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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 104 — *■ <fc>'^<״5'V׳■ - ■י■ schätzen. Wenn daher der Danz um dagoldene Kalb im Allgemeinen verschrieen ist, so verwechselt man oft, daß das finanzielle Gedeihen der Juden nicht so wohl allem im Geldverdienen, als im Erhalten und Aufbewahren desselben durch Sparsamkeit und gesunde Wirthschaft liegt. Und wie man das einen »Tanz um das goll»me Kalb" nennen kann, wenn Leute im Schweiße ihre- Angesichts und durch angestrengtes fleißiges Denken Kapital machen, wissen wir auch nicht mit Logik zu vereinigen. Schon Shakespeare, dieser große Menschen- und Vahältnißkenntr, sagt: ^kut money in your pocket“ (״Thut Geld in euren Beutel") und der Satz, daß unsere Nation Hauptsächlich Ursache hat, Geld, viel Geld in ihre Taschen zu thun, wenn sie mit anderen Nationen konkurriren will, kann nicht genug in Erwägung gezogm werden. Wir wollen daher keinem Juden es zur Last legen, wenn er im Erwerben seine Aufgabe sucht und findet. Häuser baut man auf hartem, festem Grund, und je mehr das Haus einer Nation, der Staat, das Reich, auf einem solchen Grunde seststeht, desto besser und länger gedeiht eS. Zur Erreichung eines gründlichen Gedeihens aus Armuth und armseliger Stellung heraus die Höhe» da menschlichen Gesellschaft zu gewinnen und Reichchum smt-sigen zu nennen, giebt uns da Jude auch ein sehr nachahmmSwatheS Beispiel. Er überschätzt die Würde seinn Person nicht. Kann a nicht im Wagen fahren, so geht a zu Fuß, und kann n seine Maaren nicht gleich in Magazinen aufhäufen, so trägt a sie im Pack. Darin liegt die Ausführung des Wortes: ״Wer sich erniedrigt, soll ahöhet »erben." Und oft mMten wir diq'es Wort denjenigen zurufen, welche nicht voB I« Pike aus dienen wollen in Handel und Wandel, und denen die Sprödigkeit, Trägheit und Uebnhebung ihrn eigenen Person im Wege steht, wenn es sich darum handelt, einen bescheidenen Anfang zu machen, und Alles gründlich auszubeuten, eS über- Haupt zu einem gesunden Anfang zu bringen und dann unentwegt sortzufahren. Lassm wir deshalb unsere Vnachtung zu Hause, wenn wir dem emsigen und gründlichen Unterbau nun solchen Existenz vielleicht mit da Hand in da Tasche zusehen. Wir haben uns leider so sehr daran gewöhnt, unsere jüdischen Mitmenschen übn die Achsel anzusrhen, und Zeloten trüben unfern Blick weita, daß ein gesundes Wort kaum Aussicht hat, in den Augen da Menge eine Freistatt zu finden und eine Milderung und Umkehr in den Anschauungen anzubahneu. Daß aba ein Mann, da mit volla Hingabe und Aufopferung seinn Person einen Besitz, wenn auch noch so schmal, gegründet hat und ihn zu nhalten versteht, den Werth des Geldes mehr zu schätzen weiß, als Jemand, welchn auf Geld übahaupt nichts oda wenig giebt, weil a es im Gmnde genommen nicht gründlich schuf, liegt sehr nahe und erklärt die Zähigkeit des Juden, das Geld feftzuhalten. Wir sollten ihn deshalb nicht einn hauntersetzmdm Kritik unterwerfen, sondern sollten ihn um seine Fähigkeit, Geld zu ahalten, beneiden, nachdem wir das Princip aufgrstelt baden, daß wir Deutschen im Vergleiche mit ondaen Ländern, mit welchen wir Wettkämpfe in Handel und Wandel aufführm, nicht genug Geld awnben können, um aus unfern staatlichen Armuch haauszukommen. Wir stellen da Thcorian auf, welche ein Ehristengemüth von altem Schrot und Korn vielleicht valetzen. Praktisch fein ist aba jetzt da alleinige goldene Schlüssel, welcha uns die Zukunft aufschließt; und praktisch sein begehrt schon da erhöhte beschleunigte Verkehr. Und wir setzen auch den Fall, daß diese Auffassung da Dinge für gewisse Gemütha des Realen in zu hervorragender Weise Rechnung trägt, so wollen wir ja auch nur durch unsere Ausführungen den Zweck erreiche», daS Bahalten da Juden und