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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-15 · 24 (15.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Wir geben die angedeuteten Stellen aus dem oben-' genannten Buche hier ׳wörtlich wieder. Red.) In dem »Auszug aus den: Tagebuch des Premier-LieutenanlS v. d. Knesebeck, Adjutanten der Brigade von Raven, vom Tage des Sturmes der Tüppcl«׳ Schanzen"' heißt es:' 1. S. 72 Feile 7 von oben (nach der Schilderung des im Kugelregen verwundeten Generals von Raven): . Schließlich möge »och der Name desjenigen brave» Musketiers erwähnt werde», welcher de» Generalgleich nach seiner Verwundung wohl 30 dis 40 Schritte aus dem heiligsten Feuer schlepvte: er hieß Manchester von der 4. Comvagnie I. Pvfeiischen Iiifaiiterie-Regimcnts Nr. 8נ und ist maiaiichrn tsiaubrns.״ 2. 3. 74 Zeile 9 von unten: »In der Nachtvom 27. zum 2t«. Nlörz, während die «>. Comvagnie des- Posenschen Infanterie-Regiments 4tt. lp im l,eiligste» Reucr stand, welches abgegeben wurde, und wahrend eifrig an der Herstellung einer Teckung gearbeitet wurde, Hütte man das Stöhnen eines Verwundeten. Ter Hülis Krankcnwätter Louis Iacoby aus Quattsche» bei Königsberg i. d. Neumark, ein Jude, meldete sich sogleich beim Compagnic-Cbcf i» der Absicht, dem Verwundeten Hülse zu bringen. Er ging in ein furchtbares Feuer hinein und. man glaubte kaum, daß er sein Ziel erreichen würde, und als er plötzlich unlkehttc, wurde er allgemein für verwundet gehalten. Der Iacoby war sich aber seiner Pflicht bewußt, er kehrte nur um, dein Verwundeten einen Trunk Wasier zu holen; leider war nur Branntwein zu haben; er. ging wiederum vor und kam nach Ablauf von '/. Stunde mir der Meldung zurück, daß der schwer Verwundete ein Offizier gewesen, der soeben mit dem AnSruf »meine arme Mutter" in seinen Armen vcrschieden sei. Iacoby erhielt von Sr. Majestät dem Könige, eine öffentliche Belobigung und wurde vom Regiments- Co.nmandeur zum Unteroffizier ernannt. (Derselbe erhielt beim Düvveler Sturm noch das Militär-Ehrenzeichen für Tapferkeit.)" 3. S. *7 Zeile 5 von unten und S. 88 oben: ״Nachdem am Tage des Tüppeler Sturmes die 3. und 4. Compagnie desielbeik Regiments den Angriff des i». dänischen Reginicnts zurückgeschlagen, welches zur Wiederervbcrung der Schanzen vorgedrochen war, hatte sich eine feindliche Abthcilung in eiucm Hause festgesetzt und unterhielt von hier aus ein lebhaftes Feuer gegen unsere Tirailleure. Ter Unter- . ossizier Hoffmann und die Musketiere Baunach, Lassowsky und Resi gingen im Lauffchritt gegen das Haus vor, schoflen ihre Gewehre gegen den Feind ab, und der Musketier Rcfi ries den Dänen zu: ״Gewehre. Faschinenmesier und Patronen weg, Hände in die Höhe und a»treten!" Der überraschte Feind folgte ohne weiteren Widerstand diesem entschloflenen Kommando und gab sich gefangen. Es waren 49 Gefangene, mit denen sich Refi bei seinem ganz in der Nähe stehenden Bataillonskommandeur, Lbristlicutenant v. Winterhcim meldelc. Bon diesem erhielt er die Erlaubniß, die Gefangenen auch allein nach der Büffelkoppel weiter zu bringen. Unterwcgs wurden von de» 49 Mann 11 durch dänische Granaten thcils gctödtet, theils verwundet; den Rest lieferte er richtig ab. (Refi war Jude.)' Bei demselben Regiment hat ferner der Jude Samuel (Berlin, Schillingmaße) für sein Verhalten in der Schlacht kn Gitschin das Militär-Ehrenzeichen erhalten. (Militär- Ehrenzeichen sind