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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-06 · 27 (6.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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biflung der Persönlichkeit Unger«, an der er besonder« die im Beruf bewährte Treue diese« wackeren Pädagogen hervorhob. auch die Verdienste Unger« um seine Erfurter Glauben«genoffen darlegte. Redner schloß mit dem Ausdruck aufrichtigen Glückwünsche« für da« Realgymnasium und dessen Angehörige. — (Wir werden die sehr würdige und stimmungsvolle Rede de« Herrn Dr. Pick, die im Manuskript uns vorliegt, sowie den Ehrenbürger-Brief Unger« vom 2V. September 1800 in nächster Rümmer bringen.) Bu«-la». 2. Juli. Die Nothwendigkeit eine« engen Zusammensailuffes aller Eultusbeamten dürfte wohl von reinem bezweifelt und da« Erwache» aus der Lethargie von allen gut geheißen werden. In dem letzten Jahrzent sind manche Vereine mit ähnlichen Tendmzen inS Leben gerufen worden, die eS sich zur Ausgabe machten, unseren Stand zu heben und die gerechten Forderungen desselben wahrzunehmen. Doch das Anfangs so rege Interesse schwand aus nicht zu erörternden Gründen und die Folge diese- JndifferentiSmus war die Auflösung der so vielversprechenden Vereine. Daß ein solcher Zustand bejammernSwerth zu nmnm ist, und die sich selbst ignorirenden Vereine die Verantwortung ihrer nicht eingelösten Versprechungen zu tragen haben,, muß jeder, der Herz und Sinn für unsere oft so traurige Lage hat, zugeben und eS zugleich als sein« heilige Pflicht ansehen, diesem haltlosen Zustande wirksam entgegenzutreten. Wenn die meisten von uns auch einem Lehrervereine angehörrn, dem wir treu bleiben wollen, und dessen Ziele voll und ganz zu unterstützen und keine Spaltnng herbeizuführen unsre Hauptaufgabe bleiben muß, so könnm aber trotzdem in diesem Vereine unsere besonderen StandeSinterrssen nicht derart gepflegt werden, wie in der neuzubegründenden Bereinigung -der iSr. Eultusbeamten ,Ahawa» Achim", die den humanen Zweck verfolgen will: für die Besserstellung der Eultusbeamten einzutreten, in Krankheiten und bei unverschuldeter Stellungslosigkeit Unterstützungen zu gewähren — und endlich mit den Synagogeu-Gemeinden diesbezügliche Bereinbaruugen zu treffen. Diesem Bruderbunde sind bereitüber 150 Mitglieder beigetretm, die als Gründer dieses Vereins angesehen werden müssen, und auf welch« der § 4 b in den entworfenen Statuten, keine Anwendung finden kann noch darf. Am 1b. Juli findet die erste Generalversammlung zur endgültigen Berathung der Satzungen statt und, wie mir mstgetheilt wird, erhält dann jedes Mitglied, das bis dahin sich angemeldet hat, sein Diplom. Dieser ,Ahawas Achim"» Benin macht keine große Bersprrchungen, sondern will die materielle und gesellschaftliche Stellung der ״deutschen Eultusbeamten" nach Möglichkeit verbessern helfen. Darum wird einer regen Betheiligung bei der constituinnden Generalversammlung in BreSlau entgegen, gesehen. H. lintntr, Lehrer tmb dttniot. (Von der umsichtigen Abfassung der nach allen Testen hin wohlzuüberlegendm Satzungen, hängt das künftige Bestehen eines solchen Vereins ab, sonst geht er, wie der ähnliche Esrah baiara, bald seiner Auflösung entgegen — und die Herren Eultusbeamten find um eine Erfahrung reicher, aber um sehr viele Mack ärmer. Der Grund muß gut gckegt werden, soll der Bau fest darauf stehen. Red.) Karlsruhe, 28. Juni. (Or.-Corr.) Anfangs dieser Woche har hier die übliche Generalversammlung des israelitischen Landes-Waisen-Vereins für Baden im Beisein der Delegitten der auswättigen Bezicksausschüsse wie der Mitglieder des Lokal-Ausschusses unter Vorsitz des Stadt- und Eonfermz- Rabbiners von hier stattgefunden. Der Vereins-Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Bruchsal, erstattete den Generalbericht über die Bereinsthätigkeit, oer ein erfreuliches Bild sowohl von der umsichtigen, hingebungsvollen Geschäftsführung des Gesammt-Vorstandes wie von der in Zunahme begriffenen Theilnahme von Gemeinden wie von Privaten für diesen allerdings hochwichtigm Zweig israelitischer