Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 24 (15.6.1894)
- Date
- 1894-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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ןין0־יד9זן״י' «sblcitv 1Cr.־(£ort.) Ahlwardt. der Rector a(llcr) T(ummen). hat aus seiner Rheinrcisc. die er aus Kosten emeS kleine» TheileS seiner Anhänger und eines großen TheilS Neugieriger, auch hier am SN. Mai seinen Einzug gehalten und seine bekannte Rede vor versammeltem zahlreichen Kriegsvolk losgelassen. Juden und Diskussion waren.natürlich ausgeschloyen, denn die ,Gerechtigkeit" der Herren um Ahlwardt mid Konsorten verträgt keine sachlich« Widerrede. Trotz der zahlreich Erschienenen war der Exrector nicht ganz befriedigt, denn -- von seinen Getreuen belehrt — bedauerte er bereits Eingangs seiner Rede, so wenig Judenseindc zu sehen, und damit hatte er Recht. Die meisten Anwesenden waren hingegangen, um Ahlwardts berühmte — Hosen zu sehen, oder sich sür 30 Psg. Entree köstlich zu amüsiere», und fanden sich bitter enttäuscht. Tank des erhöhten Entröegcldes sah er äußerlich ganz honett aus und Radausreunde waren nicht zugegen; an einigen irouischen Bravo's fehlte eS allerdings nicht, als der Bortragende der hiesigen ultramontanen Bevölkerung erklärte, in Zukunft für Aushebung des Jesuitcngesetze« zu stimmen, wozu er sich die Erlaubniß seiner — meist evangelischen — Wähler einzuholen versprach. Im vorigen Jahre hoffte das kleine Häuflein der hiesigen Teutschsocialen, unter dem Zeichen des Antisemitismus noch zu siegen und ne lehnten das ihnen angebotene Hcrkomnien Ahlwardts ab. Als aber Förster und König!ich hier abwirthschasteten, glaubten sie. ihrem Dasein mit Hautgout aus die Beine Helsen zu können; allein der Boden ist dafür hier zu steril, und da die Neugierde bereits befriedigt ist, wird Ahlwardt wohl das Wicderkommen vergesien, denn darin ist er eigen; wo kein Geschäft zu machen ist. da läßt er die Hände davon. Ta er ohne seine Frau hier war. so blieb auch der Lorbeerkranz zu Gunsten der Kasie iort. Lüneburg, 7. Juni. Gestern fand die feierliche Einweihung der »ach den Entwürfen des Stadtbaumeisters Kampf in schönstein gothischcn Style erbauten Synagoge, zu welcher am 1. September 1882 der Grundstein gelegt worden war. statt. Zu der Feier waren Einladungen an die Spitzen der kgl. und städtischen Behörde», die Bürgervorstcher, die hnm Bau betheiligten Handröerksmeister und die Vertreter der Presse ergangen, die alle der Einladung gefolgt waren und sich zur festgesetzten Zeit in dem von zahlreichem Publikum umstandenen Garten des neuen israelitilchcn Gottenhauses eingefunden hatten. Herr Rca.-Präfident r. Colmar, Herr Geh. Regierungsrath Meier, Herr Geh. Regierungsrach Lauensteiir, Herr Oberbürgermeister Lescrstein, der gesammle Magistrat und das Bürgeroorsteher-Kollegium u. A. waren erschienen. Nachdem um 4 Uhr Gemeindemitglicder in 2 Wagen mit den aus dem frühere» Gotleshause abgeholtcn Thorarollen eingetroffen und am Garteneingang von Herrn Landrabbincr Dr. Gronemann aus Hannover mit einem hebr. Segensspruch begrüßt waren, fand die Eröffnung der Synagoge in der Weise statt, daß Herr Stadtbaumeistcr Kamps mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel zum neuen Gotleshause dem Vorsteher der Gcnieindc, Herrn Markus Heincmann, übergab, der ihn seinerseits wiederum Herrn Oberbürgermeister Keserstein überreichte nnd das zur Ehre des allmächttgea Gottes errichtete Haus dem Schutze der Stadt und der Bürgerschaft anvcrtraute. Herr Oberbürgermeister keserstein erwiderte in kurzer Rede und händigte den Schlüssel Herrn Landrabdiner Tr. Gronemann ein, der die Synagoge auffchloß und gefolgt vom Borbcter, Herrn Philipp, und den Trägern der Thorarollcn, den Einzug in dieselbe hielt. Eröffnet ::׳urde die Feier mit dem Chorgcsag Mah to'wu, dann erfolgte der übliche Rundgang mit den!horarollcn. Rituelle Segenssprüche und Psalm 84, hebräisc; und deutsch gesprochen und gesungen vom Vorbeter, schlossen sich an. Nach dem Einheben der Gesctzrollcu in des Allerheiligste betrat Herr Landrabbiner Tr. Groneman» die Kanzel, ein schlichtes Betpult vor den, Allerheilgsten, nud hielt die Feswredigt. derb» Inhalt von der Erhebung zu Gott handelte und sich an die Stelle der heiligen Schrift: 2. Busse, 19, die BegegnungMosis mit ׳Gott auf dem Berge Sinai, anlehnte, wobei der Redner besonders hervorhob, doch auch in