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Israelitische Wochenschrift · 1894-06-01 · 22 (1.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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woselbst er zugleich der erste «iffenschaftliche Leiter der jüdisch theologische» LeyranftaÜnn Geiste de» Kredlaoer Seminar» «ae Er war, unstreitig der spracklich gelehrteste Rabbiner in Amerika. Sei« zu früher Tod — er war erst 52 Jahre alt — ist ein großer Verlust für di« jüdische Msienschast; fein Andenken wird wimerdar gesegnet sein! —d. Bern». 27. Mai. (Or.-Corr.) Seit Beginn des Jahres 1893 besteht in unserer. Gemeinde eine Tommission zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene jüdischen Glaubens. Dieser Commission liegt es, wie schon der Name sagt, ob, denjenigen Glaubensgenossen, welche nom Wege der Tugend abgewichen, wie es Menschen und vor allen Dingen jüdische Pflicht ist, die Hand zu reichen, sobald sie chre Freiheit wieoer erlangt haben, um .ihnen so zur Begründung einer neuen ^istenz zu verhelfen. Dies geschieht in erster Reihe durch Bckchaffung geeigneter Beschäftigung. Während die Commission bisher nur aus Gemeindemittel» subventionitt worden ist, ist sie laut Beschluß der- Repräsentanten, welche sich in ihrer vorwöchmtlichm Sitzung mit dieser Angelegenheit beschäftigten, in eine ständige Verwaltungs - Commission der Gemeinde umgewandelt worden und soll nunmehr in das Programm auch die Fürsorge für die Angehörigen der Jnhaftirten — gewiß eine sehr edle Aufgabe — ausgenommen werden. Die offizielle Benennung der Com- Mission soll unter Betonung des letzteren Zweckes noch destimmt werden. Möge die Institution, gleichgültig unter welchem Namen, die Ziele, welche fie sich gesteckt, erreichen, also zur Ehre des Judeuthums und zum Nutzen jener Unglücklichen, für die sie ins Leben gerufen, segensreich werden. Berti«. Bom Antisemitismus in den Studenten- Corp» weiß die ״Wests. Bolls-Ztg" eine merkwürdige Geschichte zü berichten: Ein ״in hoher Staatsstellung" befindlicher Herr in Münster sandte seinen Sohn zur Universität Bonn, mit der Erlaubniß, dort in eins der ״ersten Corps" eintreten zu dürfen. Der junge Mann wurde aber obgewiesen, weil — sein Groß- Vater Jude gewesen wäre. Der ״in hoher Staatsstellung" befindliche Herr scheint nun deS Glaubenzu sein, daß seine» Sprößllngs Studium nicht von dem wünschenswerten Erfolg« begleitet sem würde, wenn er nicht an den Eorpssimpeleieu teilnähme, und so schickte er ihn nach Marburg zum Eintritt in da- CorpS, dem er selbst al« alter Herr noch angehört. Aber auch da wurde der junge Mann abgewiesen, weil sein Großvater nun einmal so leichtsinnig gewesen war, als Jude ans die Welt zu kommen. Interessant aber ist. daß der Sohn diese- Juden demielbeg Corps angehört, das den Enkel abweist. Gletvist. den 25. Mai. (Or.-Cor) Am 20. Mai hielt der oberschlefische Gemeindeverband im ״Deutschen Hause" hier seine Generalversammlung bei Anwesenheit von etwa 30 Personen ab. Von den 25 Bundesgemeinden warm durch Delegierte und Gäste vertretm die Gemeindm: Beuthen O.-S., Gleiwitz, Aattowitz, Königshütte, Pleß, Ratsbor, Rybnik, Tarnowih und Zabrze. Auch die Rabbiner der Gemeindm Beuthm O.-S., Gleiwitz. Kattowitz. Pleß, Ratibor und Sohrau O.-S. hattm sich rechtzeitig eingefundm. Der Borfitzmd« eröflnete um 11 Uhr Bormittags die Sitzung. Herr Sanitätsrat Dr. Freund-Gleiwitz begrüßte die Versammelten und erstattete in tingehmdster Weise Bericht über die Thätigkeit des BerbandSausschusses im Jahre 1893. Die schaffensfreudigm Mitglieder dieses Ausschusses dürfen auf ein an Arbeitm, aber auch au׳ ein an günstigm Erfolg« sehr reiches Jahr zurückblicken. ES sei hier nur an dm Bau, die Fertigstellung und die Einweihuug des WaismhauseS erinnert. Diese Vorgänge find in dm Spaltm dieses Mattes z. Z. gewürdigt wordm, daß wir keine Veranlassung haben, darauf. hmte nochmals näher einzugrhm. Dm Waisenkindern öffnete das Waismhaus an l. Januar 1894 seine Pforten Für das erste Jahr war die Aufnahme von 10 Waismkindern geplant. Nach wmigm Wochen wurde die Zahl der verwaisen Zögliuge ans 15 erhöht. Gegenwärtig, also, im 5. Monate - seu dem Beginne der Eröffnung, find bereit» 21 Waisenkinder. «ttergebrucht. Der Wunsch, Waisenkinder der Anstalt zu übergebm, macht sich in.lebhafter und . stetig sich fteigemder Weise geltmd. Da» DaisenhanS hat in der kurze». Zeit/ seines Bestehens bereits eine» Beamtmwechsel Ker sich ergehen lassen müssen. Der Waismvater Dr. Götz legte am'l. Mai sein Amt nieder. Sein Nachfolger wurde Lehrex, Kotz aüS Rätibor. 