Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1800 Mt. ganz int Sinne deS oorhergegangenen Kontrakte», -er von der Regierung bestätigt ist." Am 31. März 1891» also wenige Tage darauf» beantragte der Kaufmann 91.4■ aU Vorsitzender, namens des KorporatipuSporstaudr» in L.» b«i der tönigl. Reiterung zu Brombera die Bestätigung der Prolongation. Diese Bestätigung wurde jedoch versagt» da sie vor Ablauf des ersten Bertragcs beantragt sei. Inzwischen war die erfolgte Prolongation verschiedenen Gemeindkmitgliederu leid geworden und man sann auf Mittel und Wege» wie man sich der einmal ringrxangenen Vcrpflichtungeu entledigen könne. Bald hatte man ein recht drastische« Mittel gefunden, das man anzuwenden sich nicht scheute und das an gewisse mittelalterliche Gepflogenheiten erinnerte. Die Repräsentanten Glasermeister M. L. und Kaufmann I. F. machten dem BorstandSmitgliede Gastwirt A. T.» den Vorschlag» da» Blatts auf dem dir Prolongation stand, einfach aus dem Protokollbuche herauszuschneiden. Bei einer darauffolgenden Sitzung der Gemrindevertieter, in welcher die drei Genannten anwesend waren, nahm L. nach Erledigung der Tagesordnung auf Beranlassung de» F. das Protokollbuch und begab" sich mit C. in ein anderes Zimmer. Hier riß er da- Blatt heraus und übergab cS dem C. Später wurde dann das Blatt, nachdem verschiedene Radirunaen vorgenommen worden waren, wieder in das Protokollbuck eingtklebt. So war beispielsweise rin W^r; hinter dem Passus ״einschließlich deS Jahres 1900" durch AuSstreichen unleserlich gemacht worden: ferner waren, um die Bestätigung der Prolongirung als wesentlichen. Punkt hinzustrllen» die Worte: ״der von der Regierung bestätigt ist", umgeändert worden in den Satz: ,der von der Regierung zu bestätigen ist. Gegen diese drei Herren war nunmebr Anklage ethoben worden und wurden sie heute wegen Unterdrückung einer Urkunde und wegen Urkundensätschung zu je 1 Monat Gefängnis, sowie zu je SO Mk. Geldstrafe verurteilt. Kra»kf«r1 «. M.» 8. Mai. Heute Vormittag wurde der am 6. Mai im Alter von 75 Jahren gestorbene emerittrte Reallehrcr Herr Adolf T e b l r e zur letzten Ruhe getragen^ . Bor dem Leichenwagen gingen dir 'Schüler des Philanthrovin; dem unter Blumen verschwindenden Sarge folgten viele Hunderte von ehemaligen Schülern, Kollegen, Mitglieder hiesiger und auswärttger Freimaurerlogen, sowie eine große Anzahl von Wagen, «n der Bahre sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. Plaut, indem er ein Lebensbild des Verstorbenen, des trefflichen Menschen und Lehrers, deS liebevollen Galten lind treuen Verwandten, entwarf. Für das Philankopin sprach Herr Dir. Dr- Bärwald, der ja» vierzigjährige Wirken des bewährten Erziehers und Väterlichen Freundes der Zöglinge schilderte. Namens des SchulrathS legte Herr Dr. Blumenthal einen Kranz aus den Sarg. Wärme Nachrufe widmeten dem Entschlafenen ferner Herr B-Reges namens des ,Eklektischen Freimaurerbunds.- in dem 'ntbltt zu den höchsten Ehren emporgestiegen war, Herr Fritz Auerbach namens der Loge ,Zur ausgehenden Morgenröthe", deren langjähriger Meister vom Stuhl der Verstorbene gewesen. Hur Dr.Mannheimer für die Loge ,Zum Frankfurter Adler", deren EhrenmitgliedT war- Bonden vielenwohlthäligenSstftungen, denen Teblse eine aufopfernde Wirksamkeit widmete, betheiligte sich eine grobe Anzahl durch Kranzspenden und Abschiedsworte. So sprach Herr mechtSanwalt Plotke für das Mädchen seift; Herr Lehrer Marx uns Alsheim für die ״Ächawä", Herr Max Rothbarth für den "rankrnunterstützungsverein, Herr Dr- Ncukkrch für die Trier'sche Lüftung. Auf dem Friedhof wurde der Leichenzug von Musil empfangen- Am Grabe legte Herr Emil Stiebel, Meister vom Stuhl du Loge ״Zur ausgehenden MorgSnrSthe", die drei Rosen auf den Sarg, und die Erde schloß sich über den sterblichen Resten eines guten Menschen. . A«r» Batzer«, 15. Mai.