gleichgesiunta Seelen i» ein güustigaeS Licht zu stellen und eha da Nachahmung als da Aburtheilung und Verachtung zu empfehlen, daÄÜ nicht die ganze Rare leichtfertigem Borurtheile preisgegeb» wnde. (Schluß folgt.) IftC Unvorsichtigkeiten. Beleuchtet von Dr. Singer-Loblenz. Niemals ist die Vorsicht so sehr am Platze, als wenn Menschen mit dunkln Vergangenheit sich vaeinigen zu schlechtem Thun, weil früher oda später ein auf Untreue begründetn Bund in die Brüche gehen muß, mnd da diese Menschen wedn Ehrgefühl noch Noblesse haben, beeilen sie sich dann auszuplaudan, was sie von einander wissen — eine widerliche und vagebliche Mohrenwäsche. Hw in da Regel vor da Oeffentlichkeit vor sich geht. Dieser Prozeß vollzieht sich fast täglich vor unsaen Augen in den Kreise», die sich als ״Retter des Deutschtums und deS LhristeutumS" aufspielen. Man fühlt so recht das Walten da ׳Vorsehung, welche demjenigen den Verstand nimmt, den ftt׳ verderben will und so folgerichtig es-ist, daß da Werth' aller diesa Maulhelden sich stets auf >/״> Minus reducirt, so vnwundalich ist es, daß imma noch so Biele darauf Haeinfalle«׳ , Kein Einziga von ihnen ist bis jetzt diesem Schicksale entgangen und stets hat der Eine diesa — Ehrenmänner den Andern abgethan. Stöckaden Böckel, AhlwardtdenStöcker, Schnutz den Leuß, die ״Staatsbürgerzeitung" und daS ״Volk" dm Rudolf Hertzog, kaum daß diesa noch kalt war — auS Dankbarkeit fiir die Hundnttausende, mit dmm da Verstorbene da ganzen Bewegung auf die Beine geholfei» hat'—, die ״Kreuzzeitung" dm ״Reichshnold" et viee versa, akk habe» sie einander für ״vajudet" erklärt, also dm höchsten Trumpf auSgespielt, dm sie in ihrm Karten hatten^ von welchem Borwurf selbst Lieberman v. Sonnnenburg nicht verschont gebliebm ist, und zwar mit Recht, denn wir'könnten/ wenn wir vorzeitig indiskret sein wollten, ein Geschichtlein erzähle» von eina intimm Verschwägauug mit Juden,' eine Tharsache, die ihn von da AgitationSreise nach eina gewissen Gegend am Rhein zurückschreckm ließ, welches lukrative Feld tk mit Schmerzen seinem Gesinnungsbruder EhraEhlwordt überlassm mußte. Da es nun in Handelschaft keine Bruderschaft giebt, so wollm wir hoffen, daß Letzterer, so ungemüthlich a auch in Geldangelegenheiten ist, denk' Elfteren seine Tantieme nicht vormthaüm wird, dmn wmn diese Bcsdm sich erst verfeinden, ach, was würdm wir da erst zu HYrm bekommen, dmn Actm-Ahlwardt und Ehrmsihein-Liebamunn wissm von einanda mehr, als sich unsa« Schulweisheit, träumm läßt, dmn allzu vorsichtig wadm sie gegeneinander' auch nicht gewesen sein. 'י Interessant ist auch eine Scheidung, die sich zwischm der ״Deutschen Wacht" bezw. dam Aktionären und dem bttherigen Sitzredakteur derselben, dem ReichstogsabgeordneteN Zimmermann — dem bekanntm gesinnungStreum deutschst, Manne, welcha aus einem Heine-Paulus ein Heine-SaulnS gewordm ist — im klassischen Lande des Antisemitismus, dem gemüthlichm Sachsm, vollzieht. Dort wurden die Aktionäre vermittels eina anonymen Karte׳eingeladm, um übn die in dm ״Dresdener Neuestm Nachrichten" aufgeworfme Frage zu diSkutiren, wie Z. dazu komme, für de» Titel ״Deutsche Wacht" sich 20,000 Mark bejfihlm zu lassm. Tapfa wie diese Urtmtonm sind, hat sich in da aus 17 l Akttonären destehmdm Versammlung -ך- * die andere» 350 haben ihr Gutbaben baeitS steiwillig in 'dm Schomstein geschnebm — kein Einziga zu da Einladung bekannt, und alle gabm ihr Ehrenwort, daß sie an ihr ׳nicht betheiligt. seien!! Nachdem sie sich gegmseitsg die gewohütm geschmackvollm LiebmSwürdigkeirm an dm Kopf geworfm, sucht« sie nach einem Sündenbock und fand«- diesm in dm gut-׳ anttsemitijchm ״Dresdena Neuesten Nachttchtm". Dies« wollm aha in die ihr »ufgezwungme Rolle eines Prügelkpabm

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