Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Im abgelausenen Jahre haben 6 Mädchen da« Heim verlassen, die sämmtlich ei» Unterkommen gefunden haben und zwar 3 als Aioderpflegerinne», 2 als Kindergärtnerinnen und l als Schneiderin. Dem Mangel an verfügbarem Raum, der sich in den bisherigen Localitäteu geltend gemacht hatte und dessen Folge war, daß verschiedene Meldungen ablehnend brautwartet werde« mußten, wird durch die Opferwilligkeit einiger Mitglieder und Gönner de» Bereins demnächst abgeholfen werden. Herr Carl Leipziger hat in Verbindung mit dem Barsitzenden de» Bereins Herrn Emil Sach» das villenartige Giundstück (Nr. 51 in der Gräbschenerstraße) käuflich erworben nnd den Zwecken des Heim» zur Verfügung gestellt. Hierdurch ist die angestrebte Erlangung von Corporation-- rechten in nähere Aussicht gestellt. Der Frauenverein der Lessinologe hat auch in diesem Jahre seine Fürsorge für das Heim durch größere Zu- Wendungen bethätigt, ebenso Herr Salomo» Weigert. Die junge Anstalt meist bereits die stattliche Zahl von 540 Mitglievern auf. Die Einnahmen und Ausgaben balancirea mit 11730 Mk.. der Vermögensbestand belief sich Ende Dezember 1893 auf 7 566 Mk. —. Durch den' Wohlthä-'igkeitSsinn der hiesigen Glaubrnsgenyssen wird die Anstalt in stttiger Steigerung Gutes wirken und Segen verbreiten. 6. Gleiwitz, 15. Mai. Am 13. d. M. fand hier eine Bervandsvrrsammlung der Rabbiner ObrrschlesienS statt. Der Vorsitzende Rabbiner Dr. Loh n-Kattowitz «öffnete die Versammlung mit einer Begrüßung der anwesenden Collegen. Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten und mehreren Mittheilungen bericht« derselbe üb« seine Verhandlungen mit den Borsitzend«n des allgemein, n deutschen Rabbinerv«dandes betreffend die von. dem obrrschl. Verbände zu zahlende BeitragSquote. Es wird beschlossen den jährl. Berbandsbeitrag auf 10 Mk. zu erhöhen. He« Rabbiner Dr. Loewenthal - Tarnowitz spricht hierauf in «ne« längeren Bortrage über die Aussprache der hebräischen Vokale unter eingehend« Erört«ung der aus b« Septuaginta, dem Talmud und den Ansichten der jüdischen Grammatik« des Mittelalters sich «gebenden Auhaltspunkke. An den Bottrag. schließt sich eine längere Debatte. Die B«sammlung Dotiert Herrn Dr. Loewenthal chren Dank für seine lichtvollen und belehrenden Ausführungrn. Der nächste Punkt d« Tagesordnung betraf den Belicht der in der letzten Bersammlung gewählten Commission zum Entwürfe eines Lehrplan» für den Unterricht in jüdisch« Geschrchte und Religionslehre in Secunda und Prima höher« Lehranstalten. An d« Hand des vorliegenden Entwurfes rtj«ut Dr. Goldschmid t-König-Hütte üb« die Vorschläge d« Commission, die ein« eingehenden Befprechung unterzogen wurden. Bon sämmllichen Rednern werde namentlich auch die Rothwendigkeit d« Aufnahme des Bibel lese ns in den Lehrplau betont. Ja Anbetracht d« Wichtigkeit de- Gegenstandes wird beschlossen in der ״ächsrrn Versammlung nochmal» über den Lehrplan zu vcrhandrln. Es folgt hierauf d« Antrag de- Herrn Dr. Münz- Gleumtz: »Rabbinerverband «olle auf Mittel und Wege sinnen, wie zunächst in allen Rabbio«gemeinden Ob«- schlesien» eine bestimmte, gleiche Ziele setzende S«lsorge t» Synagoge. Schule und Hau» gepflegt w«den könne» damit bei dem regen Verkehre und den zahlreichen Bezichnnge» der oberschles. Semeindeu die s«lsorg«ische Arfertt in der eine» Gemeind« die d« aad«en sbrd«e und der dadurch geschaffene starke einheitliche Geist in den Gemeinde« anregend uad befruchtend wirke.