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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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lichen Reihe von Arbeiten, die dieser Band umfaßt, der Aufsatz, der am strengsten tadelt, für die Leser dieser Blätter der wichtigste. Treitschke wird erbarmungslos secirt und der Schluß ist: ״Wenn mit Recht Gewissenhaftigkeit, GrüUdlichkeit, Gutmüthigkeit zu den deutschen Vorzügen gerechnet werden, so darf man ftagen, ob Treitschke wirklich ein vollblütiger Deutscher ist?" Die Juden sind wahrlich nicht hte Einzigen, die Treitschke's Haß spüren; wir befinden uns in guter Gesell-' schaft, denn wie wenige finden Gnade vor seine« Augen. Der Gedanke, daß Preußen die starke Stützt unserer natioualen Hoffnungen gewesen ist, daß nur aus Preußen sich Deutschland entwickeln konnte, wird in der Behandlung Treitschke's zur Karikatur. Treitschke ist, wie Bamberget ausführt, eigentlich gar kein Historiker, denn diesem ist es um Wahrheit zu chun, sondern die Geschichte ist ihm nur ein Mittel, um das Heranwachsende Geschlecht für ein besrimmteS polittsches Ideal zu begeistern; er steht im Dienste ״der Patteilegrnde, welche die Geschichte für sich in Anspruch ninnnt und alles herauszustreichen bemüht ist, was nicht hineinpaßt." (Harnack.) Es wird erzählt, daß, als Treitschke in Berlin Professor wurde, Ranke gesagt habe: ich wußte gar nicht, daß der Mann Historiker ist. Für Ranke konnte Treitschke kein Historikersein, sondem nur ein hochbegabter Publicist, der mit einer mächtigen Fülle von Kenntnissen und einer ausgezeichneten Beredtsamkeit für seine Ueberzeugungen eintritt. Seinwissenschaftliche. Werth wird dadurch herabgedrückt, als politischer Gegner wird er dadurch nur um so gefährlicher; durch Treitschke allein ist der Anttsemitismus eine Macht geworden. Sehr gut ist die Bemerkung Bamberger's, daß der Sturm der von Treitschke inspiritten naüonalen Fanatiker gegen die Bestrebungen, Heine ein öffentliches Denkmal zu setzen, am׳ besten für Heine zeugt. Heine lebt noch, obgleich er nun schon fast vier Jahrzehnte begraben ist; er wird wie ein Lebender gefürchtet, bekämpft, verfolgt; wäre er todt, fürchteten fie nicht in den Kämpfen des Tages seine scharfen Pfeile, so würde es nicht die Leidenschaften auftegen, daß irgendwo im deutschen Vateclande, das mtt Denkmälern nicht kargt, ihm eine Bildsäule aufgerichtet würde. Der Haß der Gegner beweist, daß Heine nicht todt zu machen ist. Jndrß wollten wir alle guten Bemerkungen aus dem Buche Bamberger's ausschreiben, so müßten wir auf der ersten Seite beginnen und könnten erst bei der letzten Seite schließen. Das Buch wird viele ausmerkende und dankbare Leser finden und den Sieg der liberalen Gedanken fördern und verbreiten. B. R. Jur Verständigung! Ein offenes Wort von einem christlichen Professor! n*) Das Judeuthum ist ein von der Vorsehung zwischen die Rattoneu hineingeschobenes Element, welches im Sinne des Zeitgeistes nach Innen und Außen Handelsverbindungen pflegt und für das Vorhandensein und Wachsthum des Capitols sorgt. Und man wird uns nicht entgegeuhalteu wollen, daß 77 Jude, indem er Capital sammett, es nicht in vollem ד De» L Lheil siehe in «t. 25. Maße auch dem' Staate zukommen lasse. Es giebt Staaten, welche nur durch ihre ErwerbSfähigkeit. hauptsächlich von, Setten der Juden aus über dem Wqsser gehalten werden." Was wäre der Staat Oesterreich ohne das HaüS Rothschild und wohl auch noch andere silbische Häuser! Sind nun die Jqden an diesem Zustande schuld, oder die Staaten-, welche sich in der Lage befinden, zu ihnen zu