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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-01 · 22 (1.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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.?•*י:••.•.?r.E ■ ermannte: ״(St sehe sich »trautaßk hinz»z»fLtzm, daß die Re. gierung chrau lebhaftem Bedauem Ausdruck geben müßte, wen« Seiteneiner mit dem ernsten Amte de» Seelsorgers betrauten Persönlichkeit bei gottesdienstlichen Handlungen Tön« leidenschaftlicher Unduldsamkeit angeschlagen wären, welche,'auklingrud an lebhaft erörterte Parteiftvgcn des öffentlichen Leben», »«mal m der gegenwärtigen, von ver. schiedeneu Widersprüchen erfüllten Zeck geeignet sein müßten, die in weiten Kreisen vorhandene Beunruhigung zu steigern." (Wenn die Erwartungen schon aus das denkbar niedrigste Maaß gestellt waren, so hat die Erklärung des Minister- Präsidenten diese noch unterboten; er hat gesprochen, aber nicht» gesagt.) R««nS»ien. Vnkarest. 24. Mai. ES ist leicht begreiflich und auch ganz entschuldigt, wenn dir unter den einheimischen Israeliten auSgebrochenc Besorgniß immer größere Kreise zieht und dieselben veranlaßt, alle gesetzlichen Mittel zur Sicherung ihrer juridischen und moralischen Stellung in einem Lande in An- Wendung zu bringen, welches ihnen trotz Erfüllung aller Unterthänenpflichten nicht allein die Bürgerrechte, sondern auch die HeimathSberechtigung versagt. So hatte der aus Reser» vipen der rumänischen Armee bestehende ״Verein einheimischer Juden" schon während der letzten Parlamentssession eine Petition an die Volksvertretung gerichtet, in welcher um eine Interpretation der gesetzlichen Bedeutung des Wortes ״strein“ ^Fremder) in dem Sinne ersucht wurde, daß unter diesem Begriff und unter die an denselben geknüpften Beschränkungen nicht auch solche im Lande geborene Israeliten fallen sollen, welche, ohne Naturalist« zn sein, ihren Dienst in der rumänischen Armer geleistet haben. Die Deleginen-Commissiou des Senats bat jedoch trotz der energischen Fürsprache des Senator» Boicliu das Eingehen aus diese Petition mit der Begründung abgelehnt, 'daß der ״Verein der einheimischen ISraeliten" die Rechte einer juristischen Person nicht besitze und daher auch nicht petitionsberechtigt sei. Nun hat der in Jassh abgehaltene Eongreß diese» über da» ganze Land a,sgebreiteten Vereine« beschlossen, eine neue Eingave im oben .rrtvähnten Sinne abzusasse», und dieselbe mit den Unterschristen aller israelitischru Armeereservisten versehen, gleich bei Beginn der nächsten Parlamentssession den gesetzgebenden Körperschaften vorzulegen. Daß dieser Vorgang ein völlig gesetzlicher ist, kommt ebensowenig in Frage, wie die Billigkeit deö von den Reservisten gestellten Verlangen», ivelches jo weit entfernt, die Verleihung politischer Rechte anzrlstrebea, nur die Zuenennung der Heiinathsberechtigung erreichen will. Uebrigen» hat die Regierung Latargiu-Earp die thatsächliche Berechtigung diese» Wunsches bereits dadurch anerkannt, daß sie vor anderchalb Jahren an b»t Präsecteu die Weisung ergehen ließ, daß auf die nicht im Besitze des BünzerrechteS befindlichen Veteranen der rumänische» Armee die für Fremde gesetzlich vorytschriebenen Beschränkungen de» AusenthaltSrechtS in de«.Landgemeinden keine Anwendung finden sollen. Doch reichen, wie oje Vorgänge im Distrikte Bacau beweisen, derlei Verfügungen von Fall zu Fall nicht aus, um administrative antisemititisch» Willkürlichkeitcn hintanzuhalten. Hierzu bedarf eS eine» vom Parlamente genehmigte» (Gesetzes. Neueste und vermischte Nachrichten. w. Eine vor Jahren vom Rabbiner Dr. Rahmrr, al« er noch Präsident der hiesigen Loge war, wiederholt gelegentlich' der Frag« wegen Unterdnngung jüdischer Ferien-Evloniste» angerrgte Idee, in dem iiahegrleaene» Soolbade El men ein Hau» zu erwerben — die Grundstücke daselbst find nicht theuer — und (•'all jüdische Kindcrheilstätt« einzurichten, wie ähnlich seiten» rin«» hiesigen christlichen Verein« geschehen, der in der Nähe der Saline an eigene» Hau» zu gleichem Zwecke errichtet«, soll endlich Verwirklichung gelangen. Die Loge hat sich an die wehthabender«! Gemrindrmitglieder gewandt und dürste die Sammlung »ine» günstige» Erfolg haben. Man sieht, wie Anregungen, die lange Zeit unbeachtet blieben, schließlich doch auf fruchtbaren Boden Men. Berti». Es hat mich gewundert, in keinem der jüd. Blätter