Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 22 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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im jüdischen Schriftthume hoch geschätzt. Darum verlange dasselbe vor den Lehrer die gleiche Ehrfurcht wie vor Gatt. Der Geist de» Fortschrittes sei auch an dem jüdischen Lehrer nicht spurlos vorüber gegangen. Jüdische BolkSlehrer mit weltlicher Bildung kannte man vor 50 Jahren kaum. Das sei Gottzeidank anders geworden. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Lehrer sich der Saat einst steuen möge», die sie ouSstteuen. Hierauf überbrachte Herr Rabbiner Dr. Samuel-Essen Grüße des leider abwesenden ersten Vorsitzenden Blumenfeld.*) Der Ehrenpräses, Herr Blumruau-Hameln, drückte in einem herzlichen Schreiben au den Tollegen Herrn Goldstein- Grevenbroich seine Gefühle in den Worten aus, daß sein Denken, Wünschen und Hoffen der Versammlung gelte. Zum ersten Punkte der Tagesordnung, den JahreSbericht der UnrerstützungSkasse bettefstnd, teilte der Vorsitzende mit, daß daS Jahr 1893 für die Lasse, daS LieblingSkind des Verein-, besser gewesen als das vorhergehende, da daS Vermögen des Vereins am 1. Januar 1894 den Betrag von 78320^2 Mark erreicht habe. Vom 1. Januar 1894 sind an Mitgliedcrbeiträgen 390 Mark, au Zinsen 443.69, au freien Gaben 1330,62 Mark, im Ganzen 2164,38 Mark eingegangen. Hoch erfreulich war die Mittheilung, daß Frau Dr. Weigert.Berlin auch in diesem Jahre zum Andenken an ihre selige Mutter in hochherziger Weise den Betrog von Mark 200 zur sofortigen Verteilung an bedürftige Lehrer- Witwen und Waisen gesandt, wofür die Versammlung durch Erhebe» von ihren Slßen ihre» Dank zu erkennen gab. - College Graf-Essen richtet einen warmen Appell au alle Mitglieder der Tasse, für diese nach besten Kräften thätig zu sein, da die Anforderungen an ven Verein immer größer würden. Kaufmann-Gelsenkircheu teilte mit, daß ein Freund und Gönner des Verein», Herr Klest ad t in Gelsenkircheu, bereit sei, alle Drucksachen des Vereins kostenfrei zu liefern, wofür die Mitglieder ihren Dank auSsprachen. Es sollen Sauunelbogen für die Kasse an alle Lehrer gesandt werden und bitten wir hiermit nochmals alle Collegen, dieselben recht fleißig zu Gunsten unserer Sasse zu benutzen. — Der zweite Punkt der Tagesordnung — Ersatzwahl für die ausscheidenden Vorstands-Mitglieder und deren Stell- Vertreter — war schnell erledigt, da die Herren Blumenfeld. Essen, Steinweg-Rheda, Goldberg.Steele, Kaufmann- Ahlen durch Acrlamaüon wieder gewählt wurden. Nunmehr etteiltt der Vorsitzende dem Collegen Brisch- Mülheim a. Rhein das Wott zu seinem Borttage: ״Die rechtlich« Stellung des jüdischen Lehrers innerhalb seiner Gemeinde.' vei gespanntester Ausmerksamk»!« der Versammelte» schilderte Redner in klarer und erschöpfender Wei'e die trostlose und traurige Loge der an nicht-öffentlichen Schulen wirtenden Religion«» und Elemeatarlehrrr. Dieselben seien bei uuau«tümmliche»1 Sehalte ganz in die Hand der Vorsteher und der Repräsentanten gegeben, welch« ihr» Allgewalt und Herrschsucht gar oft zu« Schaden von Gemeinde, Schule und Lehrer beniidten. Unter diesen Umständen könne »och der beste Lehrer keine Verustsrrube empfinden. Redner schloß s««» interessanten Bortrag mit den Worten: »Soll e« bester werden sowohl für die Gemeinde, al« anch für di» Lehrer, so ist vor allem nothweudia, — daß der jüdische Religiontlehrer und der Lehrer der Brivatschule nach einem Provisorium von 8 Jahren lebenslänglich an• gestellt, daß ihm «in den Verhältnissen entsprechende« Sehalt gegeben werde, welche« ihm »in sorgenfreie« Leben ermöglich, und daß sein« und der Heiligen Zukunft thunlichst gesichert {«. Der allseitig gespendete anhaltrud« Beifall zeigte, wie sehr Redner aus dem Herzen aller Tollegru gesprochen hatte. Etuftimmig wurde der Wunsch ausgesprochen, den gediegenen Borttag durch den Druck der Oesfentlichkeit zu übergeben, au» welchei» Gruude auch von einer weiteren Debatte abgesehen wllrd«. Herr Spier-Bocholt, welcher rinen Bericht über die Thätigkeit der im vorigen Jahre gewählten Lommissio», die!.; *):Einige tm Erscheine» verhinderte rolle»» entschuldigten