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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-01 · 22 (1.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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unftämbiger Verwendung zugebrachteu Dienstjahre in die pe». sionsbcrrchttgre Dienstzeit einzurechnm. Damit ist die einzige Ausnahmestellung der Vorsänger gegenüber den Volksschullehrern gehoben. Dieser Beschluß ist die Folge einer kurz vor der Ver- Handlung noch eingereichten Petition des iSraÄitischeu Lchrer- Unterstützungsvereins. Die Anregung hierzu fand in einer Zusammenkunft der israelitischen Lehrer statt, die anläßlich des jüngst hier abgehaltenen deutschen Lehrertags ziemlich zahlreich anwesend waren. Bei derselben wurde auch Herr Rabbiner Dr. Kerner vom Vereinsvorstaude Stern freundlich begrüßt und bezeichoete dieser in seiner Erwiderung darauf die Punkte, die er bei den jährlichen Verein-Versammlungen einzuhalten empfehle. Auch die Herren Rabbiner Dr. Stößel und Privatier E. Pfeifer beehrten die Versammlung durch ihr Erscheinen. Eisenach. Am 13. Mai Nachmittags 1 Uhr fand hierselbst im Saale des Gewerbehauses zu Eisenach die Eonserenz des ,Vereins israel. Lehrer Mitteldeutschlands" statt, zu welcher sich folgende 15 Mitglieder eingefunden hatten: Tie Herren Rabbiner Dr. Salzer-L«ng*f«U>, Borsitzender, Heilbrunn Gehau«, Rechnungsführer, Baumgart-Lengsseld, Schriftsichrer, Popper-Mühlhausen, Oppenheim.Barchfeld, Rabbiner Dr. Salzberger Erfurt, Katz-Aschenhavsen, Soldschmidt-Bacha, Wertheim-Gera, Rosen stein-HerleShausen, Rothschild-Erfurt, Hoffman»-Themar, Horwitz-Deffo«, Landrabbiner Dr. Dessauer- Meiningen, Heidungtzfeld-Eisenach. Rach einem Begrüßungsgesang des Eisenacher Synagogenchores und einem Willkommengruß des Herrn Deputtitten Steinbergcr eröffnetr der Vorsitzende die Versammlung mit dem Geschäftsberichte ünd verlas rin Dankschreiben des Schriftstcüers B. Hause in Eisenach auf die ihm vom Vereinsvorstände gewidmete Glückwunschadresse zu seinem 80. Geburtstage. Rach Vottrag des Kassabrrichts wurde dem Kassiere Herrn Heilbrunn Decharge etteilt. Hiernach erhielt Herr Dr. Dessauer das Wvtt zu seinem Referat, über ein von ihm ausgearbeittteS Religionslehrbuch. Nachdem sich Referent über die methodische Anläge seines Buches ausführlich verbreitet, teilte er auch einige Proben daraus mit. Es besteht aus zwei Theilen, einen, für die Unterstufe und einem für die Oberstufe; letzterer besonders für die höheren Klassen des Gymnasiums. Es wurde beschlossen, das Werk einer Tommisfion, bestehend aus den Herren: Dr. Salzberger-Erfutt, Oppenheim- Barchfeld, Rothschild-Erfurt, zur Prüfung zu überweisen. — Der folgende Gegenstand: .Das Bibellesen" (Referent: Katz-Aschenhausen) war auf Wunsch der Hannoverschen Eonserenz auf die Tagesordnung gesetzt worden. Der Referent behandelte in klarer Weise die Fragen: was, wann und wie soll gelesen werden. Die Eonserenz beschloß nach längerer Debatte: .Das Bibellesen ist in der jüdischen Religion-- schule chunlichst zn pflegen, und mit den übrigen Fächern des Religionsunterrichts in Concenttatton zu bringen. Als sehr geeignet hier,» hält sie das Lesen in der Auerbachscheu Schulbibel; nur wäre es wünschenswett, wenn eine billigere Ausgabe derselben veranstaltet würde. Zu dem grgenwättigen Preise ist eine allgemeine Einführung nicht möglich. Zur Frage des D. I. L. B. nahm Herr Heilbronn- Gehaus das Wott. Aus zweifachem Grunde ttat Referent für Gründung des Bundes ein. Erstens, weil er glaubt, daß nur auf diese Weise die Stellung der nicht definitiv angestellten Religions- und Elementarlehret eine bessere und sichere werden könne, zweitens aber, weil er glaubt, daß auch für die pädagogische Entwickelung des jüdischen Religion-- Unterrichts der D. I. L. B. von der größten Bedeutung werden müßtt. Darauf hin wurde beschlossen: ,Der Verein israel. Lehrer Mitteldeutschlands tritt dem T. 3. L. B. bei, und