eine Parallele zwischen Jakob Israel und Rudolf Hertzog gefunden zu haben. J.'s Geschäft ist den sünsten Theil de» Geschäftsjahre« geschlossen, annonciert nie, und ist da« einzige Detailgeschäst ohne Schaufenster, sein stete» Wachsen muß also auf Zuverlässigkeit, Reellität und Billigkeit beruhen. Hingegen war es H., der amerikanischc Reklame in Berlin begonnen und noch sortsetzt. J.'s dekannte Wohllhätigkeit wirkte »in Stillen, was H. für die Allgeniei-cheü gethan, wollen selbst Stöcker u״d Böckel nicht loben. J.'s Erben haben 7, Million zu humanen Zwecken verwendet, was haben H.'» Erben gethan'? Berlin. Dem langjährigen Director des Vereins junger Kausteute von Berlin, Herrn Oscar Goldschmidt vom Hause N. Israel, ist in Anbetracht seiner Verdienste um besagten Verein der Kronen-Ordeu 4. Klasse verliehen worden. Koblenz, 28. Mai. Wegen Beleidigung der jüdische» Gemeiude in Mayen hatte sich gestern der Verleger des ״Koblenzer Bolkssteundes", Anton Simonis, zu verantworten. In seinem Berlage war vor einiger Zeit eine Schrift erschienen, betitelt ״da» auSerwählte Volk in Mayen". Durch diese fühlte sich die Synagogeu-Gemeindc in Mayen beleidigt und stellte Strafantrag. Das Ur!heil lautete auf 150 Mark Geldstrafe. Einbeck, 28. Mai. (Or. Eor.) Es wird jetzt oft und mit Rech' über die Fortschritte der Orthodoxie geklagt. Jedoch kifft diese Klage nicht überall zu, auch der religiöse Freisinn gewinnt an Ausbreitung. So ist vor kurze!» in unstrer zum Landradbinatsbezirk Hit des heim (Dr. Lewinsky) gehörenden Gemeinde an Stelle des alten Gebetbuches dader großen Berliner Gemeinde eingesührt worden, in welchem bekanntlich alle Stellen über die Opfer, über die Engel, sowie alle Gedele um Rückkehr nach Palästina ausgemerzt sind. Am ecsreulichsten aber ist es, daß die Einigkeit der Gemeinde dadurch in keiner Weise gestört worden ist. Ansbach. 24. Mai. Der Kampf um die hiesige Rabbinerstellr war ein sehr heftiger. Man gab sich der Hoffnung hin. daß der Rabbiner Dr. Lewq in Birkenfeld mit großen Ma!orität gewählt werden würde, weil seine Probeprcdigt gefiel und er der gemäßigten Richtung ongehört. Aber da nnschte sich «in orthodoxes Blatl in den häuslichen Kampf, agitirte in unschöner Weise für den orthodoxen Hildesheimianer Dr. Kohn. alarmittedurch große Inserate die Landgemeinden, und so kaa, es, daß dieser einige Stimmen über die 140 für Lewy abgegebenen erhielt. UI«. 30. Mai. (Or.-Eorr.) Hier ist gestern ei» Schächter Jakob Bernheim wegen Verdachtes, den Mord in der Fischergaffe begangen zu haben, verhaftet. (Wenn sich nur daraus nicht wieder eine Lantener Seefchlange entwickelt i die Antisemitendlätter lechzen danach^ Varls. Der hiesige israelitische Wohlthätigkeitsverein veranstaltel alljjhrlich eine Lotterie zum Besten der Arme». Ueber 75000 Loos« ä 1 Franc sind verkauft worden. Di« 3800 Gewinngegenstände, meistens Geschenke, sind öffentlich in eine», Theater ausgestellt. Unter den Geschenken prangt in erster Reihe das des Präsiden:«!! der Republik, dain einer kostdere» Base von Sövresporzellan besteht. Ao«. Der Gras Cahen, da« Oberhaupt der Familie Lahe» d'Anoers, Marquis von Dorre Alfina, ist plötzlich hier gestorben. Der König von Italien hatte ihn zuerst m de» Graseiistand erhoben und dann »hm da« Marquisat von Torre Alfina üderkagen. Er ist wohl der enizige Marquis jüdisch.» Religion. Sein großes Vermögen fällt seinen beiden Söhnen zu, von denen der älteste der italienischen Gesandtschaft ü> Pariangehört, der jüngere in der Armee dient. VeterSburg. 9. März. Zu den Beschlüsse!» der kürzlich hier tagenden russische» Rabbnierversammlu,^ ist zu metden, daß die Versammlung vorschlägt, daß «ine Ehe nicht ohne Wettereals geschieden zu betrachten ist. wenn der Mann sich tauft» läßt und die Frau Jüdin bleibt. Staat und Kirche müßten Gefttze er« laffeii, wonach ein solcher Mann gezwungen ist, der Frau den Scheidedrief (0«t) zu geben. Das Gleiche soll geschehen, wenn der Mann verbannt wird. Wem» rin Mann der Schwägerin nicht OuiUuüi geben will, um sie zu chicaniren, daß sie sich nicht wieder verheirate», könne, so soll dieser Manu staatlich gezäunten werden, dieft Frau so lange zu ernähren, bi« er chr Chaliub giebt. Ferner beschloß dir Versammlung, daß Mädchen unter 18 Jahren ohne Erlanbmß der Eiter,» nicht heiraten dürfen. , 7 .י**?; -

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