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Israelitische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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. mehr haben die eigene» Parteigenosse« -de» von gewissen selten geradezu verhätschelten Gotte-lebe« ihn von sich ab« - geschüttelt. Der »Reich-Herold» de« Dr.' Böckel meldet lakonisch, daß der Redakteur Votte-leben durch Beschluß de- Parteiau-schufirau« der Reformpartri ausgeschlossen sei. Die Gründe hierfür seien so schwerwiegende, daß der Ausschluß erfolgen mußte. (Wieder Einer!) ’ F. ML«che>. 18. Mat. Unserer neulichen Mitteilung über wohlthätige letztwillige Verfügungen, welche der verstordene hiesige Vorstand der KultuSgemeindr Hermann Müller, angeordnet hat. haben wir erfreulicher Weise noch nachzutragen, daß seine Witwe Frau Jettchen Müller, um mit eigenen Augen noch zu sehen, in welcher Weise die Stiftung ihre- Manne« Segen verbreiten werde, eine der von ibm angrordnrten Stiftungen in- Leben gerufen hat. Hermann Müller hat nämlich gemeinsam mit seiner jetzigen Witwe Folgende» verfügt. »Der israelitischen KultuSgemriade München vermachen wir den Betrag von 35000 M. Wir machen der Bermächtni-nehmerin die Auflage, damit eine Stiftung mit der Bezeichnuug: ״Hermann und Jettchen Müllerische allgemeine Wohllhätigkertsstistung" zu begründen. Mährend ein Zehntel der Erträgnisse der Stiftung auf ewige Zeiten dem Kapitalsstocke zugefügt werden soll, sollen die übrigen Erträgnisse nach Abzug der Kosten der Verwaltung zur freien Verfügung der BermächtniSnehmerin stehen um damit je nach dem vorliegenden Bedürfnisse Erziehung-zwecke, gemeinnützige Zwecke innerhalb de» Judentum» ohne Rücksicht auf Ort und Land zu fördern, dcr Not und Armut zu steuern und die bürgerliche Stellung der Juden zu verbessern." Frau Jettchen Müller hat nun, wiewohl die Stiftung erst nach ihrem Ableben zu errichten gewesen wäre, schon jetzt den ganzen zu der Stiftung bestimmten Betrag der hiesigen Kulturgemeinde zur Verfügung gestellt und damit für ihre ganze Lebenszeit auf die erheblichen Rentrn de» Stiftung-kapital» verzichtet. Nur ein Mann wie Hermann Müller, der während seiner langjährigrn BorstandSthätigkeit oft die betrübende Wahrnehmung gemacht hatte, daß wegen der gebotenen Beschränkung der Verwendung der au» Umlagen aufgebrachten Gtmeindemittel auf die nothwrndigsten Zwecke ideale Zwecke vielfach nicht gefördert werden kounten, mußte zuerst auf den Gedanken der Errichtung einer derartigen Stiftung kommen, tie einem dringenden Bedürfnisse der hiesigen Gemeinde abhilft und mit Rücksicht auf die Eigenart der Stiftung-bestimmungen wohl geeignct ist, ihren Zwecken noch in den fernsten Zetten und im Laufe der Jahre stets ergiebiger zu entsprechen. UebrigenS sind auch wohlthätige» Anstalten, welche den Angehörigen aller Religionen zu Gute kommen, so der Stadtgrmeinde, der freiwilligen Armenpflege, sehr erhebliche Geldbeträge von dcr Frau Wittwr Müller schon jetzt au«, gehändigt worden. Der Wunsch, den Hermann Müller bei Begründung der Stiftung ausgesprochen haben soll, daß sein Beispiel auch Andere veranlassen möge, die ihnen zu Teil gewordenen irdischen Güter dem öffentlichen Nutzen zugänglich zu machen, wird sicherlich in Erfüllung gehen, hoffentlich in Bälde uns in unseren Tagen noch. Oesterreich-Ungar». Jk. Wie«, 21. Mai. (Or.-Corr.) In der Synagoge Eeittnstettrngasse fand am gestrigen Sonntag die feierliche Eonfirmation der Mädchen statt, die überaus gelungen war. Nach dem Ma towu, sowie dem Psalm »Gepriesen fei die Stunde", welch beide Oberkaotor Singer unter Assistenz ds» Tempelchores in vortrefflichster Weise zu Gehör brachte, .hielt Herr Ober-Rabbiner Dr. Güdemanu die Festrede, in' welcher er die hohe ethisch« und sittliche Bedeutung des׳ Judenthsm« den Eoufirmaodinne» klar» legte, auf da» weibliche-Geschlecht, welche« die eigentliche Seele de»' jüdischen vause« sein soll, venvie» und dl« Mädchen an die vier Frauen erinnerte, die heute noch ab« Muster gelten und auch al« Beispiel für immerwährend« Zeiten angeführt werden sollen.