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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-15 · 24 (15.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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r<i1f Dienstmädchen an, sie habe gesehen, 'daß hft Mrcsek bä« r* Haus KeSzlers .Vormittags allein verlassen hatte, doch hätten ' ihre Dienstherren gesehen, daß. zu Seszler um die Zeit, als * das Mädchen dort war, zwei Rabbiner, mehrere Juden und zwei Schächter gekommen seien. Tie Auflegung wuchs von Stunde zn Stunde, so daß det Lber-Stuhlrichter Keszler ersuchte, zul Beruhiguug des Volks selbst. eine Hausdurchsuchung zu begehren. Keszler willigte selbstverständlich ein, und es 'wurde, sowohl bei ihm wie bei seinem Rachbar Langer, einem sehr frommen Juden, das Haus' vom Dache bis zum Keller durchsucht, natürlich vergebens. Später kamen Gendarmen, - die Vormittags und Abends dasselbe thaten und die HauL^ leute sowie die Nachbarn verhörten. Keszler, im höchsten Grade beunruhigt, begab sich am 6. d. nach Neutra, um hier beim Äicegespan die Meldung des Vorfalles zu machen und um Hilfe zu erbitten. Endlich fajn noch rechtzeitig die Auf- ' klärung; das vcynißte Mädchen wurde am selben Tage in dem bei Efacso fließenden, stark angeschwbllcneip Nacht er- . trunken aufgesunden.' Sie war auf der Heimkehr von einem starken Giißregei» überrascht worden und hatte ein Wasser- י wehr, das als Steg benützt wird, betreten, um-rascher nach ׳ Hause zn kommen. Tort war sie offenbar ausgeglitten und in den Kessel unterhalb des Dammes gestürzt, worauf sie von - dem hoch angeschwollenen Gießbach abwätts getrieben und erst dann, als das Wasser sank, als Leiche ans User ge- ■, schleudert wurde. Tiefer Fall ähnelt jenem von Tisza-Eszlar.!.־ Rur blieben damals die Gemüther länger in Spannung, da ״׳.' der.Leichnam der Esther Solymossn erst nach Wochen auf- ' trieb und — was der wichtigste Unterschied ist — in Szenicz sühne ein besonnener und dabei energischer Stuhlrichter die Untersuchung, so daß der Pöbel im Zaum gehalten und Unglück 'verhütet wurde. Wer aber glaubt, daß nunmehr der Wahn zerronnen, irrt gewaltig. Tenn wer dem Teufel des Aber- - glaubens verfallen ist, wird ihn nicht loS, und catilinansche Naturen fachen diesen Aberglauben an: .Wie kann denn," sagen sie jetzt, ״ein erivachsenes Mädchen dott erttinken, wo daS Wasser kaum bis zur Kniekehle reicht? Die Juden haben es gethan und sie dorthin geschleppt." 'Jfun ist es aber durch ״ eine Zeugenaus!age evident erwiesen, daß die Mrcsek beim Ausbruch des GeivitterS in der Nähe des Steges gesehen - wukde. Macht nicht?. ״Tie Juden haben eS gethan," zischeln die Agitatoren, und ״die Juden haben sie ermordet," raunen die btthörtcn Bauern einander zu. Wann wird endlich dieses alberne Blutmärchen verschwinden! Frankreich. Paris. Tie polytechnische Schule,' welche ein Jntemat . bildet und der Ausbildung der Offiziere, der Ingenieure, sowie der ■ höheren technischen Berufsatten wie z. B. Staatsman'ufatturcicn gcividmtt ist und zu dnen Schülern einst der jetzige Präsident Earnot gehört, ,eierte vottgen Monat ihr •' hundertjähriges Bestehen. Tie Schule ist eine Staatsjchule ähnlich den deutschen Kadcttenanstalten, aber mit erweitcttcm -Programm und hat die besten Lehrkräfte Frankreichs; die Aufnahme in dieselbe unterliegt einer sehr strengen Prüfung. Biele hundette unser Glaubensgenossen haben da ihre AuSbildüng erhalten; auch find viele Israeliten als Lehrer daselbst thättg gewesen. Ter bekannte Hauptmann Armand Mayer, der im Tuell gegen Morös gefallen, war Inspektor der Studien daselbst. 1809 gingen bereits vier Israeliten, darunter Alphonse Eersbeer, aus derselben hervor. In den letzten vier Jahren 1889 bis 1893 besuchten dieselbe 82 Israeliten, ungefähr ein Zehntel der Gesammtzahl. In derselben Zeit unterrichteten daselbst der Oberst Mannheim in der Geomettte, Heumann im Deutschen, sowie der Repetitor Halphen und die Examinatoren Earvalls und Lucien Levy. Die Generäle Levy-AlvaröS und Hinstin. Abraham und Brisac, die Obersten Salvador, Lippmann, Wolf, Herz, Mannheim, "'Aron, die OberstlieutcnaytS Naquet und Tribourg u. a. 