Grausamkeit, und gradezu eine gesellschaftliche Gefahr für Zeiteil, die Aufregung und Ausschreitung bringen können. Machen wir also nach Kräften Stimmung für eine Umkehr von diesem verlderflichcn Gebühren. für ihren Eintritt in die stänzöfische Gesellschaft gestimmt hatten, gehörte-der berühmte Großvater TarnotS,׳der Organisator der französischen Ziege. — Als im Jahre 1841 ein französischer Israelit, Namens Abraham Wormser, in seiner Ligenschaft-als Jude aus Dresden auSgewiesen wurde, wo er nur auf der Durchreise sich aushalten wollte, da war eS der Vater Larnot», Hipyolite Carnot,' der auf der Rednertribüne deS Parlamentes gegen eine solche Behandlung eines ranzüfischen Bürgers energischen Protest einlegte und sich mit großer Indignation gegen die willkürliche gesetzwidrige Maßregel auS» sprach. Er verlangte in gerechter Entrüstung, man möge diese Gelegenheit benütze», die Emanzipation zu fördern. Die Worte, die er bei dieser Gelegenheit an die Adresse der die Juden unterdrückenden Völker gesprochen, die ein. Ehrenschild an Israel abzutragcn hätten, sie bezeugen dessen hohes RechtSgefühl und bekunden den Adel eines edlen HerzenS. Der unter dem Dolche eipes verblendeten und elenden Mörders gefallene Präsident der ftanzösischen Republik ist in der gleichen Schule wie sein berühmter Vater pnd Großvater ausgewachsen und überall, trat er für den Fortschritt, die bürgerliche׳ Gleichstellung, und für die religiöse Duldsamkeit ei». Israeliten waren seiye besten Freunde und viele zählte er zu engen Vertrauten seines Haases, und während der Amtszeit als Präsident hat er dieselben zu den höchsten Staat»- Ehrenstellen , berufen. So oft er auf seinen Reisen die Staat»- körper empfangen, versicherte er stets seine Sympathie für die Israeliten den ihm begrüßenden Rabbiner. Wir erinnern nur an seine Antwort auf die vom Oberrabbiner A st r u e im Jahre 1891. in Bahonne gehaltene Ansprache: ״Die- Gefühle, welche Sie ausgedrückt, sind auch die weinigen. Die Freiheiten, von denen Sie sprachen, sind bei uns eingebürgert und wenn ich die Macht nach Außen besäße, so würden sie überall sich einbürgern." Man begreift die Bedeutung dieser Worte erst dann, wenn man in Erwägung zieht, daß damals in Rußland die Juden am härtesten verfolgt wurden. Wenige Stunden vor seinem Tode erwiderte er dem Oberrabbiner Alfred Lewy in Lyon, der in seiner Ansprache an die Verdienste stineS Vaters um die Emanzipation der Israeliten erinnert-habe, daß er allzeit für die religiöse Duldsamkcft und den Fortschritt eintreten nnd daß ihn die Erinnerung an seinen Vater, als der Annehmer der Unterdrückten, sehr angenehm berühre. . Wir begreifen Harum die Trauer der ftanzösischen Juden und' können ihren Schmerz lebhaft nachfühlen,' denn Carnot gehört unstreitig zu den ״Frommen der Völker, die Antheil an dem zukünftigen Leben haben." Bei dem Leichenzuge Larnots gingen die Vertreter de», isr. ConsistoriumS, Baron Alfons «Rothschild, die Ober-! rabbiner Zodoc Kah.n, Dreifuß und die Rabbiner JSraöl Levy und Dr. Widal vor dem Seine- und Pollzeipräsecten.j An der Spitze der Präfecten ging unser Glaubensgenosse^ Hendl», der Präfect von Rouen. DaS Ccntralconfistorium und der jüdische Wohlthätigkeitsvcrein sandten prächtige Kränze. An die Wittwe'Carnots ünd an den Ministerpräsidenten Dupuy. wurden seitens der Vertretung der ftanzösischen ISraeliten BcileidSadressen abgeschickt. Am Montag, den 2. Julft fand in der Hauptfynagogc, Rue de la Bictoire, in Anwesenheit eines Vertreters der Regierung und aller Autoritäten deis Gemeinde eik ergreifender Trauergottesdienst für Carnot statt, bei welcher Zadoc Kahn eine die hohen Verdienste feiernds begeisterte Ansprache hielt.' Auch in den meisten ftanzösischen Gemeinden fanden Trauergottesdienste statt. ׳ Vis Züklth» 11) lir Knuts . Unter dieser Aufschrift bringen die ״Archives" eineil interrsianten Artikel über dft Verdienste der Carnots um daS JuVenthum. Zo den Liberalen, welche im Jahre 1791 für die Befreiung der Jude»-von-dem mittelakkrlichen Joche nnd Vit iiijf.SiW •)rr Sikrt 11 f111? ' ״Rückwärts, rückwärts, Don.Rodrigol"' . Die in der Ueberschrift bezeichn««, pädagogisch längst entschiedene Frage, daß man Schulkindern'keine vollständige Bibel mit'deutscher Übersetzung wegen der zählreichcn 'sexnxllen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.