Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962337--2075-5376322
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- Mt schicken, wahrscheinlich weil sie diese Aufgabe den in ihr oypähtten Juden 'nicht streitig machen möchten und speieu drum Gift und Galle. Die ״Neuesten Nachrichten" denken: ״Haust Du meinen Glümber, so hau' ich Deine Zimmermanu / ünd.Glöß" und lassen sich, nachdem sie versichern, daß die i Frage mit den 20,000 Mark vor Gericht gründlich und er» - schöpfend behandelt werden soll, in einer Brieflastennotiz also Zswchmrn: ר t- .Bezüglich Zimmermann würden wir nur die Fälle: l),,Frau Jenny Marr ged. Kahn (Tadatz-Berlin-Bayreuth- Leipzig bis Frühjahr 1883.) 2) Vormundschaft Heinz Mgrr, 3) Dr. Limann. 4) Heine, ü) Academisch litleranscher Verein, 6) 20000 Mark,?)Rvsenthal alias dsogueo 8t. Obre, f in yffentkichen Anfragen ganz sachlich «in« ira et studio behandeln. — Bezüglich Glötz, der neben seinem, vv» der “״ Berliner Staatsanwaltschaft sehr richtig characterisirten Brrlag Ahlwardt'scher, Plack und Schweinhagen'scher Pamphlete und der Bilderbogen, auch »och jetziger Hauptmacher, technischevLeitrr, AussichtSratSmitglied, Aktionär und Leitartikler,!' der seine Schriften warm empschlenden ״Deutschen Wacht" ist, behalten wir uns vor. demnächst vorläufig nur seinen vorletzten Bilderbogen Nr. 12 ״Politischer Totentanz" wortgetreu zu veröffentlichen . . . Das/ rann 'ja niedlich werden und unser verstündnißinniges Jrkteresse soll diesen Ausführungen nicht fehlen, wenn wir auch, überzeugt sind, daß ״Pack", nachdem es sich ge» , schlagen hat^ sich auch wieder vertragen wird, das gebietet der Trieb der,Selbstcrhaltung, da sie zu offen gegen einander gewesen. Ein recht unvorsichtiger Herr ist auch Herr v. Egidy, zu dessen Bewegung das erhoffte Judenmaterial nicht schnell genug zuströmte. Wir haben schon vor ca. einem Jahre die Bememmg gemacht, daß es zwischen ihm und dem Judenthume gar kün Bindeglied giebt; jetzt werden auch den paar Schwärmern, die er gewonnm, die Augen aufgehen. Damals beschuldigten wir ihn nur eines verhängnißvollen I-amser aller ’ gegen alle plumpen Anzapfungen seinealter ego: Lehmann» Hoheyburg, weil wir gegründete Ursachen hatten, anzu» nehmen, daß er nicht Alles billige, es aber aus taktischen Gründen unter, seinem Namen durchgehen lasse: jetzt wissen wir, daß uns mchtS Gutes aus-— diesem Lager kommen kann. Herr v> ,Egidy fängt an bedenklich nach Popularität zu.Haschen. und bei dem ihn verzehrenden Eifer greift er zu, wo er sie zu finden erwartet. Ein Reichstagsmandat hat er nicht bekommen״ die von ihm veranstalteten Versammlungen ,finden nicht genügend Anklang, die halbe Million deutscher Jähen — ein hübscher Anfang wär's schon — verhält sich re^wirt, innerhalb der Landeskirche blüht sein Weizen nicht, vyp den. Katholiken will er sich klugerweise keinen Korb ‘ holen — da nun das ״Los für Adonai" unlohnend ist, entweidet.er sich für ״Asasel" und stürzt sich in das antitzmitische Schwert. Man denke sich einen Mann, der vom :üomuien evangelisch-socialen Eongreß in Frankfurt stehenden AußeS in eine Berliner antisemitische Versammlung sich begiebt, deren Fttma lautete: ״Gegen das Talmud-Ehristen»!hum. in Schul», Kirche und Generalsynode". Zu diesem Zwecke hat sich ein Verband gebildet mit den! verrückten Namen ״deutsch-liberaler (freisinniger) Antisemitenverrin", eine contradictio i» adiecto, welche an den bekannten ״deutschkatholischen Re^ormjuden" erinnert. Dieser Name fiel selbst in unserer hir/iüberreizten Zeit auch de» Residenzlern auf; bald entpuppte'es sich, daß es auf niedrigen Bauernfang nur abgesehen' war, denn der Einberufer und Redner de» Abends .war der famose Schweinhagen, den die Lanamuth des EtaatSanwalt» auf freiem Fuße beläßt. Mit den Vorgängen in dieser'turbulenten Versammlung, welche durch dir Jntelliaenz der ElAtriciät, die einsah, daß für diese Gesellschaft Fmsterniß di« angemessene ״Beleuchtung" sei und deshalb vorzeitig versagte, ein schnelles Ende nahm, haben sich sämmtsiche Blätter von ihrem jeweiligen Standpunkte mit rührender .'