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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-06 · 27 (6.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Gottesbuche vernommen, wie Mose.anSder Wüste -und»' schafter sandte nach dem Lande Kanaan, wie von den zwölf Landschaftern zehn dnrch ihre-Reden dem Volke dm Muth benahmen, dm Kantpf mit dm Sananitem zu begumm, und wie die Jsraelstm lieber in der Wüste sterben״ als mit Kanaan streitm wollten. Zwölf Kundschafter warm au-gezogen, und hattm west jmb brest daS Land durchstreift und warm wohlbehalten heimgekehrt, aber nur Zosua und Kaleb hattm das erkundet, was in allm Kämpfen mit untrüglicher Gewißheit die Niederlage des Angegriffenen herbeiführt, nämlich die Verzagtheit und Hoffnungslosigkest der Bewohner. Was helfen dem Riesm seine Arme, wmn Furcht ihm die Kraft lähmt. Mose hatte am Schllfmeer, als Pharao und sein Heer in die Fluth versanken, prophetisch im Liede verkündet: ״Völker hörm es und zittem, Schreckm erfaßt die Philister, es zagm die Insassen Kanaans, Angst und Furcht überfällt sie, daß Du bringest und pflanzest, o Gott, Dein Volk auf die Höhm Deines Erbes." Was Mose prophettsch verkündet,. das habm Josua und Kaleb als wahr erkundet. להטנו הם סר צלם ״ מעליהםsie find unser Brod, unsere Beute, ihr Schattm ist von ihnm gewichen", sie gleichm Leutm, die schutzlos dem Sonnmbrande und jck>em Wetter auSgesetzt sind." Das ist vor allem das Kennzeichen der geistigm Beschränsthest: der Mangel an Verständniß für die idmlen Mächte, die das Leben beherrschm, für dm Geist, der allein die Entscheidung herbeiführt. Die armm Jsraelstm, die im Sklavmthum Äegyptms herangewachsm waren und so lange darin gelebt hattm, hattm nur Respekt vor körperlicher Kraft und äußern Machtmitteln, sie sahm nur die Enakskinder und die hohm Mauern und zittettm das Glück zu ergreifm, daS hast vor ihnm lag. Was Josna und Kaleb meldeten, der Schattm, der Schutz, das Selbstvertraum, ist. von Kanaan gewichen, das lag jenseits des mgm Gesichtskreises dieser einstigm Sklaven. Dmn nicht Jedermann sieht ein, daß die Mauer nur dm Muthigen schützt. Einstmals in Aegyptm hörtm sie Anfangs nicht auf Mose, wegm der Enge des Geistes und der schiverm Arbeit; di« schwere Arbeit war ihnm abgmommm worden, aber der mge Geist war nicht gewichen. Die heilige Schrift erzählt auch gamicht, daß Gott die Jsraelitm wegm ihrer Schwäche gestraft hat, sie meldet vielmehr, daß er ihnen verziehen und ihren Wunsch erfüllt hat, in der Wüste zu sterbe»; der Midrasch fügt hinzu, daß sst meist ein hohes Atter erreicht habm; sie kommen nicht in das Land der Verheißung, weil sie nicht wissm, daß die Macht deS Mmschm in seinem Muthe, in seinem Gemüthe ruht. Aber das Uebel, das damals über unsere Vorfahrm ein ödes Lebm in der Oed« verhängte, ist leider nicht mit ihnm gestorben. Die geisttge Ohnmacht ist bis auf dm heuügm Dag die größte Macht im Lande. Auch in der Mitte Israels ist das Verständniß nur schwach für die idealm Kräfte: wir begreifen nur schwer, daß der Schutz und Schaum Gotte» von dmm weicht, die wie die Kananster in Lüge, Sünde, und Aberglaubm lebm, und daß wiederum em Mann, in dem Geist und Begeisterung aufflammt, soviel werth ist als ein ganzes Volk, das erst durch ihn ein höheres Lebm empfängt. Unsere Attm sagm: es heißt in der Schrift von dm durch die Kundschafter geängstetm Jsraelstm: ״Sie weintm in dieser Nacht;" in dieser Nacht, das war die Nacht d«S neuntm Am, die später für Israel durch die Zerstörung des Tempels so verhänguißvoll gewordm ist, in der für Israel eine ״ בכיה לחוזהeia Weinen die Jahrhunderte hindurch" begönnen hat. DaS soll heißm: dieselbm Ursachm erzmgm sott und sott dieselbm Wirkungen. Die Muthlosiakest, die die Gefahr fürchtet, schafft sie und verstärft sie, daß sie unüberwiudlich wird. So tief als schlicht ist das Wort deS Dichters: ״Much verloren, Alles