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Israelitische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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167 KönigSberger,welche:einen Bortrag über: .Die Engels׳ lehre im alten Testamentzu halten sich erboten hat, erklärt, daß sein Borlrag kaum mehr al» eine halbe Stunde in Anspruch nehmen werde und schlägt vor, eine Pause nicht eintrelen zu lasten. Die Versammlung ist damit einverstaoden und zollt dem geistvolle» Redner lebhaften Beifall. Zum letzten Punkt der Tagesordnung: .,Etwaige Anträge aus der Milte der Versammlung". giebt Singer- Tarnöwitz Veranlassung, seine Verwunderung auszusprechen, daß in einer Lehrerverjammlung so wenig pädagogische Anrrgunp geboten werde. Herbst erwidert, daß das Abhalten einer Probelektion geplant und alles schon dazu vorbereitet gewesen sei, es habe nur leider am Besten gefehlt. Die Tagung könne naturgemäß nur in den Ferien stattfinden und da sei es unausführbar, eine Anzahl Schüler zusammenzubriugen. Auch Dr.Rosenthal-Rogasen wünscht, daß mehr über pädagogische Angelegenheiten verhandelt werde. Brrn h a rd-Taruowitz will keinen Antrag stellen, giebt aber zu erwägen, indem er auf das Beispiel hinweist, welches Königsberg vor einigen Monaten gegeben, ob nicht Breslau seiner Lehrerversammlung etwas zu bieten einigermaßen verpslichtet sei. Für dre nächstjährige Versammlung melden Borträge an die Herren: 1 ׳. Grüns eld-Schwrrsenz: .Wie erzieht man die Jugend zu Wahrheitsliebe?- '2. Dr. LouiS Neustadt-Breslau: ״Jüdisches Schulrecht in Preußen." 3. Dr. Ludwig Rosenth a l-Rogasen: ״Einige- Pädagogische über dar Buch Esther." Schluß der Sitzung nach 2 Uhr. ES folgt ein gemeinsames Mittagessen und später Ausflug nach Scheitnig. Der Schriftführer: Herbst. Berichte r»«d Correspoudenzen. Diutschlaud Maadelmr-, 23. Mai. Die neueste Berliner Spielart de» Antisemitismus, der ״Verband der deutsch-liberalen Antisemiten," hat gestern Abend gegen ״da« Talmud- Judenthum in Kirche, Schule und Grneralsynode" eröffnet und sich als Hauptredner Ludwig Schweinhagen verschrieben. Die konservativ-evangelisch« Richtung, so führten dieser und andere Redner aus, sei innerlich am engsten mit dem Judenthuni verknüpft. Der Jude Stahl sei der Bater der orthodoxen preußischen Landeskirche und de» jüdischen Geistes in ihr, der Proteflantenverein vom Bremer Juden Schwalb zur Höhr geleitet, der evangelische Bund auf den Juden L a s s o n gekommen, der kirchliche Einfluß der Juden D. Strauß und P. Cassel sei bekannt. Stöcker und Genossen siudirten nicht einmal den Talmud und könnten deshalb über dir eigentliche Judenfrage nicht mitsprechen. Gegen(?!) die Juden have sich Jesu» von Nazareth gewandt. Darum müsse man die Kinher vor bemalten Testament und so vor der Verjudung schützen. Wotan klinge immer noch schöner, als Johovah, An der Erörterung detheiltgten sich u. a. von Egidy in bekanntem Sinne, der orthodoxe wunderzläubige Doktor Jordan, der Atheist und Antisemit P. S t r u p p e und der praktische Antisemit B o d e ck. Während der AuSfährungen eines Christlich-Sozialen erlischt daS elektrische Licht und die Versammlung erreicht hierdurch ihr Ende. Also rin Christenthum ohne alteS Testament, ohne Bibel — nun. wir wollen sehen, was vann noch übrig bleibt! — Selbst der Köln. Ztg." fangen die Augen an auf« zugchen; sie scheibt in ihrer heut. Nr.: , ״E» handelt sich geradezu um eine politisch« Entsittlichung. unseres Volkes. Solange die Antisemiten nur gegen die Juden vorgingen, sahen manche schmuzelnd zu, aber die Antisemiten merkten bald, daß allein mft der Judenverfolgung kein Geschäft zu machen sei. Sie kamen bald