Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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i ל WagnerS übrigenseit 15 Jahre» de» Juden gegen» über berat» bekannt׳ war, jetzt aber auch auf eine christ-?siche Eonfessiou: die russische Kirche »diese tiefste Form des Christentum-" ausgedehnt wurde — und zweiten-, daß «an da- Recht hat, über Jemanden entrüstet zu sein, der ׳ äußerer Barleile willen seine Religion wechselt »wie man ' Handschuhe wechselt"! Der Zorn der evangelisch-socialen Herren ist recht begreiflich, denn die Fälle in welcher ausländische Pnnzrssinnen zu Gunsten einedeutschen Prinzen- »der FürstenthrüochenS den evangelischen. Glauben angenommen hätten, sind nicht sehr zahlreich, während die Zahl der umgekehrten Fälle Legion sind, von dem frivolen Ersinder degeflügelten Worte- Paris vaut bien une messe an,-bi» quf die vor Kurzen stattgehabte, den europäischen Frieden fast sichernde Verlobung deS russischen Thronfolgers mit der hessischen Prinzessin. Wir haben durchaus keine Vorliebe für die russische Kirche, die bei diesen Uebertrittrn den grüßte» Vorteil gezogen hat» aber es ist schon weit »gekommen und den von allersubmisirster Devotion triesendrn Herren muß schon sehr der Kamm geschwollen sein, wenn sie es wagen, die gekrönten Häupter also zu apostrophiren, wir e» in Frankfurt unter »stürmischem Beifall" geschehen ist. " " Bei dieser Stellungnahme zu einem Religionswechsel - wirkt da- Vorhandensein der Juden-,.BekehrungS"-Missionen ' und dir Hetze gegen die Juden, die ja aus dasselbe hinausläuft, bei diesen frommen Herren geradezu verblüffend. Ist denn die religiöse Ueberzeugung von fürstlichen Personen .ein kostbareres Gut an sich, wie die eine» gewöhnlichen Menschen? Warum gebiet« ihnen ihr religiöse- Zartgefühl bei diesen nicht, dasselbe Verfahren, wie bei höheren Personen, warum werden sovieleJuden äußerer Vorteile willen zum Glauben-Wechsel gedrängt »wie man einen Handschuh tyechselt!? Tantum religio petait snadere malorum? Sie werden doch nicht behaupten wollen, daß die Inden Ungläubige seien. Vielen Mitgliedern des KroogrrsseS wäre diese Absurdität schon zuzutrauen, aber doch nicht allen; so z. B. war auch Egidy Theilnehmer am Kongreffe und dieser hat erst am 13. April d. I. gelegentlich eine- Vortrages im Germaniasaal zu Berlin wörtlich Folgendegesagt: ״Nichtist falscher als die Unterscheidung von Gläubigen und Ungläubigen, nur Andersgläubige giebt es. Auch die Atheisteu gehören zu diesen AnderSgläubigen!...." (Nebenbei bemerkt, läßt sich darüber streiten!) Aber weder er, noch Harnack und Gleichgesinnte fanden rin Wort der Entgegnung auf diesen mit der That im Widerspruche stehenden Ausbruch deselbstsüchtigen Ingrimm-. DaS kratzt sich und beißt sich untereinander, aber wenn e« gegen Andere geht, sind sie Alle einig, da steht Harnack mit Stöcker Schulter an Schulter und selbst Egidy, drffen Persönlichkeit den halben Kongreß aufwiegt, reicht Wagner im Geiste die Hand. Man hört da gläubig mit an, wie Stöcker — der Dämon de- Haffe- — zweimal über die Liebe predigt und sindet e» ganz correct — was .derselbe Herr über GedetSwunder erzählt — daß «in Manu, nachdem er gebet et,.die 10 Mark, welche er gefunden, > anstatt sie auf der Polizei abzuliefern, zur Tilgung seiner Miethschuld verwendet. Bei wieviel Mark fängt denn die Fundunterschlagung an. oder wird diese erst strafbar, wenn man nicht vorher gebetet hat? Merken denn die Herren nicht, daß sie mit solchen widerspruchslos hingenommenen Wundererzählungen den Bacillus der offiziellen, erlaubten Heuchelei züchten? Da imponirt Einem doch mehr der blutarme Arbeiter, welcher vor Kurzem in einer rheinischen Stadt 760 Mk. in Gold gefunden und sie ohne Weiteres in d׳e Expedition einer Zeitung trug, in welcher der arme Verlierer seinen Verlust veröffentlicht hat. Konnten j, ne 10 Mk. nicht auch von einem armen Menschen verloren worden sein, der nun seinerseits nicht weiß, wie er seine Mieihe bezahlen soll? #:< katholischer Geistsicher würde noch im Beichtstuhl den Finder veranlaffen, den Fund auszulicfern! Ein Jude hätte einmal eine solche Wundergeschichte auftischen mögen! Das Gezeter möchte ich nicht hören, das die Folge davon wäre über Unredlichkeit, Bereicherung aufKosten Anderer, Egoismusu.s.w. und alles dies wäre dann mit dem Prädicat »jüdisch" verbrämt worden. Die jüdische Sage, die zu demselben Ziele — Brlohnung deS frommen Glaubens — kommen will, bedient sich dazu doch wenigsten« des Propheten Eliah, als den» ex maekina, der Goldmacher. Wundeehäter und auch sonst alles Mögliche ist. jedenfalls aber seine Gaben nicht auf Kosten Anderer vrrtheilt. Ueberraschend ist auch, daß heutzutage eine Bersammlung von zum Theil hochgebildeten Männern einen günstigen Boden abgiebt für solche uncontrollirten Wundererzählungen; ein Analogon hierzu dürfte im Judeathume nur in den Hunderttausenden von uncontrollirbaren Geldern zu finden sei«, die von gläubigen Gemüthern an gewiffe Zahlstellen abgrführt werden, womit sie dann ein gutes Werk gethan zu haben glaube». Ja. ja, eS passiren auch heute noch Wunder und wohl Dem. der seine Zett auszunutzen versteht. Um auf den besagten Congreß zurückzukommen, von dem wohl Mancher seine eigenen Ideen über verschiedenes Maß und Gewicht mitgenommen haben mag. so hatte ein Dorfpfarrerlein gar nicht so unrecht, als es vorschlug, Harnack solle wegen Aergernißerregung Buße thun; diese Buße wäre für ihn und noch manch Andere sehr heilsam, damit sie in irgend einer Klausur Muße finden, darüber nachzudenken, ob große Seelen immer und Alle- »still" dulden muffen! Bericht über die am 15. Mai in B relau stattgehabte 16. Versa mm l u ng de» Verein» »jüdisch. Lehreri. Schlesien u. Posen״. Anwesend waren die Herren: Hauptlehrer Alexander-Bre-lau. Lehr« Bernhard-Tarnowip. . Lehr« Ltexandev-MiUtsch. ,. Berloioitz-Neustadt b. P. ״ Bach-Myslowih. ״ Boh-Bernstadl. Professor Dr. Badt»B«<lau ״ Bkhm-LöniaThütte- Lehrer BLHr-Leichenbach. ״ Borchardt-Samter. ״ Lchle-Lissa. » Lrock-Hirschberg t Schl. Stabb. Dr.Baxchtrgrr-Schilhberg. Dozent Dr. Brann-Bverlaa.