sendtt Herrn Heilbrunn, und"im Verhinderungsfalle Herrn Baumgatt als Drlegirtrn zur Eonstituttonsversammluug nach Lasset." Aus die Tagesordnung der nächsten Eonserenz, die i» Erfurt stottfinlren soll, werde» gesetzt: 1. Probelektion (Herr Popper-Mühlhousen), 2. Jugendgottesdienst (Herr Dr. Salzberger-Erfurt), 3. lieber ein von dem D. I. L. B. aufzustellendes Thema (Herr Wertheim-Gera), 4. Kritik de» Dessaucrschen ReligiousbucheS. Begrüßung sdq>eschen waren emgegaagen vom Herr« Sircheurath Dr. Kroner, Stuttgatt, dem Mitbegründer des Vereins, und Herrn Lechcer Steinhardt.Magdeburg. Mit einem Hoch au? den Landesfürsten und den deutschc» Kaiser wurde die Versammlung um 5'/, Uhr geschlossen. Stadt-Lengsseld. Baumgart, Schriftführer. I Wir». 24. Mai. (Or.-Corr.) Ueber das in allen Kreisen und Blätrrn genügend besprochene Rencontre zwischen - dem jüd. Beamten der Reunione Adriatica, Adolph Pollitzer, und dem antiscmitischcu Reichsratl,--Abgeordneten Professor Kaiser will ich mich hier nicht näher auslasse»; der Hunde peitscherei lag ja kein religiö'cs, sondern ein geschäftliches Motto zu Grunde. Dennoch ist man auf die gerichtliche Verhandlung gespannt, da man neu« Momente auch in Bezug auf den Antisemitismus ermattet. — Mittwoch Abends fand im Ronacher-Saale die ordentliche General-Versammlung des Vereines zur Abwehr des Antijemittsmus statt, in welcher mehrere Reden gehalten wurde», die auch weitere Kreise interessiren dmsten. Den Beginn machte Baron Suttner als Obmann mit einer Ansprache, in der er die Affair« Deckrrt besprach. Das Vorgehen dieses Priesters habe ihn zwar nicht übettascht, denn von Leuten, die Hohn und Ungerechttgkeit auf ihr Panier geschrieben haben, dürfe nichtverwundern, selbst wenn es noch so erbärmlich sei. Aber daß ein Lehrer selbst von der Stätte des Friedens, von der Kanzel herab, Brandredm hatten, Aufreizungen ünd Haß verbreiten dürfe, sei doch etwa- UnerhötteS. Redner schloß mit den Worten: Diese Elemente werden sich erst ducken, w-nn alle anständigen Leute furchtlos es aussprechen werden: .I» unsnrn Augen ist jeder Anttsemit rin verächtliches Jndividuum." Hierauf wurde der gesellige Abend mit einem Toaste auf die Frauen eingelettet, auSgebracht von Hofrath Professor Nothnagel, welcher von Baronin Suttner beantwotttt wurde, die ihr GlaS daraus leette, daß die Frauen gegen die Antisemiten wirken sollen. Znm Schluß hielt Baron v. Leitenberger eine sentationell wirkende Rede, auder wir die markantesten Sätze wiedergeben: .Uns re Devise muß in Zukunst lauten: Kraft, Ausdauer, Zusammenhalten! Rur so werden wir di« nöthige Stärk« zur end« gültigen Besiegung unserer Gegner finden, zn der vollständigen Rieder- «erfung der antisemitischen Betveguug, wenn auch da* Ende derselben heute noch nicht abznsehen ist, denn ich Hab« die traurige Empfindung, dafi wir in dem harten Kamps« aus unsere Kraft allein angewiesen fink. Zu meinem Leidwesen habe ich die Wahrnehmung gemacht, dafi die Regierung zwar sefthält an dem Principe, da« Besetz zu wahren und auf Grund de* Gesetze* allen Staatsbürgern gleichen Schutz zu gewähren: aber sie bringt nuseren Bestrebungen nicht jene Sympathien entgegen, aus die rechnen zu können, wir mit einer g«wi,se״ Brechtigung hofften ... Um so fester Müssen wir daher zusammenhalten, und ich schließe, indeui ich mein Gla* aus die Einigkeit, aus da* Innige gnsammenwirken aller Berei»*Mitglieder und Freunde unsrrer Idee. erhebe." Diese Rede, von lebhaftem Applause mehrmals unterbrachen, welcher sich am Schlüsse zu einer dem trefflichen Manne dargebrachten Ovatton gestaltete, machte Üefen Eindruck auf die Versammlung, die erst gegen. Mitternacht endete. י Wien, 28. Mai. Im Anschluß an das Obig« theile ich mit, daß der Ministerpräsident Fürst Windischgrätz bei der etwas zahmen Beantwortung der Jnterprllaüo« brtt. die . Decken^chcu Flugblätter, sich doch zum Schluß zu der ErÄLruug

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