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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-06 · 27 (6.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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voll« Einverständniß drr Versammlung mit den Aus. führuugen de- Vortragenden und den wissenschaftlichen Forschungen de- HofrathS Di m b o. Leipzig. 27. Juni. Auf Grund der Aufforderung in dies. Bl. theilt Herr Louis Berenhart über seinen am 2. Decbr. 1870 bei Brie 8ur Marne gefallenen 20 jährigen Neffen Felix Oppenheimer, Sohn seiner verstorbenen Eltern Herrn John B. Oppenheimer und Frau Bertha Oppenheimer hier, die nachstehenden Details mit: ,Mein Reffe diente hier als Einjährig.Freiwilliger bei den 107ern, verlieb Leipzig als Gefteiter um in Heidelberg ,Jura" zn studiren. Kaum wurde die Kriegserklärung dort bekannt, als er, obschon sehr leidend und krank, voller Begeisterung hierher eilte, und kaum angelangt, sich stellte. Meine Angehörigen, ohne Ausnahme, waren entsetzt über sein krankhafte- Aussehen, aber trotz aller Ermahnungen und . Vorstellungen von unsrer Seite, sich erst körperlich zu stärken und zu kräftigen, ließ er sich nicht abhalten und meldete sich sofort, von der Idee gegen die Franzosen zu kämpfen hin. gerissen. Der ihn s. Z. untersuchende Arzt erklärte ihm bald, daß er in seiner damaligep körperlichen Verfassung ganz u d gar für den Dienst untauglich sei, denn wie dieser sich auSdrückte: ,mit einem Lazoreth, ziehe man nicht in den Krieg". Tr wurde zurückgestellt, doch auf vieles Drängen wurde er mit dem Einüben von Rekruten betraut. Endlich im August gelang eS ihm auSmarschieren zu dürfen und von da ab hatte er große Strapazen durch Borpostendienst rc. und beim Eintritt der großen Kälte viel Schweredurchzumachen, bis er am 2. Decbr. 1870 von einer feindlichen Kugel durchbohrt, bei Brie seinen Tod fand. Bon verschiedenen seiner ihn überlebenden Kampfgenossen erfuhren wir später, mit welchem Mute er kämpfte und wie er von der Idee begeistett war, sein Leben für sein Vaterland einsetzen zu dürfen." - Ehre dem Andenken diese- Tapfen!! Au» Stadtolde«Vorf. 1. Juli schreibt man unS. .Be. Kgnehmden auf Ihren Aufruf in Nr. 24 der gesch. Wochen. rift, bin auch ich in der angenehmen Lage einen Beweis für die Tapferkeit und Unerschrockenheit jüd. Sol« baten zu liefern. Ein Mitglied unserer hies. Gemeinde der jüdische Kauf, mann MoseS Heinberg, hat den Feldzug 1870-71 von Anfang bis Ende mitgeinacht. Für ferne Auszeichnung und Tapferkeit ist ihm von Sr. Majestät da» eiserne Kreuz II El. verliehen worden. Er hat nicht wenig« als 23 Schlachten mitgemacht. ES würde zu weit führen, wollte ich die Beweise seiner Uncrschrockenheit alle speciell aufführen: nur daS Eine hebe ich hervor: Zu einem gefährlichen Pattouillengang vor Metz sollten sich auS einer Eompagnie des 3. Hannoverschen- JufanterieregiementS Nr. 79, bei der der p. Heinbcrg diente, Freiwillige melden. ES thaten die- 24 auS der ganzen Compagnie, zu denen auch Herr Heinberg gehörte.— Ich bitte um Boröffentlichung dieser Thatsache, deren Richtigkeit . ich auS den mir amtlich vorgelegten Papieren ersehen habe. H. Braun, Lehrer. Birwalikt, (Pommern). Von der hiesigen aus etwa ■ 26 jüdische Familien bestehenden Gemeinde haben ,sechs Mann" an den Feldzügen von 1866 und 1870—71 teilge- «ommen und sind mit Auszeichnungen decorirt worden. ES sind folgende Herren: Unteroffizier Simon L a m i n e r beim Pom. Inf. Reg. Nr. 9. . Adolf Leibholz . 54. * ״ ״ Ulan Jac. Blumenthal , , Ul. , ,4 Musketier Julius Bernhardt , , Inf. , ,9 , Sam. Saalfeld . , 9 , ״ ״ , «br. Mayer .49 ES ist die« bei einer verhältnißmäßig so klemm Gemeinde sicherlich ganz besonders hervorhebmswett. I. Bach, Eantor. — .Herr Eantor Isidor Feibel in Jaurr theilt unS mit, daß in seinem früherm AmtSotte (Züllichau) Herr Loui» Po Sn er (jetzt in Chemnitz) i. 1.1860 beim 10. Pos. Ulanen, rrgiment die höchste militärische Auszeichnung für seine Tapferfeit erhielt. Herr Wisch au» Schiversenz in demselben Regiment starb den Heldentod i. I. 1870; sein Name ist auf dem Kriegerdenkmale in Züllichau vereivigt. Soest. 