Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-06-29 · 26 (29.6.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962338--2084-5376330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

-durch falsche Tendenzqngabe den Leser täglich verführt, klingt; cäi solcher läppischer Bericht verhältnismäßig harmlos. ES ist gar i nicht auSzudenken, wie diese heuchlerische Mellte blaffen würde, 'wenn "der, übrigens undenkbare, umgtkrhrie Fall einträte,׳ daß . ein jüdischen Atteressen dienendes, oder auch nur liberales v Blatt, um sich bei einem bestimmten Leserkreise einzuschmuggeln, den Einfall bekäme, sich »in Kainsmal auf d>e Stirne zu drücken durch die Ueberschrift ,antisemitisches Organ"!-. ׳ Aber diese Leute haben Recht, wer alle Begriffe von Ehrlich- . feit, Anstand und sittlicher Würde Über Bord geworfen Hot, dem ist Alles erlaubt. Um auf den besagten moralischen Katzenjammer jedoch zurückzukommen, so erhält dieser die trefflichste Illustration durch den ritualmördrrisch-sensationell ausgrbauschten Fall ׳ Bernheim, welcher an sich gleichgültige Mensch'den Herren Antisemiten eine gewisse Popularität verdankt. Dieser Ulmer Schächter wurde unter dem Verdachte, einen Frisenrlebrling ermordet zu haben, gefänglich eingrzogen. Von der Nichtschnür aliSgehrnd, daß nur ein Christ das Recht habe, an einem׳ andern Christen einen Mord auSzusühren. oder auch . »ur in dem Verdachte eines solchen zu stehen, wurde eine .regelrechte Hetze mit rituelleni Beigeschmack inscenirt und der Mann war vor dem antiseinitischcn Gerichtsstuhle bereits gesichtet und in ekügis verbrannt. Durch ein sachverständiges Gutachten werden jedoch die aufgefundenen Blutflecken als «bei einem Schächter nicht auffällige Spuren von Thierblut rkannt undder Jnhaftirte wird am 1b. Juni in Freiheit - besetzt. Hätten die Antisemiten auch nur eine blasse Ahnung von Unparteilichkeit oder vornehmem Sinn, dann mußten sie 'in ׳ihrer Presse — ohne wie bei den vorhingcnannten zwei allerdings christlichen Herren den Zwang abzumarten — ihren * Jrrthum bckennen, aber so weit reicht die Selbstverleugnung dieser Presse nicht; solange sie nicht die Peitsche fühlt, hött sie nicht auf, zu knurren, und je unschuldiger das Objekt ist, desto mehr läßt sich ihm andichteu. . G. s. D. nennt kein anständiger Mensch ein solches Treiben ,deutsch", sonst könnte diese Gesellschaft allerdings mit Leichtigkeit den gewünschten Triumph erleben, der ihr ,aber entschieden versagt sein wird, daß die Jude» sich gern ihres Deutschthums entkleiden würden, um nicht Landsleute solcher gewerbsmäßiger Ehrabschneider und Lügner zu sein. >Vi» Ikortlrhnng ft«« T»it«rtifi»l» ״Anr Verständigung" in Hörig«! Nr. folgt in nächst»! Nr. A«ft > Kkrichtk und Korrksponöklijkn. Demtsehlamd. Magdeburg. 25. Juni. Infolge unseres Aufrufes in Nr. 24 gehen uns aus vielen Gnneinde dvcumrntirte Beiveise von Auszeichnungen tapferer jüdischer Soldaten zu (vcrgl. in voriger Nr. die Berichte aus BreSlau und Berlin, in heutiger Nummer unter Bütow). Ans Nienburg a. d. W. geht uns Copie des folgenden im Besitze des Kaufmanns Georg Steinberg daselbst befindlichen Briefes zu: Hannover, de» 10. Dccember 1866. Es gereicht mir zur außerordentlichen Freude, ihnen bei- ׳ gehend ein von Sr. Majestät für topfrreS Berhalten in der Schlacht bei LangcnsalzaJhuen verliehenes Ehrenzeichen überreichen zu können. Sie find mir immer als gewandter und eifriger Soldat bekannt gewesen, und steut cs mich, aus den Berichte» Ihrer Vorgesetzten erfahre» zu bade», daß sic in der Schlacht durch Ihr muthige» und energisches Vorgehen sogar die Aufmerksamkeit Osficiere anderer Bataillone auf sich gelenkt haben. Sollten Sie genullt sei«, Ihren Dank höheren Ort» darznbriiige», so. bin ich gerne gewillt, die Vermittlung zu über nehmen. ' Ihr Sie schätzender (grz.)