- Referent er- Sttnt eingehend Ziel und Zweck feine» Antrage«. ׳Mit Rücksicht auf die inzwischen voraeschiittene Zeit beschließt die Bersinunluag die weit«« Besprechung des Antrages, wie d« übrigen noch vorliegende» Puitkte der Tagesordnung bi» zur nächsten Bersamwluog. die in B eu th en siattfindcn soll, zu vertagen. W. Stettin, den 20. Mai. (O״.-Cor.) Der vi«zigste Jahresbericht des hiesigen ,Israelitischen Waisenhauseskann zunächst constatiren, daß durch Sllechöchsten Erlaß vom 13. November 1893 d« Anstalt die Rechte eia« juristischen Pnson vnliehen worden sind und t»aß nunmehr da» neue Statut in Kraft tritt. Der Rechenschaft»- nnd Kaffenbericht ist leider nicht so günstig, wir in den Vorjahren, die - Ansgaben überstiege» die Eiunohmei um Mt. 55,18 nnd nur dagurch, daß dem Grundspods Mk. 1300 zugckommen sind, hat sich da» Bermügen um etwas über 1200'Mk. vermehrt. Dasselbe besteht jetzt aus Mk. 137908, welches zinstragend angelegt ist. außerdem har da» Waiirnhau« " Jnventarium im Werrhe von etwa 4800 Mk. uad. freie Wohnung. In der Anstalt befinden sich jetzt 11 Knaben, für weit«e 4 Kind« wird Erziehung-- resp. Studienbeitrag gezahlt. Aus der Anstalt schieden.im Laufe des Jahre». > 2 Knaben, ein« widmet sich dem Handwerk und d« andere wird Lehr«, er erhält seine Ausbildung in der jüdischen Lehrrr-Bildungsanstalt in Berlin. Ausgenommen wurden 3 Knaben und zwar 2 aus Stettin und einer au» Stargard in Pom. Die Einnahmen betrugen ®}fc 9605 dje Ausgaben dagegen Mk. •9660. Hoffen wir. daß sich das neue Jahr günstig« gestalten wird; Waffen zu erziehen war ja immer. eine Hauptaufgabe im Judentum, möchten sich deshalb recht viel»׳ Ireunhe.und Gönn« ans . der Nähe und Ferne finden, die diesem Institute jährlich« od« einmalige Wohlchaten zuwendeo, damit es die gefleckten - Ziele immer mehr und mehr zu erreichen in der Lage sei. Bo» »er tzimhr, 19. Mai. (Or.-Corr.) Alvorläufige Notiz über die am 13. uad 14. d. MtS. zu Köln - abgehaltenen׳ Conferenz der israelitischen Lehr« Rheinlands und Westfalen-, üb« welche Ihrem Blatte ein anssührlicher Bericht für die nächsteNr-zugehen wird, theileuwir mit,daß die- - selbe sich zur größten Befriedigung all« Theilnehmer gestattete. Die Versammlung war so. stark besuch:, wie bigher noch keine'Conferenz .israelitisch« Lehre--, denn es waren über 100 derselben anwesend. Dem Hr«n Rabbiner vr. Frank gebühtt der wärmste Dank für feine Mühewaltung an d« Spitze des OttS- Comiles. welche« Biele« ' zum harmonischen Verlaufe beigetragen hat. D«selbe hatte auch «neu au« 3 Paragraphen - bestehenden, ebenso pikanten wie iut«effantea ״Sehulcdan aruch״ für das vom ComitS vrranstaltete Festeffen verfaßt, wovon eia Exemplar hi« deilugt.-) Mei»i»ge», 17. Mai. Bei den letzten Reichstag«- wählen wurde im 1. Mcining« Wahlkreis die antisemitische Hetze mit drin stärksten Nachdruck betrieben und in erster Linie stand dabei ein gewiff« Gotteslebeu, Redakteur de« antisemitischen ,Thüringer Landbotea". Auch im beuachbatten Eisenacher Wahlkreis hetzte dieser Gottesletrn in ein« Tonart, wie sie schlimmer und roh« nicht möglich ist, fand aber trotzdem di« geheime und offene Protektion von Psarr«n und and«en »Honoratioren-. Er war seiner Sache so sicher, daß « dir beiden Wahlkreise schon ״in der Taschezu haben «rklätte; eS kam trotz jen« Unterstützung and«s, allein di« Saat ist doch aufzrgangen und hat zur V«- schärfung de« Wahlkampfes dc.S Ihrige beigetragen. Ron- *) Wir müssen uns den Abi ruck, dieser den Schnlchan aruch- To» aut treffenden hebräischen Tischordnuim au« Gründen der Typ«» graph« versagen: Herr Rabb. vr. Krank ist »»« all gewandter hebe. Stylist uad Humorist an« der schtaen Zest »nserer «tadlenaen, ff«»- schaff her bekannt. — In der letzte» .Me nutz es daselbst (st. qwm> Hetze». .