Wohllhätigkeitspflege entrollte. Dem beigegebmen Jahresbericht entnimmt man die Datm: In de» kaum sechs Jahren seines Bestehens ist das Vermögen des Vereins bereits auf rund hunderttausend Mack «»gewachsen. An Mitglieder-Besträgen? wie an Schenkungen gingen dem Verein in Jahresfrist bis j 15,000 Mack zu, dazu kemmen Zinsen aus den angelegte» ל Kapitalien wie der Kassen-Bvrrath am Anfang diese« JahreS. . ES konnte, da von dieser Summe nur elftausend. Mack Ber» ״, pflegungSkosten für die in Fürsorg« des 'Vereinbefindliche» Waisen aufzubringen waren, ein Erheblicheerübrigt werden, - denn — und das dürfte ein Vorzug dieses unter den Schwestervereinen sein — die Berwaltungskosten des Vereins wäre« außerordmtlich gering. Im Ganzen sind 64 Waisen (35 Knabe» ' und 29 Mädchen) in Pflege de- Vereins im Kalenderjahr 1873 gewesen und noch in dessen Pflege. Der LandeS-Berna huldigte seit seinem Bestehen dem Prinzip dersogenannte»- '1 offenen Waiseupflege, e» bringt demgemäß die Waisen bei dafür geeignete Familien unter und also waren auch im vorigm Jahr 25 in den geeignet gefundenen Familien, die. . übrigen gegni Zahlung eine- SrnährungSbeitrageunterge- ° bracht. Wenn der Verein dieser Gestalt auf.erfreuliche Resultate zurückblicken darf, aber vor allem bei so bescheidenen Mitteln eine verhältnis-mäßig große Zahl der Waisen soll in Pflege genommen werden können, die — will'- i Gott — zu cfcenfo frommen JSraelsten wie brauchbare»- - Bürgern ihre- Lande» werden erzogm werde», so ist die- . vornchmlich durch den Umstand ermöglicht worden, daß der Verein nicht mit einem so kostspickigen Apparat wie Waisenhaus und dem dazu nötigen Personal zu arbeite» ׳ hatte. In der Versammlung einigte man sich darum auch auf den eingebrachtenAntrag deSBezickS-Au-schusseSGailingen - bett. Erbauung eigener Baismhäus« unter eingehender Dar-׳ legung der dafür und dawider sprechenden Gründe dahin, daß zur Zeit kein Grund vorliege, von der offenen Waise», pflege zur geschlossenen überzugehm. zumal man möglichst bestrebt sei, die Vortheile de- Waisenhauses, wie .die Bersetzung de- Waisenknaben vom Lande in die Stadt, wo e» ׳ für me Entwicklung seiner Anlagen angezeigt erscheine, mit׳ dem bisherigen Verfahren zu verbinde». Mit Genugthuung konnte auch der Bockrag deS Vorsitzenden die Thatsache.konstatsten, daß bereit» aus mehreren Großgemeinden sich Schweftervneine nach Bruchsal gewendck hätten., indem sie die offene Waisenpflege deS hierländischm Waisen-VereinS züm Muster nehmen wolltm, da nur so e» ihm ermöglicht wäre,' - eine größere Zahl von Waisenkind«» in Pflege zu' nehmen. <fHfttrrtiep»Uugar*. Wie», 2. Juli. (Or.-Eorr.) Dr. v. Bragassy, d« zu solch traurig« Berühmtheit gewordene Chef-Arzt und Lest« der freuvilligen RettuugS-Gesellschast, geht und nimm« kehrt « wird«! Wir in vor. Numm« mitgetbeift, sollte Mittwoch eine Sitzung de- ActionS-Eomitäs stattfinde», welches sich mit d« LuckassuugSfrage Bragaffy'S befass« wollte, allein « hat eS vorgezogen, Tagvorh« an dm Präsidenten d« Rettung»-. Gesellschaft, HanS Griffen Wilczck, ein Schreiben zu richtm, in wckchem « seine Demission einrrichte; natürlich wurde dieselbe sogleich angmommm 'und für Mittwoch die Uckiergahe d«. Agmdm angcvrdn-t. Allein auch diese sollte nicht ohne Demonsttationm vorüb«gehm, welche von dm antiseMitischm Anhängern des gewesmm Leit«» in Seme gesetzt wurden. - Bragassy, welch« in Gesellschaft seinesauberm Kumpan» Dr. Zechmeist« in dm Räumm seines bisherigen Wirkung»- kreise» erschien, wurde mit donnerudm Rufm ,Profit Bragaffy" und j,P«eat Nothnagel" empfangen, die sich durch mehrere Minuten wied«holtm und den Präfldmtm verhindecken, zu Wocke zu kommen. Als dann endlich Ruhe ein- - trat, übernahm Gras Wilczck von dem ScheidMdm die Schrift» stücke «., um sie seinem Nachfolg«, Herrn Dr. Heinrich CharaS, zu geben. Dies« hat sei» neues Amt, welche- « übrigms schon in Stellvertretung wick»nhölt innehatte, sofort angetrckm. D« neue Leit« und Ehef-Arzt, ein durch Eharaft« und humane Gesinnung, sociale und wissmschaftlsthe.

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