- Nach Beendigung seiner gehaltvollen Ausführungen rief er mehrere Mädchen mit Namen auf. die die Hauptfragen des Judrnthum« zu beantworten hatten, um schließlich da» GlaubenSkenntniß, welche» in dem Satze gipfelt: »Ich gelobe Dir und Deinen beseligenden Lehre» Treue und Gehorsam bi» zum letzten Hauche meine» Lebens", ablegten. Mit dem Segen»- Wunsche an die sich inzwischen in einem Halbkreis ausgestellt habenden Consirmaodinnen endete die schöne erhebende Feier. Neueste und vermischte Nachrichten. Ma--,b«r». Au» Beuthen O./S^geht un» folgende Berichtiaung der in voriger Nr. gevrachten Mittheilung zu: Der hiesige Rabbiner verständigte sich vorher mit dem Oberbüraermeister über den Empfang dr» Fürstbischofs und richtete an diesen nur wenige Worte des Dankes für das den Juden dekündete Wohlwollen, womit dir Gemeinde ganz einverstanden und erfreut war: auch die hiesige Bürgerschaft fand dies sehr angemessen. DyOloneltz, iS- Mai. trine Spaltung unter den Mitgliedern der Synagogengemeinde wird die Folge des vrojektirten Synagogrn-NeubaueS sein, da eine Anzahl der älteren Gemeinde- Mitglieder Gegner des Neubaues auf dem Wtlhelm«vlave sind und die Ausgabe für den Bauplatz mit 10,000 Mark für Brr« schwendung halten, weil der Neubau auf dem Platze hätte aus« geführt werden können, auf welchem gegenwärtig die alle Synagoge steht- Im Uebrigen aber wollen auch diejenigen Gemeinde- Mitglieder, welche seit dem Bestehen der alten Synagoge eigene Sitze in derselben erworben haben, dieselben nicht ohne Weitere« aufgeben. Veritften. den 20. Mai. Die hiesige Synagogenaemeinde will noch in diesem Sommer ein Gemeindehaus an der Synagqge errichten. Mit Genehmigung der Regierung sind vorläufig 70000 Mark zur Ausführung des Baues ausgeworfen. Daneue Ge» meindehauS wird einen großen Saal, ein Sitzungszimmer für die Gcmeindekörperschaften, eine Badeanstalt und Wohnungen für die Gemeindebeamtcn enthalten. Ar-enkfurt a. M. Dem israelitischen Hilfsverein szur Beschränkung des Wandcrbettrls) gingen seit dem 1. Oktober v- I. an haaren Geschenken über Mk. 12,000 zu, darunter Mk. 5700 von den Leopold Joachim Beer'schen Hinterbliebenen. Mk. 1000 von einem Ungenannten, je Mk. 500 aus dem Nachlaß von Frau kaffen nehmen am 12- und 13. Juni je ein Mitglied im Alter von 13—21 oder 13—25 Jahren auf Kosten der L. A. Hahn'schen. Stiftung auf. Meldungen bis zum 27. Mai. Aus Ovtffa sind auf dem italienischen Dampfer .BoSsoro' 750 jüdische Emigranten aus dem Gouvernement Taurien auf Kosten des Barons Hirsch nach Argentinien abgegangen. (Im Ganzen sind in der vorigen Woche 2173 Juden aus Sudrußlanb über Odcsia ausgewandert.) Sitomir (Rußland.) Die Gründung einer jüdischen laadwirtbschaftlichen Hochschule ist hier bevorstehend. Die Kosten der für den kommenden Monat geplanten Gründung sollen aus den von dem Nachlasse des Dr. Lesner zu diesem Zwecke bestimmteu 220 000 Rubeln bestritten werden. Auch hat die Stadt Sitomlr dem zu gründenden Institute OODesjatinLand geschenkt. Außerdem verpflichtet sich dir Gemeinde, der landwirthschaftlichen Schule jährlich einen Beitrag zu bewilligen. Newyoek, 4. Mai. Die Bestattung der Leiche des in Sa» Francisco verstorbenen Herrn Jesse Seligman hat vorgestern vom Tempel Emann-El unter großer Bethciligung der Per? wandten. Bekannten und Vertreter von 19 Gesellschaften, welche letzteren um dir besondere Vergünstigung, an der Feier t'iellznnehmen, ersucht harten, statrgefunden. Unter denjenigen, welche die Zipfel des Leichentuches hietten, befanden sich auch viele heroorraaenbe Staatsmänner beider großen politischen Parteien, wie OScar SttauS, General Porter. »• S. Hewitt. Th. Gilroy» Wanamaker. Carl Schurz, William W. PhelpS, W. EvartS, Myer S. Jsaace. John Dillon u. A- Die Leichenrede hielt Dr. Siloerman und eine weitere Ansprache Dr. Gotthell. Au» allen Theilen des Landes und auch aus Europa waren zahlreiche Beileidsbezeugungen eingettoffeu, und das jüdische Wochatblatt ״The American H«brew׳‘ hatte eine besondere Ausgabe, eine ״Je*9e SeUgnaan Memorial Number“ mit dem Porträt dcS »er starb« neu veraostaltet-

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