ihr schriftlich; von «der« Lest» Begräßu»g«»elegr»»»e «in. OeffentlichkeitSerklärung der südtsche» Schulen betreffend er. statten sollte, konntt nur mittheilen. daß diese Emmnissio» praktische Erfolge nicht zn erreichen vermochte. Dahingehend referirtt derselbe in eingehender Weise über den Nutze» und Bottheil den die öffentlich« jüdische Volksschule nicht allein dem Lehrer, sondern mehr noch der Gemeinde bringe. In dem ebenfalls beifällig aufgmommmm Vortrag, der als Er» gänzung devorborgegangenen erschien, zeigte der Redner unter anderem dm Weg, welcher bei Errichtung einer eigmm jüdischm Volksschule einzuschlagen sei. Derselbe wäre folgender: Der Vorstand der Synagogmgemeindr beanttagt AoSschulung der jüdischm Schüler aus dm kommunalm Schulanstaltm. Die Königliche Regierung nimmt die Erklärungen der verschiedmm Jnteressentm entgegen und ist bei allseitigem Einverständnis befugt, die gewünschte Einrichtung zu treffen. Im Falle obwaltender Differenzen mtscheidtt der Minister der geistlichen Angelegenheiten, Die Aufbringung der Kosten für eine auf solche Weise errichtete Privatschule ist Sache der Synaaogmgcmeinde. Folgende Leitsätze fanden, mit eintiir von Herrn Rabbiner Dr. Horowitz-Crefeld vorgeschlagmm Zusatze, einstimmig Annahme: I. Die bestehenden jüdischen BolkSschulm sind zu flrhaltm, und da, wo solche nicht bestehm, ist für Errichtung derselben zu wirken II. Es ist daraus Hinzuwitten, daß diesen jüdischm Volksschulm nach Möglichkeit der Charakter der öffentlichen Schnlen verliehen werde. III. Jeder einzelne jüdische Lehrer hat dahin zu wrttrn, daß seine Volksschule zu einer öffmtlichm erhoben werbe. Dieses Ziel kann erreicht werden durch fortgesetzte Belehnmgen der Gemeiudemitglieder über den Nutzen einer öffmtlichm Schule für Erziehung und Unterricht, für Geme׳r.de und Lehrer. Di« geil war inbrsien vorge,'(dritten, ״nd «4 k»»u«e aa diesem Tage nur noch der nächstjährige Lonsrrenzort beftimn» wrrben. Ll« solcher wirb Hamm in Bvrschlag gebracht und allseitig aceevtirt. Rur kurze Zeit war den Collegen vergönn», »ach angestrengter Arbeit frische Luft zu lchöpsen, da sie fi »> bereit« irm 8 Uhr ,in da« Hotel Kaufmann bchaben, wobin bas Festromitn die Evnferenzbesnchee, in liebenswLrbiger Weis« zu einem Abendbrot» ein geladen hatte. Vei einem vortrefflichen Mahle, welche« sich nach den Vorschriften de« von Herrn Dr. Frank für diesen Zwei! besonder« verfaßte» ״Echvichan-Srnch» abwickelte, erfreuten zahlreich« Toast« heiteren und »rasten Inhalte« di« Festtheilnehmer Der erste von Herrn Dr. Fraal »»«gebracht» Trink- Iprnch galt dem erhabenen Herttcher, unsenn geliebten Kaiser.. Rich» unrrwähnt bleibe der von Herrn I. de Jonge aurgebrachre Toast auf den von den Sefchäften zurffckrretenbeil Leiter de« D -J. S. V:, Herrn Dr. Kristeller-Bertin. Di« von den Heere» Moset und Löwer.thal eigen« für diese« Fest gespe,.beten Lieder, sowie ein von College Frank- Reuß vorgetragrne« hebräische» Lieb erhöhten die fröhliche Stimmung der Säfte. fEchlnß sokgr) Kkrichtk unö Oorrsponökkijen. Magdeburg. 28. Mai. (Knb'rlstlegramm) Heust ver. schied Dr. Alexander Kohul Rabbiner und Prediger der Ahawath-Thrssrd-Gemrinde in New Mott »ach langem schweren Leiden Kohut war einer der Sltesten und beaabiesten Schüler dr« Bre«laaer Stabinersemlnar», er hatte sich bchouders den Studium de« Arabischen und Persisch«! gewidmet, und war einer der bede» tendstei» Kenner der orientalischen Sprachen. Sein monuuientale» Wett ist der »Aruch completum" in « statten Quattbäuden, an de« er nahezu ein Bicrteljahrhulidett mit großem Fleiß« gearbeitet; außer einer Menge von Einzelschritten ^iber die jüdische und pettisch׳ Engellehrr, über die persische Bibelübersetzung", u. a. veröffeuitichtr er in den Fachzeitschriften viele gelehrte Abhandlungen. er war ein treuer Mitarbeiter an unserem .Literaturblatt und Predigt-Maaazin" — zu letzterem hatte er unS noch jüngst Beiträge gesanw. di« i« laufendm Jahrgang zuui Abdruck gelange», «r war rin Prediger von hiarrißrntwr Bevcdtstnukeit. bekleidete erst da« Ober, tahbinat » Stutzlweißenbwrg uttd da« in Fünstirchrn, von wo er vor einigen Jahren eine» ehrenvollen Rust nach Rewyott folgte