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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-08 · 23 (8.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
23 (8.6.1894)
Date
1894-06-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Ein Berliner Antisemitenblatt Stöcker'schcr Richtung schreibt über diese Verordnung: Es kann durch ein solches Verbot wenigstendem Unfug vorgebeugt «erden, daß in öffentlichen Versammlungen und in Zeitiingeil anstandslos zum Bovkon ausgesordert werde» kann — und daS wäre icho» ein großer Gewinn, zumal dadurch der Boykott als das gekennzeichnet würde, was er ist: als eine sittlich und sozial verwerfliche Thal, als ein moralisches Unrecht." Nun wissen wir es doch aus antisemitischem Munde, daß es eine ״sittlich und sozial verwerfliche That, ein moralisches Unrecht" ist, wmn die geschästsanlisemilischen Blätter und Agitatoren jahraus, jahrein den geschäftsneidischen Rus ausstoßen: ״Kaust bei keinem Juden!" München, 1. Juni. lOr.-Corr.» Bei meinem kürzlichen Aufenthalt in der bayrischen Hauptstadt besuchteich selbstredend auch den Gottesdienst in der hiesigen Hauptsnnagoge, der mit Recht eines guten Rufes sich erfreut Ich fand es in keiner der größeren Gemeinden, wie Wien, Frankfurt, Stuttgart, Wiesbaden, so ruhig und feierlich, ja nahezu weibevoll und namentlich der gesangliche Tbeil verdient besonders hervorgehoben zu werden, da die Gemeinde in der Person des Herrn Lbercantors Pros. Kirschner eine bedeutende Kraft ersten Ranges besitzt, dir ihr schon oft streitig gemacht wurde. (St. ist zugleich Professor am Conservatorium.s — Auch Herr Cantor Frei ist als Kore und Pädagogen sehr angesehen, in letzterer Hinsicht sein College Friedmann nicht minder. In der oberen Abtheilung ettbeilt der Rabbinatsverweser Tr. Eugen Mayer den Religionsunterricht. Ter Rabbiner und Religion-- lehrer der orthodoxen Partei lTr. Ehrentreu) hält gewöhnlich am Sabbalh im Sitzungssaale der Gemeinde auf Veranlassung des Vereins ״Chewra Kadischa" einen homiletischen Vortrag, dem auch einzelne Mitglieder der Fortschrittsgemeinde anwohnen. Gegenwärtig bilden die ״Spr. d. Väter" ein geeignetes Thema. Herr Tr. Ebrentreu versieht zugleich während der Amtsvacanz provisorisch die Ueberwachung der rituellen Gemeindeanftalten und ist überhaupt zwischen beiden Parteien hier das denkbar beste Einvernehmen, da ja die Reformen in der Haupt- Synagoge bis aus die Orgel nichts Wesentliches berühren. Das Äi-sche-berach wird durch ein, Pauschal-Gebet in demscher Sprache ersetzt, ebenso das ״El-molc rachanim"; die Hastara ist noch immer das Paradestück für den Bar-Mizwah, die Gebete um die Rückkehr nach Palästina und Reprsitinätion des Opfercultus sind beibehalten; dagegen wird Llenu in der Landessprache vorgetragen. Doch die Hauptsache ist, der Gottesdienst ist gut besucht. Für die Rabbinerstelle kommen mehrere als Redner und Gelehrte bekannte Männer zunächst in Betracht, doch wäre es noch verfrüht, Flamen zu nennen. Würzburg, 18. Mai. In den Tagen des 14. und 15. Mai fanden Hierselbst die Berathungen der 2. Eonfereuz der bayerischen Rabbiner statt. Von den 25 Rabbinatcn des Königsreichs waren 16 durch ihre Inhaber persönlich vertreten, 6 waren durch andere Kollegen vertreten; ein Rabbinat ist z. Z. unbesetzt, ein Mitglied der Konferenz brkündete durch ein Begrüßungsschreiben seine Theilnahme, ohne eigentlich vertreten zu sein. Erschienen waren die HH.: Adler-Kißingen. Bamberger-Lschaffenbürg, Bambrrger-Bad-Kissingen, Bamberger-Gürzburg, Cohn-Burgkunjjjabt, Cohn-Jchenhausen, Teursch-Burgpreppach, Eckstein-Bamberg, Groß- AngSburg, kkuSnitzki-Bayremh, Mayer-Zweibrücken, Meyer-München, Meyer-RegenSburg, Reubürger-Fürth, Stein-Schweinfurl, Ziemlich- Nürnberg. — Als Gast »ahm an den Berathungen Anteil Herr Lppenheimer, Borsteher der iSr. Gemeinde Würzburg. Es war ein sehr reichhaltiges Programm, dessen Durcharbeitung man sich zur Ausgabe gemacht hatte und das in den meisten Punkten auch entweder zur Erledigung kam oder doch mindestens besprochen wurde, um alsdann einer späteren Confermz zur gründlichen Behandlung vorgelegt zu werden. Aus den zahlreichen Gegenständen, mit