1 י;; Eine Errungenschaft von eminmt hoher, moralischer und praktischer Bedeutung hat der oberschlefische Gemeindebnnd zu seiner großm Freude und Genugthnung zu reqistckrm. Durch Allerhöchste Kabincks-Orhck vom l3. Januar 1894 find dem- Synagogen gemeinde-Verbcmde des Regiemngsbezick- Oppeln die Rechte einer juristischm Person -verliehen wprdm. Die Tragweite dieser Verleihung für dm Verband leuchtet ein. Jetzt erst wird er selbständig ' seine Kräfte regm und mtfqltm könnm. Den Behördm und Gerichten gegenüber steht er auf eigmm Füßm. Zunächst wird er nicht nur de facto, sondern auch de jo re in dm Besitz seines Waismhyuses zu Rybnik' trerm, Rechtsgeschäfte und Verbindlschkeitm eiygrhm könnm, ohne sich unter dm Schutz oder, dir Bevormundung anderer Eorporationen oder. Personen stellen zu müsfm. Dje ^mntnißnähme dieser bedeutsamen Thatjache versetzte die Versammelten mit Recht in eine unverkennbar gehobene Stinnnnng,׳ allein dem Weine der Begeisterung sollte auch das Waffer der Ernüchtemng nicht fehlen. Das zeigte sich bei dm Posttjvnm der Tagesordnung, bei denen mit und ans Geld zu rechnen ist. Beim Etat des WaismhauseS mußte darauf hsngmnesey. werdm, daß selbst im 1. Jahre von . 25 Buydesqrmeindm nur 15 zu (oft sehr bescheidmm) Leistungm ans Gemeinde-. Mitteln sich verstanden Die Verpflichtungen sind dabei, ganz beträchtlich. Für jedes Waismkind muß jährlich der Betrag von 375 Marl aufgebracht werdm, wovon der Waismvater für Verpflegung je eines Kinde- 300 Mark jährlich erhält Dar Geld fehlt jetzt schon'an allm Ecken und Enden. Die .verschiedmstm Vorschläge, Geldquellen in ergiebiger Weise für. das Waismhaus aussindig zu machen, durchschwirrten die Luft —. Die Zukunft wird zeigen' müssm, mit welchem Er», folge man die finanzieflm Schwierigkeitm zu überwindm weiß. Der Etatanschlag d«S BtrbandSauSfchusseS wurde um. 500 Mack pro 1894 erhöht. Jßt falattcttt nunmehr in Einnähme und Ausgabe mit 8800 Mack.,. Kaum erfreulicher ge, stattete sich da» Bild bei der Etatbcrathnng des Gemeinde- Verbandes. Hier handelt eS sich allepthqlben um relativ be-׳ schckdme BeitragSqnoten der einzelnm Bundesgemeindm nutz doch hött selbst bei dieser Geldsache — nach einem bckauntm, geflügeltm Wocke — die Gemächlichkeit auf. ES fiel alles. Ernstes der wmig urbane Vorschlag, von dm säumigen Ge meindm den Beittag durch Postmandat zu «heben. . Auch! sollte ihnm die Ausstoßung aus dem Verbände angedroht werden. Wollte man dieser Drohung praktische Folgen gebe», so wären die Tage und Stunden des oberschlesische» Gemeinde, bundes gezählt. Trotz dieser materiellen Schwierigkeiten wurde ibCT Etat um 100 Mack erhöht und er balancick nun in Einnähme und Ausgabe mit 100Ü Rack. Di« Erhöhang der,, Position gilt —. was wir sehr gem hervorhebm -7der״' Förderung des Religionsunterrichtes in Dockgemeinde». Bä" «dicker Gelegenheit lamm ans Anregana des oberschlckWe» ,׳ Rabbinerverbandrs die trostlos traurigen, schick uuglaublcwm- ReliqionSschulverhältnisse dn obcckchlcsischm Gemeinde Woischnik zur Sprache. Dock sollm L3״ schulpflichtige Mische Kinder,- nahezu die ganze jüdische Gchuljugmd, ohne-Spar ckneS ReligionsnnterckchttS aufwachsm. Der VerbandanSschuß chat, was er dieser frivolen Pflichtverletzung gegmüber thuii« mußte. Er fläcke dm Herm RegieruugS-Präfideräm zuOppekn über.. . - die unverantwocklichm Mißstünde zu Woischnik l'anf. An . Stelle de» vecktorbmm Dr. Btieger^Costk«wurde alS-10. Mitglied in dm Vrrbandausschuß Herr Mühlmbesitzä Joseph Stern-KömgShütte gewählt. :"וי i Ei» Anttag der Gemeinde Ratibor geht dahin, beim" Herm Regiemngs-Präfidmtm die Verlegung d«S Rechnung-, sah«- für die Gemeindm vom X. AprS auf dm׳ts I - 1 V«:־ .^lircM i

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