'erhielten daselbst ihre Ausbildung. In dey Livilcarri^ren bildtten sich dott aus die General-Jnspectoren der Minen, der Brücken und Straßen Marx, Wolf, Philippe. Moritz Levy, Lax, sowie der Post- und Telegraphendirector Tribourg Ter Lberrabbiner von Frankreich hielt Sonnabend den 19. v. M. eine besondere Gedächnißfeicr fürdie verstorbenen israelitischen Polytechniker ab. Neueste und verniischle Nachrichten. Magdeburg. l2. Juni. Um den ausgeschriebenen Preis für den geeigney'ten Entwurf zu/» hiesigen Tempeldau sind 26 Bewerdnuge» cingegange». Am 15. d. Mts. treten die Preisrichter zusammen, um die Auswahl zu treffen. Berlin. Ten ersten Preis der Michael Beer'schen Stiftungen (2256 NU. tu einer einjähriae» Studienreise nach Italien! erhielt unter fünf Bewerber» der Maler.Jehuda Epstein aus Hvmcl, z. Z. in Wien, de» zweite» der Äupferstcchcr Johannes Plato aus Kvlberg z. Z. in Berlin. In Tüssildors wollte Ahlwardt am 7. Juni in einer von der antisemitischen Bereinignug anberaumten Versammlung einen Vorttag halten. Er wurde über gleich bei Beginn seiner Rede von den zahlreich anwesenden Gegner» des Antisemitismus so unterdrochen, daß er nicht sprechen konnte. Ter Vorsitzende schloß die Bersammlung, ohne daß der Abgeordnete seinen Vortrag gehalten hatte. Bereut lWestpr.). Tie Urheberin eines Gerüchts über einen angebliche» ״Ritualmvrd" stand dieser Tage vor dem hiesige» Schöffengericht. Tic Witwe Herrman» hatte sich, wie wir z. Z. berichttt, wegen Ettegung nihestörende» Lärms und Verübung grobe» Unfugs zu verantwotten, weil sie im April durch ihr Ge schrei, ״die Jude» Hütten ihr Kind geschlachtet" (dasselbe hatte bekanntlich eine Ziege zum kaufe auSgebvten und sich dabei lange ansgehalten), einen großen Menschenauflauf verursacht hatte. Tic Beschuldigte hatte gegen den aus 5 Tage Haft lautenden richtcrlicheu Strafbefehl Einspruch erhoben und aus Hauptverhandluug aiigetragen. Ta der Einspruch nach Ansicht des Gerichts frivol erhoben war und die Beschuldigte.auch nicht das Geringste zu ihrer Bctthcidiguug ansührcn kviiiilc, so erhöhe das Gericht dem Anttage der Anklagedehörde gemäß die Sttase auf 2 Wochen Hast. TonderShause». Am 27. d. Mtbegeht Herr Professor PH. Heidenhcim in noch geistiger und körperlicher Arische seinen 80. GebuttStag und zugleich sei» Mjährigcs Amtsjubiläum als Prediger in unserer Gemeinde. Myslowltz. 7. Juni. Eine grausige Ucbcrraschnng wurde heut früh dem E»lt».sbca»1tcn ttiksman» dadurch bereitet, daß er beim Betreten der Synagoge aus dem Vorflur an einen Kindersarg stieß. Bei näherer Besichtigung stellte sich heraus, daß letzlerer leer war; wie weiter ermittelt wurde, ist derselbe bei dem in der Nachbarschast der Synagoge wohnhaften Möbclhändler Bcrnard, dem er als Aushängeschild diente, entwendet worden. ilattowstz, 8. Juni. Tie Synagoge cnvcist sich trotz des vor einigen Jahren vorgeuommencu Erweiterungsbaues als z» klein. An Festtagen fast dieselbe kaum die Hälfte der Besucher. Ta ein: nochmalige Erweiterung durch Mangel an Bauplatz uuthunlich ist, wird icdcnfalls ei» Neubau errichtet werden müsse». Bo» Seite» de» Bürgermeisters soll dem Syiiagvgciivvrstaiide ein städtischer Bauplatz an der Usctt'ttaße offeritt worden sein. Hi»׳- der»d tritt dem Neubau indcß u. a. auch der Umstand entgegen, daß mehrere Familien sogenannte erbliche Sitzplätze in»e habe» und darauf nicht ohne Weiteres verzichten wollen. Ltuttgart. 8. Juni. (Or. llorr.) Herr Rabbiner Dr. Krvncr ivurdc in voriger Woche vom König in Audienz empfangen. Der Reichstagsabgcordnete Lc»ß aus Hannover hielt in der letzten Woche in mehrere» Städten Wütttembergs (Tübingen, Biberach) antffcmitische Versammlungen, errang aber wenig Erfolge. Petersburg. In Bekeff der jüdische» Ackerbaukolonicn in Südrußland wird in den russischen Blättern mitgetheilt, daß dir Regierung die Absicht habe, diejenigen jüdischen Koloinstc», welche thr Land persönlich in zufriedenstellender Weise bewirthschastcn. zu einer Kolonie zu vereinigen und dieser Kolonie ein genügende« Landareal und alle« liegende und tobte Inventar auden früheren AnsiedelungSottrn zur Lersügung zu stellen. Was die Landantheile der übrige» jüdischen Kolonisten anbetrisft, die ihr Land nicht selbst bewitthschaften oder eS verwahttosen lasten, so soll diese« ausgekauft und unter besonderen Vergünstigungen russischen Ansiedlern zuetthrilt werden.

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