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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-01 · 22 (1.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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erbitte». Rechttnnwall Zülzer-Ratibor begründet diesen Antrag. Er weift darauf hin^ daß nach unseren neuen Steuergesehen keine Gemeinde in der Lage sei, schon im l. Quartal auf Grund deS nnttn Etatdie Steuern zu erheben, Das Provisorium zeitige ׳ungesetzliche und praktisch bedenkliche Beihältnisse. Deren Abstellung strebe der Antrag der Gemeinde Rntibvr a». Bei voller Würdigung dieser nanihast gemachten Abnonuitäten lrhut^die^Versammlung den Antrag ab, unter ausdrücklicher Btztonntig, daß in dieser Hinsicht bei den Synagogcngemeinben die Verhältnisse doch nicht anders und chwierigrr liegen, als bei den Communcn. Die Communen finden aber einen!»«cki,» vivernli Warum sollten die Gemrindrn schwerfälliger sein? Praktisch würde bei dieser Sachläge keine Aenderang zu erzielen sein und inoralich würde es nach oben hi» keinen günstigen Eindruck machen, wenn gerade die Snnagogengemrmdm eitte Abweichung von der gesetzlich fixirten Norm beantragten. Zur Berathung gelangt ein Antrag de§ Rabbiners Dr. Deutsch-Sohra» Ö.-S.^ die Gemeinde-Vorstände zu ersuchen, ihren Schächtern das ntuellc Schlachten im Austrage eines auswärtigen Fleischers auch innerhalb ihres Bezirkes zu untersagen, wenn der auswärtige Fleischer knnc Legitimation, seitens deS Vorstandes seiner Gemeinde auftveisen kann. Der' AntragsteNrt geht davon aus. daß Maßnahnien des Vor-! standes gegen unznverlässsge Fleischer auch möglichst geschützt werde» müßten. Es könne der Fall cintrcten. und es sei... auch thatsächlich schon ivirderholt vorgekommen, daß ein Fleischer vom Vorstande seiner Gemeinde gemaßregelt werde. Ter Schächter werde ihn, entzogen. Der Fleischer mache aber diese Maßregel unwirksam. Er begebe sich in eine Nachbargemeinde, lasse dott in seinem Austtage nach Belieben unge-' nirt schlachten, bringe das Fleisch in seine Stammgemeinde und verkaufe rS dott. Er schädige damit den FiSkuS seiner Gemeinde, verhindere die rituelle Beaufsichtigung de- Fleisches und stifte nach mancher Richtung hin Unheil. Die Vertreter aus Beuthen zweifeln in großen Schlachthöfen die praktische Durchführbarkett dieses Antrages an... Rechtsanwalt Berger- SönigShütte tritt für den Ankag ein, dessen praktische Berechtigung und principiellr Wichtigkest er aus Grund der Er-' fahrungen seiner Gemeinde voll anerkennt. SanitätSrath Dr. Löbinger-Sattowitz hält bei gutem, opfrrfteudigem Willen auch in großen Schlachthöfen den. Antrag für durchführbar. Die Versammlung acreptitt schließlich mit großer Majoität den ״Antrag Deutsch. RechtSanwalt Berger-Sönjg-Hütte und AmtSgettchtsrath Glogauer-Tarnowierstatten Bericht Über die vom Verbande unterstützten Religionsschulen zu Ruda und Tworog. In Ruda wurden im vorigen Jahre 10, in diesem 8 Zöglinge unterrichtet, in Tworog S Sinder. Der Unterricht erstreckte sich auf Hebräisch, biblische Geschichte und Religion. Die Ergebnisse dn Prüfung in den ReligionSfächern befriedigten die Berichterstatter. Die Scholen stehen unter Aufsicht der SreiSschul-Juspektoren. Der Unterricht wird in Tworog als obligatorisch anerkannt. Die zuständigen Rabbiner wohnten der Prüfung nicht bei. — Damit war die umfangreiche Tagesordnung..gegen 2 Uhr Nachmittags erschöpft. Einen großen Theil der Versammlung hielt ein gemeinsames Essen noch einige Stunden länger in den Räumen des ,Deutschen Haüss»" vereinigt. ao. Hannover, 27. Mai. (Or.-Corr.) Seine Provinz wird von den Antisemiten eifriger bearbeitet als Hannover, aber auch in keintr andern finden sie einen so zähen organisietten Widerstand. . Nachdem sie gesehen hatten., daß sie keine Rersammlupg abhalteu durften, ohne daß ihnen ihre Lügen von Gegemednmt sogort widerlegt wmden, griffen sie in ihrer Feig» ,heit zu den Mitteln, welche man eben, um von Antisemiten erwarten lau»: Verkürzung der Redezeit. WortenttiehuvH, gänztichem AySschluß. Hiervon sind besonders die beide» gefilich^ testen Grgnst, dir Herrn-Weigt. Utjd Schöler aus Hannover, ' " H Wn qrrtzt.