^Helligkeit in abfälliger Weise beschäftigt. Und doch war nicht alle» so dumm, waS der Vortragende sagte. Er will daS alte Testament in den Ofen werfen und will ungalanter Weise von den Töchtern HiSkiaS auch nichts wissen. Nun er mag seine Bibel verbrennen — genützt hat ihm der Besitz doch nicht» — «nd wa» die Töchter HiSkiaS betrifft — für diese Geschöpfe, die. ungleich der Minerva, dem Haupte eine» Narren fix und fertig entstiegen, können wir uus auch nicht begeistern. Weg mit ihnen ... und Herr Schweinhagen mag sich mit der — Krankheit HiSkija's begnügen . . . Schweinhagen bedankt sich auch für ״Petru» und Paulus", das ist verdächtig; sollte er etwa Jude werden wollen? Für diese Ehre bedanken wir uns. Hauptsächlich aber stimmen wir mit ihm in der Ansicht überein, daß Stöcker nicht die Fähigkeit habe, über die Judenfrage (und den Talmud) mitsprechen zu können, weil ihm die gründliche Kenntnis des Talmud fehle — und jedenfalls fyat er Recht, daß im Munde eines Antisemiten .Wodarf" viel besser klinge, als der Name des biblischen Gottes. Nun trat Egidy auf den Plan mit einer Rede, in der er — nach dem Referat der.Staatsbürgerzeitung" — seine vorläufig noch ablehnende Haltung zur antisemitischen Bewegung entwickelt. Warum vorläufig, Herr v. Egidy? Heraus mit der Plempe. Sie haben bei uns nichts mehr zu verlieren, die Judeu müssen zwischen Freund und Feind haarscharf unter» scheiden und trauen Männern nicht, welche vorläufig vor» sichtig sind und es mit Niemandem verderben wollen, und Herr Pohl hatte so unrecht nicht, als er nach Egidn's Rede die Hoffnung aussprach, dieser werde sich bald als Antisemit auch bekennen. Soweit ist es gekommen, der Egidy von beute ist langsam aber stetig den Weg abwärts gegangen und wird sich auf diese Weise bald abwirthschaften. Herr v. E. ging auch richtig in die Falle und bestätigte die Ansicht dieses Pohl, als er um die Erklärung gebeten wurde, ob er die Juden als Deutsche anerkenne. Ta erwachte der schlummernde sächsische Reiteroffizier in Herrn v. E und er verneinte die» von seinem Standpunkte. Er berief sich auf die Verfassung, sprach auch etwas von fremdem Blute und will eS den Juden überlassen, ob sie in daS Deutschthum sich hinein leben wollen oder nicht — eine Entgegnung, die in der ״Kreuzzeitung" selbst als bloße Phrase bezeichnet wird. Herr v. E. beharrt bei der einmal vorgefaßten Anschauung, daß seine religiöse Ueberzeugung und ״Deutsch" congruentc Begriffe seien. Das ist aber entschieden falsch, denn ebensowenig, wie eS eine ftanzösische, spanische, englische, italienische, österreichische, russische und türfische Religion giebt, wird Herr v. E. eine deutsche Religion schaffen können, oder eine specifisch deutsche Kirche bilden. Und was das fremde, semitische Blut betrifft, so wird wohl die Frage gestattet sein, warum denn Herr v. E. sein LiebeSwerben um dieses semitische Blut nicht läßt, ob dies Blut mit der Taufe oder besser noch mit der Annahme des EgidyaniSmus eine Zusammensetzung erhält? Herr v. E. wird die Geister, die er nun gerufen, nicht mehr loswerden, soweit hat er sich von seinen Adepten und von seinem Eifer treiben lassen; die Erfahrung wird nicht ausbleiben, daß er dafür nur Undank ernten und seine Unvorsichtigkeit noch bereuen wird, die für seine Bewegung sehr verhängnißvoll werden kann. Uns aber, die wir von Anfang an sein temperamentvolles und zielbewußteS Vorgehen sympathisch begrüßt und beurteilt haben, sehen uns jetzt, fürwahr bitter enttäuscht — .es thut mir in der Seele weh, daß ich ihn in der Gesellschaft seh'". 8m1 hißt Stilkki lir Srfimiilri? Beantwortet von Dr. Sing er-Tob lenz. Bon vornherein sei eS ausgesprochen, daß uns der Haß Stöcker'» sehr gleichgültig ist und seine Liebe un» kalt ließh

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.