- In einer.kleinen bayerischeu Stadt glaubte ein Kaufmann seiner antisemitischen- ©rft: rang daduich Luft machen zu müssen', daß er im Schaufenster seines Laden» das Wort ״Jud" im Tuch auf andersfarbigem Grund auslegfe. Die Polizei schritt «ege« groben Unfugs ein und der Biedermann wurde in alle« Instanzen verurtheilt. Au» der Urtheils-Begründung kvunten die Antisemiten aller Länder viel lerne«, wem! sie das wollte« odrr könnten. Das Urtheil hebt besonders hervor, daß, selbst wenn die That de» Angeklagtennur gegen die Jude« der betreffenden Stadt sich gerichtet hätte, ohne daß dtzr nicht jüdische Bevölkerungsthnl damit getroffen war, die Merkmale de» groben Unfug« vorliegen würden, weil es sich nicht um einen individuell begrenzten. Personenkreis handeln würde, sondern wegen der nnmeßdare» Zahl und wegen de» Mangel» näherer.Beziehung zu einander als der ber Glaubensgenossen» schast ein unbegrenzter Personeukrei» getroffen wäre. Roch intereffantrr fährt ׳da» Urtheil Wetter fort, esse! ganz ohne Belang, ob die Borübergeheoden dir Darstellung de» Worte» ״Jud" als.Scherz betrachtet und belacht hätten, weil grober Unfug auch da stattfinden kann, wo er in Zolgt eines durch Gewohnheit verbildeten Urtheil» ». B. der antisemitischen Gesinnung einzelner BcvölkerüngSschichten als solcher nicht empfunden wird. ״Mangel näherer Beziehung zu einander al» der der Glaubensgemeinschaft" bei dem ״Jud" aas der einen Seite, ״durch Gewohnheit verbildetes Urtheil" bei den antisemitischen BrovlkeruugSschtchten auf der anderen Seite, und alle» da» von einem nicht verjudeteu Gerichtshof von Rechtswegen att'ftirti wo» werden unsere Herren Antisemiten dazu sagen? Oesterreich'Ungarn. Au» Ungar», 13. Mai. (Or.-Torr.) Wir haben rim Zeit» in der wir Geschichte leben. Dasollten die vielen Bereine für Jüdisch? Geschichte und Literatur sich merken und über den Ruhm der Vergangenheit die Wirksamkeit für die Gegenwart nicht vergessen. ES gehören nicht nur Borträge, sondern auch Bücher in solche Vereine. Berihold Auerbach beklagte sich 'einmal sehr darüber, daß . zu wenig jüdische Bücher und Bibliotheken von den Famitien Israels angeschafft. werden. E» war in dieser Richtung.früher viel besser. Bor mir liegt eine Bibel-AuSgabe (Wien 1835, 8 Bände) mit einer Pränumerationsliste, welche die Ge- Meinde Ungarisch-Br.od (Mähren)- in ein. gute- Licht stellt. 'Bon dort finden sich Namen wie Singer, Echindler-und der des BaterS deS jel. vr. Ad. Jelltnek, deS I. L. Jcllinek. — Ebenso besitze ich eine alte Talmudausgabe (Wien!833, 1? Bänhr), welche gleichfalls eine Pränumerattonsliste ausweist in der hie Ortschaft Puchow tühmlich vertreten ist,au» welcher der sel. RabbinerBarach aus BäcS-Tapojya stammte: der mit Leopold Löw, s. 0״ verschwägert war. Aus der Vergleichung der beiden Listen ergiebt sich folgende« kulturhistorisches Moment, für d-r» östrrr, ung. Jud-mhum. Für Bibelstudium war vorzugsweise in Mähren, für Talmudforfchung überwiegend in Ungarn und Galizien Neigung vorhanden׳. Charakteristisch 'ist tf, daß Wien, also - der B-rlagsort. in der jüd. Bibliophilie nur sehr schwach verirrten ist. .. . — Das Berhältniß der -OrlSgemeinde zu den Vereins» Gemeinden in Wien und in allen Großstädten wäre dann ersprießlich, wenn, meiner Meinung nach, von einem gemein», samen Mittelpunkte der Administration ans die verschiedenen Organisationen des Cultus überwacht, geschützt und gestützt würden. Denn'territoriale, konfessionelle, uiü» humanitairr Tendenzen erheischen «eben der Einheit der Gemeinde die Freiheitder Entwickelung ihrer Abzweigungeri und- Richtungen. Die Grs ammt heit der Gemeinde'ober znuß at»Sschlaggebcnd sein.. Solche Genossenschaft»-Grm'einden, welch« im Verbände der Gesammt - Gemeinde treu und entschieden ausharrten,, haben für dir Gemeinden und. das.J»denth«m. nur Segen zrsifftet. ' '