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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-29 · 26 (29.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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bcr findet in ihnen bei aller Kernhaftigkeit und Tiefe der «Gedanken . die höchsten undfeinsten Reize eine- - guten FemUttons; und derselbe Mann ist wieder die erste deutsche Autorität in der nüchterste» und subtilsten aller Wissenschaftlichen Fragen, in. der Währungsftage. Wenn schon in Geldfachen alle Gemütlichkeit, wie man sagt, aufhört, so vollends in Münzsachen; hier ist kein Play für geiswolle Apercus, für liebenswürdigen Humor, für alle die seingeschliffrnc, leuchtende Lebensweisheit, die uns in den , Charakteristiken" erfreut Aber in den Sitzungen, in welche» die neue deutsche Währung im Reichstag festgestellt wurde, war B. gleichsam Parlament und Regierung zu gleicher Zeit; ei» Parlamentarier hat einmal gesagt, er habe schon sehr oft Reden gehört, die seine Meinung, aber noch nie eine Rede, die sein Votum geändert habe. Bei diesen! Gegenstände aber hatten die Herren GÄetzgeber vielsoch gar keine Meinung, bevor Bambergcr gesprochen, sie hatten sie oft auch nicht, nachdem er gesprochen; Bambergcr war die Autorität, der alle folgten, wie er denn überhaupt in höheren Finanzfragen den weitesten und klarsten Blick bekündet. Wie selsain schien kurz nach dem Kriege sein Rath, den Franzosen die Milliarden nicht zu rasch abzunehmen; der Rath wurde nicht befolgt; nachträglich zeigte cs sich, daß die allzurasch hereinströmenden Milliarden nur wie ein Platzregen wirkten und rasch wieder abflossen, daß Deutschland für so ungeheuere Summen gar nicht aufnahmefähig war und darum keinen vollen Nutzen davon hatte. Tie Liebe zur deutschen Heimat ist für B. sein ganzes Lebenhindurch der!nächtigste Beweggrund seiner Seele geivesen. ״Deutsche Treue, deutsches Hemde, die verschleißt man in der Fremde", sagt Heine; das gilt nicht einmal von Heine selbst; Bamberger hatte gerade im Exil vielfach Gelegenheit deutsche Treue zu bekunden, als so viele seiner politischen Gesiunungsgenossen und Leidensgefährten mit Mangel und Elend kämpften, und kaum war ihm die Rückkehr gestattet, so stellte er sein Leben in den Dienst des Vaterlandes; fünfuudzwauzig Jahre hat er deutschen Parlamenten angehött und erst an der Schwelle des Greisenthums, kurz vor seinem siebzigsten Geburtstage, hat er sich zurückgezogen und im vorigen Jahre eine Wiederwahl abgelehnt, zum Thcil wohl auch besivegcv, weil seiner vornehmen Natur die plebejische Kampscswcise dieser Tage auf's Tiefste zuwider ist. Dies Vierteljahrhundett wird beherrscht dusch die gc-' waltige Persönlichkeit des ersten Reichskanzlers; und auch Bambergcr wird von dieser genialen Krastnatur beherrscht, aber nicht unterjocht. Schon einen! große» Künstler sehen wir es nach, wenn er zuweilen im bürgerlichen Leben über die Stränge schlägt. Um wieviel eher dürfen wir. ohne in einen Heroenkultns zn verfallen und ohne für die Fehler eiiies Bismarck blind zn sein, den modernen Titanen bewunden!, der' uns ohne in den unitarischen Furor eines Treitschke zu verfallen von den Schäden der Kleinstaaterei befreit hat. Voltaire sagt von Friedrich dem Großen, er gliche dem Alexander, der alles that nur um in Athen gelobt zu werden. So gab es eine Zeit, wo dem Fürste» Bismarck alles daran gelegen schien,-den Beifall der Liberalen, die er doch besiegt hatte, zn gewinnen. Erst später kain für Bamberger und seine Gesinnungsgenossen die Ent-" täuschung; über darum wird der Tank und die Verehrung auch der freisinnigen deutschen Patrioten dem ersten Reichskanzler niemals fehlen. (Schluß folgt.) B, R. Zir fyinftrriftif irr ntiimitityri .Mil". Bon Dr. 2i nger-Loblenz. Wenn man ein Lamm verschenken will, soll man 'es zwar nicht durch einen Wolf schicken, ebensowenig dürfte man eigentlich bei einer auf Unmoral begründeten und beruhenden I Gocllschast ״von Moral reden, aber bei pfuchifchen-Krankheiten I;wärees verfehlt, wollte man die Kur damit b/ginnen" iu- > dem man dem Patienten da» Lochaddensein seine» PhantomOM