Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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& Stellung hervorragende* und allgemeiner Achtung sich erfreuen» der GlapbenSgenosse, hat bei Uebernahnte seine» Amte» sofort erklärt,׳ auf da» Honorar im Betrage von fl. 6000 zu Guafte» der Rettung«. Gesellschaft zu verzichten I Hat man einen solchen Art von Liberalität und Humanität von seinem antisemitischen Vorgänger, oder von sonst einem Antisemiten je gehört? Gegen die ,arischen" Studenten, die dem Rector der Uni» verfität ein pamphletartiges Memorandum gegen Prof. Nothnaget überreichten und in den antisemitischen Blättern ver» öffentlichten, ist da» Disziplinarverfahren eingeleitet. — Eine Deputation de» jüdischen StudentenvereinS .Kadimah" hatte beim Director eine */« stündige Audienz und wurde sehr wohl- Vollend von ihm ausgenommen. Heueste und vermischte Hachrichten. 9t«|l(tur|. Aus Hannover ging uns kurz vor RedactionSschluß dagedruckte Protokoll der vor 7 Wochen abgehaltenen 30; Versammlung der jüdischen Lehrer dieser Provinz zu. Den größten Theil der zweitägigen Sitzung füllten die Verhandlungen über da- (deutsche) Bibellesen in der jüdischen Volks- und Religion-schul« und die eng damit verbundene Frage — di« vom pädagogischen Standpunkte gar keine Frage sein sollte —, ob man dem Kind« di« »ganz« Bibel- (in Uebersetzung), oder Auerbachs Schul- und HauSbibtt in die Hand geben solle. Die am ersten Dag« zur Kormulirung der Thesen eingesetzte Kommission stellte nun unter 2. folgende These auf: .Dem Bibellesen in der Schule ist die ganze Bibel bezw. «in guter BibelauSzug zu Grunde zu legen!" — Diese Fassung wurde auch angenommen. Wir kommen darauf und auf die Ansichten der anwesenden Herren Landrabbinrr DI). Gronemonn und Löb.Emden in einer nächsten Nummer zurück V«rtt«. 1- Juli. In ihrer letzten geheimen Sitzung wählte di« Stadtverordneten Versammlung auf fernere sechs Jahre den Geheimen SanitStSrath Dr. Kristeller zum Bürger-Deputirten bei de״ Deputation für öffentliche Gesundheitspflege. Vrrttu. Zum Andenken an den im April verstobenen früheren Etadwerordneten Louis Liebermann haben seine Erben zur Brgründung einer Loui» Liebermann-Stistung SV,000 Matt überwiesen. Zu dieser Summe hat der Miterbe Dr. Felir Liebermann außerdem den gleichen Bettag zugefügt. Bei der Auswahl der zu berücksichtigenden Personen soll deren religiöse« Brkrnntniß nicht ,» Frage kommen. Vorzugsweise sollen Unterstützungen zur Aushilft ober Begründung einer? witthschaftlichen Existenz, zur Aus- «euer, zu einer ärztlichen Kur oder zur Ausbildung begabter Personen in Kunst und Wissenschaft verliehen werden. Ksuttz, 1. Juli. (Or.-Eorr.) Der durch seine juristischen Schriften auch in weitern Kreiftn bekannt gewordene Landrichter H. P eis er, der seit 1886 am hiesigen Landgericht thätig war. ist am 1. Juni d. I. an da- SmtSaericht zu Danzig versetzt worden, woselbst derselbe vorig« Woche zum .Amt-gericht-ralh" ernannt wurde. Seine Schriften behandeln die .ZwangS-Berwaltung von Grundstücken", die .Geschäftsführung der Zwang-- Verwalter" rc. und find im Berlage von Siemenroth und WormS in Berlin erschienen. Asrdtzauftu. 30. Juni. Bor dem Königlichen Amtsgericht Hierselbst stand heute Termin (zur Ableistung de« Offenbarung»- eideS) gegen den antisemitischen Redakteur Wilhelm Georg an. der aber nicht erschienen war, e» wurden deshalb gleich zwei Haftbefehle gegen ihn erlaffen. Weitere Prozrffe gegen ihn wegen Verleumdung jüdischer Mftbürger — harren noch ebenfalls ihrer Ettrdigung. Hamburg. Der Antisemitenhäuptliug Kaufmann Behnisch Hierselbst, der bisher die Agitation in Altona leüete und in dieser und in dieser Arbeit sich große Lorbeeren" verdient hat. ist auf Denunziation seines bishengen Freunde«, deantisemitischenAgitator« Droguist Fuhrmann, unter Beschuldigung der wiederholten Wechselfälschung in Hast genommen worden. F. behauptet, daß Behnisch auf seinen (F.'S) Namen Wechsel gefälscht Hab«. Brauuschwetg. In der vorjährigen Reichstagswahlperiode begrüudrtta dir antisemitisch gesinnten Konservativen de« Herzog. thum« Braunfchweig hier ein eigene« Preßorgan (,Reue Braunschw. Ztg."). da« sie nl-bald täglich erscheinen ließen. ES währte nicht lange, so zeigtt eS sich, daß da« Blatt