-ahet. jetzt zn dem risttigep^ . Mittel: Gcgenversammlung mit freiem Eintritt mid voller Redefreiheit. Eine solche Versammlung hat vvr kurzen in Goslar und gestern io Nörten stottgefunden. Obgleich die Antisemiten also volle Freiheit hatten, konnten sie nur!einen Vertreter in die Arena entsenden; einen Studenten der Medizin im 16. Semester, der noch sein Physikum zu machen hat. Gegen dir Antisemiten sprachen außer de» Herrn Weigt. und Schöler noch die Herrn Rabbiner Dr. Jacob, Recht-- anwalt Steinberq und Trilse aus Göttingen sowie ein Welst an- Nötten. Die Antisemiten erleben an unserer Provinz wenig Freude. SümgSberg i. Pr.. 27. Mai. Gestern fand unter üblichen Formalitäten — Lhorgesang, Weihrede, Bettesung der Urkunde — die Grundsteinlegung zur neuen Synagoge statt. Bei dem an den Weiheatt sich schließenden Festmahle brachte der l. Vorsteher, Prof. Dr. Samuel, den Saisertoast aus, aus dem wir das Wesentlichste in seinem Wottlallte hier folgen lassen: ״M. H.! Bei Einweihung der Refvrmativnskirche zu Wittenberg im Jahre I8VS sprach Se. Majestät der Kaiser und König das Wott: ״Es giebt in Glaubenssachen keinen Zwang. Hier!entscheidet nur die frei« Ueberzeugung des Herzens, nnd die Erk»»nMiß, daß sie allein entscheide, ist die gesegnete Frucht der Reformation.^ — M, H.! Mit keinem geeigneteren Watte können wir am heutigen Tage zur Feier der Grundsteinlegung der Synagvge den Toast aus Se. Majestät einleiten, als mit diesem allerhöchsten Ausspruch. Denn nur in GlaübenSsachea unterscheiden wir uns von unfern Mitbürgern. Deutsche von Geburt, kennen wir keine andere Heimath als Deutschland, deutsch ist unsere Bitdüng, deutsch unsere Gesinnung. Gleich allen anderen Staatsdüchcrn erfüllen wir dir Pflichten aller Deutschen und hoben den Anspruch, in unseren Rechten nicht gestött zu werdrn. Und welches Recht wäre noch sicher, wenn das erste aller Menschenrechte, die Glaubens- und Gewissenssceiheit, angetastrt würde! Darum sind wir ruhiger Zuversicht, und in solcher Zuversicht legten wtr den Grundstein zur Synagoge auch in dieser Zeit. Ein Wahrzeichen des Bettruuens ist der Reubon des Tempels, daß mitten in dem jHerensabbach, dr» die bösen Genien unseres Jahrhundetts, Klaffe«- haß. Raffenhaß. Maffenhaß noch zu Ende desselben aufführeu, das deutsche Voll seine Natur nicht verleugnen wird; das deutsche Volk bleibt ein Kulturvolk. der Kaiser und die deutschen Fürsten regieren ein Knlturreich. Alle Welt weiß es. fest fast zwei Jahrtausenden waren unser« Vorfahre» nicht mehr die Schmiede ihres Geschicks. Sir schiniedeteu nicht, sie wurden geschmiedet, sie waren nicht Hammer, sie waren Ambos. . . .. Die Synagoge sei eine Schule der Gewissenhastigkeit. der Gewissenhaftigkeit gegen. Fürst uitd Volk, gegen Ehttst und Jude. Wie der Neubau unsere« Tempel« geplant ist, daß die Sonnenstrahlen tief in das Innerste fluthen. so mag auch da» Licht der Oesientlichkeit tief in unsere ölte׳ Religion cindrinaen. Als der gllern durch alle Zeiten allgemein anettanutc Kern wich gesunde» werden: der Glaube an einen Gott, als den Urquell alles Seins »nd die alttestamentarische Borschrist: ,Liebe Deinen NÜehsten, liebe den Freiadling wie Dich selbst." Und noch ein« sernere Hoffnung wird gefunden ioerden. die wie eine Ironie mif das lit. Jahrhundert klingt, die Hoffnung, .daß alle Mensche» eine» Bund mache» mögen. Gottes Willen aus Erden zu erfüllen mit aufrichtigem Herzen,- doch de» kennen wir uns zu dieser Hoffnung im Gebet an Neujahr und Bersöhnungstage. Dafind nnsere Gesinnungen, dafind di« Gefinnungen de« deutschen Judenthums. Indem wir dem Kaiser huldigen, huldigen wir ihm nicht bloß als dem angestammten Fürsten aus dem Hause der Hohenzollern, nicht bloß als dem Sohn seines Vaters, dem Enkel de» rrihmgekrönten Wiederherstelletder deutschen Ke.ffkttrvne, sondern wir feiern in ihm den weitschaucnden Monarchen, der da- Wott gesprochen: In Glaubensachen giebt e« keinen Zwang, hier entscheidet allein dir׳ freie Irberzeugung des Herzeus. Jubelnd rufen wir ans: Se. Maestät, der Kaiser und König, uuser aller gnädiger Herr, leb« hach, wch. hoch!" Stuttgart. 27. Mar (Or.-Lorr.) In der Sitzung vom LS. d. M. hat die Kammer der Abgeordneten beschlossen» in Abänderung d«S Att. S des Gesetze» vom 23- Januar 1874 den. israelttffchen. VollSschullehrern bei der Pensiomrung die früher in, aiMchließlichem BorsLllKnMettgumSl«hrer»)A»»te fit definitiver »nftelloug ohne fr■־! vflrtrKfc, «aifrVi T1־l~Ti'f i', - sÜlMÄL.-

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