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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-29 · 26 (29.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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gegen einen Schächter Strafmandate crlassev, di« allerdings in erster Instanz von dem Schöffengerichte aufgehoben wurden. In nächster Zeit wird nun die Danziger Straftauuner, da der J Staatsanwalt Berufung eingelegt hat, zu entscheiden habe», ob das steisprechende Unheil aufrecht zu erhallen ist. Herr t Rabbiner Dr. Werner ist zu dieser Verhandlung als Zeuge P und Sachverständiger geladen; hoffentlich wird auch da Freisprechung erfolgen. Es wurde von berufener Seite alles veranlaßt, um die Aufhebung der das Schächtvcrbot veranlassenden Polizeiverordnung zu bewirken, auch beim Minister wurden die nöthige» Schritte getban, jetzt endlich mit Erfolg; in diesen *,■ Tagen hat nun der Regierungspräsident selbst die Polizeiverord- ״-• «ung aufgehoben. Den Gemeinden, die bisher nur unter * großen Schwierigkeiten das Schächtm ausübten, ist demnach eine große Sorge genommen. Hoffentlich wird nun für alle V Zukunft das Schächten in Preußen ohne Störung auSgeübt > werden können. 7. Bingen. (Schluß des Berichts über die B. Vcrsammlung des südwestdeutschen Verbandes israelitischer Lehrer und Cultusbeamten.) Am 2. Sitzungstage rcserirte Herr Lehrer Seelig über 7 »Ehewroth-. Er verbreitet sich über Entstehung, Zweck, Nothwendigkeit und die verschiedenen Arten derselben, die von | den Mitgliedern übernommenen Pflichten: Kranke zu pflegen. Sterbenden beizusteheu, Leidende aufzurichten, Verstorbenen : die letzten Ehre» zu erweisen, insbesondere auch dir Pflicht deS Gesetzesstadiums und die heilsamen Folgen der Vereinigung der verschiedenen Stände einer Gemeinde. Dann schilderte er den Jndifferentismus in religiösen Dingen bei der heutigen Generation nnd die traurigen Folgen desselben, l daß diesem Nebel dadurch zu steuern sei, indem unser Volk mehr mit seiner Geschichte, seiner Litteratur und den hebräischen Schriften bekannt gemacht werde. Letzteres insbesondere sei die Aufgabe der Ehewroth, sie seien eine Art »Fortbildungsschulefür Pentateuch- und Gebetübersetzeu und für Besprechung der Feiertage nebst ihren Gebräuchen. Hieran mögen sich Vorträge über nachbiblisch« Geschichte schließen. Der Vortragende giebt die Hilfsmittel für den Lehrer an und verlangt, daß derselbe den Stoff vollständig beherrsche ■: und das nöthige Geschick habe, populäre Vorträge zu halten. t. * Die Seminare sollten hierzu Anleitung geben. Zum Schlüsse bespricht Ref. die anzuwendende Methode und fordett gründliche Vorbereitung und einen fteien Vortrag. J Nachdem der Vorsitzende dem Referenten seinen Dank ' ausgesprochen, wird in die Debatte eingetreten; die vom Referenten ausgestellte Forderung eines schulmäßigen Penta- ■ teuch- und Gebetübersetzens findet lebhaften Widerspruch. Ueber »Lehrer als Prediger-sprach Herr Alexander. - Bendors. Die Grundgedanken seiner interessanten Ausführungen r. lassen sich aus folgenden Thesen erkennen: I Bei dem herrschenden Jndifferentismus und der Unkenntniß der Geschichte und der Geschicke unsere- Volkes, seiner Sitten- und Glaubenslehren, denen wir unter den Erwachsenen unserer k Gemeinden begegnen, in Erwägung der mannigfachen Schädif gungen. denen unser Religionsunterricht durch solch« Uebelstände £ ausgesetzt wird, ist es als unbedingt erforderlich zu erachten, daß l 1. die Lehrer neben dem Lehrberuf in der Schule auch dem s der Kanzel sich widmen, d. h. religiöse Borträge (Predigten) > i halten sollen, die 2. den Zweck haben, Belehrung und Kenntniß über Religion, Iudenthum unter den der Schule entwachsenen Personen der Gemeinde zu verbreiten, weshalb sie 3. » dem jeweiligen Wochcnabschnitt entnommen, die Bedeutung derFeste erläuternd oder religion-gesetzliche Vorschriften erklärend, und 3.d kurz, allgemein verständlich und dennoch erbauend sein ' sollen. Zu diesem Zwecke vertiefe sich der Lehrer 4 selbst in den Inhalt seines Vortrages und ttage ihn vor allem in musterhaftem Deutsch und fließend seinen Zuhörern vor, wodurch er 6. erreichen wird, daß man ihn bei jeder Gelegenheit als Prediger betrachten wird. ״. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für seine vor» trefflichen Ausführungen, woraus in eine Diskussion: eingvtreten wird, dir einen Widerspruch gegen die Thesen des Referenten nicht za Tage fördert. Als nächster Konferenzort wird Neuwied (Pfingsten 1895) gewählt und bestimmt, daß Lißner-St.-Johann eine Lehrprobe über ein noch zu bestimmendes Thema halten solle. Der K 5 der Vereinssatzungen wird folgendermaß« abgeändett: ״Jedes Mitglied zahlt pränumerando 3 Mk. Jahresbeittag. Ein Eintrittsgeld von 3 Mk. soll von denjenigen Beitretenden erhoben werden, welche - ohne Mitglieder eineanderen jüdischen Lehrerverbandes zu sein — diesem Verbände langer als da» lausende Jahr fern geblieben find. Wer mit seinem Beitrag 2 Jahr im Rückstände b'.eibt, verliert die Mitgliedschaft. Diese kann durch Nachzahlung der Beiträge und des Eintrittsgeldes von 3 Mk. wieder erworben werdend Diese schärferen Besrimmungen sind besonders um deswillen nöthig geworden, weil unser Verband im Falle des geplanten Zusammenschlusses Verpflichtungen für seine Mitgliedrr übernimmt und deshalb Klarheit über seinen Personen, stand haben muß. An die im diesseittgen Bezirke amtierenden Lehrer und Cultusbeamten soll im Laufe des Jahres eine bez. Aufforderung erlaffen werden. Der letzte Gegenstand der Tagesordnung: ״Die Vorbildung des Lehrers als Eantor" ward wegen der vorgeschrittenen Stund» als erster auf die nächstjährige Tagesordnung gesetzt, um noch einige Zeit zu den »steien Besprechungenzu gewinnen. Diese gestalteten sich — wie immer — höchst interessant. Der Löwenantheil gebührt Herrn Rabb. Dr. Cohn-Bonn, der recht deachtenswetthe Erlebnisse seiner langjährigen Praxis audem Gemeinde- und Schulleben zum Besten gab. Nicht minder detheiligt?» sich hieran Ransenberg-Neuwied, Sender-Tholey, wie denn überhaupt nach den langen und anstrengenden Ver- Handlungen das weitere Beisammensein sich zu einem ungemein angenehmen und anregenden gestaltete. Um 1 Uhr schloß der Vorsitzende mit steundlichem Abschiedswort die diesjährige, so schön verlaufene Versammlung. Der Schristsührer: N. Nußbaum-Wittlich. Gsftsersieh'Ungarn. Wiener Briese II. Durch den nach Wien einberufenen Eantorentag har sich mein Bericht verspätet. Von angeblichen 300 Mitgliedern des Oesterreichischen Cantoreuvereiues haben ganze 50 durch ihre Anwesenheit bekundet, daß dieselben doch ein wenig Interesse für die Angelegenheiten ihre- Standes habe». Ungefähr die Hälfte der Anwesenden waren Beamte der Wiener TultuSgemeinde. Anstatt über wichtige Standes-Juteressen zu debattiren, inseenirte der Renommirfuchs des österr. Cantoren- Vereines eine Zwerchfell erschütternde Heiterkeit durch seinen Antrag, die Herren Collegen mögen darauf dringen, so rasch als möglich den Titel »Ehrwürdenzu erhalten. Der klügste Eollcge der ehrwürdensüchtigen Herren machte jedoch die Versammluug darauf aufmerksam, daß zu dieser Titelfrage in erster Reihe geistige Mittel gehören, die man bis jetzt wenigstens vergebens in österreichischen Eultüsbeamtenkreisen suchen dürfte. Ein in Ehren ergrauter zufällig anwesender Rabbiner einer benachbatten LultuSgemeinde, der zum Gaudium oller seiner Standesgenossen stets in auffallend schwarz gefärbten Kopf- und Banhaaren und mit gewichsten Schnurrbartspitz«» einherfchrritet, erbarmte sich der schwer angegriffenen RabbiuatScollegen und erbat sich als Gast das Wort zu dem Titelanttage Seiner Ehrwürden des Herrn Oberkantors. In sehr treffender Form vettheidigte der gefärbte Herr Rabbi den seit Jahrhunderten mühsam erworbenen Ehrwürdenütel des Rabbiuates. Nur vergaß der verehrte Herr die anwesende» Herren darauf aufmerksam zu machen, daß ein sehr Üchtiger Cantor der Vergangenheit (Maharil) durch eiserne» Lerneifer den Lhrwürdentttel erworben habe und sicherlich auch beantragt hätte, all« , seine» . College»^ Hirsen. Titel zu

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