direet abstreitet; der weise Arzt geht anfangs auf die fixe Id«!3 ein und wartet bei langsamem Borwärtsschreiten dev Erfolß ab. Sehen wir also davon ׳ab, daß de» Leidenden Ein- ד bildung in rin derartig bedenkliches Stadium . getreten, daß 4, er Andern für krank sich aber kür den Arzt hält, sehen wir H davon ab, daß diesem Kranken ׳alle medicinischen Fakultäten i zusammen nicht helfen können,׳ weil er simulirt— und ׳־ gegen einen ״wilden Mann" nur die Zwangsjacke am Platze * iftl — wir schmeicheln uns aber auch nicht, ihn heilen zu können, da diese Krankheit sein einziger Broderwerb ist und ' der eingebildete Kranke sich hüten wird, beim Anzündrn seine» u Weinberges da» Licht zu halten. Wir beschäftigen uns mit 3 dieser Mißgeburt rein aus wissenschaftlichem Interesse und 4 aus Menschenliebe, welche der verblendete Kranke uns übrigen» ך abspricht, und da doch jeniand de» BedauernSwetthen sich an- J nehmen muß, wollen wir die vorläufig wenig erfolgver- 4 sprechende Kur damit beginnen, indem wir vorgeben, zv jj glauben, daß der Kranke -thatsächlich eine etwas mißver- 4 standene Moral besitze, die er sich selbst constrnitt hat, und ' ] wollen gleichzeitig zusehen, wie er mit diesem seinem Eigen, 4 thum umspringt. - - - 1 Der Erwerbszweig — wollt' sagen: die fixe Idee der ן Herren um Bachler, deren ״staatsbürgerliche" Zeitungsweis- 4 heit und Ehrlichkeit wir heute im Auge haben, besteht in dem Grundsatz, daß 'alle Uebel ihre Wurzeln im' Judenthume ׳ , haben: Freizügigkeit uiid die noch vorhandenen Trümmer de» . ־ Liberalismus״ der russische Haiidelsvertrag und' der deutsche Protestantenvrrein, Neander und Erzbischof Dr. Kohn, Singer - ־! (seil, der Socialdemokrat, nicht Schreiber dieser Zeilen) und J. — hm — Stahl, der Stammvater der modernen Konservativz Ötthodoxen und noch vieles andere. Daran knüpft sie ihre 3 Moral, daß alle Verbrechen, die bei Gericht chre׳ Sühne 1 finden, oder auch nur Gegenstand eines Verdächtes sind,4 ׳ von Juden begangen sein müsse». Da aber der eifrigste 3 Antisemit -nicht alle Juden kennen kann, so ist einerseits der 1 weitreichendsten Phantasie.«in wohlthuender Spielraum ge- - \ gönnt, andererseits jedoch und zwar zumeist was Menschlichenicht ausgeschlossen. Führt Einer vor Gericht nicht die unzweifelhaft (!) ״ger-- Ä manischen" Namen Plazk, Podgurski, Sedlaczek —-Böckel, Liebermaun» Zimmerniann, Bachler, Werner, sowie alle Namön die auf er endigen,-sind nicht mehr ganz zweifelsohne — so ־, wird ihm meuchlings ein biblischer Vorname vorgebunden und der Jude ist fettig und mit ihm der Stoff zu 'einer mora^ lijchen Hetze. Kommen sie einmal an den Unrechten, dann , wird klein beigegcben, denn im muthigen Zurückweichen sind 1 diese Lügenfabrikant:» groß; zuweilen geht's ihnen abtt durch, weil nicht Jehermann vorurteilslos genug ist, - eine Wahr-- ~ heitßblume in bieten Schmutzzu pflanzen, und weil der Be- 1 ׳ schimpfte auch nicht immer von der schlechten Absicht Kenntniß erhält.׳ ״ . - - In kurzer Aufeinanderfolge von wenigen Tagen hat sich ־ die edle ״Staatsbürgerin" ,in die fatale Lage gebracht, zweimal jämmerlich ״kneifen" zu müssen, de- und wehmüthig sich i an die Brust zu schlagen und zu bekennen, sie habe gelogen, oder wie sie sich euphemistisch »usdrückt, sie habe den Sach- - verhalt in einer schwer beleidigenden, ungerechtfertigten Meise" ■: wiedergegeben. . Das eine Mal' bettaf cs einen Herrn, der ' das Unglück hatte, den jüdisch klingenden Namen Ncugebaoer 'i zu führen und in dem zweiten Falle zog sich ein Herr Hohen- ' stein die Ungnade dcS judenriecherischen Berichterstatter» der ״Staatsbürgerzeitung" und. des ״unparteiischen'" antisemi-! tischen'Organs ״Tgl. Rundschau" zu. Dem findigem Manne,, genügte da- Odium des letzten Namens noch nicht, weshalb"'; er ihm aus. eigener Machtvollkommenheit den. Vornamen -J ״Samuel" anschwindelte, um dann seinen pikanten Bericht; vierversprechcnd mit den Botten zu beginnen:. ״Wie-Herr -Samuel Hohenstein sein Geschäft verkaufte". -Run, bei rinenr Blatte, welches mit einer aller Ehrlichkeit hohnsprechenden Weise

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