gehen und von ihnen zu borgen, um den Staatsbankiott von sich abzuwenden? Ferner wirft man dem Juden vor, Tr gedeihe da <m besten, wo Elend vochand« sei; in reichen Ländern und Provinzen könne er sich nicht halten. Wir kragen aber,-trägt den» der Jude in diese entlegenen, armey, oft arbeitsscheuen Gegenden die Armuth, oder der Staat, welcher die Be, völkerungm nicht weckt, ihnen keine Bezugsand Absatzquellen - zuführt und das Schlaraffenleben sich einniften läßt, dem Staate keine Hilfe aber fsir die ׳Sorglosigkeit Sorge, und Mangel bringend. Wenn da die Einseitigkeit der Juden eingreift, Capitalien vorschießt,- um Lapitalien zu machen und - über Lebens- und HungerSnoth Hinweggleiten Hilst, unter . Garantteen und Sicherheiten oft, welche' streng genommen gar kttne Sicherheiten sind, so haben wir höchstens dem Tingreifen deS JudenthumS battfehb Rechnung zu tragen.. Volkselemente, lässig, im Aberglauben erzogen, die Httfe immer von außen erwartend, nicht im Inneren suchend, stehen in ihrer Genußsucht, Trägheit und leichtsinnig angelegtenNatur da wie hilflose, verlassene Kinder. Die'Religion giebt ihnen Abschlagszahlungen auf das Jensetts, nicht aber auf das Jammerthal zu Lebzeiten, döiiN da hilft'nur matettelleS Zugreifen und Selbsthilfe. Ist es da nicht ttn Segen, wenn der Jude, nachdem der Christ längst, sich vom Eleub ab- . wandte, auf lauge Fristen das nöchige Capital vorschießt, wett ihm das Geld, dieser ewige Vermittler und Erretter in der Noch, vorhanden ist. Trägt da nicht der Jude das Capital in die verlassene Gegend hmttn, und verlangt man vielleicht von chm, daß er sein schwer erworbenes und sorgsam zusammengehaltener Capital an den Leichtfinn umsonst hinweawerfe? Geldgeschäfte sind auch Geschäfte, ivrlche mit dem idealen Leben nichts zu chun haben; und das Unglück will, daß nur fraglich«, ruinitte Existenzen in der Regel kommen, Geld aufzunehmm und von Glück sprechm können, wenn sie einen Geldmann finden, ihnen über dm kttttjchm Augenblick hinwegzuhelsm. Solche Existenzm fallm in ihrm Leichtsinn und ihre Lechargie zurück, sobald die äußerste Noth auf kurze Zeit gedeckt ist. Wenn dann das Schicksal auf dem Wege der Pfändung an sie hcranttttt, so nimmt ebm das Schicksal sttnm Verlauf. Ob es recht ist, in solchen Fällm dm geordneten Geber anstatt dm liederlichen Nehmer zur Verantwortung zu ziehe«, vermögm wir nicht ttnzusehm, wenn es auch schr nahe liegt, das Elmd und Unglück der Wohlgmrdnethett gegenüber in Schutz zu nehmm. Wir nehmm in diesm Wottm das Lrbm wir eS ist, dm Thatbeständ; und unser ganzes Augmmerk geht darauf hin, das Judenchum gegm dm Schlendrian eingefleischter Borurcheile in Schutz zu nehmm, damtt nicht unter Nachhilfe des Brodnttdes und oberflächlicher Aburtheilung das ftinb mit dem Bade auSgeschüttet und Unglück angesttftet werde. Diejmigm Sittenprediger, derm Existenz in der StaatSpmfion gesichert ist, mögm von idealcrm Standpunkten herab unsere Auffassungsweise an dm Pranger stelle«; sie wissm ebm nicht, was Selbstechaltung und volle Berantwottung für die Existenz von Haus uud Hof httßt; sie ermessm auch nicht, daß über Individuum imd Familie hinaus noch Jemand anders, der Staat, gefüttert sein will, und daß da nur Wohlhabenheit und SchaffeaStrieb helfen, worin das Judmthum so Erkleckliches leistet! Mit bloßm idealm Mittel» allein ist da nichts auszurichtm, und der MatettalismuS ist nun einmal nicht aus der Welt zu schafft». Im Gegmtheil, wir müssm durch ihn hindurch, um «ns dann erst mtt Erfolg in höhere Sphäre» zu schwingm. Früher war der

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