Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV. Iahrg. Magdeburg, 6. 3ult Nr. 27 . eine allgemeine Zeitung des Zudenthums. Erscheint wöchentlich mit zwei Beilagen <׳»Jf*»Ui«übUtt“ unb ״LittsrstmrbUtt“) und!oftft bei allen Potz׳ ümter» und Bltthdandtuaaen. auch direkt bei * der Ervedirion. drei Merk olerteljü-rltch. (fUA dem Audlaude 16 wort jührlich.) Die Aud-abe ohne ^LitteraturblatN — nur durch die out zu beziehen — kotzet 2.86 Korb. Ate EiueMVr. kotzet 86 Ptg. kerausgegeben von Rabbiner vr. W. Pähmer in Magdeburg. FSr tvatzetzeit, »echt uni gtUbtnl -4.3* Inserate für die »Israelitische Wochenschriftwie für das »Jüdische Litteraturblatt-, die viergespalten« Petitpeile oder deren Raum 86 Pfc., sind entweder durch die Uunoneew» Lrpedinoneu oder — falls mau selbtz auf «adatt Anspruch wacht — sleoot einzusenden an: via Izpeditioa dar »IotmL Wochoeschrift“ im XÄftUbarg. *®יד" Inhalt: CeUcntc XrHf«(t Da« Recht und der Muth, die besten Waffen. Eine religidfe Betrachtung zum Schriftwort von den Sndschastern. — Noblesse oblige. Bon Dr. Singer. t« an» C«*refr*Mb«MKK1 Deutschland: Magdeburg. Berlin. Leipzig. Stadtoldendorf. Bärwaide. Soest. Erfurt. Bunzlau. ilarldruhs. Oesterreich-Ungarn: Wien.' » VegMlfostt« aa» aoaest« NaetzeleHeea, Magdeburg Berlin. Berlin. Loniy. Rvrdhausen. Hamburg. Vraunfchweig. HildeSheim. Ehemnip. München. Oarltbad. Debreczin. Aafoeat«. Nachdruck aus diese« Blatte ohne Luellenangade untersagt. Wochenr-li 1894 Tammn». 3654 Palender. Sonnabend . . 7 -3 . 9,31) קרח) Perek IV. Sonntag . . . 8 4 0 Montag . . . 9 & Dienstag ... 10 6 Mittwoch . . . 11 7 Donnerstag . . 12 8 »reit»«. . . . 13 9 '?15 Lcht ui in Alts, lir Irfn Sifn. Eine religidfe Betrachtung zum Schristwott von den Sundfchaftern. Ost hört man die Meinung, daß die Beschränkten und Enggeistigen die Glücklichsten seien, und eS läßt sich Manches' zu Gunsten dieser Ansicht anführen; wo der Verstand matt ist, da ist auch daS Gefühl meist nicht auSgebildet, da wird Sorge, Kummer, all die seelische Noth, die über einen Meuschen kommen kann, weniger empfinden; und außerdem liegen viele Ereignisse, die dem Gebiete deS öffentlichen Lebens angehören oder die uns nicht unmittelbar berühren, ganz außerhalb des Gesichtskreises dieser einfälttgen Leute und gehen sie gar nichts an. Irgend ein Unglücksfall geschieht, fern von unS; viele Menschenleben sind verloren oder schweben in Gefahr; der Verständige liest und hött von alledem, und aus der Kenntniß entsteht die Theilnahme und die Seele wird tief erregt; der Beschränkte erfähtt entweder den ganzen Sachverhalt gar nicht oder wenn er ihn erfährt, so versteht er ihn kaum und sein Gemüth bleibt unberühtt. Denken wir nur an daS Nächste. Durch die ganze civilifirte Welt ging in diesen Tagen eine gewaltige Erregung, als ein wackerer Mann, der erste Bürger eines schönen und mächtigen Landeein Opfer des Meuchelmordes wurde. Nicht nm das persönliche Schicksal rühtte uns, sondern wieder fuhr wie ein Blitz der Gedanke durch unsere Seele, daß unsere ganz« Eivllisatiou einer prangenden Saat gleiche, die auf vulkauischem Boden sich erhebt. Noch dmchzittett der Schreck «usere Glieder, weil die arge That als daS Symptom einer Krankheit gilt, die weithin verbreitet ist und für die daS Heilmittel noch nicht gefunden ist. Von diesem Schrecken, von dieser Sorge haben Millionen Menschen nichts verspütt, weil ihr Verstand nicht darauf eingerichtet ist, sich um solch weit obliegende Dinge zu kümmern und sie waren sonach glücklicher als so viele andere, die von vornherein nicht so selbstsüchttg sind, um nicht auch von der Noth eines fremden Volkes ihr Herz rühren zu lassen, und die es überdies erwägen, daß dies Feuer überall glüht und überall zu einer großen verheerenden Flamme emporschlagen kann. Sollte eS nun wirklich richtig sein, das Glück der Einfälligen zu preisen? Die Sache muß doch wohl ihren Haken haben. Denn wie eS nun einmal der Lauf der Welt ist, werden die Glücklichen vielfach beneidet, aber trotzdem in gewissem Sinne die Dummheit fähig ist eine Art von Glück zu schaffen, so hat man noch nicht viel davon gehört, daß die Dummen wegen dieses geistigen Defektes ein Gegenstand des Neides wären. Jeder, den die Natur nicht ganz armselig mit Herz und Geist ausgestattet hat, behält doch lieber diese für die GemüthSruhe nicht ungefährlichen Gaben und möchte mit den Armen am Geist nicht tauschen. Alle diese Schmerzen und Sorgen, die im Gefolge eines höheren Geisteslebens find, sind kein zu hoher Preis filr die Freuden und Wonnm, die aus dem Bewußtsein entspringen, nicht nur ein Linzellebeu zu führen, sondern im Batcrlande, in der Religionsgemeinschaft, in der Menschheit zu leben. Aber wenn wir auch den Beschräukten ihr Glück nicht neiden, so müssen wir andrerseits uns davor hüten ihnen ihre Fehler als Verbrechen anzurechnen. Heute habe» wir auS dem -UM ' ״» f