weniger konservativ« Politik, als vielmehr die Geschäfte de« Antisemitismus besorgte. Und zwar gründlich, denn rS wimmelte in dem Blatte wöchent» lich von judenhetzerisches, Artikeln und Notizen. Jetzt zeigt da« Blatt an. daß eS. nach einjährigem Bestehen, zum 1. Juli d. I. einzugehen sich genöthigt sehe. Dahätte man gegenüber der heftigen antiftmiliscken Agitation, die durch Abgeordnete ftit Jahr und Tag hier und im Lande betrieben wird, kaum ermatten sollen. Aber fteilich gehören die Hunderte von Besuchern der antiseniittschen Versammlungen zumeist dem Kreise der jüngeren, oftmals noch nicht einmal wahlfähigen Leute an, die die Neugier und Lust an Zerstreuung und Bier in die Versammlungen führt. St. HllbeStzei». Am 8. d. M«. starb hier Frau Henttette Dux. In ihr hatte der ihr vor etwa drei Jahrzehnten durch den?ob entrissene Gemahl eine verständnisvolle Förderin seine« gemeinnützigen Bestreben« innerhalb der hiesigen Synagogen-Geu.einde gefunden. Ihr Hau« wie ihr g^izs« Leben war von echtjüdischem Geiste «.füllt, der auch in chlen Kindern, besonderin ihrem einzige» Sohne (seit Jahren erster Vorsteher bn hiesigen Gemeinde) fottlebt. Gleich ihrem verewigten Gatten hat sich auch die Heimgegangene durch eine hochherzige Stiftung ein ehrende« und dauernde« Anoenken gefichett. khemmtz. Im hiesigen konservativen Verein hat vor einer Volksversammlung der durch die Berliner Tivoli-Bersammlung bekannte Herr Eduard Ulrich einen Bottrag gehalten: .Offene deutsche Antwott auf den offenen Hebräerbries de- Herrn Rabbiner Dr. Mühlfelder." Der Herr Rabbiner hatte dazu auch eine Einladung erhalten, er klätte jedoch in einer Annonce im Tageblatt, daß e« mir der Würde eine« Geistlichen für unvereinbar haltt, in Volksversammlungen zu sprechen. «ttucheu. Ein schöne» Testament hat nach Mittheilung de« Bürgermeister« Borscht der »erstorbene Pttvatier Elkan Waffermann, welcher leinen WohtthätigkeitSsinn schon ftüher oftmals bewährte, zu Gunslrn von Vereinen und Anstalten mit simultanem Lharatter gemacht. Demnach erhätt im Sinne de« ErblafferS nach Bestimmung de« Bürgermeisters Borscht je eine Summe von 1000 Mk. dastädtische Kinderasyl (zur Stiftung von Preisen) der Frauenverein umerm rochen Kreuz, der Asylverein für Obdachlose, der Verein für freiwillige Armenpflege, die beiden Krippenvereine link« und recht« der Isar, der Berero.für Ferienkolonien, der Verein Knabenhntt, der Kinderaattenverein nud der Verein zur Unterstützung mit Brennmaterialien. Ferner hat Herr Elkan Wassermann 400 Mk. bestimmt, welche nach fteiem Ermessen de« Fruerwehr-Obettommandanten Riedrrmayer zu llnterstützungeu an Mitglieder der Beruf«, und freiwilligen Feuerwehr zu verwenden find. Da- Obettommando übrrwie« 300 Mk. der freiwilligen und 100 Mk. der Berufsfeuerwehr. Zum DankcSauSdruck für den wohlwollenden Erblafler erhob sich da» Magisttat-kollegium von den Sitzen. Kattsbad. Ende Juni. (Or.-Eorr.) Während e« dem Bnei- B'riS-Orden seit 1890 nicht mehr gelungen i!r, in Deutschland ttotz einigster Propaganda eine neue Loge in- Leben zu rufen — die letzte Installation war die der Nassau-Loge in Wiesbaden (Dezember 1890); die wenig« Wochen nachher «n Bettin eröffnet« Zunz-Loge scheint sich neben den andern Berliner Logen nicht haften zu können, die Zahl der Mitglieder ist auf 24 herabgegegangen — scheint man jetzt in Oesterreich, da« gesetzluh zwar keine Logen duldet, mit ähnlichen.Vereinen" Versuche zu machen, und zwar in Reichenberg und Karlsbad. Hier fand jüng" die JnstallationSftier statt. Der wiedecholt im Monatsbericht auSge- Brüdern bei dieser Feier vertreten sei", ist entsprochen" worden. Es war eine recht solenn« und splendide Feier, bei der e« allerdingnicht streng ״kurgemäß"hrrging. Debrrrztn. Die hiesig iSraelittsche Gemeinde faßte den Beschluß, den in der Skt.-Annazasse gelegenen alten-Tempel nebst dem anstoßenden Grunde an den Wahlbischof Ferdinand Wolafta zu vettaufrn, welcher auf dftsen zu vereinigenden Gründen ein Nonnenkloster in Verbindung mit einer katholischen höheren Mädckenschule erbauen laffen wird. Der Kaufvertrag ist prrftkt, die Uebergao« der Odjette erfolgt jedoch erst, wenn di« neue Synagoge fettig fein Mrd, welche die Gemeind« in der Näh« de« GenchtSpalait erbauen läßt. .... --. . k'ÜXtn,