25. Juni. Am gestrigm Sonntag tagte hier die 4. Generalversammlung deS Verbandes der Synagogen - Gemeinden Westfalens unter dem Vorsitze des Herm M. Katzenstein auS Bielefeld. ES waren 22 BerbandSgemeinden durch etwa 70 Delegitte vcttreten. Die Versammlung faßte einstimmig solgendm Beschluß: ,Der Gemcindetag begrüßt den Antrag des Ausschusses auf Gründung eine» ,Pensionsfonds für Lehrer und LultuSbeamte" (resp. derm Hinterbliebene) mit Freuden und beaufttagt den Ausschuß mit der Ausarbeitung einer entsprechmdm Vorlage und eventuell der Berufung eineaußerordentlichen GemeindetagrS zur Beschlußfassung über die Vorlage." Der Anttag der Synagogen^ Gemeinde Dortmund bettefiend dm Entwurf eines Gebetbuches für die hohen Feiettage, der dem nächstjährigen Gemeindetag zur Genehmigung vorzulegen sei, wird ebenfalls einstimmig angmommen. Eine lebhafte Debatte rief der Anttag d« Gemeinde Neumkirchm hervor, welch« sich mit dem jüdischen Religion», unterricht an dm höhnen Schulen WesffalenS befaßte. Die Versammlung lehnte für diej nigen Orte, in dmm der jüdische Religionsunterricht an den höhere» Schulen noch nicht eingeführt ist, die Staat-Hilfe einstimmig ab; dagegenbeaufttagte sie dm Ausschuß, auf die jüdischm Geineinden dies« Otte nachdrücklichst in dem Sinne zu wirken, daß dieselben auS eigmer Kraft, unter ment, pekuniärer Unterstützung durch dm Bttband den betheiligtm Schülern einen geordneten Religionsunterricht rttheilrn lassm. Der von dein Ausschuß vorgelegte ,Lehrplan für dm jüdischen Religionsunterricht in d« Sekunda und Prima der Gymnasim und Realgymnasien" wird von der Versammlung zur Dulchberatbung an die UnterrichtSkommission verwiesen. Nachdem nun noch zum Voran de» nächstjährigen BerbandStages Bochum bestimmt wordm war, schloß der Borsitzende um 3'/, Uhr die Verhandlungen. B. Erfurt, 3. Juli (Or.-Lon.). Am Sonnabend dm 30. Juni feiette daS hiesige Kgl. Realgymnasium daS Jubi» läum seines 50 jährigen Bestehen». Der Begründ« dies« Anstalt war Professor Dr. Ephraim Unger und eS dürfte sichnlich für die Lehr« dies, gesch. Bl. von Jntnesse sein, einiger üb« denselben und üb« dm Verlauf der Festlichkeit, soweit eS sich auf U. bezieht, zu erfahren. Dem für die Festfei« angesetzten Programm gemäß begann der Jubeltag mit einem schönen Acte drr Pietät. Lehrer und Schüler suchten die Grab« des crsten Directors und anderer v«- storbrnen Lehrer drr Anstalt auf und schmückten diese Stätten der ewigen Ruhe mit duftigen Kränzen. Zunächst begab sich eine Abordnung von Angehörigen de- Realgymnasiums, mit H«ru Dir. Professor Dr. Zange an der Spitze, früh 7 Uhr nach dem alten jüdischen Begräbnitzplatze »or dem Brühl« Thore, um dem dott schlummernden Professor Dr. Ephraim Salomo» Unger, dem ältesten Lehrer der Anstalt, zuerst den Tribut de- Dankes zu zollen. Die Ankommenden wurden von einigen Vertretern de- Vorstandes und der Repräsentanten d« Synagogengemeinve empsangen, woraus He« Direktor Zange mit beredten Watten die Bedeutung Ung«S für das Entstehen der einstigen Erfutt« Realschule utze für das Erfutt« Realschulwesen überhaupt hervorhob. Alsdann schilderte er de- ManneS Verdienste um die Jugmdbildung und wies darauf hin. daß man mit Fug und Recht die Verheißung de» Propheten Daniel (12,3) aus fernem Grabsteine angebracht habe, di« da lautet: ,Di« Lehr« ab« w«den leuchten, wie des Himmels Glanz, und die so Biele zur G«echtjgkeit weisen, wie die Sterne imm« und ewiglich." Ihm «widerte im Austrage der beiden israelitische,, Gemeindecollegien He« Dr. Alb. Pick, indem er zunächst den Thellnehmern an diesem ernsten Atte für ihr Kommen dankte und dann, nach ein« kurzrn Wür-

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