gleichwenhig mit dem eisernen Kreuz.) In einem Regiment also gab es fünf Auszeichnungen9? ׳ an vier Juden. Wie viele Juden mögen sich in den andern! Regimentern ausgezeichnet haben! ‘ '"J Sollte, ein gutgesichtetes, zuverlässiges Material sich nicht beschnffen lassen! Es ist von höchster Nichtigkeit ynd Dring». ' lichkeit, daß dies geschieht. In Hochachtung re." ׳ ' I Ter zum Schluß dieses- Brieses ausgesprochene Wunsch des" braven Soldatm ist ein sehr berechtigter, er begegnkt sich mit der von uns bereits in »Nr. 19 dieses Blattes. (unter Magdeburg) näher begründetm Forderung. Wir wiederholen was wir dort gesagt: ״Es ist dringend geboten, daß das. - statistische Material (über die von jüdischen Saldaten in dm letzten ß Fcldzügcil, dem dänischen, österreichischen und franzö, sijchm, erworbenen Auszeichnungen) ln allen,- jüdischen Ge-> ,neinden gesa'mmelb und als ehrendes' Denkmal jüdischer Tapferkeit in einembcsondem Buche veröffentlicht werde. Es ist dies eine Ehrenpflicht, die-zu crfüllm die höchste Zeit , ist, ehe die Namen und Thaten in Vergessenheit gerathen. Einzelnes ist hie und da veröffentlicht worden, es handelt sich aber um möglichste Vollständigkeit und SichtuuF des Materials. Vielleicht unterzieht sich der ״Centtalverein deutscher Staats- * bürger jüd. Glaubens" dieser dringlichen Aufgabe u. s. w!" Wir wissm nicht, ob in Folge' dieser Anregung in dn Sache cttvas. geschehen ist, und wenden uns darum-mit diesem Artikel direkt an die Wollöblichcn Vorstände der jüdischen Gemeindm mit dem Ersuchm, das diesbezügliche Material, in ihren Kreisen zu sammeln. Es wird sich dann leicht ein Verlegerfinden, der es ordnet uyd in einem Buche׳ veröffentlicht. Es ist dies eine Ehrenschuld, und soll uns ein ׳ Ehrenschild werden, mit dem wir alle auftauchenden Vorwürfe und Beschuldigungen der Feigheit oder mangelnder Liebe und Aufopferung für's Vaterland von unserm Tqpfem' für alle Zeit abwehren können. So lange sich nicht eine andere Cmttalstelle zur Sammlung des Materials findet, sind wir gern bereit, uns zugehende zuverlässige Mittheilungen vorläufig in nuscrem Blatte zu veröffmtlichen.' (Siehe weiter unter ״Magdeburg 3.") . Mögen sich Stimmen über die weitere praktische Be- Handlung und Ausführung der Sache vernehmen lassm. Kirchlich-sociale Kongresse. Frühling und Sommer sind die Zeit der Congressc. In. diesem Jahre stehen im Vordttgrund diejenigm, welche die sociale Frage, behandeln und untn ihnen ist am bemerken--. - «etthesten dn evangelisch-sociale Eongreß geivesen. Schon die Thatsache, daß die organisittm Kirchen des in seinem innersten Wesm und seinen letzten Consequenzen unleugbar wcltflüchtigm odn doch gegm die irdischm Dinge gleichgülttgm Christenthums diese Fragen in Angriff nehmen, ist. sehr bedeutsam. Tie immn kluge und weitschauende katholische Kirche hat dies längst gnhan und mehrne umfangreiche Encykliken des Papstes legen hiervon Zeugniß. ab. Seit einign Zeit ist auch die evangelische Kirche in die Bewegung, eingetteten. Wenn es auch verschiedene Schattirungen des evangelischen Socialismus giebt, so ist doch sein Grundzüg die Orthodoxie, was zur Genüge daraus erhellt, daß der hervorragendste Führer Stöcker ist. - . Es ist nun von jüdischer Seite sehr leicht, diese ganze Bewegung und den kHten Longreß, auf welchem paftdrale Predigtweisheit einen breiten Raum einuahm, in geringschätziger

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