״. von Bock-Wülfingen Lberftlienl. u. BaNaillonS-Lommandeur vom vor«, ktbnigl. Hann. S. Jäger-Bataillon." An den Jäger Itelnberg vom vorm. Königl. Hann. 3. Jäger-Bataillon." Aus Zittau in Sachsen schreibt man uns: .Einer der Tapferen, die in den Besreiungskriegen da» eiserne Kreuz erhielten, war der Glaser Wolfs in Danzig, derselbe starb dort als Altmeister der Innung und Kasiirer der SchoNländer-Gcmeinde im Februar 1864. — Zur Zeit lebt wohl dort Herr Leopold Ports, der 1870 auf dem Schlachtfeld«: für bewiesene Tapferkeit zum Lieutenant avancirte. Seine Schwäger Herr Lehrer Schreiber und Herr Lantor Löwald werden Genaueremilthrilen können." Bkrlin, 27. Juni. Der AntisemiliSinns hat keine g»tc Woche zu verzeichnen, denn sie brachte ihm zwei Vrrurthcilnugen, die ihm sehr unangenehm sein müsst». Nr. 1. Der politische Bilderbogen-Verleger Glöß aus Dresden wurde von der zweiten chiesigen Strafkammer nach - eingelegter Revision, zu 500 Mark und Vernichtung des belcidigendcn Bilderbogens verurtheilt.- dir. 2. Das Militär-Strafverfahren gegen den Rechts ainvalt Hertwig. aus Charlottrnburg, den Vcrtheidiger de- Reichstags-Abgeordneten Ahlwardt im ,Judenflinten-Prozeß", hat vor einige» Dagen seinen Abschluß gesunden. Das für diesen Fall eingesetzte Kriegsgericht beschloß die Ansschließmig Hcrtwigs aus der Arinee, und dieser Beschluß l»at. wie ivir in der .Kreuzztg." lesen, die kaiserliche Bestätignng erhalten. Interessant ist eine Meldung, nach welcher die durch Hertwig airgegriffenen Offiziere zuerst die Absicht (Kitten, Hcrtwig einzeln zu fordern. Aus Beschluß des Offizier-Ehrengerichts des Kreises Teltow, dem Hertwig unterstand, ivurde jedoch die Bestrafung durch daS Kriegsgericht beantragt. Bütowi. Pom., 20.Juni. Angeregt durch den Artikel .Eine driiigende Pflicht der Gemeinde Vorstände" in Nr. 24 der Wochenschrift, theile ich Eiv. Ehrwürden folgende« mit: Gleich nach dem Erscheinen.dcS Artikels des Hauptmanns a. D. v. Schirp richtete der Vorstand der hies. Sy»ag.-Gemei»de Herr Färbereibcs. Julius Lewin an den ge». Herr» ei» Schreiben, worin er ihm seine Erfahrungen aus dem Feldznge 1870, den er selbst niitgemacht, insbesondere die bei seinem Regiment», mitteiltc. Eine Antivort von dem Herrn Hauptmann a. D. hattn wir nicht erwartet und ist eine solche auch nicht eingetroffcn. Der Artikel der ,Wochenschrift" ist uns ans der Seele gesprochen und wünschen wir eine kräftige Beherzigung des Ausrufe.'׳ i» allen Gnneinde» Deutschlands. Nachstehend eile ich Ihnen die Namen der mit dem ,eijernni Kreuze" auSgczeichneten Juden mit. die mit dem Herrn Julius L min bei eineni Regimente resp. einer Kompagnie gedient haben. 1. Gefreiter Julius Lew in 3. Comp. drS 46. Jnf.-Reg- 2. . Gustav Wedel 3. 3. Mlisketier Benjamin Wedel 4. , , , 4. , GustavSilbermannk , , , , 5. Untkroff. Blumen heim 7. , , , , (Lazarett,.) Diese ge»,»inten Soldaten ivaren speciellc Freunddes Herrn I. Leivin und ihm daher bekannt. In hiesiger Gemrinde befinden sich noch andere ehemalige Soldaten, die im Feldzug 1870 teil» zu Unlcroffizierc», teils zu Gefreiten befördert wurden. Aus Wunsch stehen auch diese Name» zur Verfügung.*) *) Wir bitte 1« den gcschäizlen Einsender, Herr»Prediger Meyer, auch um diest diauren. (Vted.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.