dahin, ihre Angriffe gegen jeden zu richten, der noch eine ungeflickte Hose trug, und überall auf nicht» Anderes zu spekuliren, als auf die allerniedrigsten Instinkte der Masten- Und welchen Schaum oder vielmehr Abschaum «arf die antisemitische Bewegung in die Höhe! Kaum ein Tag vergeht, ohne daß irgend einer der antisemitischen Führer a!r Lump von seinen Gefinnungsgenossen gebrandmarkt oder von den Gerichten zur Bestrafung gezogen wird, und zwar nicht nur wegen sogmannter politischer Vergehen, sondern auch wegen gemeiner Verbrechen, wie Unterschlagung uberat- Und solche Leute spielen eine politische Rolle! Solche Menschen ziehen von Ort zu Ort und predigen das Evangelium des Umsturzes und der Beraubung der Besitzenden!" Magdeburg. Der katholische Pfarrer Abg. vr. Frank hat aus der Gehkimkanzlei de» Prinzregenten Luitpold folgendes Schreiben erhalten: ״Ich habe die Ehre, mitzutheilen, wie Seine Königliche Hoheit der Vrinzreaent Ihre Schrift": ..Die Schächtfrage vor der bayerischen Volksvertretung" huldvollst entgegen genommen und mich zu beauftragen geruht habe:׳. Euerer Hochwürden für die Vorlage Ihrer interessanten Ausführungen Allerhöchst Ihren ftenndlichen Dank zum Ausdruck zu bringen — Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Hochwürden ergebenster Freiherr von Zoller. Gcneralmaior und Generaladiutant." (Die in Nr. 19 d. Bl. eingehend besprochene Schrift ist bereit» in fünfter Auflage erschienen.) Berlin, 20. Mai. Der ״Cenlralveeein deutscher Staatsbürger jüd. Glauben»" hatte der Staatsanwaltschaft Anzeige davon gemacht, dcß der Restaurateur Bodeck in den Schaufenstern seine« Restaurant Carricaturen von Juden ausgestellt habe und sich dadurch eine Verletzung des § 9 des preußischen Dreßgesetzes habe zu Schulden kommen lasten. Der Gerichtshof fällte zur Zeit ein frei« sprechendes Urteil, gegen welch?« die Staatsanwaltschaft Berufung rinlrgte. Ueber Kiese Berufung wurde gestern vor der Strafkammer dcS Landgericht» I verhandelt. Auf die Frage de- Präsidenten, was der Angeklagte mit dem Aushängen der Carricaturen bezweckte, erwiderte der letztere, daß es ihm dabei erstens darum zu thun sei. sein Local als antisemitisches, als den Sammelpunkt der antisemit. Elemente Berlin» zu kennzeichnen, und zweiten», um für die von ihm als besteuerten Kunsthändler und Schriftenverlege! erworbenen Bilder Käufer zu finden. Der Angeklagte verwahrte sich dagegen, daß er aus Denunciatiouen eines Bureau'S von jüdischen Rechtsanwälten hin schon wiederholt vor die Schranken de« Gerichts gezogen wurde. Der Vorsitzende ermahnte den Angeklagten, bei der Sache zu bleiben. Dcr Staatsanwalt teilte die Auffassung des Brrire!ers der Anklage erster Instanz, daß in dem Aushängen der Carricaturen ein öffentliche« Ausstellen von Plmatcn zu erblicken sei. beantragte aber, die Verhandlung zu vertagen und zwrcks Vorlegung der auSgehängten Bilder, sowie ocs Gewerbescheine» zur Führung eines Kunstverlagrs durch Bodcck einen neuen Termin anzubrraumcn. Der Gerichtshof gab diesem Anträge Folge und vertagte die Verhandlung. BreSlau. Nach dem jüngst erschienenen zweiten Bericht üter das hiesige Israelitische Mädchenheim haben seit der Gründung (im November 1892) 28 Pfleglinge in demselben Aufnahme gefunden. Zur Zeit befinden sich 11 Mädchen im Heim und zwar 8 hiesige und & auswärtige, io daß alle verfügbaren Plätze besetzt sind. Bon diesen 11 Pfleglingen ist ein Mädchen Brrkäuserin. je eine« bildet sich als Lehrerin, Buchhalterin, Kassirerin. Stickerin und Putzmachrriu au», je zwei al» Kiaderpfleg.r'uwen und. Schneiderinnen, eines lernt die ^Wäschesabnkatia»,

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