verloren, da eS ist besser, nicht geboren." Jck>e Waffe erhält erst chrm Werch durch da- Geschick der Handhabung, durch die' Kraft d«S Stoßes und' ist wetthloS, wo dies« Fähigkeit« fehlen. Die Mutlosigkeit . war allezrst unsen größte Feindin. ' S Such für die Kämpfe, die unS in hjesen Tagen aufgef drängt werdm. ist 8er Much daS Wichtigste; wst stchm an -■] der Schwelle deS Landes der Verheißung; wir envattm ein ״jj Zeitalter, wo die Burgm des Boruttheils zu Ruinm zu- - .ij sammmfinkm werden; wir sehm freilich, daß diese EnakSkinder, die für die venottttm Anschausngm weit mehr aus' i persönlich« Vottheil als aus Ueberzeugnntz streitm, nicht״ gutwillig weichen wollen; allzuvorfichtige Lmte rathm uns wie dereinst dm Vorfahrm m der Büste: Duckt euch, verkriecht euch, ihr werd« doch nichts-au-richtrn, ihr werdtt euch dm Schädel zerschmettem an diesm felsenhattm Vomrtheiim; wir . : hörm da- Weinm der Perzagten, der Verzweifelt«, die Sa ' glauben, die Pfotte werde sich niemals öffnm zum Lande der י Verheißung, das Boruttheil gegm ßnS «ird niemals die Wasim strecke:, wir werdm ewig in dm Wüst« bleibm; es ist jmeS Weinm, daß einstmals in der Wüste angefängr» hat, durch die Jahrhundette׳ sich fottgesetzt hat und eS unfern Feinden so leicht gemacht hat nnS zu »«erdrücken. Wir habm eine gerechte und gute Sache. Unsere Gegner glaubm weist selbst nicht an die Anklagen, die sie .. gegm uns erhebm, eS ist wahr, unsere Widersacher sind zahl-. reich. Aber nur die Engherzigen und die Engzeistigm habm dm Aberglaubm der Zahl, meinm, daß der Sieg bg großem Menge gehöre. Die fteim Seelen habm das Hochgefühl, daß die Gerechtigkest unüberwindlich ist, wmn sie sich nicht selbst aufgiebt. Wir sehnen uns nachdem Land btt Verheißung, wir neiden nicht die Abtrünnigm, die wie hoch sie immer in Amt und Würden gestiegm sind, zittem müssm,. so Jemand dm Namen ihres wackem jüdischen BaterS oder Großvaternennt, dir ihre Vorfahrm verleugnm müssm; aber wir nehmm auch dm unverdimtm Haß nicht wie ein uaabwmdbareS Schicksal mtgegm, daS unr bewein«, sondrm wir betrachten ihn als ein Unncht, daS wir bekämpfm Einstmal» nach einer schwerm Niederlage dantte der römische Smat dem Führe» deS geschlagenen Heere», daß er an der Republik nicht vnverzweifle. Wir Jsraelitm aber, die wir so viele Siege er- .rungm habm, die wir zu Berbündttm habm alle Gutm und Edlm, wir.habm wahrlich keinm Gmnd zu verzagen; wenn wir an uns glauben, wmn wir unseren gerecht« Anspruch nicht beflecken durch unwürdige Künste und wmn wir überdies nicht Haß mit Haß vergeltm, sondem nach Einttacht und Versöhnung sttebm, dann dürfm wir gttrost hoffm, einzuziehm in das Land der Verheißung. B. R. Noblesse obligel Dieser edle Grundsatz galt in früh«« Zeit« als Privilegium derjmigm Klassm, welche ihr Blut für feiner und ckller als das der gewöhnlichen Sterblich« hielt« und den zohllosm Recht« gegenüber, welch« ihnm überall ״naturgemäß" zuerkannt wurdm, zu dieser Pflicht sich bekannt«, die wohl geeigntt war, alle Schroffheit« und Härtm auSzugleichm, der Peitsche gleichsam die Stacheln zu nehmm. Wir find inzwischen glücklicherweise soweit gelangt, daß wir die Noblesse nicht mehr ausschließlich bei Aristokratm — par droit de naissance — sondem auch bei jedem einigermaßen ebildttm Mmschm — par droit de oonquät — zu erwarten erechtigt sind, ja sogar diese Pflicht bei dm Erster« häufiger und dämm schmerzlicher vermissm als bei dm Letzter«. Die nmgeschaffmm ״Kulturzuftände" scheinen aber dm Wett dieser geistigm Auszeichnung sehr stark herabgemindert, i dm Sinn für chre Wetthschätznng und daS Vettangm nach ibrem Besitz verschob« zu haben. Aerzte und Lehrer »erveraustattm Versammlung« sehr gemischter Art, und anstatt i der Theilnehmer Jntellett zu sich emporzuhebm, sinkw sie jj immer tiefer auf das Niveau derfelbm herab — Geistliche

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