gleicher Weise die Erhebung zu Gott es gewesen, die das herrliche Bauwerk, nunmehr eise bleibende Stätte für die Gemeind,-, geschaffen habe. Ter Predigt folgte das Gebet für den Kaiser, aas kaiserliche HauS, die Stadl, die Gemeinde und ihre Vertteter, die Förderer des Baues u. s. w. Ein wuitdervoller Choraesantz (Hcdu und Halleluja) bildetedem Schluß der eindrucksvollen Feier. Bade». Ter Vorstand des ״Landesvereins zur Erzirtzung -iSr. Waisen" in unserem Großherzogthum veräffeut- .licht den 0. Jahresbericht, aus welchem das Wachsthum der' segensreichen Thütigkeit desselben. ersichtlich ist. Von den 5Ö Waisen, die sich zu Anfang יי. I. unter seiner Fürsorge befänden,. sind »m Laufe desselben 4 ausgetreten uns» 18 wurden neu ausgenommen. Von diesen 64 Kindern (35 Knaben und 29 Mädchen) sind 26 in Pflege bei dafür ge-' eigneten Famiiien untergebracht, während 37 sich gegen Zah»' lung eines Erziehungsbetrages bei Verwandten befinden. -Ein Waisenknabe erlernt unter der Fürsorge des Vereins zur Lcr» brcitung des Handwerks unter den Israeliten und mit -der Unterstützung des gleichen Zwecken dienenden Vereins in. Mannheim und unseres Waisenvereins das Handwerk eines Buchbinders in Karlsruhe. Für 7 Kinder wurden von ihren Hcimatbehördcn oder Verwandten Zuschüsse zu den für sie zu leistenden Verpflegungskosten gezahlt. Tie sich häufenden Gesuche um Unterstützung.(j. Z. 21) bezeugen die Nothwendigkeit und wohlthätige Wirksamkeit des Vereins und empfehlen wir angelegentlichst dessen Förderung und Unterstützung. Tie Ausgaben beliefen sich auf 12005 Mk, das Vermögen des Vereins auf 105195 Mk. T» Stistungcn von, 100—600 Mk. sind auf 16 gewachsen. Am 24. Juni, Nachmittags 3'/, Uhr, findet die diesjährige Generalversammlung in Karlsruhe statt, in welcher über den Antrag des Bezirksausschusses Gailingen, betr. Erbauung eines Waisenhauses, Beschluß gefaßt werden soll. Mainz, im Juni. Tic projektirtc Bildung eines jüdischeu Lehrervereins für ganz Dentfchland benutzen nun auch die katholischen Lehrervcrcine Deutschlands, mn die Gründung ihrer Bereinigungen zu rechtscrtigen. Aus der am 14. und IS. vor. Mts. hier stattgeftindenen Versammlung des ״Katholischen - Lehrervereins im Großherzogthum Hessen" machte Lehrer Schorn hier aus den ״Israelitischen Lehrervcrein i» Hessen" anftnerksam, der an einem Tage vorher in einer Loge in Frankfurt a. M.. tagte, bei welcher Gelegenheit der hessische Kollege Wcrthcimcr über ״Bereinigung aller israel. Lehrervereinc Teutschlands״ — also einen israel. Lehrcrverband — rcserirtc. ״Haben Sie," so fragte der Redner, ״bei der Gründung dieses Verein- oder später in einer politischen oder pädagogischen Zeitung auch nur ein tadelndes Wort gelesen oder vielleicht den Vorwurf, durch den israel. Lehrerverein werde der religiöse Frieden und das einträchtige Zusammenwirken der Kollegen gestört? Heißt's nicht auch hier: Ja, Bauer, das ist was anderes." (Gewiß sind die Verhältnisft und die Ursachen dieser Bcreinsbildnng ganz andere als bei dem kath. Lehrervcrband.) Mestorrer«h»U«»garn. Aus Neutra wird der 91״ Fr., Pr." geschrieben: Tie, Stadt Szenicz war über das Märchen vom rituellen Morde' eine ganze Woche lang in größter Aufregung und die jüdische Bevölkerung befürchtete mit Recht den 'Ausbruch von Kraivallen, da es an Hetzern nicht gefehlt hatte. Am 3. d.-Mts. brachte die Schwester des bei dem Szeniczer Einwohner Israel Keszler bediensteten Knechtes Mresck, ein junges Mädchen aus dem Nachbardorfe Csacso, demselben Wäsche, kam aber Abends nicht nach Hause zurück. Tie Eltern des Mädchens kanzen deshalb mit noch einigen Bauern nach Szenicz, um nach dem Mädchen zu forschen und da es nirgends gesunden wurde, verbrettete sich erst vereinzelt und im Stillen, bald aber, offen und in weiteren Kreisen das Gerücht, das Mädchen müsse im Hause des Juden Keszler umgebracht worden sein. Tie Leute erzählten sich,, sie hätten den Rabbiner und mehrere' andere Juden in das Haus Keszlers gehen gesehen, Und am 4. d. Mts., Morgens, gab ׳ es bereits in ,den Gassen Auf» läuft, worauf die Leute dein Obcr-Stühlrichter die Anzeige efftatten und auf eine Untersuchung drängten. Ober-Stuhlrichter Frideczky, ein gebildeter Mann,.nahm die Sach« sofort in bie Hand unk» war ernstlich bemüht, die aufgeregte Menge zu beschwichtigen, indem er sie auf den Unsinn ihres Ver» dachtes avsmerksam machte.' Bon bat HaoSleutr» aab em.