Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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thn» dasselbe ttntr verschmähen es nicht, ihren Mund mit den E"' Ihaftrstm Ausdrücken zu' entweihet», iyte Federn in den utzigstm Sud zu tauchen, fie, welche ausschließlich daS 1 GotteS lehren,׳ Lieb«'und Eintracht predig« 'sollten. Die Juristen find im Allgkmciycn noch nicht so tief hinab. Sesunkm; zwar hohen auch sie schon das Schwert des Un» iedenS gezogen, aber noch immer haben sie sich gehütet, die Scheide ganz foxtzuwerfen und sich den Rückweg abzuschneidm. ES hat. jedoch den Anschein, als.sollte diese Zurückhaltung nicht mehr lange währen; wir meinen nicht diebeschränkenden und krankenden Erlasseder letzten Zeit, fie sind jo schon schlimm genug, aber immerhin noch — ylS schämte man sich «S einzugestehen — in einen büreaukratischen Styl vermummt, welcher hm Borcheis hat, nicht allzutief in da» Volk einzudringen und von den Meisten nicht verstanden zu werden. , Wir haben die von den Antisemiten eingeführte Gepflogen» heit,' bei Strasiachen die ReligionSangehörigkeit de» jüdischen Thäters hervorzuhebeo, bez. -uach seiner jüdischen Abstammung zu -schnüffeln, oder ihm eine solche anzudichten im Auge; bei nicht. Mischen Verbrechern läßt man die Religion desselben ungeschoren. So z. B. hat Niemand daran gedacht, der Religion des verrucht« Mörder» Larnot'S nachzuforschen, sondern man ging von der richtigen Erkenntnis au», daß ein solcher Mörder,' wie kein Vaterland, so auch keine Religion überhaupt habe, aber wir »können doch nicht umhin, den lieben Gott öffentlich zu preisen, daß der Mött>cr kein Jude'war! Un» gegenüber hätte man diese weise Zurückhaltung ebenso wenig .geübt als wenn — vom politischen Gesichtspunkte au» — derselbe ein deutsches LandeSkind gewesen wäre. Bor un» liegt eine Zeitung vom 27. Juni, welche u. A. zwei Steckbriefe nach einander enthält, der eine von der Sgl. Staatsanwaltschaft zu Altona, in welchem die Beschreibung ganz sachlich gehalten ist und der zweite von der Sgl. Staat», amvaltschaft zu-Berlin, dessen Signalement den Bermtrk enthält: Religion: früher mosaisch, seit 1893 evangelisch! Hehött die Religion zu den Kennzeichen, welche die Eruirung eiäes Verbrechers erleichtern? -Dann müßte jeder Steck» brief dies« Pasius enthalten. Ist die» nicht der Fall, warum diese Ausnahme Allerdings hatte der früher rwrliche Jude, aber jetzige evangelische Verbrecher Haare und Augenbrauen blond, die Augen aber blau, welche diese Färbung wohl nicht erst seit der Tonvettirung angenommen haben; daß es sich bjer um «ine fü» solche Fälle vorhandene besondere Bemnnnung׳ handelt, ist kaum anzunrhmen, zumal wir auch sonst schon ,jüdische" Steckbriefe vor Augen hatten. '.ihre Religion verdanken. Mir war eS ene verständlich, wie man eioe Raffe schmähen konnte, welche solch« Abkömmlinge hervorbrachte.- . Aber selbst die reine Semitenrasse läßt sie ebensowenig K" '־־־־"‘־־־^ י' ׳ ־* ־ ׳ . religiösen Asfimilirung bestreitet sie angesichts der bei dem gebttdetm Theil vorherrschenden Religionsbegriffe. . ,Wenn nicht der gleich« Anschluß in socialer Beziehung zu finden ist, so liegt die Ursache hiervon nicht bei den Juden, sondern bei den fie zurückweifendeu Witthen. wenn wir diesen Ausdruck Mit dem de» Aastvölke» den Anti» semittn abnehmen wollen, ohne auf da» Un. passende desselben einzugehen DeS Weiteren behauptet fie folgerichtig, daß die Anti, semiten die Juden selbst dazu drängen, sich als Fremde zu fühlen. Und selbst daS Fremdartige de- Talmud vorausgcscht, wissen doch die meisten Juden von ihm nicht mehr als die anderen gebildeten Deutschen. Sie verlangt energisch, daß man