denen sich die Konferenz beschäftigte, seien hier hervorgehoben: die nochmalige Durchberathung der Geschäftsordnung, die Festsetzung der Statuten der unterdessen begründeten Pensions- und Relikten- Kasse der bayerischen Rabbiner, die Statuten sind vckm Vorsitzenden Dr. Cohn-Jchenhauscn pusgearbeittt; eine eingehend« und gründliche Regelung des Timi'sorialienwesens am Grund der daraus bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen, die Gründung einer Centialkasse zur Unterstützung hülfsbedün'tiger, isr. Cultusgemeinden im Königreich Bauern und die Beratdung der einschlägigen Statuten; bei diesem Punkte wird' die Mit- Wirkung der Gememteverwallungen vorausgesetzt, mit den» sich der Ausschuß in Verbindung setzen wird. Tic Statuten dieses Landcsvereines sind vom stelloenretenden Vorsitzend» Tr. Neubürger-Fürth ausgearbeikct. Derselbe legte eine Statistik der bäuerischen isr. Cultusgemeinden vor, nach welcher 40 Procent aller Geincindcn weniger als 50 Seelen zählen; daß diese kaum im Stande sind, einen Religionslehrer anzustellen und die übrigen Culrusbedürfnisse zu bestreiten, ist leicht ersichtlich, die Gründung eines solchen Vereines also unabweisbar. Ferner fand nach einem Referat. des Herrn Tr. Groß-Augsburg und dein Correscrat des Herrn Tr. Mayer- Zweibrückcn eine unrfassmde Besprechung der allgemein» Principien des Religions-Unterrichts an den Mittelschulen, specicll an den bumanissischen Gnmnasien unter Berücksichtigung der Absolutorialausgab» statt, der» einheitliche Turchführung in allgemein» Umrissen und zum mindesten in Bezug aus das Slosiminimum inan alS wünschenswertst erachtete. Eine Commission von vier Mitgliedern wurde spericl mit der Ausarbeitung des Entwurfs eines Normallehrplancs bis zur nächstjästrige» Conferenz beausttagt, und zwar die Herren Toctor» Groß-Augsburg, Meyer-Regcnsburg, Stein-Schweinsutt und Ziem lich-Nürnberg. Gerade durch die letzten zwei Punkte, von denen zumal der erstere in nächster Zeit die Lessentlichkcit beschämgcu und darum schon jetzt interessir» wird, hat die Comerenz bekundet, daß ihr. nicht nur die Ehre, die Würde und das Wohl ibrcr Mitglieder am Herzen liegen, sonde» daß sie in erster Linie die Förderung der Gemeinden ins Auge gefaßt und durch glückliche Ausgestaltung vor allem des Religionsunterrichtes die Heiligthümer der Väter zu schützen und zu erhalt» sich vorgenoinmm hat. Hinsichtlich des Besuches des Gottesdienstes Seitens der Schüler der Mittelschulen wurde folgende Resolution beschloss»: Tie Confermz der bayerisch» Rabbiner erklärt eS einstimmig als Heilige» Pflicht der Schüler an den Feiettagen den Gottesdienst zu besuchen. Den Vorsitz bei dm Berathungen fühtte Herr Tistt- Rabb. Bamberger-Würzburg. bezw. Herr Distr.-Rab.b. Dr. Cohn-Jchmhausen; das Amt der Schriftführung lag in dmänden der Herren Eckstein-Bamberg und Stein-Schwcinfurt. er Vorsitzende ividnicte Sr. Kgl. Hohheit dem Prinzregentm zu Anfang und zu Schluß der Versammlung begeistette Huldigungswotte; ans eine telegraphische Kundgabe derselben an Sr. Kgl. Hohheit traf aus der Geheimkanzlei des Prinzrezenten ein allerhuldvollstcs Anttvotttclegramni bei dem Vorsitzenden der Confermz ein. Aus der erst einjährig» Geschichte der Conferenz ist der Tod des bisherigen I. Vorstandes Tr. Perles-München Und des College» Grünbaum-Ansbach hervorzuheb», denen der Stellvertreter des Borsitzmd» Cohn-Jchmhausm warme Wotte des Nachrufes widmete. Das Referat des letzteren über das verflossene Jahr gipfelte in der Besprechung der verschiedentlichcn, von dem Ausschuß im Sinne der vorjährigen Conferenz erledigt» Petitionen und deren Schick'al. ' > Für das kommmde Jahr wurden einstimmig gewählt als Vorsitzender:-Cohn-Jchmhausm, als Stelloettreter: Neubürger-Fütth; als Ausschußmitglieder: Bamberger-Kisfingm, Ziemlich-Nürnberg; als Ersatzmänner: Groß-Augsburg, Meyer- Regmsburg. Wir schließ» den Bericht mit dem Wunsche, daß der jnag» Nmfermz eine segmsreiche Wirksamkeit immerdar beschiedm sei» möge. Diez a. ü. Äch«. Hier tagte am' 13. Mai der Verein der israelitischen Lehrer Nassau'-". - Bon dm ca. 37 Äol*

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