nicht die Juden für Uebelstände verantwortlich mach«, an denen sie nicht in höherem Maße schuld sei«, als andere, man soll überhaupt nicht sowohl Personen bekämpfen, als die Ursachen mißlicher Zustände zu beseitigen suchen. In charakteristischer Weise schildett fie das Dilemma, in welchem die Juden in all ihrem Thun und Lassen sich de» finden: «Der Angehörige einer Minderheit hat immer ein« schweren Standpunkt. Sucht er sich anzuschließen, nennt man ihn zudringlich, schließt er sich ab, so wirst man ihm feindliche Jsolirung vor, und so geht r» ihm auch in allen anderen Dingen. Läßt er z. B. fein Geld steigebig unter dir Leute komm«, so ist er ein Protz, spart er, so «r ist ein wuchernder Geizhal». Nimmt er die Religion der Anderen an, so ist er ein verächtlicher Rene» gat, thut er e» nicht, so wirst man ihm verstockten Fa»a» tiSmu» vor. Zeigt er Patriotismus, so macht man ihn lächerlich, thut er e» nicht, so-wirst man chm seine BaterlandSlosigkeü vor u. s. w." Der ganze Artikel zeigt, welch seine» psychologisches Ber» ständniß der Dame innewohnt, mit welcher BoruttheilSlofigfeit sie zu beobachten und zu uttheil« verficht, kurzum eine Noblesse der Empfindungen, wie fie der Dichter mit den Worten schildett: - »Die Bilder, die ungewiß wanken, Dort aus der Fluch der bewegten Gedanke» In de» Ranne« verstörtem Blick, - Um so wohkthätigtt berühtt eS uns, wenn nach vorhergegangener livoliversaminlung und während deS radaumäßigen Vorgehen» eines BaronS v. Lang« — dessen offenes Bekennen zum ״reinen" Antisemitismus, welcher ״gegen Juden und-Junker" sich wendtt, selbst der ״Sreuzzeitung" Unbehagen verursacht — in andern Länderst die ursprünglichen Patentüten Inhaber dieses schönen Wahlspruches sich wieder auf dmselbm besinnen. ' » Wir weisen zuerst auf den österreichischen Ministerpräsideuten, Fürsten Windischgrätz, hin, Hessen jüngste Auslassung gegen den Antisemitismus allgemein bekannt ist, deren hervorragende Bedeutung umsomehr anzudrkennen -ist, als fie ohne dringende Veranlassung von-dem Fürsten ausging, welcher somit nur seiner noblen Gesinnung Ausdruck geben wollte. Weniger nach seinem vollen Berthe. gewürdigt wurde die erhabene und hochherzige Veröffentlichung einer edlen Dame aus den gleich« Kreisen, der Frau Gräfin Bictorine Butt-- ler-Haimhausen in München, bei der sich d«S Dichter- Spruch bewahrheitet, daß man bei edlen Frau« aostagm müsse, wenn man wissen, will» was sich ziemt. Wir können ihre'Gabe nicht besser charakterilüen, als durch d« Abdruck der markantesten Stellen auihrem Ättikkl:׳ .Christen haben nichj da» Recht, die Thal« der au» jüdi- . schein Volke entsprossenen Mmscheu zu vergeffp», dm« fie kklar und getreu tu de« sanfteren Weib« Zeigt fich der Seele krqstgllen« Scheib« Wirst fie ber ruhige Spiegel zurück." ' '_Singer-Lob lenz. . sDrr- Schluß de» Artikels ״Ludwig Bamderger'S Charakter», stiken" sowie der des Artikels ״Zur Verständigung" mußten Raummangels wegen noch zurückbleiben. - . Red.s Berichte unö Aorresponöen;m. Deutschland. Magdeburg. 1. Juli. AuS BreSlau ging uns anfaug vor. Woche ein von einer Anzahl von Rabbinern und ReligionSlehrem aus dm.Provinz« Schlesien und Posen Unterzeichneter Aufruf zur Gründuyg eines ״Verbandes jüdischer Religionslehrer" mit dem Vermerk ״strmg ver» traulich" -zu. Damm veröffentlicht« wir. ihn nicht in vor. Nr. Da dies nun.abervon ander« M. Blättern geschieht, so zebm wjr aus dem reich« Inhalt das Wesmtlichste wieder. ES wird zunächst die Bildung, von ״Zweckverbänd« für d« jüdisch« Religionsunterricht" angestreot -zur Beseitigung der ärgst« Mißstände durch Zusammmlsgung dev Zwerg- (Zweig?)gemtmbm für gm. Zweck, Anstellung von Wander-